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Eine Auseinandersetzung mit dem Thema Raum

Seminararbeit 2005 11 Seiten

Soziologie - Sonstiges

Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Unterschiedliche Ausprägungen von Raum
2.1. Der absolute (euklidische) Raum
2.2. Der relative (relationale) Raum
2.3. Der Zeit-Raum
2.4. Der Kommunikationsraum
2.5. Der virtuelle Raum

3. Die Rolle des Menschen als Teil des Raumes
3.1. Der Begriff des „Habitus“
3.2. Der Begriff des „sozialen Raumes“
3.3. Der Begriff des „sozialen Feldes“
3.4. Die bourdieu’sche Raumtheorie

4. Die Entstehung von Raum
4.1. Die Bausteine des Raumes
4.2. Wie Raum entsteht

5. Persönliche Stellungnahme

6. Literatur

1. Einleitung

Die Entscheidung für unsere Semesterarbeit ein Thema zu wählen, das sich mit „Raum“ auseinandersetzt war angesichts der Tatsache, dass wir Landschaftsplanung und Landschaftsarchitektur studieren, eine einfache und nahe liegende.

Nach einigen Diskussionen über „Raum“ stellte sich rasch heraus, dass jeder von uns seine eigene, im Laufe seines Lebens angeeignete Vorstellung davon hatte was Raum denn nun eigentlich sei. Anfangs diskutierten wir über Räume in der Form, in der sie uns am „augenscheinlichsten“, täglich bewusst werden, nämlich klar definierte, abgegrenzte Räume wie Hörsäle, Cafés, Restaurants, Parks, Spielplätze, usw.

Es wurde uns jedoch rasch klar, dass es sehr viel mehr „Arten“ von Räumen gibt die sich nicht, über offenbar statische Strukturen wie Wände und Zäune definieren lassen. Diese sind zum Beispiel Zeiträume, Gedankenräume, Atmosphärenräume, virtuelle Räume, Kommunikationsräume und viele mehr.

Unser Interesse bestand nun darin herauszufinden was „Raum“ eigentlich ist, wie uns Raum begegnen kann, welche Rolle der Mensch im Raum spielt und wie Raum entsteht bzw. wie er geschaffen wird.

2. Unterschiedliche Ausprägungen von Raum

2.1. Der absolute (euklidische) Raum

Martina Löw versteht unter dem Begriff des absoluten (euklidischen) Raumes eine Definition von Raum über Länge, Breite und Höhe nach den geometrischen Prinzipien Euklids[1].

Erwachsene, von der westlichen Kultur geprägte Menschen denken Raum meist euklidisch. Diese euklidische Raumvorstellung wird dem Menschen ab dem Beginn seiner Ausbildung vermittelt. Der junge Mensch wird gelehrt Raum in 3 Dimensionen, mit „Boden Wand und Decke“ zu denken und ihn mit eindeutigen absoluten Maßangaben zu beschreiben.[2]

2.2. Der relative (relationale) Raum

Im Gegensatz zur euklidischen Raumvorstellung existieren im relativen Raum keine absoluten Maße. Die räumlichen Dimensionen werden permanent verzerrt. Diese Verzerrung der räumlichen Dimensionen hängen zu einem großen Teil vom empfinden des Individuums ab. Abhängig von der Art der Fortbewegung empfindet man zum Beispiel die gleiche, absolute Distanz unterschiedlich lang. Die gleiche Strecke mit der Straßenbahn kann bei 30°C und Überfüllung unendlich lang erscheinen und bei angenehmen 20°C und einem interessanten Gespräch „wie im Flug vergehen“.

Aus dieser kurzen Definition der Begriffe absoluter und relativer Raum kann geschlussfolgert werden, dass der westlich geprägte Mensch Raum (bewusst) absolut denkt ihn jedoch relativ „lebt bzw. erlebt“.

Das relative Raumempfinden wird durch die seit den 70er Jahren immer stärker und schneller zunehmende physische Mobilisierung, aber auch durch die Beschleunigung und Entmaterialisierung (Brief/e-Mail) der Kommunikation immer stärker ausgebildet. Diese Entwicklung hat zur Folge, dass es immer wichtiger wird sich exakt, euklidisch ausdrücken und mitteilen zu können um sich abseits der bekannten Orte orientieren oder sich an einem Ort treffen zu können. Würde man die Information zu einem Treffpunkt in relativer Form weitergeben würde der andere Mensch den Ort mit großer Wahrscheinlichkeit nicht finden.

Das Zunehmen und die Beschleunigung der Mobilität bedingt das Phänomen, dass der Mensch zwar weite Strecken zurück legt, jedoch nicht mehr Raum erfährt, da der Raum zwischen Ziel und Ausgangspunkt nicht oder bestenfalls nur in Form vorbeifliegender Landschaften existiert.

Als Modell dieses Phänomens könnte man zum Beispiel versuchen eine Landkarte von Wien zu zeichnen, die nicht auf euklidischen Kilometern basiert, sondern die lediglich die Orte und deren Räume beinhaltet die man regelmäßig aufsucht und daher auch tatsächlich kennt. Dadurch würde eine große weiße Fläche mit einigen bekannten „angeeigneten“ Orten bzw. Räumen entstehen. Die so entstandenen Räume die über Wege des öffentlichen Verkehrs oder des Individualverkehrs miteinander verbunden sind können dann entsprechend der Reisedauer relational angeordnet (zusammenschieben) werden. Man wird feststellen, dass es im Vergleich zur absoluten Karte zu extremen Verzerrungen kommt.

Martina Löw spricht in diesem Zusammenhang von der „verinselten Gesellschaft“. „Die räumliche Vergesellschaftung ändert sich nun dahin gehend, dass Kinder Raum nicht als etwas einheitliches sie Umgebendes kennen lernen, den sie mit zunehmendem Alter mehr und mehr entdecken, sondern dass Kinder einzelne Räume kennen die wie Inseln über die Stadt verteilt liegen, und die nur durch die eigene biographische Erfahrung einen Zusammenhang erfahren.“[3]

Ich persönlich denke, dass dieses Phänomen auch vor der erwachsenen Gesellschaft nicht halt macht sondern, dass diese, mit den Mitteln der euklidischen Geometrie gelernt hat damit umzugehen.

2.3. Der Zeit-Raum

Zeit ist die vierte Dimension von Raum. Wie die drei euklidischen Raumdimensionen Länge, Breite und Höhe wird auch die Zeit absolut gedacht und relativ gelebt, jedoch wird der Mensch durch den Rhythmus des Tagesganges, der Mondphasen und der Jahreszeiten immer wieder auf natürliche Weise „geeicht“. Trotz dieses natürlichen Rhythmus kommen nur die wenigsten westlich geprägten Menschen ohne Uhren aus.

Wesentlich ist jedoch die Tatsache, dass an einem Ort[4] zu unterschiedlichen Zeitpunkten verschiedene Räume, also Zeit-Räume existieren können. Diese Räume können in der Zeit zyklisch aber auch ohne Rhythmus existieren.

Man besuche die Mariahilferstraße an einem Samstag und am darauf folgenden Sonntag. Man wird feststellen, dass man den Ort zwar am selben Ausgang der U-Bahn betreten hat, sich jedoch in einem völlig anderen Raum befindet. Folglich konstituieren sich Räume also nicht nur über ihre euklidische Ausdehnung, denn die ist Samstag wie Sonntag ident.

Durch dieses Beispiel wird auch ersichtlich, dass Räume nicht an Orte gebunden sind, sie können sich bewegen/verändern. Martina Löw kritisiert, dass im absolutistischen Denkmodell zwar Bewegungen in Räumen, jedoch keine bewegten Räume existieren. Das heißt, sich verändernde Gebilde und konkurrierende Raumkonstruktionen an einem Ort, die gerade durch die zugrunde liegenden Aushandlungsprozesse immer fließend sind, werden systematisch ausgeschlossen.[5]

2.4. Der Kommunikationsraum

Unter Kommunikationsraum verstehen wir die Art Raum die entsteht sobald zwei Personen miteinander Kommunizieren. Sichtbar, aber vor allem fühlbar wird der Kommunikationsraum wenn sich zwei oder mehrere Personen gegenüber stehen. Am besten kann man solche Kommunikationsraumbildungen wahrnehmen wenn man versucht in einen Kommunikationsraum einzutreten in dem hierarchisch höher gestellte Personen kommunizieren.

Kommunikationsräume können nicht plausibel in den euklidischen Dimensionen beschrieben werden.

[...]


[1] griechischer Mathematiker um 300 v. Chr. Sein Handbuch ›Die Elemente‹ war über 2000 Jahre lang Grundlage für den Geometrieunterricht.

[2] vgl. Löw Martina 2001, 73 ff.

[3] Löw Martina 2001, 83

[4] Orte sind im Gegensatz zu Räumen geographisch absolut definiert

[5] Löw Martina 2001, 65

Details

Seiten
11
Jahr
2005
ISBN (eBook)
9783638437202
Dateigröße
524 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v46555
Institution / Hochschule
Universität für Bodenkultur Wien – Landschaft, Raum, Infrastruktur
Note
sehr gut
Schlagworte
Eine Auseinandersetzung Thema Raum Soziologie Raum- Landschaftsplanung

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