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Motive und Darstellung von KampfsportlerInnen in Bezug zum sozialen Geschlecht

Hausarbeit 2018 20 Seiten

Sport - Sportsoziologie

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Theoretische Grundlagen
2.1 Soziales Geschlecht
2.2 Kampfsport
2.3 Kampfkunst
2.4 Selbstverteidigung
2.5 Zwischenfazit

3 Zugeschriebene Eigenschaften von Frauen und Männern sowie Kampfsport, Kampfkunst und Selbstverteidigung
3.1 Soziale Konstruktion des Frauenbildes
3.2 Soziale Konstruktion des Männerbildes
3.3 Kampfsport
3.4 Kampfkunst
3.5 Selbstverteidigung

4 Motive der Kampfsportlerinnen1

5 Darstellung der Kampfsportlerinnen

6 Fazit und Ausblick

7 Literaturverzeichnis

1 Einleitung

Kampfsport – Gewalt, Blut, Aggressionen und - Männlichkeit? Oft werden mit Kampfsport solche Begriffe assoziiert. Doch welche Rolle spielt hierbei das Geschlecht? Dieser Zusammenhang ist in der Forschung erst seit wenigen Jahrzehnten von Bedeutung. Mit Kampfsport sind vielerlei Vorstellungen verbunden und diese Zusammenhänge in Bezug auf Geschlecht sind als komplexes System zu betrachten. In der folgenden Ausarbeitung wird sich insbesondere mit einer Fragestellung auseinandergesetzt: Ist Kampfsport ein „Männersport“? Hierbei wird weniger auf Mitgliederzahlen oder der Zusammensetzung in verschiedenen Trainingsgruppen. Vielmehr werden Motive der Kampfsportlerinnen dargestellt und in Bezug zur Darstellung in den Medien gesetzt. Das soziale Geschlecht spielt dabei eine vorrangige Rolle.

Um die Frage beantworten zu können, ist es notwendig zu verstehen, welche „Arten“ des Geschlechts bestehen und was sich alles hinter „Kampfsport“ verbirgt. Diese Ausdifferenzierung wird folglich vorgenommen. Anschließend lässt sich „Kampfsport“ als Gesamtheit, der darunter zu verstehenden Begrifflichkeiten sehen. Des Weiteren wird sich mit Zuschreibungen von Eigenschaften bezüglich des Geschlechts und verschiedener Kampfsportarten befasst sowie Motiven des Einstiegs und der Fortführung solcher. Anschließend folgt ein Einblick in die Darstellung der Medien, bevor abschließend Bezug zur Fragestellung genommen wird und ein Ausblick vorgenommen wird.

2 Theoretische Grundlagen

Im folgenden Abschnitt werden zunächst die theoretischen Grundlagen für den restlichen Teil der Arbeit dargelegt. Dies geschieht auf der einen Seite bezüglich des sozialen Geschlechtes. Auf der anderen Seite werden die Begriffe „Kampfsport“, „Kampfkunst“ und „Selbstverteidigung“ eingeführt. Unterschiede und Gemeinsamkeiten werden in einem Zwischenfazit festgehalten.

2.1 Soziales Geschlecht

Nach Ennigkeit & Urban (2017) wird das soziale Geschlecht innerhalb der Sozialwissenschaften vom biologischen Geschlecht unterschieden. Letzteres beinhaltet körperliche Geschlechtsmerkmale. Im Gegensatz dazu versteht man unter dem sozialen Geschlecht „was als typisch für Männer bzw. Frauen angesehen wird“ (Ennigkeit & Urban, 2017, S. 226). Während das biologische Geschlecht eine gewisse Beständigkeit besitzt, wird das soziale Geschlecht im Laufe der Zeit immer wieder verändert. Dies ist unter anderem von der Kultur und der Gesellschaft abhängig. Das Soziale Geschlecht ergibt sich im Zuge der Sozialisation in Form von zugeschriebenen Merkmalen (ebd.)

Übereinstimmend betont Eckes (1997), dass das Geschlecht als soziales Konstrukt bzw. sozial konstruierte Kategorie angesehen werden kann. Jedoch weist er darauf hin, dass es dabei um Zuschreibungen auf Grundlage der Meinung von anderen Menschen geht (Eckes, 1997, S. 15). Ausführlicher beschreibt er das soziale Geschlecht als Folge sozialer Wahrnehmungen, welche von der Kultur einer Gesellschaft abhängig sind (Eckes, 1997, S. 56).

Das soziale Geschlecht entspricht dem englischen Begriff „Gender“, während das biologische Geschlecht mit dem englischen Wort „Sex“ übersetzt wird. Auch nach Jahn (2005) enthält das soziale Geschlecht sozial konstruierte Rollen und Eigenschaften, die Männern und Frauen zugeschrieben werden. Aber auch, ob eine Person sich selbst als männlich oder weiblich ansieht, wird dem Begriff zugeordnet. Außerdem sei mit den Zuschreibungen eine Hierarchie verbunden. Jedoch ist auch Jahn der Meinung, dass die jeweils zugeschriebenen Eigenschaften kulturell bedingt sind und sich verändern lassen (Jahn, 2005, S.289).

Sandra Bem veröffentlichte 1974 den Fragebogen „Bem Sex-Role Inventory“ (BSRI). Analog dazu wurde eine deutsche Version entwickelt. In diesem Fragebogen werden Maskulinität und Femininität als zwei unabhängige Variablen gesehen. Die Befragten werden nach der Befragung in vier Kategorien eingeteilt: maskulin, feminin, androgyn und undifferenziert (Ennigkeit & Urban, 2016, S. 226; Troche & Rammsayer, 2011, S. 263).

Im späteren Verlauf dieser Arbeit wird die deutsche Version des BSRI näher erläutert. Außerdem werden etwaige Eigenschaften aus dem Fragebogen genannt.

2.2 Kampfsport

Für den Begriff „Kampfsport“ existieren diverse Definitionen. Beispielsweise definiert das Lexikon der Sportwissenschaft Kampfsport als eine Sportart bzw. -disziplin, bei der zwei Sportlerinnen in direkter sportlicher Auseinandersetzung nach entsprechender Vorbereitung und unter Einhaltung spezifischer Regeln um den Sieg kämpfen (Rutz, 2010, S. 57f.). Kampfsport wird nach dem Kampfsport Lexikon als Oberbegriff für Sportarten, die sich aus Kampfkünsten und Waffenübungen entwickelten, verstanden. Ihr Zweck ist laut dieser Definition der Zweikampf oder aber auch die Selbstverteidigung (ebd.).

Des Weiteren ist festzuhalten, dass bei dieser Auseinandersetzung eine gewisse Rahmung vorhanden ist, die auf einen Wettkampf und Leistungsvergleiche ausgerichtet ist. Hierzu dienen spezielle Regeln, der jeweiligen Kampfsportarten (Rutz, 2010, S. 66).

2.3 Kampfkunst

Durch eine vielfältige Auswahl an Kampfkünsten liegt auch hier keine einheitliche Definition vor. Hervorzuheben ist jedoch, dass Kampfkünste nicht auf einen Wettkampf ausgerichtet sind. Auch ein Regelwerk ist meist nicht vorhanden. Somit steht ein Leistungsvergleich nicht im Vordergrund. Besonders das Ziel ist ein anderes, als bei Kampfsportarten. In aus Asien stammenden Kampfkünste wird der Fokus besonders auf den Weg (japanisch: „do“) und das lebenslange Lernen gelegt. Dies kann sich beispielsweise auf das Erreichen einer optimalen Technik, die Verbindung von Körper und Geist oder die Selbstverteidigung beziehen (Rutz, 2010, S. 63).

2.4 Selbstverteidigung

„Jede Abwehr eines gegnerischen Angriffs auf das eigene Leben“ (Der Sport-Brockhaus, 1989, S. 446), wird als Selbstverteidigung definiert. Nicht in der Definition enthalten ist die Anzahl der Aggressoren – es können also auch mehr als zwei Kämpferinnen in eine Auseinandersetzung involviert sein.

Die meisten Kampfsportarten und Kampfkünste, wie z.B. Aikido, Judo oder Ju-Jutsu, können zur Selbstverteidigung genutzt werden (Friedrich, 2006, S. 8f.).

Bei der Selbstverteidigung geht es weniger um den sportlichen, als um den juristischen Aspekt. Das Recht auf Selbstverteidigung ist daher im Strafgesetzbuch und im Bürgerlichen Gesetzbuch festgehalten. Selbstverteidigungssysteme werden demnach trainiert, um sich außerhalb des Trainings vor Angriffen schützen zu können. Regeln existieren also auch nur in der Form von Absprachen, während der Aneignung mit Hilfe von Lehrerinnen bzw. Trainingspartnerinnen (Fais, 2007, S. 43f.; Korn & Besold, 2007, S. 10ff.; Rutz, 2010, S. 64f.).

2.5 Zwischenfazit

Die Begriffe „Kampfsport“, „Kampfkunst“ und „Selbstverteidigung“ weisen sowohl Gemeinsamkeiten als auch Unterschiede auf.

Bei allen drei kommt es zu physischen Auseinandersetzungen von mindestens zwei Personen.

Der Handlungsrahmen bei Kampfsportarten ist durch ein Regelwerk eingeschränkt. Bei Kampfkünsten und Selbstverteidigungssystemen jedoch existieren keine Regeln.

Abschließend ist festzuhalten, dass beim Kampfsport Auseinandersetzungen erwünscht sind. Im Gegensatz dazu sind Kampfkünste, vor allem solche, wie aus dem asiatischen Raum, Teil einer Lebensart und dienen als Mittel zum Lernen, wobei sie sich durchaus zu Kampfsportarten mit Leistungsvergleichen entwickeln können. Kampfkünste enthalten Aspekte der Selbstverteidigung. Selbstverteidigungssysteme hingegen sind darauf ausgerichtet, nur im Falle eines Angriffes angewendet zu werden um sich selbst schützen zu können.

3 Zugeschriebene Eigenschaften von Frauen und Männern sowie Kampfsport, Kampfkunst und Selbstverteidigung

Im dritten Kapitel wird zum einen näher auf das soziale Geschlecht eingegangen, indem Eigenschaften dargestellt werden, die entweder Männern oder Frauen zugeschrieben werden. Zum anderen werden auch sowohl Kampfsportarten, als auch Kampfkünste und Selbstverteidigung auf Eigenschaften hin betrachtet.

3.1 Soziale Konstruktion des Frauenbildes

Hollstein (1993, S. 27) stellt in seinem Buch „Der Kampf der Geschlechter“ dar, dass Frauen in den 1970er und 1980er Jahren Gefühle zeigen und Liebesobjekte befriedigen sollten. Außerdem wird Frauen das Zeigen von Verständnis und die Sorge um andere Menschen zugeschrieben. „Schön“, „einfühlsam“ und „anmutig“ sollten ebenfalls zu den Eigenschaften der Frauen zählen.

Merkmale der Feminität werden von Eckes als „expressiv“ beschrieben. Auch er nennt eine Reihe von Eigenschaften: „‚abhängig‘, ‚verständnisvoll‘, ‚emotional‘, ‚sanft‘, ‚warmherzig‘, ‚gesprächig‘ und ‚anlehnungsbedürftig‘“ (Eckes, 1997, S. 58f.). Frauen wird seltener die Eigenschaft der „Aggressivität“ zugeschrieben. Dies bezieht sich auf physische Aggressionen, nicht aber auf psychische bzw. verbale Aggressionen. Auf einige Merkmale geht Eckes genauer ein. So beschreibt er beispielsweise, dass nonverbales Verhalten bei Frauen stärker ausgeprägt sei, als bei Männern. Frauen erkennen und benutzen Mimik und Gestik besser bzw. häufiger. Darauf verweist die Bezeichnung der „Expressivität“ der Frauen. Zudem werden Frauen als einfühlsamer bezeichnet (Eckes, 1997, S. 42ff.).

Das „Bem Sex-Role Inventory“ (BSRI; Bem, 1974) ist ein „Fragebogen zur Erfassung des Geschlechtsrollen-Selbstkonzepts in Bezug auf maskuline und feminine Persönlichkeitseigenschaften“ (Fleischmann, A. & Sieverling, M., 2016) und wird auch heute noch häufig verwendet. 1988 veröffentlichten Schneider-Düker und Kohler eine deutsche Version (Ennigkeit & Urban, 2017, S. 229). Beim BSRI werden sowohl eine Maskulinitätsskala (M-Skala) als auch eine Femininitätsskala (F-Skala) entwickelt. Die M-Skala enthält Eigenschaften, die von Frauen und Männern eher als sozial erwünscht für Männer angesehen werden. Merkmale, die eher für Frauen als sozial erwünscht gelten, werden der F-Skala zugeordnet (Troche & Rammsayer, 2011, S. 263).

Troche & Rammsayer (2011) rekonstruierten die deutsche Version des BSRI und testeten zunächst, ob die dort ermittelten sozial erwünschten Eigenschaften noch aktuell waren. Dabei erfüllten folgende Zuschreibungen ihren Kriterien: „‚weichherzig‘, ‚bemüht, verletzte Gefühle zu besänftigen‘, ‚feinfühlig‘, ‚sinnlich‘, ‚leidenschaftlich‘, ‚empfindsam‘ und ‚herzlich‘“ (Troche & Rammsayer, 2011, S. 266). Im Anschluss an die Prüfung der vorangegangenen Ergebnisse wurden folgende Eigenschaften als sozial erwünschter für Frauen angesehen: „anmutig“, „modebewusst“, „fürsorglich“, „mitteilungsbedürftig“, „an anderen Menschen interessiert“, „zärtlich“, „sensibel“, „kommunikativ“ und „emotional“ (Troche & Rammsayer, 2011, S. 269f.).

Weigelt-Schlesinger zufolge sind die Eigenschaften, die Frauen zugeschrieben werden, zumeist mit einem negativen Anschein verbunden. Verdeutlicht wird diese Annahme durch die Assoziation der Frau mit dem „schwachen Geschlecht“ (Weigelt-Schlesinger, 2007, S. 61).

3.2 Soziale Konstruktion des Männerbildes

Pech (2001) beschäftigte sich im Rahmen seiner Dissertation mit zwei Studien.

1978 führte Helge Pross eine Studie durch, in welcher er durch eine Befragung von 439 männlichen Probanden das Selbstbild der Männer herausarbeitete. Enthalten waren auch Fragen bezüglich der Ansicht der Geschlechterrollen, um einen Eindruck über die Ansichten von Männern über Frauen zu erhalten.

Zunächst beschreibt Pech einen Widerspruch. Auf der einen Seite geben die Männer an, dass der wichtigste Lebensbereich für sie „Familie und Partnerschaft“ sei. Auf der anderen Seite wünschen sich die Befragten eine Berufskarriere als „größten Wunsch für ihre potentiellen oder realen Söhne“. Des Weiteren nennt Pech ein Verlangen nach Macht von Männern. Abschließend hält er zu dieser Studie ein Überlegenheitsgefühl der Männer gegenüber Frauen fest (Pech, 2001, S. 25ff.).

Die zweite Studie, die Pech in seiner Arbeit nennt, wurde von Sigrid Metz-Göckel und Ursula Müller 1986 veröffentlich und befasst sich ebenfalls mit dem Selbstbild der Männer.

Göckel und Müller stellten fest, dass die Mehrheit der Männer nach dessen Meinung durchaus Gefühle zeigen und auch weinen dürfen. Auch Schwächen können zum Ausdruck gebracht werden (Pech 2001, S. 31f.).

Auch Thomas Eckes (1997) setzte sich mit Merkmalen der beiden Geschlechter auseinander. Als männliche Merkmale nennt er: „‚unabhängig‘, ‚selbstsicher‘, ‚ehrgeizig‘, ‚zielstrebig‘, ‚rational‘ und ‚willensstark‘“ (Eckes, 1997, S. 57) und beruft sich dabei auf diverse Untersuchungen. Diese bezeichnet Eckes als „instrumentell“ (Eckes, 1997, S. 57f.).

Ähnliche und weitere Zuschreibungen wurden als sozial wünschenswerter für Männer in der bereits erwähnten Rekonstruktion der deutschen Version des BSRI festgestellt: „hat Führungseigenschaften“, „tritt bestimmt auf“, „respekteinflößend“, „verteidigt die eigene Meinung“, „unerschrocken“, „hartnäckig“, „ist bereit, etwas zu riskieren“, „kraftvoll“, „furchtlos“, „wetteifernd“ und „zeigt geschäftsmäßiges Verhalten“ (Troche & Rammsayer, 2011, S. 267). Erweitert wurde die Skala durch „draufgängerisch“, „logisch“, „selbstsicher“, „entscheidungsfreudig“, „mächtig“, „dominant“ und „erfolgsorientiert“ (Troche & Rammsayer, 2011, S. 270).

Die genannten Eigenschaften deuten bereits darauf hin – das männliche Geschlecht wird häufig als das „starke Geschlecht“ bezeichnet (Weigelt-Schlesinger, 2007, S. 61).

3.3 Kampfsport

Im Folgenden werden verschiedene Kampfsportarten und Eigenschaften dieser dargestellt.

Das Boxen hat eine lange Historie. 1743 entstanden erste Regeln, für das Boxen, wie es heute praktiziert wird. Weitere Regeln kamen 1867 hinzu (Kluge, 1996, S. 21). In den USA fand das Boxen zunächst in den 1920ern und 30ern in der Armee Anwendung. Daraufhin entstanden in der Gesellschaft „urbane“ Boxkämpfe durch Männer, die neue Wege zur Identifikation der Männlichkeit suchten. Im weiteren Verlauf gewann Boxen an Popularität durch die Ausbreitung über die US-amerikanischen Armee in Veteranenverbänden und folgend an Hochschulen (Finzsch, 2017, S. 37ff.)

In Bezug auf die Meinung der Gesellschaft über Boxen beschreiben Riem und Kleymann (2012), dass das Bild über diesen Kampfsport oft noch negativ sei. „Hart“, „unfair“ und „gefährlich“ sind Eigenschaften, die die Gesellschaft scheinbar dem Boxen zuschreibt. Weiter betonen Riem und Kleymann jedoch, dass es beim Boxen um die Verfeinerung von Technik durch langes Training und einen aufrichtigen Wettkampf geht. Durch die Ausdifferenzierung des Sports entstanden neue Formen des Boxens wie zum Beispiel „Boxaerobic“, wodurch Gesundheit und Fitness erlangt werden sollen (Riem & Kleymann, 2012, S. 101f.).

Eine weitere neue Art des Boxens ist das „Gesundheits-Boxen“, welches im Gesundheitssektor entstanden ist. Bei dieser Form liegt der Fokus nicht mehr auf dem Wettkampf, sondern es werden die Ziele bzw. Förderung von Eigenschaften wie „Schönheit“ und „Tiefenentspannung“ in den Vordergrund gerückt (Körner & Istas, 2017, S. 10f.).

Eine aus Japan stammende Kampfsportart ist Judo. Sie wurde zunächst aus verschiedenen Selbstverteidigungssystemen zusammengesetzt, jedoch um gefährliche Ausführungen reduziert, sodass die Ausübenden keine bleibenden Schäden davontragen können. Tritte und Schläge sind verboten. Bei der Entwicklung ging es zunächst nicht nur um die sportliche Betätigung und den Wettkampf, sondern vor allem um den philosophischen Hintergrund. Durch die weltweite Verbreitung wurde dieser Teil des Judos jedoch zunehmend ausgeschlossen. Ausüben können es von Beginn an sowohl Frauen und Kinder, als auch Männer (Jahn, 2009, S. 17ff.).

Eine der heutigen populären (vor allem in den USA durch die Organisation „Ultimate Fighting Championship“ – kurz: UFC) Kampfsportarten ist das MMA (Mixed Martial Arts). Der Kampf wird entweder in einem Ring, wie man ihn aus dem Boxen kennt, oder in einem Oktagon, umringt von einem Käfig, ausgetragen. Es dürfen alle Kampfsportarten und -künste angewendet werden.

MMA steht jedoch häufig in der Kritik. In den 1990er Jahren entstand die UFC und es gab bei diesen Wettkämpfen nur wenige Regeln, wodurch ein hohes Verletzungsrisiko vorlag. Dies war der Grund, weshalb MMA zwischenzeitlich in einigen Bundesstaaten der USA verboten wurde.

Anstatt eines Regelwerkes existiert eher eine Verbotsliste. Dadurch sind die Kämpferinnen weniger eingeschränkt und es können dem MMA-Kampfsport somit positive Eigenschaften, wie Flexibilität, Kreativität und Vielfalt zugeschrieben werden (Baratella, 2017, S. 91). Zudem spielt im MMA die Eigenverantwortung eine wichtige Rolle, da die Kämperin selbst entscheidet, wann sie aufgibt (Baratella, 2017, S. 99f.).

Allerdings wird die Kampfsportart noch heute vor allem durch Massenmedien als brutal und hemmungslos bezeichnet (Rutz, 2010, S. 74f.; Körner & Istas, 2017, S. 9; Baratella, 2017, S. 91).

3.4 Kampfkunst

Ein Beispiel für eine asiatische Kampfkunst ist das japanische Aikido. Der Gründer Morihei Ueshiba (2002) nannte neben der Stärkung des Körpers und der Förderung der Gesundheit Mut, Aufrichtigkeit und Schönheit als Ziele der Ausübung von Aikido (Ueshiba, 2002, S. 33f.). Auch Rödel bestätigt die Schulung von Bewegungsausführungen und nennt weitere Aspekte wie: Konzentration, Durchsetzungsfähigkeit und Selbstbewusstsein (Rödel, 2016, S. 21f.).

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1 Der Lesbarkeit/ Einfachheit halber wird in dieser Arbeit nur die weibliche Form verwendet. Die männliche Form ist selbstverständlich immer miteingeschlossen

Details

Seiten
20
Jahr
2018
ISBN (eBook)
9783668935068
ISBN (Buch)
9783668935075
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v468109
Institution / Hochschule
Georg-August-Universität Göttingen – Institut für Sozialwissenscahften
Note
1,7
Schlagworte
Kampfsport Geschlecht

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