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Quantitative Analyse der Belastungen von Arbeitnehmern

Hausarbeit 2018 54 Seiten

Psychologie - Arbeit, Betrieb, Organisation und Wirtschaft

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Theoretische Grundlagen
2.1 Belastungen
2.2 Arbeits- und Gesundheitsschutzmaßnahmen bis hin zur betrieblichen Gesundheitsförderung

3 Empirische Analysen
3.1 Deskriptive Datenanalyse
3.1.1 Intervenierende Variablen: Alters- und Geschlechterverteilung
3.1.2 Unabhängige Variablen: Branchen- und Beschäftigungsvariablen
3.1.3 Abhängige Variablen: Belastungsindex, arbeitsbedingte gesundheitliche Beschwerden und allgemeiner Gesundheitszustand
3.2 Inferenzstatistische Untersuchungen
3.2.1 Einfluss der Voll- vs. Teilzeitbeschäftigung auf arbeitsbedingte gesundheitliche Beschwerden und dem allgemeinen Gesundheitszustand
3.2.2 Einfluss der Beschäftigung mit oder ohne Bürotätigkeit auf arbeitsbedingte gesundheitliche Beschwerden und dem allgemeinen Gesundheitszustand
3.2.3 Einfluss der Beschäftigung im öffentlichen Dienst vs. in der Privatwirtschaft auf arbeitsbedingten gesundheitlichen Beschwerden und dem allgemeinen Gesundheitszustand
3.2.4 Zwischenfazit
3.3 Varianzanalyse – Branchenunterschiede bei der Stärke der berichtenden psychischen Belastungen, physischen Belastung und bewegungsarmen Tätigkeiten
3.4 Interne Konsistenz nach Cronbachs Alpha
3.5 Explorative Faktorenanalyse

4 Diskussion und Fazit

Anhang

Literaturverzeichnis

1 Einleitung

„Die Arbeitswelt zu Anfang des 21. Jahrhunderts ist gekennzeichnet von rasanten ökonomischen, technischen und sozialen Veränderungsprozessen. Mit der Globalisierung und dem damit zusammenhängenden verstärkten Wettbewerbsdruck sowie der informationstechnischen Durchdringung aller Arbeits- und Produktionsprozesse verändern sich Arbeitsbedingungen und Lebensverhältnisse der Beschäftigten.“1 Damit einhergehend haben sich auch die Belastungen, welchen sich Arbeitnehmer ausgesetzt fühlen, verändert, verlagert und in Ihrer Intensität verstärkt bzw. verringert.

Es soll in dieser Arbeit zum einen untersucht werden, ob und im welchen Ausmaß die Gesundheitsbeeinträchtigung sich von den körperlichen zu den psychischen Belastungen in den verschiedenen Branchen verlagert hat. Zum anderen soll analysiert werden, welche beispielhaften Variablen auf die arbeitsbedingte Belastung und auf den allgemeinen Gesundheitszustand einen signifikanten Einfluss nehmen. Um daraufhin den aktuellen Arbeitsschutz und die gesundheitsfördernden Maßnahmen in den Unternehmen überprüfen und eventuelle Veränderungen vornehmen zu können. Und somit die Arbeitnehmer zeitgemäß vor den aktuell existierenden Belastungen zu schützen. Die Bedeutung dieser Untersuchung für die Arbeitgeber wird in Kapitel 2.2 verdeutlicht und der Blick aus Sicht der Unternehmen dargestellt.

Für die Umsetzung dieser Untersuchung wird der Datensatz einer Befragung im Rahmen der Dachevaluation der Gemeinsamen Deutschen Arbeitsschutzstrategie, welche im Zeitraum von Mai bis August 2011 durch Infratest durchgeführt wurde, herangezogen. Dieser Datensatz umfasst die Befragung von 5512 in Deutschland beschäftigte Probanden im Alter zwischen 14 und 79 Jahren.

Im ersten Teil dieser Arbeit, in Abschnitt zwei, wird die Verfasserin einen kurzen Überblick über die Formen der Belastungen von Arbeitnehmern (Kapitel 2.1) und mögliche Maßnahmen diesen Belastungen vorzubeugen bzw. positiv darauf zu reagieren (Kapitel 2.2), geben.

Im Abschnitt 3 findet sich der empirische Teil dieser Arbeit. Dabei erfolgt in Kapitel 3.1 eine Grundauswertung der vorliegenden Daten. Diese beinhaltet die Untersuchung und Erläuterung der intervenierenden, unabhängigen und abhängigen Variablen, welche eine fundamentale Voraussetzung der nachfolgenden Analysen bilden. In Kapitel 3.2 werden verschiedene inferenzstatistische Untersuchungen durchgeführt. Innerhalb dieser Untersuchungen soll überprüft werden, ob die Fragebogenergebnisse der Stichprobe eine Aussage für die Grundgesamtheit erlauben. Weiterhin überprüft Punkt 3.3 mittels Varianzanalysen, ob sich die Stärke der berichtenden Belastungen für die verschiedenen Branchen unterscheiden und ob diese Unterschiede wiederrum signifikant sind. Während im Kapitel 3.4 die Fragen zu den Arbeitsbelastungen auf deren interne Konsistenz überprüft werden, erfolgt in Punkt 3.5, mit einer explorativen Faktorenanalyse, der Abschluss der empirischen Untersuchung.

In Abschnitt 4 wird die vorliegende Arbeit diskutiert und anhand eines Fazits abgerundet.

2 Theoretische Grundlagen

In diesem Abschnitt wird anfangs ein Überblick über die Formen der Belastungen, welchen Arbeitnehmer unterliegen können, gegeben. Anschließend wird auf mögliche Maßnahme seitens der Unternehmen im Hinblick des Oberbegriffs „Arbeitsschutz“ eingegangen und auch die aktuelle Bedeutung hervorgehoben.

2.1 Belastungen

„Belastungen sind objektive Faktoren und Größen (z.B. Lärm, Zeitdruck, oder Störungen des Arbeitsablaufs), die von außen auf den Menschen einwirken und Auswirkungen im Menschen und auf den Menschen haben. (...) Psychische Belastungen beziehen sich auf die Gesamtheit der erfassbaren Einflüsse, die von außen auf den Menschen zukommen und auf ihn psychisch einwirken.“2

Grob ist die Einteilung der Belastungen am Arbeitsplatz in zwei Gruppen möglich, erstens die physischen und zweitens die psychischen Belastungen. Physische Belastungen sind eine Teil jedes Menschenlebens und für die Aufrechterhaltung der Gesundheit notwendig. Jedoch ist die individuelle Belastbarkeit jedes Menschen der Ausgangspunkt zur Gestaltung der Arbeitsbelastung mit dem Ziel ein optimales Verhältnis zu schaffen. Um dies konkret einschätzen zu können, sollte es für jeden Arbeitsplatz eine genaue Gefährdungsabschätzung aller möglichen auftretenden Tätigkeiten geben. Unter diese Tätigkeiten fallen:

1. Manuelle Lastenhandhabung über eine langanhaltende Dauer, ständiges Wiederholen oder in ungünstiger Körperhaltung
2. Arbeit in erzwungenen Körperhaltungen mit einseitiger Belastung bestimmter Muskelgruppen
3. Arbeit mit erhöhter Kraftanstrengung und/oder Krafteinwirkung
4. Repetitive Tätigkeiten mit hohen Handhabungsfrequenzen

Die subjektive Empfindung des Schweregrades einer Belastung ist stark unterschiedlich und ist abhängig von der Konstitution, der allgemeinen Gesundheit, dem Alter, dem Geschlecht, der Trainiertheit und der Arbeitstechnik.

Neben den soeben genannten Fehlbelastungen können auch Gefahren durch äußerliche Beeinträchtigungen entstehen und die körperliche Unversehrtheit der Arbeitnehmer beeinträchtigen bzw. gefährden.

Dazu zählen unter anderen:

1. Mechanische Gefährdungen
2. Elektrische Gefährdungen
3. Gefahrstoffe
4. Biologische Arbeitsstoffe
5. Brand- und Explosionsgefährdungen
6. Thermische Gefährdungen
7. Lärm
8. Vibrationen
9. Strahlung
10. Elektromagnetische Felder
11. Über- und Unterdruck

Welche präventiven Maßnahmen zur Vermeidung dieser Gefahren derzeit bestehen und in Unternehmen Ihre Anwendung finden, wird im nächsten Kapitel erläutert.3

Eine weithin geteilte Beobachtung ist, dass die psychischen Belastungsfaktoren in der Arbeitswelt zunehmen. Gründe hierfür liegen beispielsweise in der Veränderung der Arbeitsinhalte und Arbeitstätigkeiten, wobei die emotionalen, kognitiven und sozialen Belastungen einen höheren Fokus erhalten haben und vermehrt im Mittelpunkt der Betrachtung stehen. Oder aber auch in der Globalisierung und der Folge, dass verstärkter Wettbewerb zwischen den Unternehmen herrscht und es dadurch vermehrt zu psychischen Belastungen bei den Arbeitnehmern kommt. Diese Entwicklung ist auch in der Abbildung 1 zu sehen. Diese zeigt, dass sich die Diagnosen für Renten wegen verminderter Erwerbstätigkeit von einer vermehrten physischen Ursache in den 90er Jahren hinzu einer sehr starken Konzentration auf psychische Störungen seit 2010 entwickelt hat.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Renten wegen verminderter Erwerbsfähigkeit nach ausgewählten Diagnosegruppen 1996–20144

Psychische Belastungen sind wiederrum in drei Bereiche zu gruppieren. Erstens die apersonalen Belastungsfaktoren, wozu das Sick-Building-Syndrom, die Beeinträchtigung durch das Klima, die Beleuchtung und den Lärm zählen. Zweitens die interpersonalen Belastungsfaktoren, zu denen Konflikte, Mobbing und sexuelle Belästigung zählt. Die dritte Gruppe beinhaltet die personalen Belastungen wie Burnout sowohl als Ursache als auch als Folge von Belastungen, die Arbeitssucht und Work-life-Balance und intensive emotionale Belastungen am Arbeitsplatz. Zu der letzten Gruppe zählen unter anderen die Belastung durch kritische Lebensereignisse, Belastung durch Ängste oder emotionale Arbeit als spezielle emotionale Belastung.

Die Gemeinsamkeit aller Arten psychischer Belastungen ist, dass sie in abträglicher Form die Leistungsfähigkeit, die Motivation, die Gesundheit und das Wohlbefinden der arbeitenden Person beeinträchtigen können.5

2.2 Arbeits- und Gesundheitsschutzmaßnahmen bis hin zur betrieblichen Gesundheitsförderung

Die traditionellen Arbeits- und Gesundheitsschutzmaßnahmen lassen sich neben dem betrieblichen Eingliederungsmanagement sowie der Personal- und Organisationspolitik in das übergeordnete Konzept der betrieblichen Gesundheitsförderung eingliedern. Dieses wiederrum ist der Kernbereich des betrieblichen Gesundheitsmanagements. Ziel der darunter fallenden Maßnahmen ist die Reduzierung von gesundheitlichen Belastungen und die Vergrößerung von gesundheitlichen Ressourcen im Unternehmen.6 Gemäß dem Arbeitsschutzgesetz ist der Arbeitgeber verpflichtet, Gefährdungsbeurteilungen durchzuführen und diese seit 2013 nicht nur auf physischer sondern auch auf psychischer Ebene. Die aus der Gefährdungsbeurteilung resultierenden Probleme sollen dann entweder beseitigt werden oder, wenn dies nicht möglich ist, so vermindert werden, dass der Mitarbeiter diese ohne gesundheitliche Schäden bewältigen kann. Ein dritter Kernaspekt des Arbeitsschutzes beinhaltet die Wiedereingliederung von längerfristig erkrankten Mitarbeitern durch Maßnahmen, die einen Rückfall möglichst verhindern.7

Sollen mögliche konkrete Maßnahmen betitelt werden, können diese in zwei Gruppen unterteilt werden. Erstens die Maßnahmen zur Verhältnisprävention, welche eine Veränderung der Verhältnisse beinhalten und sich auf die Arbeitssysteme und die Personengruppen beziehen. Und zweitens die Verhaltensprävention oder auch Individualprävention genannt, welche auf eine individuelle Verhaltensänderung bei den einzelnen Personen abzielen. Beispielhaft fallen unter die erste Gruppierung Maßnahmen zum Belastungsabbau, regelmäßige Pausen, Gestaltung des Arbeitsplatzes, Erhöhung des Handlungs- und Kontrollspielraumes und die Verbesserung des Kooperationsklimas. Zu den Individualpräventionen kann der Einsatz von Stressmanagement und von Entspannungsübungen zählen und das Absolvieren von weiterbildenden Schulungen, Qualifizierungen und Trainings. Die detaillierten Maßnahmen dahinter sind stark von den Parametern (Branche, Größenordnung, Mitarbeiteranzahl, körperliche vs. psychische Tätigkeiten etc.) des Unternehmens abhängig und sollten im Zuge des betrieblichen Gesundheitsmanagements aufgrund der vorerst durchgeführten Gefährdungsbeurteilungsanalysen definiert werden.8 Die personenbezogenen Effekte sind für beide Gruppierungen eine gesteigerte Gesundheit und Leistungsfähigkeit. Für die Verhältnisprävention kommen zusätzlich noch als Effekte die erhöhte Selbstwirksamkeit, interne Kontrolle, Erhöhung des Handlungsspielraums und der Motivation und ein positives Selbstwertgefühls hinzu. Die wirtschaftlichen Effekte demgegenüber sind zum einen die Reduzierung der krankheitsbedingten Fehlzeiten, die Verbesserung der Produktion, Qualität, Flexibilität und der Innovationsfähigkeit und eine geringere Fluktuation der Mitarbeiter.9

Der betrieblichen Gesundheitsförderung wird aus Sicht der Unternehmen aufgrund der vorgenannten positiven wirtschaftlichen Effekten eine hohe Bedeutung zugesprochen. Zudem wird im Zuge des Wandels in der Arbeitswelt, der vielzitierte Fachkräftemangel und das Phänomen der alternden Belegschaft bei sinkender Geburtenrate, die Arbeitgeberattraktivität in Bezug auf das Personalmarketing zur Rekrutierung neuer Mitarbeiter immer wichtiger. „Generell lässt sich der Fokus auf die Mitarbeitergesundheit in Unternehmen und die Entstehung des betrieblichen Gesundheitsmanagements, auf den erweiterten Arbeits- und Gesundheitsschutz, den Bedeutungszuwachs von Suchtprävention und Gesundheitsförderung in Unternehmen und die Entwicklung neuere Managementstrategien, wie das Human-Resource- und Qualitätsmanagements, zurückführen.“10

Jedoch ist der Einsatz von systematisch betriebenen Gesundheitsförderprogrammen aktuell nur in rund 25% aller deutschen Firmen zu verzeichnen. Die Mehrzahl der Betriebe setzen nur punktuelle Einzelmaßnahmen an.11

3 Empirische Analysen

Der empirische Teil dieser Arbeit ist aufgeteilt in fünf Themenbereiche. Während in den Kapiteln 3.1 die Grundauswertung des Datensatzes im Hinblick auf die verschiedenen Variablen erfolgt, werden in Abschnitt 3.2 inferenzstatistische Untersuchungen durchgeführt. Darauf folgend zeigt das Kapitel 3.3 eine Varianzanalyse für die verschiedenen Branchen des Datensatzes. Der vierte Themenblock wird im Abschnitt 3.4 beleuchtet und beinhaltet eine Berechnung der internen Konsistenz des Fragebogens. Abgeschlossen wird die empirische Untersuchung mit einer explorativen Faktorenanalyse im Punkt 3.5.

3.1 Deskriptive Datenanalyse

Für einen ersten Überblick und die vorgenommene Einteilung der behandelnden Variablen in Kapitel 3.1 soll die nachstehende Tabelle dienen. Diese Aufstellung wird auch als erweitertes methodologisches Grundschema bezeichnet.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabelle 1: Überblick über die intervenierenden, unabhängigen und abhängigen Variablen im Hinblick auf die nachfolgenden Untersuchungen12

Die Untersuchung prüft im ersten Schritt die intervenierenden Variablen, welche einen Effekt auf die abhängigen Variablen haben, jedoch nur schlecht beeinflusst werden können. Hierunter fällt die Alters- und die Geschlechterverteilung.

Anschließend werden die unabhängigen Variablen ausgewertet, welche einen direkten Einflussfaktor auf die abhängigen Variablen darstellen. Hierzu zählen die Branchen- und Beschäftigungsverteilung.

Im letzten Schritt werden die abhängigen Variablen betrachtet, welche durch die intervenierenden und unabhängigen Variablen beeinflusst werden sollen. Hierunter fällt zum einen der Index der verschiedenen Belastungen und zum anderen die arbeitsbedingten gesundheitlichen Beschwerden und der allgemeine Gesundheitszustand.13

3.1.1 Intervenierende Variablen: Alters- und Geschlechterverteilung

An der Erhebung nahmen insgesamt 5.496 Personen teil, davon haben 5.481 Personen ihr Alter angegeben. Im Durchschnitt waren die Probanden 44 Jahre (MW= 44,17) alt. Die Analyse ergab eine Standardabweichung von rund 11 Jahren (SD = 10,95). Dies bedeutet konkret, dass die Mehrzahl der Personen sich im Alter von 33 bis 55 Jahren zum Zeitpunkt der Durchführung der Studie befanden. Der jüngste Teilnehmer war 14 und der älteste 79 Jahre alt.14

Die nachfolgende Abbildung veranschaulicht die Verteilung der Geschlechter der teilnehmenden Personen. Es ist zu erkennen, dass ähnlich viele Männer als auch Frauen an dieser Studie teilgenommen haben. Weibliche Teilnehmende machen 55,7% (3.062 Personen) und männliche Teilnehmende 44,3% (2.434 Personen) aus.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2: Geschlechterverteilung15

3.1.2 Unabhängige Variablen: Branchen- und Beschäftigungsvariablen

Abbildung 3 veranschaulicht die Verteilung der Probanden auf die Branchen Ihrer beruflichen Tätigkeit. Dabei stellt der Bereich „Verwaltung und Bildung/Erziehung“ den größten Anteil mit 21,7% (n=1.134) dar. Zusammen mit der Branche „Produktions-, Investitions- und Gebrauchsgüter“ mit einem Anteil von 16,0% (n=834) und der Branche „Gesundheits- und Sozialwesen“ mit einem Anteil von 15,1% (n=790) dominieren diese benannten Beschäftigungsbereiche über 50% aller befragten Personen. Die unterrepräsentierten Branchen in dieser Erhebung sind mit einem Anteil von nur 3,3% (n=172) die „Landwirtschaft und Nahrungsmittelerzeugung“ und mit einem Anteil von 4,0% (n=208) der Bereich „Verkehr und Lagerei“. Aufgrund der nicht eindeutigen Zuordnung der Tätigkeit zu einer der vorgegebenen Branchen, ergaben sich 274 Stimmen, welche als fehlende Werte keine Berücksichtigung gefunden haben.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 3: Verteilung nach Branchen16

Die deskriptive Analyse der Beschäftigungsvariablen betrachtet erstens den aktuellen Beschäftigungsstatus, zweitens die Beschäftigung mit einer Bürotätigkeit vs. mit keiner Bürotätigkeit und drittens die Verteilung der Beschäftigten mit einer Tätigkeit im öffentlichen Dienst vs. in privatwirtschaftlichen Organisationen.

Die Abbildung 4 veranschaulicht die Verteilung der Probanden in den aktuellen Beschäftigungsstatus von „voll erwerbstätig“ über „in Teilzeit beschäftigt“ bis zu „Mini-Jobber bzw. auf 400-Euro-Basis beschäftigt“. Es ist deutlich zu erkennen, dass die Mehrzahl (n=4.062 mit 73,9%) der Personen sich zum Zeitpunkt der Erhebung in einer vollen Erwerbstätigkeit befunden haben. Die Befragten, welche einer Teilzeittätigkeit nachgegangen sind, sind mit 1.257 Personen zu beziffern und machen einen Anteil von 22,9% aus.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 4: Verteilung nach Beschäftigungsstatus17

Die nachfolgende Abbildung macht die Verteilung der Probanden nach dem jeweiligen Grad ihrer Bürotätigkeit deutlich. Es wird ersichtlich, dass ähnlich viele Befragte einer Bürotätigkeit (44,6% mit n=2.451) als auch einer Tätigkeit außerhalb eines Büros (47,0% mit n=2.583) nachgegangen sind. Lediglich 462 Personen (8,4%) gaben an, dass sie eine berufliche Position inne haben, bei dieser sie sowohl im Büro Arbeiten verrichten als auch außerhalb diesem tätig sind.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 5: Verteilung nach Bürotätigkeit18

Abbildung 6 stellt die Verteilung der Befragten in Bezug auf die Fragestellung dar, ob die jeweilige berufliche Tätigkeit dem öffentlichen Dienst zugeordnet werden kann oder einer privatwirtschaftlichen Organisation. Deutlich wird, dass die Mehrzahl (n=3.817) der Probanden in einem privatwirtschaftlichen Unternehmen tätig sind. Bei dieser Auswertung wurden Angaben aus der Erhebung mit „Weiß nicht“ und „keine Angabe“ als fehlende Werte festgesetzt. Daraus resultiert ein Ausschluss von 57 Stimmen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 6: Verteilung nach öffentlicher Dienst vs. Privatwirtschaftliche Organisation19

3.1.3 Abhängige Variablen: Belastungsindex, arbeitsbedingte gesundheitliche Beschwerden und allgemeiner Gesundheitszustand

Die erste zu betrachtende abhängige Variable/Variablengruppe gibt uns Informationen über den Index der psychischen Belastung/Gefährdung, über den Index der physischen Belastung/Gefährdung und über den Index der Belastung/Gefährdung durch bewegungsarme Tätigkeiten. Der Wert dieser Indices kann zwischen 0 und 3 liegen, wobei 0 keinerlei Belastung und 3 eine extrem hohe Gefährdung verdeutlichen soll. In die Berechnung dieser Indexwerte sind verschiedene Einzelaspekte eingeflossen, welche in der angegeben Quelle näher nachgelesen werden können.20

Aus der nachfolgenden Tabelle ist zu erkennen, dass die psychische Belastung mit einem Mittelwert von 1,4886 als größte Herausforderung im Durchschnitt zu sehen ist. Die Standardabweichung beträgt dazu 0,8340. Der Index mit dem geringsten und somit dem niedrigsten Grad der Belastung, ist die physische Gefährdung mit einem Mittelwert von 0,8305. Die Standardabweichung hierzu beträgt 0,78938. Hier ist anzumerken, dass die durchschnittliche Streuung um den Mittelwert von dem Index der physischen Belastung im Verhältnis zum Index der psychischen Belastung viel größer ist. Ein ähnliches Streuungsverhältnis weist der Index der bewegungsarmen Tätigkeiten auf.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabelle 2: Indices der Belastung

Die Abbildung 7 veranschaulicht die Ausprägung von arbeitsbedingten gesundheitlichen Beschwerden mit einer Intensität von „Nie“ bis „Häufig“. Die Angaben „Nicht sicher ob Arbeitsbedingt“ und „Weiß nicht“ wurden bei dieser Auswertung als fehlende Werte identifiziert und schließen damit 45 Probanden aus. Es lässt sich erkennen, dass über 60% der Befragten „Nie“ bis „Selten“ arbeitsbedingte gesundheitliche Beschwerden zu verzeichnen haben. Lediglich 10,3% der Personen haben häufig Beschwerden aufgrund ihrer beruflichen Tätigkeit.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 7: Häufigkeit von arbeitsbedingten gesundheitlichen Beschwerden21

Die letzte zu betrachtende abhängige Variable in diesem Kapitel ist der allgemeine Gesundheitszustand. Für diese Analyse konnten 5.483 Daten als gültige Werte identifiziert werden. Die nachfolgende Abbildung zeigt, dass rund 70% der Befragten angaben, sich aktuell in einem „guten“ bis „sehr guten“ allgemeinen Gesundheitszustand zu befinden (n=3.811). Demgegenüber sind nicht mehr als 2% mit einem „schlechten“ gesundheitlichen Allgemeinzustand zu identifizieren. Es ist zu erkennen, dass ein Zusammenhang zwischen den arbeitsbedingten gesundheitlichen Beschwerden und dem allgemeinen Gesundheitszustand besteht. Andernfalls hätte die Validität dieser Erhebung in Frage gestellt werden müssen, da die arbeitsbedingten gesundheitlichen Beschwerden aus Abbildung 7 sich in den Angaben der Werte des allgemeinen Gesundheitszustandes aus Abbildung 8 zu einem gewissen Grad wiederspiegeln sollten. Was in dieser Analyse der Fall ist.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 8: Verteilung des allgemeinen Gesundheitszustandes22

3.2 Inferenzstatistische Untersuchungen

Nachdem im vorherigen Kapitel dieser Arbeit ein Überblick über die Branchenverteilung, die Beschäftigungsverteilung der Probanden im Hinblick auf verschiedene Variablen und den Grad der Belastungen im Allgemeinen und mit Bezug auf arbeitsbedingte Anstrengungen gegeben wurde, sollen in Kapitel 3.2 im Folgenden inferenzstatistische Analysen durchgeführt werden. In den Unterpunkten dieses Kapitels wird jeweils der Einfluss der verschiedenen Beschäftigungsvariablen auf die arbeitsbedingten gesundheitlichen Beschwerden und auf den allgemeinen Gesundheitszustand geprüft. Während im Abschnitt 3.2.1 die Beschäftigungsvariable Voll- vs. Teilzeit herangezogen wird, befasst sich Kapitel 3.2.2 mit dem Einfluss einer Bürotätigkeit vs. keiner Bürotätigkeit auf die bereits genannten abhängigen Variablen. Abschnitt 3.2.3 prüft abschließend noch den Einfluss durch Tätigkeiten im öffentlichen Dienst vs. Tätigkeiten in der Privatwirtschaft.

[...]


1 Junghans, G./Morschhäuser, M.: 2013, S. 9.

2 Vgl. Nerdinger, F./Blickle, G./Schaper, N.: 2014, S. 518f.

3 Vgl. Hahnzog, S.: 2014, S. 189 fff.

4 Vgl. Bandura, B.: 2017, S. 25f.

5 Vgl. Poppelreuter, S./Mierke, K.: 2008, S.13 ff.

6 Vgl. Petzi, M./Kattwinkel, S.: 2016, S.10f.

7 Vgl. Hillert, A.: 03/2017, S. 53.

8 Vgl. Poppelreuter, S./Mierke, K.: 2008, S.165

9 Vgl. Nerdinger, F./Blickle, G./Schaper, N.: 2014, S. 533

10 Buchenau, P.: 2018, S. 158.

11 Vgl. Hahnzog, S.: 2014, S. 44.

12 Eigene Darstellung in Anlehnung an Laucken, U./Schick, A./Högem H.: 1996, S. 29ff.

13 Vgl. Laucken, U./Schick, A./Högem H.: 1996, S. 29ff.

14 Tabellarische Darstellung der Daten im Anhang 1

15 Tabellarische Darstellung der Daten im Anhang 2

16 Tabellarische Darstellung der Daten im Anhang 3

17 Tabellarische Darstellung der Daten im Anhang 4

18 Tabellarische Darstellung der Daten im Anhang 5

19 Tabellarische Darstellung der Daten im Anhang 6

20 Vgl. Herausgeber: Nationale Arbeitsschutzkonferenz: 2013, S. 64f.

21 Tabellarische Darstellung der Daten im Anhang 7

22 Tabellarische Darstellung der Daten im Anhang 8

Details

Seiten
54
Jahr
2018
ISBN (eBook)
9783668929623
ISBN (Buch)
9783668929630
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v465719
Institution / Hochschule
SRH Hochschule Riedlingen
Note
1,0
Schlagworte
quantitative analyse belastungen arbeitnehmern

Autor

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Titel: Quantitative Analyse der Belastungen von Arbeitnehmern