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Deviantes Verhalten am Beispiel der Borderline-Persönlichkeitsstörung

Hausarbeit 2017 17 Seiten

Soziale Arbeit / Sozialarbeit

Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Begriffsbestimmungen
2.1 Abweichendes Verhalten
2.2 Persönlichkeitsstörung
2.3 Borderline-Syndrom

3. Persönlichkeitsstörung Borderline
3.1 Erleben und Merkmale von Borderline
3.2 Symptome

4. Devianztheorie und Borderline
4.1 Merton’s Typologie abweichenden Verhaltens
4.2 Verknüpfung zwischen den Devianztheorien und der Borderline-Erkrankung

5. Deviantes Verhalten und Borderline
5.1 Beschreibung von deviantem Verhalten
5.2 Deviantes Verhalten anhand von Borderline

6. Fazit

7. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

„Der Mensch mit abweichendem Verhalten ist ein Mensch, auf den diese Bezeichnung erfolgreich angewandt worden ist; abweichendes Verhalten ist Verhalten, das Menschen so bezeichnen.“ Dieses Zitat stammt von Howard S. Becker (Becker, 1981, S. 8). Das Zitat meint, dass abweichendes Verhalten erst durch die Gesellschaft determiniert worden ist. Die Theorien von abweichendem Verhalten, sowohl die Anomietheorien als auch die Theorien des differentiellen Lernens, beziehen sich auf die Kriminalität von Jugendlichen. Nicht nur Kriminalität ist nach der Gesellschaft abweichendes Verhalten, sondern auch psychische Erkrankungen, die auffällige Verhaltensweisen aufweisen.

Borderline-Erkrankte zeigen abweichendes Verhalten, also Verhalten, welches nicht den gesellschaftlichen Werten und Normen entspricht. Verhalten wie Wutausbrüche, selbstverletzendes Verhalten oder auch der mögliche Kontrollverlust über bestimmte Lebensbereiche. Wie oben schon erwähnt, beziehen sich die Devianztheorien nur auf Kriminalität als abweichendes Verhalten. Es gibt kaum Literatur, die eine Verknüpfung zwischen Persönlichkeitsstörungen und Devianztheorien schafft. Aus diesem Grund ist der größte Teil der Verknüpfungen von Devianztheorien und Borderline-Erkrankung selbst geschaffen.

Zu Beginn werden die Begriffe abweichendes Verhalten, Persönlichkeitsstörung und Borderline-Syndrom definiert. Im nächsten Kapitel wird das Erleben und die Merkmale der Störung erläutert und die Symptome die auftreten können. Im vierten Kapitel wird die Anomie Theorie nach Merton und zusätzlich das anomische Selbstbild beschrieben. Der zweite Teil des vierten Kapitels besteht aus der Verknüpfung von Anomietheorie und der Borderline-Erkrankung. Das letzte Kapitel ist die Beschreibung von deviantem Verhalten und die Beschreibung von deviantem Verhalten anhand von Borderline. Abgerundet wird die Arbeit mit einem Fazit.

2. Begriffsbestimmungen

Als erstes werden die Begriffe abweichendes Verhalten, Persönlichkeitsstörung und Borderline definiert.

2.1 Abweichendes Verhalten

Abweichendes Verhalten wird, je nach Ansicht des Forschenden anders definiert. Eine Definition ist die, dass gegen Gesetze verstoßen wird, wenn von abweichendem Verhalten gesprochen wird. Eine andere Erklärung ist die Reaktion auf ein gezeigtes Verhalten von einem Mitmenschen, aber auch ein Verhalten, das nicht den Vorstellungen der Bevölkerung entspricht. Psychoanalytiker Erik H. Erikson war der Ansicht, dass Verhalten dann als abweichend bezeichnet wird, wenn jemand der Meinung war, ein bestimmtes Verhalten zu bestrafen, dann galt dies als abweichend. Es gibt unzählige Definitionen von deviantem Verhalten. Diese können ausführlich, genauestens definiert und verwendbar sein. Des Weiteren kann gesagt werden, dass sich die Definition von abweichenden Verhalten in drei Bereiche einteilen lässt: in die normorientierte, die erwartungsorientierte und die sanktionsorientierte Definition.

- Die Normorientierte Definition: Eine spezielle Form von abweichendem Verhalten ist die Delinquenz. Mit Delinquenz wird ein Verhalten bezeichnet, das mit gesellschaftlichen Werten und Normen nicht übereinstimmt. Nicht jede Handlung, die als abweichend angesehen wird, ist unbedingt abweichend. Viele Handlungen, die gegen gesellschaftliche Normen verstoßen, sind nicht im Gesetz festgeschrieben und verstoßen nicht gegen diese. Die gesetzliche Definition von abweichendem Verhalten ist nicht so ausführlich, wie die Definition von einer Nichteinhaltung einer gesellschaftlichen Norm. Ohne dass gesellschaftliche Normen ausdrücklich festgeschrieben sind ist den Menschen bewusst, dass es diese gibt. Aus dem unbewussten Wahrnehmen von solchen Normen kann Verhalten, welches nicht diesen Normen entspricht, als abweichend gelten. Generell ist zu sagen, dass die normortientierte Definition, nicht ausführlich genug ist.
- Die erwartungsortientierte Definition; Darunter ist zu verstehen, dass eine Handlung nicht den Ansprüchen des Gegenübers entspricht. Erwartungen an ein Verhalten stellen die größte Masse an gesellschaftlichen Normen dar. Jedoch entsteht dabei ein Problem. Jeder Mensch hat andere Vorstellungen von angemessenem Verhalten, deswegen hat auch jeder andere Ansprüche an sein Gegenüber in einer Interaktionssituation. Auch eine quantitative Herangehensweise ist nicht möglich, da es eine Vielzahl an Verhaltensabweichungen gibt, die sich aus den verschiedenen sozialen Gruppen ergeben. Es können jederzeit abweichende Verhaltensweisen auftreten.
- Die sanktionsorientierte Definition: Gezeigtes Verhalten, welches den Normen entspricht, wird entweder belohnt oder negative Konsequenzen werden von der Person abgewendet. Im Gegensatz dazu wird gezeigtes Verhalten, welches nicht den Normen entspricht, bestraft oder positive Konsequenzen werden entzogen. Nicht alle Abweichungen werden mit negativen Konsequenzen verbunden, es gibt auch welche die in einem Bereich liegen, bei dem es keine Konsequenzen gibt (Lamnek, 2013, S. 47ff.).

Abweichendes Verhalten kann so definiert werden, dass gesellschaftliche Normen nicht beachtet werden oder gegen diese verstoßen wird (Lamnek, 2013, S. 292).

2.2 Persönlichkeitsstörung

Mit einer Persönlichkeitsstörung wird eine Beeinträchtigung bezeichnet, die sich auf die sozialen Beziehungen bezieht, aber auch personenbezogene Schwierigkeiten können auftreten. Eine Persönlichkeitsstörung ist ein über längere Zeit andauerndes und starres Konzept an Erlebens- und Verhaltensweisen, die von der Gesellschaft tolerierten Verhaltensweisen abweichen. Sie erleben einen Leidensdruck sowohl psychisch als auch in der Arbeitswelt. Dieser Leidensdruck wird durch geistige, gefühlsbedingte und zwischenmenschliche Handlungsweisen ausgelöst. Sie macht sich meistens im Jugendalter oder im Heranwachsendenalter bemerkbar. Signifikant für Persönlichkeitsstörungen sind die Charakterzüge, die über längere Zeit andauern. Bei der Diagnose muss geklärt werden, ob die Ich-Struktur oder die Ich-Leistung betroffen sind. Die Behandlung ist mühsam, da die Betroffenen nicht erkennen, dass sie anders sind als ihre Mitmenschen. Ihre Mitmenschen werden durch ihre Erkrankung mehr mitgenommen, als die Erkrankten selbst (Stemmer-Lück, 2009, S. 202).

2.3 Borderline-Syndrom

Von dem Borderline-Syndrom sind mehrere Definitionen vorhanden. Die bedeutendste von ihnen sind die Definition nach dem DSM-IV und die aus dem ICD-10. Die meistverwendete ist, die nach dem DSM-IV. Die am häufigsten auftretenden Merkmale sind die gestörten interpersonalen Beziehungen, das nicht richtig wahrgenommene Selbstbild und die Impulsivität von Gefühlen und Stimmungen. Die Klassifikation des DSM-IV besitzt neun Kriterien, von denen mindestens fünf vorhanden sein müssen. Die neun Kriterien sind die folgenden:

1. Die Angst vor dem Alleinsein oder vor dem Verlassenwerden.
2. Die interpersonalen Beziehungen sind durch zu hohe Maßstäbe und Herabsetzung von diesen gestört.
3. Die Wahrnehmung des eigenen Selbst ist dauerhaft fragil.
4. Keine Kontrolle über z.B. Geldausgaben, Sexualität oder Substanzenmissbrauch. Mindestens zwei Felder von solchen Lebensbereichen müssen betroffen sein.
5. Selbstverletzendes Verhalten (z.B. Suiziddrohungen oder Suizidhandlungen).
6. Starke Stimmungsschwankungen (Angst, Reizbarkeit), die Stimmungen können über längere Zeit andauern.
7. Andauerndes Leeregefühl.
8. Wutanfälle und Kontrollverlust über die eigene Wut.
9. Nicht dauerhafte, durch Stress ausgelöste psychosomatische Anzeichen. Die Störung zeichnet sich durch gestörte Beziehungen zu anderen Personen und durch das geminderte Selbstbild aus. Des Weiteren kann gesagt werden, dass auch Begleiterkrankungen wie Essstörungen, ADHS usw. auftreten (Rahn, 2013, S. 33ff.).

3. Persönlichkeitsstörung Borderline

Im dritten Kapitel wird Borderline bzw. das Erleben, die Merkmale sowie die Symptome Persönlichkeitsstörung erklärt.

3.1 Erleben und Merkmale von Borderline

Je nach Ausprägung unterscheidet sich das Borderline-Syndrom von Betroffenem*r zu Betroffenem*r. Es unterscheidet sich auch in der Art und Weise, wie es sich äußert (Rohde-Dachser, 2004, S. 31f.).

Viele Betroffene fühlen sich, als wären sie nicht so wie die anderen Personen in ihrem Umfeld. Sie fühlen sich unfair behandelt. Durch die hohe emotionale Instabilität, unter der die Betroffenen leiden, entsteht ein Gefühl, welches sie hilflos und innerlich leer erscheinen lässt. Die innere Leere lässt sie abhängig von äußeren Reizen und anderen Personen werden. Die Betroffenen suchen nach Möglichkeiten aus der Hilflosigkeit. Eine Möglichkeit ist dabei der Konsum von Drogen und Alkohol. Viele erleben die emotionalen Spannungen als Kontrollverlust. Die Betroffenen versuchen, durch Bewältigungsstrategien die Spannungen im Inneren ihres Körpers zu lösen. Meistens suchen sie das Gespräch mit einer ihnen vertrauten Person, der sie nicht erklären können, wie sie sich fühlen. Nach einem solchen Gespräch kann es passieren, dass sich der*die Betroffene nicht verstanden fühlt und der Gesprächspartner sich auch überfordert fühlt mit der Situation (Rahn, 2013, S. 14f.).

Die Betroffenen sind in belastenden Situationen, nicht in der Lage die richtigen Abwehrmechanismen zu finden. Da diese zu unflexibel und nicht ausreichend ausgebildet sind, gelingt es ihnen nicht. Durch die Differenzierung in Positiv und Negativ können sie sich kein großes Ganzes der Situation vorstellen. Sie reflektieren ihre furchteinflößenden Gedanken, die das innere Ich produziert, auf andere ihnen zugängliche Gegenstände oder Personen, die sie dadurch meiden, weil sie eventuell ihre Impulse nicht kontrollieren könnten. In den meisten Situationen fühlen sie sich, als würden sie die Kontrolle verlieren. Durch den Kontrollverlust in den Situationen, in denen sie mit anderen Mitmenschen in Kontakt treten könnten, erleben sie diese als beängstigend und ziehen sich daher zurück. Sie fühlen sich ausgelaugt und können daher nicht ihr Leben genießen, sondern es wird im Sparmodus vor einen hin gelebt (Battegay, 1982/2015, S. 51ff.).

Sie erleben Beziehungen als angsterregend. Auf einer Seite möchten sie Nähe aber auf der anderen Seite haben sie Angst, verlassen zu werden. Die Beziehungen werden manipuliert, da die Betroffenen sich nicht vorstellen können, dass der Beziehungspartner oder auch Freunde die Beziehung freiwillig aufrechterhalten wollen (Lohmer, 2013, S. 25f.). Die Beziehungen schaffen ein Gefühl von Besserung, aber durch die Diskrepanz aus Nähe haben wollen und der gleichzeitigen Angst vor dem Verlassenwerden, entsteht ein Bedürfnis, Abstand zu erschaffen. Dieser Abstand wird ermöglicht durch verschiedene Techniken, wie zum Beispiel Anfeindungen gegenüber dem Interaktionspartner, Desinteresse vom Betroffen oder auch Aggressionen gegenüber dem Partner (Lohmer, 2013, S. 15).

Durch die inneren Spannungen, die die Betroffenen erleben, kommt es bei ihnen zu Aggressionen. Diese Aggressionen richten sich nach außen gegen andere Personen oder sie verletzen sich selbst. Die Verhaltensweisen werden unbedacht ausgeführt, so dass sie auch enorme Verletzungen davon tragen können. Zu den Verhaltensweisen gehören zum Beispiel: Essattacken, massive sexuelle Auslebungen und unkontrolliertes Einkaufen. Die selbstzerstörerischen Handlungen entstehen dadurch, dass die Betroffenen sich gelangweilt und leer fühlen. Ihr geringes Selbstwertgefühl lässt sie in dem Glauben, sie müssten genauso sein wie die Menschen in ihrem Umfeld. Sie können die Grenzen zwischen ihren eigenen Gefühlen und denen des Partners nicht erkennen. Die Betroffenen sind schnell verstimmt, wenn sie von anderen Personen verletzt werden. Durch ihre Emotionale Abhängigkeit bleiben sie in den Beziehungen aus Angst vor dem Alleinsein. Aus dieser Angst entwickeln sie Methoden um die andere Person an sich zu binden, entweder durch Manipulation oder mit der Drohung eines Selbstmordes (Stemmer-Lück, 2009, S. 202f.).

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Details

Seiten
17
Jahr
2017
ISBN (eBook)
9783668941755
ISBN (Buch)
9783668941762
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v468237
Institution / Hochschule
Hochschule Fresenius Frankfurt
Note
2.7
Schlagworte
deviantes verhalten beispiel borderline-persönlichkeitsstörung

Autor

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Titel: Deviantes Verhalten am Beispiel der Borderline-Persönlichkeitsstörung