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Grundlagen, Prinzipien und Ansätze des Schriftspracherwerbs

Hausarbeit 2019 26 Seiten

Deutsch - Pädagogik, Didaktik, Sprachwissenschaft

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

I. Einleitung

II. Schriftsystematische Grundlagen
a. Das phonographische Prinzip
b. Das silbische Prinzip
c. Das morphologische Prinzip
d. Das syntaktisch lexikalische Prinzip

III. Ansätze von Leseund Schreiblehrmethoden
a. Die silbenanalytische Methode
b. Die synthetische analytische Methode
c. Der Spracherfahrungsansatz
d. Lesen durch Schreiben

IV. Überlegungen zum eigenen Lehrkonzept

V. Literaturverzeichnis

VI. Bildquellenverzeichnis

VII. Anhang

I. Einleitung

Der Begriff „Schriftspracherwerb“ entwickelte sich zunächst aus der Psychologie und der Erziehungswissenschaft und bezeichnet den Entwicklungsprozess von Literalität und schriftsprachlicher Handlungskompetenz. Hierbei handelt es sich allerdings nicht nur um den technischen Teilaspekt des Ausführens der Tätigkeiten Lesen und Schreiben, sondern auch um die sozialen und ästhetischen Aspekte dieser Kulturtechniken (vgl. Weinhold 2005, S.2).

Der Psychologe Egon Weigl nutzte den Begriff des Schriftspracherwerbs erstmals 1976 in Verbindung mit dem Begriff der Kulturtechniken und definierte so die Synthese der Lernaspekte von Lesen und Schreiben und entwickelte diese Definition weiter (vgl. Weigl 1976 in: Hofer 1976, S.82-98). Somit lässt sich der Schriftspracherwerb als ein umfassendes Modell bezeichnen, welches der „Denkentwicklung“ (vgl. Schründer-Lenzen 2009, S. 14) dient.

Inzwischen gelten neben des technischen Ausführens der zwei Kulturtechniken (Lesen und Schreiben) auch die „Inhalte, Bedeutung und Funktion des Geschriebenen […] als konstitutive Elemente für den Erwerb der Schriftsprache“ (Schründer-Lenzen 2009, S.14). Ein weiterer Punkt, der immer mehr in den Fokus des Geschehens rückt, ist der der kulturellen Bedeutung des Schriftspracherwerbs. Aus diesem Grund spricht Dehn (1998) in ihrer Forschung auch von einem „Zugang zur elementaren Schriftkultur“ (vgl. Weinhold 2005, S.2).

Die Grundschule hat den bedeutungsvollen Bildungsauftrag, allen Kindern das Lesen und Schreiben individuell und kindgerecht beizubringen. „Die Anbahnung und Entwicklung schriftsprachlicher Kompetenzen stellt eine wichtige Aufgabe im Anfangsunterricht der Grundschule dar“ (Hellmich 2010, S. 170), was nochmals verdeutlicht, wieso sich der Anfangsunterricht des Faches Deutsch in der Grundschule so fokussiert mit dem existentiellen Schriftspracherwerb befasst.

In der folgenden Hausarbeit werden zunächst systematische Grundlagen, die als Fundament des deutschen Schriftsystem verstanden werden, erläutert. Mithilfe dieser Prinzipien lässt sich erkennen, wie die deutsche Sprache in ihren Einzelheiten aufgebaut ist und nach welchen Strukturen sie analysiert werden kann. Das Wissen über diese Prinzipien erleichtert den Schülerinnen und Schülern den Erwerb der (Schrift-) Sprache und dient im Anfangsunterricht in Verbindung mit unterschiedlichen Methoden und methodischen Ansätzen, die im darauffolgenden Abschnitt erläutert werden, als didaktisch wertvoller Einstieg in den Schriftspracherwerb.

II. Schriftsystematische Grundlagen

Das deutsche Schriftsystem verfolgt mehrere grundlegende Prinzipien, mithilfe dieser jegliche Laute orthografisch korrekt verschriftlicht werden können. Die Reihenfolge, in der die Prinzipien der Wortschreibung angewandt bzw. im Deutschunterricht thematisiert werden, beruht auf der schrittweisen Erlernung der Rechtschreibregeln des deutschen Schriftsystems. Eisenberg (2009) ist der Meinung, dass die Schriftsystematik am leichtesten „von den kleinsten segmentalen Einheiten, den Phonemen und Graphemen […] [aus und weiter über die] größeren Einheiten wie Silben, Morphemen und schließlich ganzen Wörter und Sätzen […]“ ( Fay 2013 in: Gailberger et. al. 2013, S. 172-194) erschlossen werden kann. Daraus resultiert eine bestimmte Abfolge der schriftsystematischen Prinzipien die Eisenberg (vgl. Eisenberg 2009 in: Kunkel-Razum 2009, S. 61ff) wie folgt festgelegt hat:

1. Das phonographische Prinzip
2. Das silbische Prinzipien
3. Das morphologische Prinzipien
4. Das syntaktische und lexikalische Prinzipien

Da Schülerinnen und Schüler die Wortschreibungsprinzipien während des Schriftspracherwerbs integrativ aneignen, eignet sich die Reihenfolge dieser Prinzipien nicht einzig und allein für das Erstlesen und Erstschreiben, sondern vielmehr für ein allgemeines Modell des Schriftsystems (vgl. Eisenberg 2009 in: Kunkel-Razum 2009, S.61ff).

Der Grundstein des Schriftspracherwerbs liegt in der Phonologischen Bewusstheit, im weiteren sowie im engeren Sinne. Erst wenn die phonologische Bewusstheit sowie die Phonem – Graphem – Verbindung thematisiert und geschult wurde, können die Schülerinnen und Schüler die einzelnen Prinzipien erlernen. Die Phonologische Bewusstheit wird als die wohl wichtigste Voraussetzung für den erfolgreichen Einstieg in das Lesen und Schreiben angesehen. Explizit beschreibt die phonologische Bewusstheit „die Fähigkeit, ein lautliches Wort mit seiner Silbenund Betonungsstruktur in untergeordnete Einheiten im engeren Sinn Laute, im weiteren Sinn Silben bzw. Silbenkonstituenten – zu gliedern“ (Bredel et.al. 2011, S. 91). Wurden wiederum die unterschiedlichen Prinzipien der deutschen Schrift in den Ansätzen verinnerlicht, kommen die Schülerinnen und Schüler dem freien orthografisch korrekten Verschriften von Wörtern immer näher. Dieser Prozess benötigt eine lange und intensive Lernphase über mehrere Jahre hinweg, um all die verschiedenen Bauprinzipien deutscher Wörter intuitiv nutzen zu können (vgl. Weinhold 2011, S.5), sodass sich letztendlich eine konkrete Schreibkompetenz entwickelt. Deutsche Wörter „basieren maßgeblich auf der silbischen und morphematischen Gliederung […], die wiederum wiederkehrende orthographische Merkmale wie Dehnung („h“ und „ie“) oder Dopplung nach sich zieht“ (Weinhold 2005, S. 5).

In den folgenden Unterkapiteln werden die vier wichtigsten Prinzipien des deutschen Schriftsystems erläutert.

a. Das phonographische Prinzip

Die deutsche Schrift basiert auf einem strukturierten phonologischen System. Wörter bestehen auf ihrer lautlichen Ebene aus Phonemen, die die abstrakte Lauteinheiten darstellen und werden häufig auch als kleinstes bedeutungsdifferenzierendes Segment der Lautsprache bezeichnet (vgl. Bredel et.al, S. 230).

Um die gesprochene Sprache abbilden zu können, haben wir im deutschen Alphabet 30 Buchstaben zur Verfügung. Hierbei wird in der Fachliteratur auch von Graphemen statt Buchstaben gesprochen. Grapheme sind die „kleinste Einheit des Schriftsystems mit bedeutungsunterscheidender Funktion. Grapheme können aus einem oder mehreren Buchstaben bestehen (<m>, <ch>)“ (vgl. Bredel et.al, S. 226).

Allerdings produzieren wir beim Sprechen mehr Laute, als wir sie abbilden können, wodurch sich ein Ungleichgewicht zwischen der Anzahl des deutschen Alphabets und der produzierbaren Laute entwickelt. Auch wenn man dialektische und umgangssprachliche Veränderungen bzw. Varianten sowie krankheitsbedingte Sprachstörungen außenvor lässt, bleiben noch 44 bedeutungsunterscheidende Phoneme übrig, die von der deutschen Alphabetschrift dargestellt werden müssen (vgl. Kunkel-Razum et.al. 2009, S.19ff). Die Lautorientierung der Deutschen Schriftsprache wird als Phonem-Graphem-Korrespondenz (PGK) bezeichnet. Einige Buchstaben des Alphabets müssen mehrere Phoneme abbilden, was sich als graphematische Mehrdeutigkeit bezeichnen lässt, z.B. Phonem /a:/ = Grapheme <a> <ah> <aa>. Ein weiteres Beispiel liefert Weinhold (2005): „So steht zum Beispiel der Buchstabe <E,e> für drei verschiedene Laute [ɛ],[ǝ],[e] die sich je daraus ergeben, in welcher Silbe eines Wortes das <E,e> vorkommt und welche Laute (Konsonanten) ihm folgen“ (Weinhold 2005, S.6).

Andersherum besitzt nicht jeder Buchstabe in einem Wort einen konkreten Laut. Einige Buchstaben eines Wortes werden an sich nicht lautlich mitgesprochen, allerdings beinhalten sie bestimmte Leseanweisungen in Bezug auch die Dehnung und Schärfung von Vokalen.1 Außerdem wird zwischen Basisund Orthographemen unterschieden. Die statistisch häufiger vorkommenden Graphemformen in der deutschen Schreibung nennt man Basisgraphemen, wo hingegen die auftretenden Grapheme mit einer geringeren Häufigkeit, die zudem auf eine orthografische Besonderheit hindeuten, Orthographeme genannt werden2 (vgl. Schründer-Lenzen 2013, S. 21).

Eine weitere Besonderheit der deutschen Sprachen auf der phonologischen Ebene, ist die Darstellung gleicher Laute durch verschiedene Grapheme. So stehen beispielsweise <x> (Axt), <ks> (Keks), <cks> (Klecks), <chs> (Wachs), <gs> (unterwegs) alle für den Laut [ks]: (vgl. Kunkel-Razum 2009, S.67ff). So ist in den Wörtern <Vogel> und <Vase> der Anfangsbuchstabe in beiden Fällen ein <V> wird aber unterschiedlich ausgesprochen. Diese Tatsache bezeichnet man als Graphem – Phonem – Korrespondenz (GPK).

Die sämtlichen hier kurz erläuterten Eigenheiten der deutschen Alphabetschrift allein auf der phonographischen Ebene zeigen auf, wie schwierig das Lesen und Schreiben für Schülerinnen und Schüler im Anfangsunterricht sein kann. Lesen und Schreiben sind somit „anspruchsvolle[…] kognitive[…] und sprachliche[…] Tätigkeiten, die […] im Schriftspracherwerb erlern[t] [werden] müssen“ (Weinhold 2005, S.7).

b. Das silbische Prinzip

Viele Wortformen können mithilfe der Graphem-Phonem-Regeln aus dem phonographischen Prinzip richtig hergeleitet werden. Das bedeutet, dass sich die Phonemfolge identisch mit der Graphemfolge abbilden lässt (vgl. Kunkel-Razum et.al. 2009, S.71). Für andere Wortformen sind die Graphem-Phonem-Regeln nicht ausreichend, sodass weitere Regeln und Gesetzmäßigkeiten hinzugenommen werden müssen. Laut Kunkel-Razum et.al. (2009) gehört die Bezugnahme auf die silbische Informationen zu den wichtigsten Prinzipien der deutschen Rechtschreibung. Dies lässt sich darauf zurückführen, dass nicht alle „Laute, die in der Sprechsilbe eine bestimmte Rolle spielen, [sie] werden im Geschriebenen nicht so wiedergegeben, wie es der entsprechenden GPK-Regel entspricht, sondern ihre Schreibung unterliegt besonderen, eben silbenbezogenen Regeln“ (Kunkel-Razum et.al. 2009, S. 71).

Schülerinnen und Schüler im Anfangsunterricht kennen bereits verschiedene Silben als Einheiten der gesprochenen Sprache. Im Schriftspracherwerb entdecken die Schülerinnen und Schüler nun, wie diese Silben, mit denen sie bereits ihre phonologische Bewusstheit trainiert und ausgebaut haben, in der Schrift repräsentiert werden und wie diese in sich aufgebaut sind. Damit die Schülerinnen und Schüler den Silbenaufbau verstehen können, müssen einige Besonderheiten der gesprochenen und geschriebenen Sprache kennengelernt werden, damit sie während des Lernprozesses immer bewusster umgesetzt werden können (vgl. Weinhold 2005, S.6).

Um das silbische Prinzip erläutert zu können, muss zunächst einmal der Begriff „Silbe“ definiert werden. Nach Bredel et.al. (2011) ist eine Silbe „eine Einheit zwischen dem Phonem/dem Graphem und dem Wort. Als solche ist sie medienunabhängig, es ist also möglich, sowohl von einer Sprechsilbe als auch von einer Schreibsilbe zu sprechen“ (Bredel et.al. 2011, S.232). Im Deutschen gibt es drei Silbentypen: Normalsilben, Akzentsilben und Reduktionssilbe. In einigen Wörtern lassen sich alle drei Silbenarten wiederfinden. Beispiele dafür sind die Wörter <Ba.na.ne>, <Ka.len.der>, <ra.die.ren> und <Gi.ra.ffe>. Die erste Silbe der jeweiligen Wörter ist die Normalsilbe und kann jeden Vokal beinhalten. Die Akzentsilbe, auch prominente oder betonte Silbe genannt, ist in jedem Wort vorhanden, wird mit größeren Druck artikuliert als Normalsilben und ist dadurch besser wahrnehmbar als andere Silben. Der letzte Silbentyp, die Reduktionssilbe, wird häufig auch als Schattensilbe oder unbetonte Silbe bezeichnet und steht im Normalfall hinter der Akzentsilbe.

Das wichtigste einer Silbe ist der sogenannte „Kern“, in dem in Schreibsilben immer ein Vokal, in der Grundschule häufig auch „(Silben-)König“ oder „Kapitän“ genannt, vorhanden ist. In Sprechsilben kann der Kern als Vokal dargestellt werden. In Reduktionssilben der gesprochenen Sprache bildet häufig das stimmhafteste Element den Kern der Silbe (vgl. Bredel et.al. 2011, S.232). Die Schreibsilbe hat eine größere Formkonstanz als die Sprechsilbe, da das Geschriebene danach strebt, alle Silben gleich lang zu machen, wodurch sich eine konkrete Silbenstruktur entwickelt hat. Auf der schriftlichen Ebene beinhalten alle Reduktionssilben den Buchstaben <e> als Silbenvokal. Auf der lautsprachlichen Ebene wird dieser Vokal nur selten artikuliert, sondern lediglich die beiden Zentralvokale der Normalund der Akzentsilbe. Ein Beispiel hierfür sind die Zentralvokale [ǝ] und [ɐ] in den Wörtern [bananǝ] oder [kalƐndɐ]. „In Wörtern wie <Kugel> [kugl] und <laufen> [laufn] übernehmen die Konsonanten <l> und <n> die Funktion des Vokals in der Reduktionssilbe“ (Weinhold 2005, S.5f). Die meisten Wörter in der deutschen Sprache sind zweisilbig und bestehen aus einer Akzentund einer Reduktionssilbe (vgl. Weinhold 2005, S.5f). Ebenso wie bei den Silben gibt es auch bei den Vokalen bestimmte Unterscheidungen, die auf der schriftlichen Ebene bestimmte Leseanweisungen und Regeln aufzeigen. Es wird zwischen ungespannten und gespannten Vokalen unterschieden. Ungespannte Vokale sind kurze Vokale nach denen mindestens zwei Konsonanten stehen (z.B. Kind, Sonne, …). Gespannte Vokale hingegen sind lange Vokale, die in offenen Silben stehen (z.B. schieben, Rasen, Riese, …). Beispiele für diese bestimmten Leseanweisungen zur Dehnung und Schärfung sind <Bohne>, und <Ziegel>. Um gespannte und ungespannte Vokale zu erkennen, lässt sich in den meisten Wörtern das sogenannte „Dehnungs-h“. Dieses wird verschriftlicht, wenn dem Vokal die Konsonanten <l>, <m>, <n> oder <r> folgen (vgl. Bredel et.al. 2011, S.50).

Eine andere grammatische Kennzeichnung der deutschen Sprache in Bezug auf das silbische Prinzip ist das silbeninitiale-h, welches auf der Schriftebene eine Silbengrenze markiert. Hierbei wird das <h> nicht mit artikuliert und dient lediglich als Markierung der Silbengrenze und dient nicht zur Unterscheidung von gespannten und ungespannten Vokalen (vgl. Weinhold 2005, S.7). „Das silbeninitiale <h> wird gesetzt, wenn zwischen dem Vollvokal der betonten Silbe [auch Akzentsilbe genannt] und dem Reduktionsvokal der unbetonten Silbe [auch Reduktionssilbe genannt] kein Konsonant hörbar ist.“ (Bredel et.al. 2011, S.50). Wörter mit Diphthongen in der Vollsilbe sind hierbei Ausnahmen, da nach den Diphthongen <au> und <eu> nie ein silbeninitiales-h geschrieben wird (z.B Bauer statt Bauher*3, Feuer statt Feuher*). Nach dem Diphthonge <ei> wird das silbeninitiale-h nur in einigen Fällen geschrieben (mit <h>: Weiher, Reiher; ohne <h>: Eier, Feier) (vgl. Bredel et.al. 2011, S.50).

Die sogenannte I-Schreibung ist ebenfalls eine Kennzeichnung innerhalb des silbischen Prinzips. Betonte Silben, die einen langen gespannten i-Laut beinhalten, werden mit dem Graphem <ie> verschriftlicht. Dies geschieht allerdings nur, wenn der i-Laut nicht am Anfang des Wortes steht. Daraus resultiert, dass es im Deutschen kein Wort mit <ie> am Anfang gibt. Bei Pronomen, die am Anfang eine betonte Silbe mit einem gespannten i-Laut besitzen, wird dieser mit dem Graphem <ih> verschriftlicht. Diese Wörter sind klassische Lernwörter und müssen sich von den Schülerinnen und Schülern eingeprägt werden. Andere Wörter wie beispielsweise „wider“, „Lid“ oder „Biber“ sind ebenfalls Lernwörter und müssen gelernt werden (vgl. Bredel et.at. 2011, S. 50).

Die Schreibung von Doppelkonsonanten ist eine Kennzeichnung, die Silbengelenke aufzeigt und gleichzeitig die Intonation der einzelnen Wörter verdeutlicht. Die Ungespanntheit des Hauptsilbenvokals wird durch eine sogenannte Konsonantenverdopplung markiert, wenn zwischen den ungespannten, kurzen Vokal einer betonten Silbe und dem Vokal einer unbetonten Silbe genau ein Konsonant hörbar ist. Dieser Konsonant wird dann verdoppelt, wie beispielsweise im Wort „Sonne“ (kurzer Vokal, aber nur ein Konsonant hörbar) (vgl. Bredel et.al. 2011, S. 50). Allerdings gilt diese Regelung der Verdopplung nicht für alle Konsonanten. So wird beispielsweise der Konsonant <k> nicht zu <kk> verdoppelt, sondern wird als <ck> verschriftlicht. Ein weiterer Konsonant, der nicht direkt verdoppelt wird, ist der Konsonant <z>. Dieser wird als <tz> verschriftlicht. Wird ein Konsonant durch mehrere Grapheme dargestellt (<sch>, <ng>, <ch>), so erhält dieser auch keine Verdopplung (vgl. Bredel et.al. 2011, S. 50).

c. Das morphologische Prinzip

Neben dem phonographischen und dem silbischen Prinzip ist das morphologische Prinzip eines der wichtigsten der deutschen Sprache. Dieses Prinzip regelt die Gleichschreibung stammverwandter Wörter. Hierbei sind Morpheme als „kleinste bedeutungstragende Einheit“ (Bredel et.al. 2011, S.229) von Bedeutung, um die Regeln des morphologischen Prinzips umsetzen zu können. Wichtig zu erwähnen ist hierbei, dass die vorangegangen Prinzipien und ihre Regeln weiterhin bestehen. Es kommen lediglich die morphologischen Regularitäten hinzu, die sowohl betonte und unbetonte Silben betreffen (vgl. Bredel et.al. 2011, S.51).

Viele Wortformen enthalten genau ein Morphem (z.B. <und>, <sie>, <schnell>, usw). Die meisten Wörter in der deutschen Sprache besitzen allerdings zwei oder mehrere Morpheme (z.B. <da-bei>, <schnell-er-es> oder <hand-lich>) (vgl. Kunkel-Razum et.al. 2009, S. 78). Hier ist es wichtig zu sagen, dass die morphologisches Grenzen eines Wortes nicht gleichzusetzen sind mit Silbengrenzen. Häufig treten Überschneidungen auf, dies ist jedoch nicht die Regel. Durch das Prinzip der Wortstammtreue, auch als Prinzip der Morphemkonstanz bekannt, wird eine schnelle Worterkennung sichergestellt und die Verwandtschaft von Wörtern in anderen Formen angezeigt. Jedes Wort besitzt also einen sogenannten Wortstamm. Bredel et.al. (2011, S. 234) beschreiben den Wortstamm als einen „Teil eines Inhaltswortes, an den Flexionsendungen angehängt werden“. Dieser Teil kann durch eine vokalische Umlautung verändert werden. So ändert sich die Lautung des Wortes <Haus> wenn man aus diesem den Plural bildet <Häuser>. Der Wortstamm verändert sich somit von <Haus> zu <Häus> (vgl. Bredel et.al. 2011, S.234; vgl. Fay 2013, S. 4).

Morpheme, die an den Wortstamm angehängt werden, haben unterschiedliche inhaltliche Bedeutungen. So sind lexikalische Morpheme, meist gleichzeitig auch das Stammmorphem, ausschlaggebend für die inhaltlichen Bestimmung. Grammatische Morpheme hingegen zeigen Konjugationen, Deklinationen sowie Singularund Pluralbildungen an. Des Weiteren können an den Wortstamm Präfixe (Vorsilben) und Suffixe (Nachsilben) angefügt werden, die als Wortbildungsmorpheme bezeichnet werden und festen Schreibkonventionen unterliegen (vgl. Fay 2012, S. 4). Zudem gibt es das „Fugen – S“ als sogenanntes Fugenelement, welcher als Verbindungsstück zwischen den anderen Morphemformen dient.

[...]


1 Weitere Informationen zur Dehnung und Schärfung im Abschnitt zum silbischen und morphologischen Prinzip.

2 Die Tabellen zu den Basisund Orthographemen befinden sich im Anhang, um den Lesefluss nicht zu stören.

3 Das * kennzeichnet eine grammatikalisch nicht korrekte Schreibweise, die allerdings den Sachverhalt verdeutlichen soll. Weitere Beispiele werden mit der gleichen Kennzeichnung versehen.

Details

Seiten
26
Jahr
2019
ISBN (eBook)
9783668966550
ISBN (Buch)
9783668966567
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v465966
Institution / Hochschule
Europa-Universität Flensburg (ehem. Universität Flensburg) – Sprache, Literatur und Medien
Note
1,3
Schlagworte
grundlagen prinzipen ansätze schriftspracherwerbs

Autor

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Titel: Grundlagen, Prinzipien und Ansätze des Schriftspracherwerbs