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Performance von Familienunternehmen. Ein Überblick über empirische Studien

Seminararbeit 2017 46 Seiten

BWL - Unternehmensforschung, Operations Research

Leseprobe

GLIEDERUNG

Abstract

1 Einleitung

2 Familienunternehmen
2.1 Begriff und definitorisches Dilemma
2.2 Erklarungsansatze zur Definition von Familienunternehmen
2.2.1 Komponentenansatz
2.2.2 Essenzansatz
2.2.3 F-PEC Ansatz

3 Performance - Definition und Theorie
3.1 Begriff und PerformancemaGe
3.2 Einfluss der Familie auf die Performance - theoretische Erklarungsansatze
3.2.1 Resource Based View
3.2.2 Agency Theory
3.2.3 Stewardship Theory

4 Performance von Familienunternehmen - Uberblick uber den Stand der Forschung und deren Limitationen
4.1 Untersuchungsdesign
4.1.1 Ubersicht uber die gewahlten Studien
4.1.2 Kategorisierung der Studien
4.2 Performance von Familienunternehmen und deren Einflussfaktoren
4.2.1 Ownership
4.2.2 Governance
4.2.3 Management und Succession
4.3 Weitere Erkenntnisse zum Einfluss der Familie auf die Performance von Familienunternehmen
4.3.1 Landerspezifische Einflussfaktoren der Performance
4.3.2 Stabilitat von Familienunternehmen im Vergleich zu Nicht- Familienunternehmen
4.4 Zusammenfassung der Studienergebnisse
4.5 Kritik und Limitationen des bisherigen Stands der Forschung

5 Fazit

Anhang

Literaturverzeichnis

Abstract

Die Betrachtung von Familienunternehmen in Forschungsstudien ist ein relativ junges wirtschaftliches Forschungsgebiet, das sich hauptsachlich auf die Untersuchung der Performanceunterschiede zwischen Familienunternehmen und Nicht- Familienunternehmen fokussiert. Die Forschung steht dabei vor der Herausforderung eine allgemeingultige Definition fur den Begriff Familienunternehmen zu finden, unter Beachtung grundlegender theoretischer Erklarungsansatze. Um die verschiedenen Aspekte des Familieneinflusses auf die wirtschaftliche Performance eines Unterneh- mens zu erklaren, konnen der Resource Based View sowie Agency und Stewardship Theory herangezogen werden. Ein Uberblick uber ausgewahlte empirische Studien soll Aufschluss daruber geben, welche positiven und negativen Effekte die verschiedenen Aspekte Ownership, Governance, Management und Succession tatsachlich auf die Performance ausuben. Dabei lasst sich festhalten, dass tendenziell die Performance von Familienunternehmen als besser als die von Nicht-Familienunternehmen einge- stuft wird. Jedoch ist eine groBe Abhangigkeit von den Einflusskomponenten und de- ren Relation untereinander erkennbar. So wirkt sich der Anteil der Eigentumerschaft invers U-formig auf die Performance aus, wahrend die Auspragung der Governance keine spezifische Tendenz erkennen lasst und bezuglich der Ausgestaltung des Mana­gements festzustellen ist, dass ein Grunder-CEO einen positiven und ein Nachfolger- CEO einen negativen Effekt auf die Performance ausubt. Fur zukunftige Forschungs- vorhaben in diesem Bereich wird empfohlen eine groBere Vergleichbarkeit der Ergeb- nisse zu fordern

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: F-PEC Skala nach Astrachan, Klein und Smyrnios (2002)

Abbildung 2: Umgekehrte U-formige Performanceentwicklung bei steigenden Firmen- anteilen der Familie

Abbildung 3: Gewahlte Art der Firmen in den Studien

Abbildung 4: Anzahl Studien pro Lander

Abbildung 5: Anzahl Studien pro Lander

Abbildung 6: Intervalle der StichprobengroBen

Tabellenverzeichnis

Tabelle 1: Zusammenfassung der Ergebnisse im Uberblick und auf Komponenten- Ebene

Tabelle 2: Ergebnisse in der Management Komponente

Tabelle 3: Landerspezifische Ergebnisauswertung

1 Einleitung

Familienunternehmen sind ein junges und aufstrebendes Forschungsgebiet, das erst in den letzten vier Jahrzehnten an Bedeutung gewonnen hat und das obwohl das Fami­lienunternehmen die wohl alteste Unternehmensform der Welt darstellt. Familienunter­nehmen waren das Ruckgrat antiker Wirtschaft und Zivilisation und spielten eine her- ausragende Rolle in der Entwicklung der heutigen industrialisierten Welt.1 Solche Un- ternehmen findet man auch heute noch in jedem nationalen Wirtschaftssystem. Von der kleinen KFZ-Werkstatt um die Ecke bis hin zum global agierenden, borsennotierten Weltkonzern umfasst das Forschungsgebiet Familienunternehmen eine enorme Spannweite. Familienunternehmen sind schwer untereinander und von Nicht- Familienunternehmen abzugrenzen, da eine Vielzahl unterschiedlichster Aspekte vor- herrscht, die auf einen Familieneinfluss im Unternehmen hindeuten. Zudem werden Familienunternehmen unterschiedlich identifiziert, da sie unterschiedlich definiert wer­den. Daraus resultiert die groBe Heterogenitat, die jedwede Forschungsergebnisse in diesem Bereich kennzeichnet - egal welcher Aspekt von Familienunternehmen Ge- genstand der Forschung ist. Zentrales Thema in der gesamten Forschung zu Fami­lienunternehmen ist jedoch der Aspekt Performance: Unterscheiden sich Familienun­ternehmen hinsichtlich ihrer Performance von Nicht-Familienunternehmen? Welche Einflussfaktoren auf die wirtschaftliche Performance uben Familien aus? Gibt es Un- terschiede zwischen Familienunternehmen? Zu all diesen Forschungsfragen gibt es eine Vielzahl an Studien, die sich um Antworten bemuhen und die eine Myriade an verschiedenen Ergebnissen hervorgebracht haben.

Ziel dieser Arbeit ist es, einen Uberblick uber ausgewahlte Studien zu geben, um dann zusammenfassende Ergebnisse hinsichtlich der Frage, ob Familienunternehmen sich bezuglich ihrer Performance von Nicht-Familienunternehmen und untereinander unter­scheiden und welche familienbezogenen Faktoren einen Einfluss auf die wirtschaftliche Performance ausuben, zu prasentieren. Dazu wird zunachst auf den Begriff Familien­unternehmen und dessen definitorische Herausforderungen eingegangen, in Kapitel 3 werden dann spezifische PerformancemaBe erlautert und theoretische Erklarungsan- satze fur den Einfluss von Familien auf die Performance prasentiert. Kapitel 4 gibt ei­nen Uberblick uber die betrachteten empirischen Studien, die in verschiedene Katego -rien unterteilt werden. Dabei werden die Forschungsergebnisse sowie Limitationen der Forschung dargestellt. Zuletzt werden die Ergebnisse zusammengefasst und ein Ausblick fur das Forschungsgebiet Familienunternehmen gegeben.

2 Familienunternehmen

2.1 Begriff und definitorisches Dilemma

Trotz der Tatsachen, dass es sich bei Familienunternehmen um einen der Eckpfeiler der globalen Wirtschaft handelt, Familienunternehmen sowohl in Industrie- als auch Entwicklungslandern als die vorwiegenden wirtschaftlichen Akteure anerkannt sind und dieses Forschungsgebiet fur eine Vielzahl von Wissenschaftlern von groftem Interesse ist, konnten diese sich bisher nicht auf eine Definition des Begriffs Familienunterneh­men einigen.2 Laut Handler (1989) ist es die erste und offensichtlichste Herausforde- rung fur Forscher im Bereich Familienunternehmen diese zu definieren.3 Tatsachlich gibt es keine allgemein anerkannte Definition, die es erlauben wurde, einen gemein- samen Erklarungsansatz in diesem Forschungsgebiet zu schaffen.4 Dieses Definiti- onsdilemma besteht aufgrund der vorherrschenden Heterogenitat, die solche Firmen charakterisiert, die in den Bereich der Familienunternehmensstudien fallen.5 Wahrend jedermann intuitiv ein Familienunternehmen erkennen wurde, gibt es unter den Exper- ten in diesem Forschungsbereich noch keine ubereinstimmende Gewissheit, was ge- nau ein Familienunternehmen definiert.6 Da diese Firmen eine grofte Bandbreite, von kleinen, informellen Shops bis hin zu groften, sehr formellen, borsennotierten Konzer- nen abdecken, muss jedwede Definition in der Lage sein, die ganze Breite der Unter- nehmensformen einzubeziehen.7 Dies kann sich vor allem deshalb schwierig gestalten, weil oftmals die Informationsbasis uber Familienunternehmen, aufgrund mancher Rechtsformen, die keine Offenlegungspflicht beinhalten, nicht ausreichend vorhanden ist. Es kann also meist nur auf Informationen der groften, borsennotierten Unterneh- men zuruckgegriffen werde, die verpflichtet sind ihre Geschaftsdaten offentlich zu ma- chen.8 In den bisher durchgefuhrten Studien und theoretischen Arbeiten zu Familienun­ternehmen wurden Definitionen meist nach den Einschatzungen des Autors/der Auto- ren oder anhand fruherer Studien festgelegt. Daraus ergibt sich eine Vielzahl von Defi­nitionen, die simultan verwendet werden. Einige dieser Definitionen sind in Anhang 1 aufgefuhrt, wobei diese Tabelle nicht den Anspruch auf Vollstandigkeit erheben will, sondern lediglich die Variabilitat der Begriffserklarung von Familienunternehmen auf- zeigen soll.

Die meisten Autoren in Anhang 1 definieren Familienunternehmen uber die verschie- denen Ausformungen der Kriterien Eigentumeranteil, Stimmrechtskontrolle, Macht uber die strategische Ausrichtung des Unternehmens, Einbindung mehrerer Familiengene- rationen, aktive Gestaltung des Geschaftsbetriebs durch die Familie, Unternehmens- kultur und deren Kombinationen.9 Dabei entstehen Definitionen, die unterschiedlich weit gefasst sind und dadurch einen Stichprobenumfang unterschiedlich beeinflussen. Nach Shanker und Astrachans (1996) ,Family Universe Bull’s Eye‘ konnen diese Defi­nitionen in die Gruppen Umfassend, Mittel und Restriktiv eingeordnet werden, wobei jeweils die Involvierung der Familie in das Unternehmen beurteilt wird. Bei umfassen- den Definitionen genugt wenig direkte Einflussnahme der Familie, beispielsweise durch Kontrolle der strategischen Unternehmensausrichtung oder der Intention die Firma in der Familie zu behalten, um als Familienunternehmen klassifiziert zu werden. Bei rest- riktiven Definitionen hingegen, mussen mehrere Kriterien der Einbindung der Familie erfullt sein wie zum Beispiel mindestens eine Managementposition, die direkte Involvie­rung in den taglichen Geschaftsbetrieb, direkte Eigentumerschaft und Einbindung meh­rere Generationen. Je nachdem welche Art der Definition gewahlt wird, andert sich der Umfang der eingeschlossenen Familienunternehmen.10 Da die Forschung im Gebiet Familienunternehmen sich noch nicht auf einen Typ Definition geeinigt hat und keine universale Definition vorherrscht, ist auch eine Vergleichbarkeit der verschiedenen Forschungsergebnisse nicht immer gegeben.

2.2 Erklarungsansatze zur Definition von Familienunterneh­men

Auch wenn es eine Vielzahl unterschiedlicher Definitionen fur Familienunternehmen gibt, so liegt doch meist einer der zwei vorherrschenden Erklarungsansatze zugrunde: Components-of-Involvement Ansatz (Komponentenansatz) oder Essence Ansatz (Es- senzansatz). Zudem gibt es einen sogenannten F-PEC Ansatz, der versucht sowohl Aspekte aus Komponenten- als auch Essenzansatz zu vereinen.11

2.2.1 Komponentenansatz

Bei dem Components-of-Involvement Ansatz oder Komponentenansatz geht es darum, dass die Involvierung einer Familie in das Unternehmen ausreichend ist, um ein Unter- nehmen als ein Familienunternehmen zu klassifizieren.12 Dieser Ansatz basiert auf der Identifikation von vier Schlusseldimensionen der Unternehmensfuhrung/ -verwaltung, die sich an strukturellen und organisationalen Faktoren im Unternehmen orientieren und die die Art und Weise der Familieneinbindung beschreiben: Ownership (Eigentu- merschaft der Familie), Governance (Kontrolle durch die Familie), Management (Fami­lie in leitenden Positionen) und Succession (Einbindung der Familiengenerationen ins Unternehmen).13 Es handelt sich bei diesem Ansatz, um einen operationalen Definiti- onsansatz, der die beobachtbaren und messbaren Charakteristika identifiziert, die ein Familienunternehmen von einem Nicht-Familienunternehmen differenzieren.14 Villa- longa und Amit (2006) zeigen auf, dass jeder dieser vier Komponenten zu unterschied- lichen Graden ausgepragt sein kann und sich dadurch verschiedene Definitionen des Begriffs Familienunternehmen ergeben. Es gibt keine festgelegte Schwelle, ab wann eine Firma als Familienunternehmen klassifiziert werden kann. Dies bedeutet, dass die unter-schiedlichen Auspragungen der Komponenten Ownership, Governance, Ma­nagement und Succession einen bedeutenden Einfluss auf den Stichprobenumfang der als Familienunternehmen eingestuften Firmen und damit auch auf die Resultate der Forschung haben.15

2.2.2 Essenzansatz

Bei dem Essenzansatz handelt es sich im Gegensatz zum Komponentenansatz, der auf der operationalen Ebene fundiert ist, um einen echten theoretischen Erklarungsan- satz, bei dem die Involvierung einer Familie ins Unternehmen nicht die Basis ist, son- dern nur eine notwendige Bedingung darstellt. Diese theoretische Definition begrundet die Klassifizierung in Familienunternehmen und Nicht-Familienunternehmen durch konzeptbasierte Unterschiede, die die beiden Firmentypen voneinander abgrenzen. Das zugrundeliegende Konzept hierbei ist die Essenz von Familienunternehmen, die sie von anderen Unternehmen differenziert. Die Prasenz oder das Fehlen der Essenz erlaubt es Forschern, Unternehmen mit dem gleichen Level an Familieneinfluss als Familien- oder Nicht-Familienunternehmen zu klassifizieren. Nach dem Essenzansatz ist eine Firma ein Familienunternehmen, wenn es sich wie eines verhalt und dieses Verhalten sich von dem eines Nicht-Familienunternehmens unterscheidet. Dieses Ver- halten wird dadurch charakterisiert, dass ein Familienunternehmen mit der Absicht ge- leitet wird, die Vision einer Familie bezuglich des Unternehmens zu formen und zu ver- folgen und schlussendlich an nachfolgende Generationen der Familie zu ubergeben.16

2.2.3 F-PEC Ansatz

Wie oben bereits erwahnt, vereint der F-PEC Ansatz, auch F-PEC Skala genannt, Be- standteile des Komponenten- und des Essenzansatzes. Hierbei handelt es sich jedoch weniger um eine konkrete, allumfassende Definition des Begriffs Familienunterneh­men, als vielmehr um ein standardisiertes Instrument, das es erlaubt die verschiede- nen theoretischen Ansichten zu integrieren und zusatzlich Vergleiche auf Basis unter- schiedlicher Datentypen anzustellen. Die F-PEC Skala besteht dabei aus den drei Un- terskalen Power (Macht), Experience (Erfahrung) und Culture (Kultur) und misst das AusmaB des Familieneinflusses auf ein Unternehmen. Der relevante Untersuchungs- gegenstand ist also nicht, ob ein Unternehmen ein Familien- oder Nicht- Familienunternehmen ist, sondern das AusmaB und die Art und Weise der Familien- einbindung und des Familieneinflusses im Unternehmen. Dieser Ansatz zielt mehr da- rauf ab, Vergleiche bezuglich des Einbezugs von Familien in Firmen uber verschiede- ne Forschungsuntersuchungen hinweg anstellen zu konnen. Die Experience- Unterskala bezieht sich auf die unternehmerische Erfahrung der Familie anhand der Nachfolgegenerationen und der Anzahl der Familienmitglieder, die im Unternehmen aktiv sind. Die letzte Unterskala misst, inwiefern sich Familien- und Unternehmenswer- te uberschneiden und die Verpflichtung der Familie gegenuber dem Unternehmen.17 Die spezifischen Dimensionen der einzelnen Skalen werden in Abbildung 1 noch ge- nauer abgebildet.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: F-PEC Skala nach Astrachan, Klein und Smyrnios (2002)18

Es kann also festgehalten werden, dass es auf dem aktuellen Stand der Forschung noch keine allgemeingultige Definition des Begriffs Familienunternehmen gibt, was eine Vergleichbarkeit von Studienergebnissen, die auf unterschiedlichen Definitionen des gleichen Begriffs beruhen, erschwert. Es gibt jedoch zwei fundierte Ansatze (Kom- ponenten- und Essenzansatz), nach denen eine Definition vorgenommen werden kann. Zudem lassen sich mithilfe des F-PEC Ansatzes vergleichende Aussagen be- zuglich des Einflussniveaus von Familien in Unternehmen treffen.

3 Performance - Definition und Theorie

Der Zusammenhang zwischen Familienunternehmen und unternehmerischer Performance liegt im Fokus der meisten Forschungsstudien, die sich anschi- cken vergleichende Aussagen bezuglich Familienunternehmen zu treffen.19 Da- bei wird zumeist versucht die Familienunternehmen in Relation zu Nicht- Familienunternehmen oder aber untereinander zu setzen.

3.1 Begriff und PerformancemaGe

Die Performance von Unternehmen ist ein ubergeordnetes Ziel in der Betriebswirt- schaft, da jedes Unternehmen nach wirtschaftlichem Erfolg strebt. Dabei geht es vor allem um das Erreichen betriebswirtschaftlicher Kennzahlen, die Aufschluss uber Effi- zienz und Zielerreichungsgrad geben. Diese PerformancemaGe lassen sich in nichtfi- nanzielle MaGe, wie beispielsweise Mitarbeiterzufriedenheit, Mitarbeiterfluktuation und Socioemotional Wealth20 und finanzielle MaGe unterteilen. Diese Arbeit fokussiert sich auf finanzielle PerformancemaGe, da alle hier betrachteten Studien zu Familienunter­nehmen sich auf diese Art der Performance konzentrieren. Finanzielle Performance­maGe konnen in zwei Kategorien unterteilt werden: marktbasierte und rechnungsle- gungsbasierte PerformancemaGe. Zu den marktbasierten PerformancemaGen gehoren beispielsweise Tobin’s Q, Market-to-Book Value und Buy-and-Hold Market Adjusted Returns21, wahrend Return on Assets (ROA), Return on Equity (ROE), Umsatzwachs- tum, Gewinn und Kapitalstruktur zu den rechnungslegungsbasierten Performancema­Gen zahlen.22 Im Folgenden werden die MaGe Tobin’s Q, ROA und ROE genauer er- klart, da diese Gegenstand der in Kapitel 4 betrachteten Studien sind.

Tobin’s Q, als marktbasierte Kennzahl zur Unternehmensbewertung setzt den Markt- wert eines Unternehmens in Relation zu dessen Buchwert und gibt so Auskunft dar- uber, ob ein Unternehmen zu einem hoheren (oder niedrigeren) Wert an der Borse gehandelt wird, als die Summe des Unternehmensvermogens betragt. Tobin’s Q kann auf verschiedene Art und Weise berechnet werden. Die gangigste Methode ist das Verhaltnis zwischen dem Marktwert des Unternehmens und den Wiederbeschaffungs- kosten aller Vermogensgegenstande23:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Alternativ berechnet Maury (2006) Tobin’s Q als den Quotienten aus (Marktwert des Stammbeteiligungskapitals + Buchwert aller Vermogensgegenstande - Stammbeteili- gungskapital - latente Steuern) und dem Buchwert aller Vermogensgegenstande.24 Eine weitere Moglichkeit der Berechnung liefern Barontini und Caprio (2006), die Tobin’s Q als den Quotienten aus (Buchwert aller Vermogensgegenstande - Buchwert des Eigenkapitals + Marktwert des Eigenkapitals) und dem Buchwert aller Vermogens­gegenstande.25

Der Return on Assets (ROA), auch Gesamtkapitalrentabilitat genannt, misst, wie effi- zient der Kapitaleinsatz eines Investitionsvorhabens innerhalb einer Abrechnungsperi- ode war, das heiftt den Verdienst an jeder in Vermogensgegenstande investierten Geldeinheit.26 Der ROA kann durch zwei unterschiedliche Herangehensweisen berech­net werden. Zum einen als Quotient aus Jahresuberschuss und dem Buchwert aller Vermogensgegenstande27 und zum anderen als operativer ROA, indem der Gewinn vor Zinsen und Steuern (EBIT) durch den Buchwert aller Vermogensgegenstande divi- diert wird.28

Als weitere rechnungslegungsbasierte Performancekennzahl misst der Return on Equi­ty (ROE) oder Eigenkapitalrentabilitat, wie sich das Eigenkapital eines Unternehmens innerhalb einer Periode verzinst hat. Es ist somit erkennbar, ob eine Investition in ein Unternehmen rentabel ist oder nicht. Der ROE berechnet sich als das Verhaltnis zwi- schen Jahresuberschuss und Eigenkapital.29

3.2 Einfluss der Familie auf die Performance - theoretische Erklarungsansatze

Hinsichtlich der Performance in Familienunternehmen, haben sich Forscher die Frage gestellt, wie der Faktor Familie das Unternehmen und dessen Performance beeinflus- sen konnte. Zur Erklarung des Einflusses und der Auswirkungen auf die Performance werden gangige Theorien des Strategischen Managements herangezogen: Resource Based View, Agency Theory und Stewardship Theory. Diese Theorien sollen erklaren, inwiefern Familienunternehmen sich von Nicht-Familienunternehmen differenzieren, welche spezifischen Nutzen und Kosten in Familienunternehmen prasent sind und wie diese sich auf die wirtschaftliche Performance auswirken.30

3.2.1 Resource Based View

Laut Habbershon, Williams und MacMillan (2003) gibt es in Unternehmen, die von Fa- milien beeinflusst werden, eine komplexe Anordnung von Faktoren, die sich auf strate- gische Prozesse und die wirtschaftliche Performance auswirken.31 Diese Faktoren set- zen sich aus denen Attributen zusammen, die von den Familien mit in das Unterneh­men eingebracht werden.32 Der Resource Based View33, zu Deutsch ressourcenbasier- ter Ansatz, hilft diejenigen Ressourcen und Fahigkeiten zu identifizieren, die Familien­unternehmen charakterisieren und ihnen zu einem Wettbewerbsvorteil verhelfen kon- nen.34 Nach Sirmon und Hitt (2003) setzen sich die Schlusselressourcen, die Familien- von Nichtfamilienunternehmen unterscheiden, aus Humankapital, Sozialkapital, Fi- nanzkapital, Uberlebensfahigkeit und Kontrollstruktur zusammen. Das Humankapital entsteht durch das Wissen und die Fahigkeiten, die Familienmitglieder aufgrund ihrer dualen Tatigkeit in Familie und Unternehmen erlangen. Es kann sowohl positive, als auch negative Attribute beinhalten. Humankapitalattribute, die sich positiv auf die Per­formance auswirken konnen sind beispielsweise aufterordentliche Verpflichtung und ein tiefgehendes Verstandnis der Unternehmenstaktik, wahrend die limitierte Quantitat und Qualitat negative Attribute darstellen. Das Sozialkapital beinhaltet die Beziehun- gen zwischen Individuen oder Organisationen im Netzwerk. Das Sozialkapital der Fa- milie, speziell die familiare Stabilitat und der Zusammenhalt kann potentiell positive Auswirkungen auf das Sozialkapital des Unternehmens haben, da der Ausbau von Unternehmensbeziehungen effektiver vorangetrieben werden kann. Das Finanzkapital von Familienunternehmen wird negativ beeinflusst durch den beschrankten Zugang zu externem Kapital und positiv beeinflusst durch die langfristige, effiziente Investment- strategie. Die besondere Uberlebensfahigkeit eines Familienunternehmens wird dadurch charakterisiert, dass in Notzeiten auf die gesamte Familie als Personal, Geld- geber oder freiwillige Helfer zuruckgegriffen werden kann. Die Kontrollstruktur eines Familienunternehmens kann sich durch geringere Agencykosten bei Managern positiv und durch potentiellen Altruismus negativ auf die Performance auswirken.35 Eine weite- re distinktive Ressource von Familienunternehmen kann die Ausrichtung auf transge- nerationale Wertschopfung sein, die wiederum eine positive Auswirkung auf die wirt- schaftliche Performance des Unternehmens ausuben kann durch synergistische Effek- te. Eine gute wirtschaftliche Performance ist dabei ein Weg die ubergeordnete Wert­schopfung mit dem Ziel der Ubergabe an nachfolgende Generationen zu erreichen.36

3.2.2 Agency Theory

Die Agency Theory versucht die wirtschaftlichen Verhaltensweisen und Kosten zu er- klaren, die entstehen, wenn ein Subjekt (Principal) ein anderes Subjekt (Agent) beauf- tragt Aufgaben oder Dienstleistungen in seinem Namen auszufuhren, indem der Prin­cipal einen Teil seiner Entscheidungsautoritat an den Agent abgibt. Die Theorie basiert auf den Annahmen, dass Menschen nur begrenzt rational, mit Eigeninteresse und risi- koscheu handeln und dass zwischen Principal und Agent Informationsasymmetrien bestehen, woraus spezifische Kosten entstehen. Da der Principal nicht immer weift, was der Agent tut und welche Fahigkeiten er tatsachlich besitzt und der Agent mit der Absicht seinen eigenen Nutzen zu maximieren handelt, muss der Principal hohere Auswahl- und Verifizierungskosten tragen und zudem angemessene Anreize fur den Agent setzen und ihn uberwachen, damit dieser entsprechend der Vereinbarung han­delt.37 Die daraus entstehenden Kosten werden Ageny Costs genannt.38 Im Familien­unternehmen bestehen durch die spezifische Gestaltung von Eigentumerschaft, Kon- trolle und Management auch Agency-Beziehungen, die sowohl positive als auch nega­tive Auswirkungen auf die Unternehmensperformance haben konnen. Das Eigentumer- Manager Agency Problem, von Villalonga und Amit (2006) auch Agency-Problem I be- nannt, bezieht sich darauf, dass bei einer Personalunion von Eigentumer und Manager oder wenn diese aus einer Familie stammen, eine bessere Unternehmensfuhrung moglich ist. Durch das Angleichen der Intentionen des Principals und des Agents, die beide auf ein erfolgreiches Familienunternehmen hinarbeiten, reduziert sich das Kon- fliktpotential und damit die Agency Costs, was sich positiv auf die Performance aus- wirkt.39 Allerdings kann das Zusammenfallen von Eigentumerschaft und Management innerhalt eines Familienunternehmens auch dysfunktionale Formen annehmen, die dann zusatzliche Agency Costs verursachen. Hierbei arten ursprunglich altruistische Verhaltensweisen des Managements gegenuber Familienmitgliedern derart aus, dass diese sich vor den ihnen zugeteilten Aufgaben ,drucken‘ und somit zu Trittbrettfahrern werden oder dass Ressourcen zugunsten der Familienmitglieder, aber auf Kosten des Unternehmens transferiert werden.40 Das Eigentumer-Eigentumer Agency Problem oder Agency-Problem II beschreibt, dass Familienmitglieder, die einen hohen Eigen- tumsanteil am Unternehmen halten, ihre Kontrollposition dazu nutzen konnten, auf Kosten von Minderheitsanteilseignern, private Vorteile aus dem Unternehmen zu er­langen statt den Unternehmenswert zu maximieren.41 Zudem besetzen Familienan- teilseigner meist Positionen im Topmanagement, ungeachtet ihrer Fahigkeiten oder der unternehmerischen Anforderungen. Laut der Entrenchment-Theorie beeinflusst ein hoherer Anteil an Familienmitgliedern auf Positionen mit Entscheidungsgewalt die Per­formance dieses Unternehmens negativ, da die vorherrschende Vergutungsstruktur nicht mehr ausreicht, um Manager Risiken eingehen zu lassen, die sich aber auch po- tentiell wachstumsfordernd auf die Firma auswirken konnten.42. Diese Aspekte konnen die finanzielle Performance des Familienunternehmens negativ beeinflussen.

3.2.3 Stewardship Theory

Die Stewardship Theory stellt eine alternative theoretische Betrachtungsperspektive dar, um den Einfluss von Familien auf unternehmerische Performance zu erklaren.

[...]


1 Vgl. Handler (1989), S. 257; Vgl. Bird/Welsch/Astrachan/Pistrui (2002), S. 337f.

2 Vgl. La Porta/Lopez-de-Silanes/Shleifer (1999), S. 471; Vgl. Astrachan/Shanker (2003), S. 211; Vgl. Sharma/Chrisman/Gersick (2012), S. 5.

3 Vgl. Handler (1989), S. 258.

4 Vgl. Chrisman/Chua/Sharma (2005), S. 555

5 Vgl. Astrachan/Klein/Smyrnios (2002), S. 45f.; Vgl. Zahra/Sharma (2004), S. 333.

6 Vgl. Shanker/Astrachan (1996), S. 108

7 Vgl. Handler (1989), S. 258.

8 Vgl. Shanker/Astrachan (1996), S. 108.

9 Vgl. Shanker/Astrachan (1996), S. 108.

10 Vgl. Shanker/Astrachan (1996), S. 109f.

11 Vgl. Chrisman/Chua/Sharma (2005), S. 556f.

12 Vgl. Chrisman/Chua/Sharma (2005), S. 556.

13 Vgl. Chua/Chrisman/Sharma (1999), S.20; Vgl. Miller/Le Breton-Miller (2006), S. 73; Vgl. Garcia- Castro/Aguilera (2014), S. 86.

14 Vgl. Chua/Chrisman/Sharma (1999), S. 23.

15 Vgl. Villalonga/Amit (2006), S. 413.

16 Vgl. Chua/Chrisman/Sharma (1999), S. 23ff.; Vgl. Chrisman/Chua/Sharma (2005), S. 556f.

17 Vgl. Astrachan/Klein/Smyrnios (2002), S. 47ff.

18 Astrachan/Klein/Smyrnios (2002), S. 52.

19 Vgl. Mazzi (2011), S. 166.

20 Vgl. Gomez-Mejia et al. (2007), S. 106; Vgl. Berrone/Cruz/Gomez-Mejia (2012), S. 258; Vgl. Yu/Lumpkin/Sorenson/Brigham (2012), S. 43ff.

21 Vgl. Anderson/Reeb (2003), S. 1310; Vgl. Villalonga/Amit (2006), S. 393; Vgl. Braun/Sharma (2007), S. 118; Vgl. Sraer/Thesmar (2007), S. 718.

22 Vgl. Anderson/Reeb (2003), S. 1310; Vgl. Chrisman/Chua/Litz (2004), S. 343; Vgl. Os­wald/Muse/Rutherford (2009), S. 122f.; Vgl. Ibrahim/Samad (2011), S. 108; Vgl. Garcia-Castro/Aguilera (2014), S.91.

23 Vgl. Anderson/Reeb (2003), S. 1310; Vgl. Cronqvist/Nilsson (2003), S. 701; Vgl. Villalonga/Amit (2006), S. 391.

24 Vgl. Maury (2006), S. 325.

25 Vgl. Barontini/Caprio (2006), S. 696.

26 Vgl. Lee (2004), S. 53.

27 Vgl. Anderson/Reeb (2003), S. 1310; Vgl. Lee (2004), S. 53.

28 Vgl. Barontini/Caprio (2006), S. 697; Vgl. Bennedsen/Nielsen/Perez-Gonzalez/Wolfenzon (2007), S. 657.

29 Vgl. Lee (2004), S. 53; Vgl. Martmez/Stohr/Quiroga (2007), S. 90; Vgl. Sraer/Thesmar (2007), S. 718; Vgl. Ibrahim/Samad (2011), S. 108.

30 Vgl. Chrisman/Chua/Sharma (2005), S. 560.

31 Vgl. Habbershon/Williams/MacMillan (2003), S. 451.

32 Vgl. Dyer (2006), S. 258f.

33 Vgl. Barney (1991), S. 99ff.

34 Vgl. Habbershon/Williams/MacMillan (2003), S. 458f.

35 Vgl. Sirmon/Hitt (2003), S. 341ff.

36 Vgl. Chrisman/Chua/Litz (2003), S. 468.

37 Vgl. Eisenhardt (1989), S. 60f.

38 Vgl. Jensen/Meckling (1976), S. 308; Vgl. Eisenhardt (1989), S. 58ff.

39 Vgl. Villalonga/Amit (2006), S. 387.

40 Vgl. Schulze/Lubatkin/Dino (2003), S. 477f.

41 Vgl. Gomez-Mejia/Nunez-Nickel/Gutierrez (2001), S. 83; Vgl. Villalonga/Amit (2006), S. 387.

42 Vgl. Oswald/Muse/Rutherford (2004), S. 120.

Details

Seiten
46
Jahr
2017
ISBN (eBook)
9783668951464
ISBN (Buch)
9783668951471
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v468369
Institution / Hochschule
Universität Regensburg
Note
1,3
Schlagworte
Familienunternehmen Performance empirische Studien Leistung Familienunternehmen Statistiken Familienunternehmen

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Titel: Performance von Familienunternehmen. Ein Überblick über empirische Studien