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Sozialkapital Online. Bedeutung von Freundschaft für Studenten im Sozialen Netzwerk Facebook

Wissenschaftliche Studie 2016 28 Seiten

Medien / Kommunikation - Multimedia, Internet, neue Technologien

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Wie Facebook und Freundschaft zusammenhängen

2. Angepasste Vorgehensweise der Grounded Theory
2.1 Sample
2.2 Erhebungsmethode und -durchführung
2.3 Transkription
2.4 Auswertung
2.4.1 Globalauswertung
2.4.2 Offenes Codieren
2.4.3 Axiales Codieren
2.5 Vorläufige Ergebnisse des Forschungsprozesses

3. Reflexion des Vorgehens

4. Literaturverzeichnis

5. Anlagen
5.1 Leitfaden
5.2 Transkribiertes Interview und Notation
5.3 Vorläufige anteilige Forschungsergebnisse

1. Wie Facebook und Freundschaft zusammenhängen

Immer mehr Menschen nutzen heutzutage das soziale Netzwerk Facebook, wobei sie ganz unterschiedliche Beweggründe haben - sei es zur Informationsschöpfung durch das Abon- nieren von Nachrichtendiensten, als Terminplaner für Veranstaltungen, um Spiele abzu- speichern oder um in Kontakt mit ihren sogenannten Facebookfreunden zu bleiben. Face- bookfreunde sind andere Nutzer, die man durch gegenseitiges Akzeptieren durch einen einzigen Mausklick zu seiner Freundesliste hinzufügen kann. Doch der Begriff „Freunde“ kann trügen, denn jeder Nutzer versteht etwas anderes darunter. Gerade Studenten ma - chen sich oft Gedanken darüber, wenn sie Facebook nur noch zweckgebunden für die Uni nutzen und nebenher mitbekommen, wie andere Menschen ihre Facebookfreundschaften auslegen und nutzen. Wie sie damit umgehen, was sie für Unterschiede zwischen Freund - schaft und Facebookfreundschaft sehen und wie wichtig ihnen Facebook ist, zeigt diese Hausarbeit anhand der Vorgehensweise der qualitativen Sozialforschung. Diese ist beson- ders gut für die Beantwortung der Forschungsfrage geeignet, da es hier weniger um die Beantwortung der Frage geht, wie viele Studenten Freundschaft mit welchem Wichtig - keitsgrad beschreiben, sondern eher darum, wie Freundschaft von den einzelnen Befrag - ten definiert und ins Verhältnis zu Facebookfreundschaft gesetzt wird. Trotzdem sollen auch hierbei Muster herausgearbeitet werden können. Die Forschungsfrage dieser Arbeit wurde in einer Gruppe von vier Studenten aufbauend auf einer Anfangsfrage erarbeitet und im Laufe des Forschungsprozesses immer wieder überarbeitet, um anschließend je- weils ein Interview anhand des Interviewleitfadens zu führen. Daraufhin wurden die Inter - views miteinander abgeglichen und parallel zueinander ausgewertet. Die Vorgehensweise dabei beruht auf der Grounded Theory. Diese generelle Vorgehensweise wird in dieser Ar- beit dem individuellen Forschungsprozess angepasst und es wird dargelegt, warum jeweils wie vorgegeben oder anders vorgegangen wurde. Das Ziel dieser Arbeit ist es also, das Vorgehen der Grounded Theory anhand ihrer Anwendung an der Forschungsfrage „Sozial- kapital Online: Bedeutung von Freundschaft für Studenten im Sozialen Netzwerk Face- book“ zu erläutern und kritisch zu hinterfragen.

2. Angepasste Vorgehensweise der Grounded Theory

Der Schwerpunkt der qualitativen Forschung liegt im Gegensatz zur quantitativen For - schung nicht auf der Beantwortung der Frage „Wie viele?“, sondern eher „Warum?, Wie?“. Sie zielt also auf das Verstehen und die Sinnhaftigkeit, nicht auf das Messen eines For- schungsgegenstandes ab (Helfferich 2009: 21), und beruht auf den Prinzipien der Offen- heit, Prozesshaftigkeit und Kommunikation (Reinders 2005: 34 ff.). Offenheit bedeutet hier, dass man ohne Vorurteile und vorher festgelegte Deutungsmuster an die Erforschung herangehen soll, sondern erst im Laufe des Forschungsprozesses Muster herausarbeitet und immer wieder überarbeitet. Prozesshaftigkeit bezeichnet die immer wiederkehrende Weiterentwicklung des Forschungsinteresses, indem man durch das Sammeln und Aus- werten von Informationen die Fragestellung immer wieder neu formulieren und dadurch wieder andere Informationen sammeln und auswerten kann. Dieser Prozess sollte natür - lich nur solange andauern, bis man für den Zweck der Studie genügend wichtige Informa - tionen erhalten hat. Kommunikation als drittes Prinzip umfasst die Form des Interviews als natürliches Gespräch, den normalen Kommunikationsregeln als Voraussetzung dessen und ein einvernehmliches Verständnis über den Inhalt der gestellten Fragen (ebd.). Ziel dieser drei Prinzipien ist es, vorrangig Hintergrundinformationen zu erhalten statt unhin- terfragte Daten. Aus diesen Informationen soll man aber genauso wie in der quantitativen Forschung ebenfalls Muster und Regelmäßigkeiten herausarbeiten können. Zu diesem Zweck werden oftmals Interviews durchgeführt wie zum Beispiel narrative, fokussierte oder leitfadengestützte Interviews, da sie die Situation eines Gespräches sehr gut wider- spiegeln können (Helfferich 2009: 36 f.). Diese werden in den nachfolgenden Schritten transkribiert, codiert und schließlich ausgewertet. Auch hierfür gibt es wieder verschiede- ne Vorgehensweisen.

Für das vorliegende Thema wurde als Grundlage der Vorgehensweise die Grounded Theo - ry, der gegenstandsbezogenen Theorie nach Anselm Strauss und Barney Glaser (Glaser, Strauss 1967: 3) gewählt, da hier keine Theorie bewiesen oder widerlegt werden, sondern vielmehr das soziale Phänomen der Forschungsfrage anschaulich beschrieben und erklärt werden soll. Przyborski erklärt dazu auch: „Die Methodologie der Grounded Theory ge - hört zu denjenigen Verfahren, bei denen der Forschungsprozess als Ganzes vielleicht am umfassendsten reflektiert und am genauesten beschrieben und dokumentiert ist, ange - fangen bei der Formulierung der Forschungsfrage und der ersten Erhebung von Daten bis hin zum Schreiben des Forschungsberichtes [...].“ (Przyborski, Wohlrab-Sahr 2014: 191) Diese Methode beinhaltet mehrere Auswertungsschritte: Nach der Erarbeitung der For- schungsfrage folgt zuallererst das Festlegen des Samplings und der Erhebungsmethode, anschließend die Erhebung selbst und die Transkription und schließlich die Auswertung. An erster Stelle steht dabei die Globalauswertung. Diese dient dazu, einen ersten Über - blick über das Interview zu gewinnen. Dabei werden für das Forschungsinteresse wichtige von unwichtigen Informationen getrennt. Anschließend wird die Offene Codierung heran- gezogen, um Konzepte, also Schwerpunkte festzulegen. Diese werden beim Axialen Codie- ren miteinander vernetzt und beim Selektiven Codieren werden die zentralen Kategorien herausgearbeitet. Zu guter Letzt werden die Ergebnisse zusammengefasst, ausgewertet und verglichen. Man muss jedoch beachten, dass die Auswertungsschritte nicht in exakt dieser Reihenfolge nur genau einmal erfolgen, sondern aufgrund der Prozesshaftigkeit des Forschungsprozesses immer wieder überarbeitet werden (Reinders 2005: 49 f.). Aufgrund dieser Prozesshaftigkeit und Offenheit gegenüber dem Forschungsgegenstand ist die Grounded Theory für unsere Forschungsfrage sehr gut geeignet, da diese genau diese Prinzipien widerspiegelt und nicht auf eine Theorie oder eine Beweisführung abzielt, son- dern verschiedene Erklärungsmöglichkeiten für das beobachtete Phänomen der Face - bookfreundschaft sucht. Nicht alle Auswertungsschritte wurden jedoch bei der vorliegen- den Forschungsfrage aufgrund der mehr oder minder passenden Thematik auch mit der- selben Intensität verfolgt und angewendet, wie in den folgenden Kapiteln anschaulich dar - gestellt und begründet wird.

2.1 Sample

Beim Sample geht es um die Frage, aufgrund welcher Vorannahmen wer nach welchen Auswahlkriterien befragt wird und wie man die Zielpersonen am besten erreichen kann (Reinders 2005: 43 ff.). Zur Beantwortung der oben genannten Forschungsfrage wurde die deduktive, also die bewusste Stichprobenziehung in der Gruppe besprochen und fest- gelegt, da das Vorwissen über das behandelte Thema zur Genüge vorhanden ist und folg- lich nur noch der zu befragende Personenkreis ausgewählt werden musste. Dadurch war die Möglichkeit gegeben, die maximale Anzahl an Informationsquellen auszuschöpfen. Wichtig ist die Auswahl von Merkmalen, die relevant für die Beantwortung der For- schungsfrage sind, das heißt, es können nicht alle gegebenen Merkmale wie das Alter, die Anzahl der Facebookfreunde und das Geschlecht berücksichtigt werden. Dabei musste je - doch auch darauf geachtet werden, keine mäßig relevanten Merkmale von vornherein un- berücksichtigt zu lassen. Oben genannte Aspekte wurden letztendlich nur in der Kurzde - mographie am Ende des Interviews abgefragt und waren tatsächlich auch für die Auswer- tung nicht relevant. Zur hinreichenden Beantwortung der Forschungsfrage mussten natür- lich Personen befragt werden, die mindestens einen Facebookaccount haben und darauf noch aktiv sind, um die Fragen aus dem Interview zur Genüge beantworten zu können. Als Kriterium für das Merkmal „Aktivität auf Facebook“ wurde festgelegt, dass die entspre - chende Person nicht länger als ein Jahr nicht mehr auf dem Account online war. Die Aktivi - tät in Form von eigenen Postings oder Kommentaren hatte also keinen Einfluss. Dass nur Studenten befragt wurden, ist ein Produkt der Frage, wie man eine gewisse Vergleichbar - keit der Interviews schaffen könnte. Auch kann man diese Zielgruppe speziell bezüglich ih - rer Nutzung für die Universität befragen. Um die Interviews nicht zu homogen werden zu lassen, wurden letztendlich Studenten verschiedener Fachrichtungen befragt. Das Ge- schlecht spielte hierbei keine Rolle. Daraus entstand dann die Forschungsfrage „Wie sehen Studenten Freundschaft im sozialen Netzwerk Facebook?“, beziehungsweise ausformuliert „Sozialkapital Online: Bedeutung von Freundschaft für Studenten im Sozialen Netzwerk Facebook“.

Ausgewählt wurden die Zielpersonen also durch gezieltes Suchen nach Personen, die un - sere Kriterien erfüllten, um die größtmögliche Informationsausschöpfung zu erreichen. Kontaktiert wurden die Befragten schließlich über verschiedene Netzwerke wie ein ge - meinsames Seminar oder bei mir über eine Uni-Whatsappgruppe. Meine Befragte bei - spielsweise war also beabsichtigterweise Soziologie-Studentin an der Universität Bamberg und täglich auf Facebook aktiv. Durch Zufall war sie weiblich und hatte circa 600 Face- bookfreunde (Anhang 2, S. 27).

Vor der tatsächlichen Durchführung der Interviews wurde schließlich noch eine Interview- erschulung zur Klärung rechtlicher und inhaltlicher Fragen durchgeführt, um eine gute Vorbereitung der Interviewer auf die Befragungen zu garantieren. In deren Rahmen wur - den der Ablauf der Interviews und die Forschungsfrage noch mehrmals hinterfragt und überarbeitet. Hierbei ging es vor allem um die Miteinbeziehung und Auslassung verschie - dener Merkmale wie Geschlecht oder Studiengang. Die Vorbesprechung des Interviewab - laufes beinhaltete die Kontaktaufnahme, die Vereinbarung eines Termins, die Einwilli - gungserklärung des Befragten zur Verwendung des Interviews für Forschungszwecke, die Durchführung der Interviews anhand von Übungen, das Erstellen des Interviewprotokolls und die Transkription. Die wesentlichen Punkte des Vorgehens nach den Interviews ein- schließlich des Protokolls und der Niederschrift wurde zusätzlich in Seminarsitzungen nach der Erhebung noch einmal besprochen.

2.2 Erhebungsmethode und -durchführung

Die Erhebungsmethode eines qualitativen Forschungsprozesses ist insofern für den weite- ren Forschungsprozess sehr relevant, da hierbei die Frage nach dem Ziel der Erhebung, der Rolle des Interviewers, Vorannahmen, der Interviewtechnik, der Fragetechnik, den an- gewendeten Instrumenten, den Themenbereichen und dem Aufbau des Leitfadens behan- delt und beantwortet werden soll (Reinders 2005: 52 f.). Voraussetzung dafür sind bei der Forschungsfrage die Abgrenzung des Forschungsinteresses, um sie im Rahmen des For- schungsvorhabens beantwortbar zu machen und die Möglichkeit ihrer Beantwortung durch qualitatives Vorgehen und sie sollte nach typischen Mustern fragen. Sie darf dabei aufgrund der Anforderungen an eine qualitative Arbeit nicht geschlossen sein, muss aber thematisch begrenzt genug sein, um sie hinreichend beantworten zu können (Helfferich 2009: 27; Reinders 2005: 92). Diese Anforderungen sind hier insofern gegeben, dass eine Abgrenzung bezüglich des Themas, also der Freundschaft auf Facebook, und dem Befra - gungsgegenstand, hier den Studenten verschiedener Fachrichtungen der Universität Bam - berg, bestand, und die Frage beantwortbar war, wie sich auch am Ende des Forschungs- vorganges zeigte, und nach typischen Mustern des Freundschaftsverständnisses gefragt wurde, die ebenso letztendlich herausgearbeitet werden konnten. Der Fokus des For- schungsinteresses, also das Verstehen der erforschten Vorgänge, muss dabei immer be- rücksichtigt werden. Die Forschungsfrage wurde während der Erstellung des Interviewleit - fadens aufgeteilt, an einem natürlichen Gesprächsverlauf orientiert und in Interviewfra - gen übersetzt. Aufgrund dieser Anforderungen an die Forschungsfrage wurde diese noch mehrmals überprüft und schließlich so belassen, da sie alle Kriterien erfüllte.

Als Ziel der Erhebung wurde die weitreichende Beantwortung der Forschungsfrage und die Möglichkeit zur Verallgemeinerung der Erkenntnisse festgesetzt. Um dieses Ziel best - möglich zu erreichen, wurde zuerst die Form des Interviews diskutiert. Hierbei ergab sich, dass als Interviewtechnik ein teilstandardisierter, leitfadengestützter Fragebogen am bes- ten geeignet sei, da er einerseits entsprechend der Forschungsmethode offen genug für Rückfragen und andererseits auf einen gemeinsamen Leitfaden gestützt sein sollte, um zu ausschweifende Diskussionen zu vermeiden und vergleichbar zu sein. Durchgeführt wur- den alle Interviews persönlich, da hierbei die Interviewsituation am offensten und damit am besten geeignet für ein Interview ist. Die Themenbereiche und übergeordneten Fra - gen waren bei allen Interviews gleich, um eine gute Vergleichbarkeit untereinander zu ge - währleisten. Auf Basis der gegebenen Kriterien des Samples wurde schließlich ein gemein - samer Interviewleitfaden entwickelt, der die Themenbereiche Alltäglicher Umgang mit Fa - cebook, Kommunikation auf Facebook, Allgemeines Freundschaftsverständnis und Freundschaft auf Facebook beinhaltete. Dazu musste die Forschungsfrage in einzelne of - fene Interviewfragen und Themenbereiche aufgeteilt werden, um sie nicht direkt an den Befragten weiterzugeben und so das Forschungsergebnis zu verfälschen. Im Laufe dieses Prozesses wurden die Fragen immer wieder umformuliert, in eine neue Reihenfolge ge - bracht und in andere Themenbereiche unterteilt, bis sie als Gesamtleitfaden für die Inter - views geeignet, also gut angeordnet und formuliert waren, und sich einem natürlichen Gesprächsverlauf möglichst weit annäherten. Wichtig waren hierbei eine Warm-up-Frage, um den Befragten an das Thema heranzuführen, Überleitungen zwischen den Fragen für einen flüssigen Gesprächsverlauf, offene, jedoch nicht zu allgemeine Fragen, um Unter- stellungen zu vermeiden, keine Fachbegriffe zu verwenden, was bei unserer Forschungs- frage ohnehin nicht zu verwirklichen war, und die Fragen klar zu formulieren, um das Ver- ständnis des Befragten zu gewährleisten (Reinders 2005: 151 ff.). Als Warm-up-Frage nutz- ten wir „Wenn Du an Facebook denkst, was geht Dir da als erstes durch den Kopf?“ (An- hang 1, S. 21), da sie an das Thema Facebook heranführt und am Alltag orientiert ist, ohne für den Anfang zu anspruchsvoll zu sein. Der Befragte konnte hier seine eigenen Gedanken einbringen und machte sich dadurch selbst schon einmal mit dem Thema des Interviews vertraut. Der Länge des Leitfadens wurde keine Bedeutung zugemessen, es wurden ein - fach die relevant erscheinenden Fragen mit aufgenommen, wodurch sich im Schnitt eine Interviewdauer von knapp fünfzehn Minuten ergab. Unangenehme Fragen wie die nach der Anzahl der Freunde sollten vermieden werden, wohingegen die Frage nach der Anzahl der Facebookfreunde in die Standarddemographie am Ende des Fragebogens aufgenom- men wurde. Wichtig war auch, nach Selbstverständlichkeiten zu fragen, um diese im spä - teren Auswertungsprozess berücksichtigen zu können (ebd.).

Während der Interviews selbst wurden bei den einzelnen Teilnehmern die Leitfragen um kleinere Fragen ergänzt oder es wurden Teilfragen herausgenommen, um Offenheit garan- tieren zu können, indem das Gespräch am Laufen gehalten wurde und man besser auf sei - nen individuellen Interviewpartner eingehen konnte. Die Offenheit und Natürlichkeit war ebenfalls eine wichtige Anforderung, da das Thema der Forschungsarbeit im Alltag sehr gegenwärtig ist und so auch behandelt werden sollte. Der Interviewer übernahm hierbei die Rolle des interessierten Zuhörers und Gesprächspartners, der Fragen in den Raum warf und dabei in Form von Kurzantworten mit dem Befragten interagierte. Dadurch war eine gewisse Flexibilität gegeben, die neue Themenbereiche eröffnen konnte. Gerade für die Forschungsfrage zum Thema Freundschaft eignete sich dieser Ansatz sehr gut, da Freundschaft von jedem anders interpretiert wird und hierbei genügend Freiraum für ei - gene Gedankengänge des Befragten bleibt. Der Interviewer gab dem Befragten also einen gewissen Spielraum der Offenheit, in dessen Rahmen dieser erzählen konnte, und lenkte gleichzeitig das Interview immer wieder am roten Faden entlang in eine Richtung, die der Beantwortung der Forschungsfrage zugute kam. Am Ende des Interviews wurde den Be - fragten zusätzlich die Möglichkeit gegeben, die eigenen Antworten durch noch nicht er - wähnte Aspekte zu ergänzen, was auch von allen Interviewpartnern genutzt wurde.

Als Intervieworte wurden ruhige Räume genutzt, um Störfaktoren möglichst gut auszu - blenden. Auch der Zeitpunkt war daher entscheidend: Es sollte genügend Zeit vorhanden sein, um ausreichend lang auf etwaige Verzögerungen oder Rückfragen eingehen zu kön- nen. Durchgeführt wurde das Interview zu der vorliegenden Arbeit in der Wohnung des Interviewers, da hier im Gegensatz zur Wohngemeinschaft der Befragten eine ruhige Um - gebung und entspannte Atmosphäre gewährleistet war. Als Aufnahmegerät wurde ein vor- programmiertes Audioset des Smartphones benutzt, was sehr klar aufzeichnete und ein - fach zu bedienen war. Zeitlich war das Interview nachmittags zur Kaffeezeit angesetzt, da hier auch von Seiten der Nachbarn Ruhe herrschte und die Interviewsituation mithilfe von kleineren Süßigkeiten und Getränken entspannt werden konnte. Die Befragte war auch während der gesamten Befragung konzentriert und bemühte sich, alle Fragen hinrei - chend zu beantworten. Trotz der Fremde war sie sehr offen und undistanziert. Insofern war die Interviewsituation praktisch perfekt bis auf den kleinen Makel, dass die Befragte letztendlich zwar auf alle Fragen antwortete, sich dabei jedoch immer auf das Wesent - lichste beschränkte und dadurch ein paar Informationen in kurzen Abschnitten immer wieder nachgefragt werden mussten, was zeitweise etwas Stockendes hatte:

I: Okay! Ähm, auf welche Art und Weise hältst du mit deinen Freunden auf Facebook Kontakt? Schreibst du denen auch an die Pinnwand, drückst öfters Gefällt mir, trittst Gruppen bei…?

X: Ja, ich chatte meistens mit ihnen, wenn überhaupt. Also ich bin in – für’s Studium bin ich jetzt in manchen Gruppen, aber ansonsten schreib ich nur Privatnachrichten.

I: Warum?

X: (lacht) Äh, weil diese öffentliche Kommentarfunktion und dieses Auf-die- Pinnwand-schreiben mir nicht so gefällt, weil jeder das lesen kann und ich hab nicht so wichtige Sachen zu erzählen, dass das jetzt jeder lesen sollte. Das mach ich dann eher über Whatsapp.

I: Verwendest du dann unterschiedliche Listen für Verwandte, Bekannte und Freunde oder machst irgendwelche Inhalte nur für bestimmte Personen sichtbar? X: Nein, gar nicht.

Diese Hürde bei der Interviewführung ist ein Nachteil des teilstrukturierten Leitfadens, da durch die ungewollten Sprechpausen durch das Überlegen der nächsten Frage des Inter - viewers die natürliche scheinend gewollte Gesprächssituation ins Schwanken gerät und durch diese zeitweise unangenehme Atmosphäre die Offenheit des Befragten beeinträch- tigt werden könnte. Durch die zwischen uns herrschende Sympathie konnte dies im vorlie- genden Fall zufälligerweise umgangen werden.

[...]

Details

Seiten
28
Jahr
2016
ISBN (eBook)
9783668925212
ISBN (Buch)
9783668925229
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v466044
Institution / Hochschule
Otto-Friedrich-Universität Bamberg
Note
2,3
Schlagworte
sozialkapital online bedeutung freundschaft studenten sozialen netzwerk facebook

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