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Professionelle Gesprächsführung im Lehrberuf

Training für Lehrer/innen

Studienarbeit 2019 40 Seiten

Pädagogik - Allgemein

Leseprobe

Inhalt

1 Einleitung

2 Was ist Kommunikation?

3 Kommunikationsmodelle und –theoretiker
3.1 Sender-Empfänger Modell
3.2 Die fünf Axiome nach Watzlawick
3.2.1 Erstes Axiom
3.2.2 Zweites Axiom
3.2.3 Drittes Axiom
3.2.4 Viertes und fünftes Axiom
3.3 Kommunikationsmodell nach Friedemann Schulz von Thun
3.3.1 Die 4 Seiten einer Nachricht
3.3.2 Empfangen einer Nachricht mit vier Ohren

4 Transaktionsanalyse
4.1 Die 3 Ich-Zustände
4.1.1 Das Eltern-Ich
4.1.2 Das Kindheits-Ich
4.1.3 Das Erwachsenen-Ich
4.2 Transaktionen
4.2.1 Komplementärtransaktionen oder auch Paralleltransaktionen
4.2.2 Überkreuztransaktionen
4.2.3 Verdeckte Transaktionen

5 Methoden und Techniken
5.1 Aktives Zuhören
5.2 Fragetechniken
5.2.1 Geschlossene Fragen
5.2.2 Offene Fragen
5.3 Die Fantasiereise
5.4 Das Rollenspiel
5.5 Erfahrungslernen

6 Trainingskonzept

7 Reflexion des Trainings

8 Literatur- und Abbildungsverzeichnis
8.1 Literatur allgemein
8.2 Informationen aus dem Internet
8.3 Abbildungsverzeichnis

1 Einleitung

Diese Trainerarbeit entstand aus dem Wunsch heraus, die Kommunikation im schulischen Kontext zu verbessern.

Ich habe es schon oft erlebt, dass das Kommunikationsverhalten auf vielen Ebenen, sei es von Kolleg/in zu Kolleg/in, Direktion zu Kolleg/innen, Kolleg/innen zu Eltern oder Lehrer/in zu Schüler/in, in den meisten Fällen nicht wertschätzend oder der Situation und dem Inhalt nicht angebracht ist.

Vielmals habe ich auch schon gehört „Der Ton macht die Musik“. Und genau hier liegt die Wertschätzung begraben.

In der folgenden Arbeit wird zunächst der Begriff „Kommunikation“ erklärt. Woher kommt dieses Ungetüm? Was sagt es überhaupt aus?

Kapitel 3 widmet sich dann schließlich den Kommunikationsmodellen bzw. Kommunikationstheoretikern. Als erstes Modell wird das allseits bekannte Sender-Empfänger-Modell vorgestellt. Auf diesem bauen dann die Theorien von Paul Watzlawick (5 Axiome) und in weiterer Folge von Friedemann Schulz von Thun auf, der die Theorie von Watzlawick aufgreift und diese erweitert und verständlich erklärt. Friedemann Schulz von Thun hat den Aufbau einer einzigen Nachricht erforscht und ist zu dem Schluss gekommen, dass der Sender/ die Senderin eine Nachricht mit 4 Botschaften (Seiten) aussendet und der Empfänger/ die Empfängerin diese wiederum selbst mit 4 Ohren hören kann.

Kapitel 4 beschäftigt sich mit der von Eric Lennard Bernstein (Eric Berne), auf den Forschungen von Wilder Penfield (Neurochirurg) basierender Transaktionsanalyse. Er gilt als einer der Begründer der Transaktionsanalyse. Unter anderem kommen in der Transaktionsanalyse das Ich-Zustands-Modell und die Transaktionen vor, die ebenfalls in dieser Arbeit näher erläutert werden und einen wertvollen Beitrag zu Erlangung einer fördernden Gesprächsbasis beitragen.

Im 5. Kapitel werden die im Training vorrangig angewendeten Techniken und Methoden vorgestellt und ebenfalls näher beschrieben wie etwa das aktive Zuhören, offene und geschlossene Fragetechniken, die Fantasiereise oder auch das Rollenspiel. Abgerundet werden diese Techniken und Methoden mit dem Erfahrungslernen, da das Lernen aus den eigenen Erfahrungen in der Erwachsenenbildung ein wertvolles Gut ist. Erfahrungen die bereits länger zurückliegen können wieder aktiviert und erneut verinnerlicht werden. Zu diesen bereits vorhandenen Erfahrungen kommen wiederum neue dazu und können zu einem neuen Lernerfolg verhelfen.

Kapitel 6 beinhaltet das erstellte Trainingskonzept in tabellarischer Form zum Thema „Professionelle Gesprächsführung im Lehrberuf“. Diesem vorangestellt werden die Lernziele und sämtliche organisatorische Belange.

Im letzten Kapitel dieser Arbeit befindet sich meine persönliche Reflexion über dieses Training, welches jedoch noch nicht komplett durchgeführt wurde. Hier gehe ich auch auf mögliche Stolpersteine ein.

2 Was ist Kommunikation?

Das Wort „Kommunikation“ leitet sich vom lateinischen communicatio ab, das so viel wie Mitteilung, Unterredung bedeutet. Die Kommunikation ist auch ein Informationsaustausch, ein Kontakt zu anderen Menschen, zwischenmenschlicher Verkehr oder auch ein Dialog. Insbesondere mit Hilfe von Sprache. (vgl. https://www.duden.de/‌rechtschreibung/Kommunikation)

Da der Mensch ein soziales Wesen ist, ist für ihn Kommunikation lebensnotwendig. Sie ist die Basis jeder zwischenmenschlicher Interaktion. Sie findet vor allem in Gesellschaft und Gemeinschaft statt. (vgl. http://www.lkhr.at/redaktion‌/uploads/files/‌1aaac9d8c587fc19de8009e3424ab558/‌kommunikation_‌senecura.pdf)

Die Inhalte jeglicher Kommunikation sind niemals Worte allein, sondern auch eine Vielzahl von nichtsprachlichen Umständen (z.B. Sprechtempo, Sprache oder Geräusche), Körpersprache und Haltung. Im Wesentlichen zusammengefasst bedeutet dies: Verhalten des Menschen. (vgl. Watzlawick; 13 2017. S. 45)

Dass Kommunikation ein wichtiger Bestandteil des wertschätzenden Miteinanders ist, ist schon lange bekannt. In den letzten Jahrzehnten haben sich viele Fachleute mit diesem Themengebiet auseinandergesetzt und versucht, die Hintergründe von Kommunikationsvorgängen näher zu beleuchten, wissenschaftlich zu analysieren, systemisch aufzuarbeiten und haben versucht, Erklärungen für Kommunikationsphänomene zu finden. Hierzu wurden auch sämtliche Erkenntnisse anderer Fachbereiche z.B. aus der Psychologie und Psychotherapie herangezogen. Viele Modelle wurden seit jeher weiterentwickelt und ergänzt.

Im nächsten Kapitel stelle ich jene Kommunikationsmodelle und/oder –theoretiker vor, die ich für mein Training herangezogen habe und somit für die theoretische Grundlage des Trainings von Relevanz sind.

3 Kommunikationsmodelle und –theoretiker

Eine Vielzahl von Kommunikationsmodellen steht zur Auswahl und wäre für ein Kommunikationstraining ideal. Meine Wahl fiel auf das klassische Sender-Empfänger-Modell von Shannon und Weaver, Paul Watzlawick und seine Axiome sowie auf Friedemann Schulz von Thun und das Modell der 4 Seiten/Ohren.

Für mich greifen diese drei Modelle schön ineinander und werden immer weiter ergänzt. Zu Beginn ist das Sender-Empfänger-Modell, das auf reine Informationsweitergabe fokussiert ist. Paul Watzlawick hat erkannt, dass eine Nachricht nicht einfach nur eine Nachricht ist, sondern dass in ihr noch mehrere Aspekte innewohnen. Ebenso Schulz von Thun, der dies noch weiterführte. Durch dieses ineinandergreifen und weiterdenken, kann Wertschätzung in das eigene Kommunikationsverhalten gelegt werden. Bei Kenntnis dieser Modelle, kann auf die vielfältigen Botschaften einer Nachricht besser eingegangen werden und die Gesprächsführung wird für beide Seiten als positiver und wertschätzender empfunden.

3.1 Sender-Empfänger Modell

„Gesagt ist noch nicht gehört,

gehört ist noch nicht verstanden,

verstanden ist noch nicht einverstanden,

einverstanden ist noch nicht getan,

getan ist noch nicht beibehalten.“

(Konrad Lorenz, 1903 – 1989)

Ein weitverbreitetes Kommunikationsmodell ist das Sender-Empfänger Modell der beiden Mathematiker Shannon und Weaver.

Dieses Modell beinhaltet 5 Bestandteile: eine/n Sender/in, ein Sendegerät (Kodierwerkzeug), einen Kommunikationsweg oder Übermittlungskanal, ein Empfangsgerät (Dekodierwerkzeug) und natürlich eine/n Empfänger/in.

Bei diesem Modell wird die Übertragung einer Information von einer Person zur anderen Person beschrieben.

Person A überbringt sprachlich (Sendegerät = Stimme) eine Nachricht, die von ihr zunächst kodiert wurde. Person B hört (Empfangsgerät = Ohr) diese Nachricht und versucht diese zu dekodieren.

Auf dem Weg zwischen den beiden Personen kann es jedoch zu Störungen kommen. Diese können unter anderem undeutliches Sprechen, Rauschen, Sprachdefizite, Hörprobleme oder dergleichen sein. Der Sender kann sich mittels Feedbacks eine Rückmeldung vom Empfänger holen, um zu kontrollieren ob seine Nachricht auch richtig angekommen und verstanden worden ist. (vgl. https://www.mental-austria.com/blog/sender-empfaenger-modell-shannon-weaver-mental-austria-mentalcoach-hypnose-tirol-michael-deutschmann)

Das Sender-Empfänger-Modell wird von vielen Kommunikationswissenschaftlern zitiert und weitergedacht.

3.2 Die fünf Axiome nach Watzlawick

Paul Watzlawick, österreichisch-amerikanischer Wissenschaftler, war im deutschsprachigen Raum vor allem für seine veröffentlichten Kommunikationstheorien bekannt.

Gemeinsam mit Janet H. Beavin und Don D. Jackson hat Paul Watzlawick fünf Axiome1 entworfen, die als Grundlage ihrer Kommunikationstheorie fungieren.

Besonders die ersten drei Axiome sind für mein Training relevant, die in den nachfolgenden Unterkapiteln näher beleuchtet werden. Der Vollständigkeit halber werden aber auch die letzten beiden Axiome kurz erwähnt. (vgl. https://de.wikipedia.org/wiki/‌Paul_Watzlawick)

3.2.1 Erstes Axiom

„Man kann nicht nicht kommunizieren“ (Watzlawick; 2017. S. 46)

Die Kommunikation zwischen zwei Personen ist auch eine Interaktion. Die Inhalte von Kommunikation bzw. von Nachrichten sind niemals Worte allein. Viele Dinge schwingen in einer einzigen Nachricht mit. Dies sind zum Beispiel der Tonfall, die Sprache an sich, das Sprechtempo, Mimik, Gestik und auch die Körperhaltung und -sprache. Also auch das eigene Verhalten der kommunizierenden Person ist Kommunikation.

Jede Äußerung, auch wenn diese nichtsprachlich erfolgt, ist Kommunikation. Dazu reicht es den Kopf zu schütteln, die Augen zu verdrehen, Schweigen oder auch gar keine Handlung zu setzen. (vgl. Watzlawick; 13 2017. S. 44 – 46)

3.2.2 Zweites Axiom

„Jede Kommunikation hat einen Inhalts- und einen Beziehungsaspekt, derart, dass letzterer den ersteren bestimmt und daher eine Metakommunikation ist.“ (Watzlawick, 13 2017. S. 49)

Wenn eine Nachricht übermittelt wird, dann enthält sie vor allem Information, also einen Inhalt. Worum geht es?

Diese Nachricht beinhaltet aber noch mehr, ist aber zunächst nicht so auffällig wie der Inhalt. Es ist die Beziehung. Wie steht der Sender/die Senderin zum Empfänger/zur Empfängerin?

Dies signalisiert er/sie mit der Wahl der Stimmfarbe, Stimmlage, des Tones sowie Mimik und Gestik usw.

Nachdem die Beziehung durch oben genanntes offensichtlich wurde, kann der Empfänger/die Empfängerin der vom Sender/von der Senderin definierten Beziehung zustimmen, abwehren oder neu definieren.

Die Beziehungsebene wird nicht wirklich bewusst dargebracht. Vor allem in guten Beziehungen werden diese Signale eher im Hintergrund ablaufen, als bei schlechten Beziehungsverhältnissen, bei denen dafür der Inhaltsgehalt einer Nachricht eher im Hintergrund zu finden ist. (vgl. Watzlawick; 13 2017. S. 46 – 49)

3.2.3 Drittes Axiom

„Die Natur einer Beziehung ist durch die Interpunktion der Kommunikationsabläufe seitens der Partner bedingt.“ (Watzlawick, 13 2017. S. 53)

Das dritte Axiom beschäftigt sich mit der Interaktion zwischen zwei Gesprächsteilnehmern. Diese Interaktion ist eine Abfolge von Reiz und Reaktion und somit einer Struktur unterlegen. Diese Abfolge organisiert menschliches Verhalten und ist somit ein grundlegender Beziehungsanteil. Unterschiede während dieser Abfolge ist der Ursprung von Konflikten auf der Beziehungsebene, vor allem dann wenn die Interaktion ein ständiges Hin und Her ist und keiner der beiden Gesprächs- bzw. Interaktionspartner/innen weiß, warum der/die andere so handelt, wie er/sie eben handelt. Der Beginn dieses Kreislaufes ist meist nicht mehr bekannt. (vgl. Watzlawick; 13 2017. S. 50 – 53)

3.2.4 Viertes und fünftes Axiom

Paul Watzlawick hat insgesamt 5 Axiome dargestellt. Für mein Training habe ich mir nur die ersten 3 Axiome herausgenommen, da die letzten beiden Axiome ohnedies in den weiteren Modellen (Friedemann Schulz von Thun, Transaktionsanalyse) Erwähnung finden. Damit die Axiome vollständig sind, werden diese noch zitiert. Axiom 4 wäre:

„Menschliche Kommunikation bedient sich digitaler (also verbaler) und analoger (also non-verbaler) Modalitäten (d.h. Ausdrucksmittel). Digitale Kommunikationen haben eine komplexe und vielseitig logische Syntax aber eine auf dem Gebiet der Beziehungen unzulänglicher Semantik. Analoge Kommunikationen hingegen besitzen dieses semantische Potenzial, ermangeln aber die für eindeutige Kommunikation erforderliche Syntax.“ (Watzlawick, 13 2017. S. 58)

und Axiom Nummer 5 ist:

„Zwischenmenschliche Kommunikationsabläufe sind entweder symmetrisch oder komplementär, je nachdem ob die Beziehung zwischen den Partnern auf Gleichgewicht oder Unterschiedlichkeit beruht.“ (Watzlawick, 13 2017. S. 61)

3.3 Kommunikationsmodell nach Friedemann Schulz von Thun

Für das Training habe ich mich jedoch primär für das Kommunikationsmodell von Schulz von Thun entschieden, da mir dieses dafür am geeignetsten erscheint.

In der zwischenmenschlichen Kommunikation kann es schnell zu Unklarheiten und Ungereimtheiten kommen. Dies wird durch die Anatomie einer Nachricht begünstigt. Schulz von Thun hat in seinem Buch nicht wirklich etwas Neues geschrieben, sondern vielmehr auf Altes zurückgegriffen und dieses anschaulich und nachvollziehbar erklärt. Sein Modell bzw. seine Darstellung der Kommunikation und ihre Probleme und Hürden können zu einem besseren Verständnis des eigenen Kommunikationsverhaltens führen und somit zu einem wertschätzenden Miteinander und einer Kommunikation auf Augenhöhe. (vgl. Schulz von Thun; 53 2019. S. 11f)

Friedemann Schulz von Thun war Professor an der Universität Hamburg im Fachbereich Psychologie mit den Schwerpunkten Beratung und Training.

3.3.1 Die 4 Seiten einer Nachricht

Während Paul Watzlawick von 2 Ebenen einer Nachricht (Inhaltsebene und Beziehungsebene) spricht, hat Schulz von Thun erkannt, dass einer Nachricht mehrere Ebenen innewohnen. Aus diesem Grund hat er diese in vier, für die Menschen sehr wichtige, Aspekte gegliedert.

Der Sachinhalt

Der Sachinhalt informiert über die eigentliche Sache. Worum geht es überhaupt? Wenn es um eine Sache geht, sollte diese auch im Vordergrund stehen. Befindlichkeiten und Gefühle bleiben im Hintergrund. Es geht rein um Fakten, Daten und Zahlen. (vgl. Schulz von Thun; 53 2016. S. 28)

Die Selbstoffenbarung

Mit einer Nachricht gibt der Sender/die Senderin nicht nur den Sachinhalt bekannt, sondern er/sie schickt auch viele Informationen über sich selbst mit. Was gibt er/sie von sich selbst preis? Bei dieser Seite der Nachricht kann sich der Sender/die Senderin in das richtige Licht stellen, sich als die Person präsentieren, die ihm/ihr zusagt. Drückt er/sie sich gewählt aus? Wie sind seine/ihre Gedankengänge? Welche Sprache spricht er/sie und hat er/sie einen Dialekt? Der Sender/Die Senderin kann sich dadurch von seiner/ihrer besten Seite zeigen. Aber auch was er/sie verheimlichen oder verbergen möchte. Die Selbstoffenbarungsseite einer Nachricht enthält ICH-Botschaften. (vgl. Schulz von Thun; 53 2016. S. 29 – 30)

Die Beziehungsseite

In einer Nachricht ist, neben der Sache und der Selbstoffenbarung, auch die Beziehungsebene vertreten. Die Beziehungsebene einer Nachricht ist eine besondere Form der Selbstoffenbarung. Schulz von Thun behandelt diesen Aspekt aber als eigenen Bestandteil einer Nachricht. Wie ist die Beziehung zwischen Sender/in und Empfänger/in und was hält diese/r eigentlich vom Empfänger/von der Empfängerin? Die Beziehungsebene zeigt sich im Tonfall, in der Wortwahl, in der Formulierung und in vielen anderen nonverbalen Signalen wieder. (vgl. Schulz von Thun; 53 2016. S. 30 – 31)

Die Appellseite

Die vierte Seite einer Nachricht ist die Appellseite. Der Sender/Die Senderin möchte, in den meisten Fällen, den Empfänger/die Empfängerin dazu veranlassen eine Handlung zu setzen. Was soll der Empfänger/die Empfängerin aufgrund der Aussage des Senders tun bzw. nicht tun? Der Appell kann offen und klar hörbar sein oder auch manipulativ und versteckt. Die Appellseite ist immer von der Beziehungsseite zu differenzieren, da ein Appell immer mehrere Beziehungsbotschaften offenlegen kann. (vgl. Schulz von Thun; 53 2016. S. 32 – 33)

3.3.2 Empfangen einer Nachricht mit vier Ohren

Es sind immer alle vier Seiten beim Sender/bei der Senderin im Spiel, das heißt auch, dass er/sie alle vier Seiten in seinem Kommunikationsrepertoire vorrätig haben muss. Würde zum Beispiel immer nur die Sachseite der Nachricht im Vordergrund stehen, dann führe dies zu Kommunikationsstörungen, da etwa die Beziehungsseite darunter leiden würde.

So wie der Sender/die Senderin seine Nachricht in vier Aspekte einteilt, so kann auch der Empfänger/die Empfängerin mit vier Ohren die Nachricht hören und muss diese dann entschlüsseln. Um jedem Ohr gerecht zu werden, würden uns biologisch gesehen zwei Ohren fehlen. Der Empfänger/Die Empfängerin entscheidet, mit welchem Ohr er/sie vorrangig die Nachricht aufnehmen möchte. Dies hat zu Folge, dass ein und dasselbe Gespräch verschiedene Auswirkungen nehmen kann. Oftmals ist es so, dass ein Ohr besonders gut ausgebildet ist. Die anderen Ohren bleiben dann auf der Strecke. (vgl. Schulz von Thun; 53 2016. S. 48 – 51)

Das Sach-Ohr

Ein Großteil der Empfänger/innen (vor allem Akademiker/innen und Männer) ist darauf spezialisiert, die Sachseite einer Nachricht zu erfassen und auf diese zu reagieren. Dies ist dann hinderlich, wenn die Nachricht nicht auf der sachlichen Ebene liegt, sondern vielmehr auf der Beziehungsebene und im zwischenmenschlichen Bereich. (vgl. Schulz von Thun; 53 2016. S. 51 – 55)

Das Beziehungsohr

Der Empfänger/Die Empfängerin mit dem großen Beziehungsohr hört aus jeder noch so neutralen Botschaft eine Anfeindung oder Bewunderung der eigenen Person heraus. Das bedeutet, dass er/sie alles auf sich selbst bezieht und sich persönlich angegriffen fühlt. Er/Sie hat das Gefühl, beleidigt zu werden, fühlt sich ausgelacht oder beschuldigt, kritisch beobachtet oder es fehlt ihm/ihr an Aufmerksamkeit. Er/Sie ignoriert den Sachinhalt einer Nachricht vollkommen und steigt auf die Beziehungsebene hinab. (vgl. Schulz von Thun; 53 2016. S. 56 – 59)

Das Selbstoffenbarungsohr

Wenn das Selbstoffenbarungsohr besser geschult als das Beziehungsohr ist, dann kann dies vorteilhafter für die zwischenmenschliche Kommunikation sein. Das Selbstoffenbarungsohr hört Aspekte aus einer Nachricht, die der Sender/die Senderin über sich selbst bekannt gibt. Bei Anklagen, Ausbrüchen oder Vorwürfen wäre es oft angebrachter mit dem Selbstoffenbarungsohr zu hören. Somit kann auf die Gefühle des Gegenübers besser eingegangen werden ohne sich selbst angegriffen zu fühlen. Das Zuhören und annehmen des Senders/der Senderin gelingt dann besser. (vgl. Schulz von Thun; 53 2016. S. 59 – 62)

Das Appellohr

Wenn der Empfänger/die Empfängerin jeden Wunsch erfüllen und jeden alles recht machen möchte, dann hat er/sie ein überaus großes Appellohr entwickelt. Immer auf der Suche nach einer neuen Aufforderung und somit auch Arbeitsbeschaffung. Der Empfänger/die Empfängerin kümmert sich fürsorglich um das Wohlergehen des Senders/der Senderin ohne dabei an seine/ihre eigenen Bedürfnisse und Wünsche zu denken. (vgl. Schulz von Thun; 53 2016. S. 64 – 67)

[...]


1 Ein Axiom ist „ein unbeweisbarer aber in sich einsichtiger Grundsatz, der als Ausgangspunkt einer deduktiven Theorie dient.“ (https://www.wortbedeutung.info/Axiom/)

Details

Seiten
40
Jahr
2019
ISBN (eBook)
9783668928114
ISBN (Buch)
9783668928121
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v468434
Institution / Hochschule
Kirchliche Pädagogische Hochschule Wien / Krems
Note
1,0
Schlagworte
professionelle gesprächsführung lehrberuf training lehrer/innen 4 Ohren Transaktionsanalyse ICH-Zustände 4 Seiten einer Nachricht Watzlawick Grundlagen der Kommunikation

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