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Der Behavioral Finance Ansatz

Über Anlageentscheidungen und Kapitalmarkttheorie

Seminararbeit 2016 15 Seiten

BWL - Investition und Finanzierung

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

1. Einleitung
1.1. Problemstellung
1.2. Zielsetzung
1.3. Vorgehensweise

2. Grundlagen klassischer Kapitalmarkttheorie
2.1. Portfoliotheorie nach Markowitz
2.2. Capital Asset Pricing Model
2.3. Homo Oeconomicus

3. Behavioral Finance
3.1. Was ist Behavioral Finance?
3.2. Heuristiken
3.2.1. selektive Wahrnehmung
3.2.2. Verankerungsheuristik
3.3. Rahmeneffekte
3.3.1. Verlustaversion
3.3.2. Regret aversion
3.4. Anomalien
3.4.1. Kalenderanomalien
3.4.2. Informationsanomalien

4. Kritische Würdigung

5. Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Wertefunktion der Prospect Theory6

1. Einleitung

1.1. Problemstellung

Die bisherige Kapitalmarktforschung ist geprägt von der Annahme des Vorhandenseins eines rationalen Anlegers, dem sogenannten „homo oeconomicus“. Dieser wird u.a. bereits – in „schwacher Form“ - auch in der Portfoliotheorie (nach Markowitz) unterstellt.

Hierbei geht man von einem stets rational denkenden und agierenden Anleger aus.1 Die jüngsten Erkenntnisse und Folgen der Finanzmarktkrise zeigen jedoch, dass es offenbar zu Fehlbewertungen von Assets kommen kann und die Finanzmärkte sowie dessen Akteure stark verunsichert werden können. Einhergehend mit dieser Verunsicherung, stellt sich nun die Frage welchem Verhaltensmuster der doch eigentlich „rationale“ homo oeconomicus bei Anlageentscheidungen unterliegt?2

1.2. Zielsetzung

Ziel dieser Arbeit ist es, dem Leser einen Überblick über die bisher vorherrschende Kapitalmarkttheorie, in Anlehnung an den homo oeconomicus, die Portfoliotheorie sowie das Capital-Asset-Pricing-Model zu verschaffen und aufzuzeigen, wie wichtig die Erweiterung dieser Modelwelt unter Einbezug verhaltenspsychologischer Entscheidungskriterien der Marktakteure ist. Die Behavioral Finance liefert hierbei als erstes Forschungsfeld einen „verhaltenswissenschaftlichen Ansatz“ zur Erklärung von irrationalen Anlageentscheidungen „rationaler“ Anleger. Dem Leser soll aufgezeigt werden, welche Heuristiken („psychologische Daumenregeln“) und Rahmeneffekte (Beschreibung eines Entscheidungsproblems) hierbei zum Tragen kommen, sowie welche Marktanomalien auftreten können.

Ziel dieser Arbeit ist es, dem Leser einen Überblick über die bisher vorherrschende Kapitalmarkttheorie, in Anlehnung an den homo oeconomicus, die Portfoliotheorie sowie das Capital-Asset-Pricing-Model zu verschaffen und aufzuzeigen, wie wichtig die Erweiterung dieser Modelwelt unter Einbezug verhaltenspsychologischer Entscheidungskriterien der Marktakteure ist. Die Behavioral Finance liefert hierbei als erstes Forschungsfeld einen „verhaltenswissenschaftlichen Ansatz“ zur Erklärung von irrationalen Anlageentscheidungen „rationaler“ Anleger. Dem Leser soll aufgezeigt werden, welche Heuristiken („psychologische Daumenregeln“) und Rahmeneffekte (Beschreibung eines Entscheidungsproblems) hierbei zum Tragen kommen, sowie welche Marktanomalien auftreten können.

1.3. Vorgehensweise

Zur Lösung der Problemstellung sowie Erreichung der Zielsetzung wird zunächst in Kapitel 2 auf die Grundlagen bis dato vorherrschenden Kapitalmarkttheorie eingegangen. Angefangen mit Kapitel 2.1. der Kapitalmarkttheorie nach Markowitz als Grundstein der weiteren Empirie bis hin zur Erweiterung dieser im Capital Asset Pricing Model im Kapitel 2.2. unter der gesonderten Bezugnahme auf den Homo Oeconomicus im Kapitel 2.3. Anschließend wird dem Leser im Kapitel 3.1. ein Überblick über das Forschungsfeld der verhaltensökonomischen Sichtweise (Behavioral Finance) gegeben. Zur Vertiefung sowie Klarstellung, der in 3.1. erwähnten Forschungs- und Beobachtungsfelder, folgen, anhand ausgewählter Beispiele, im Kapitel 3.2., 3.3. und 3.4. Erläuterungen und Erklärungen. Das Kapitel 4 befasst sich schlussendlich mit der kritischen Würdigung der aus der Fachliteratur erarbeiteten Erkenntnisse.

2. Grundlagen klassischer Kapitalmarkttheorie

2.1 . Portfoliotheorie nach Markowitz

Harry Markowitz war der erste Wissenschaftler, der eine „ ... Theorie zur Optimierung von riskanten Wertpapierportefeuilles ausgearbeitet hat ...“3, welche durch James Tobin weiterentwickelt und schließlich William F. Sharpe als Grundlage für das Capital Asset Pricing Model diente. Ausgangspunkt seiner Theorie war die Beobachtung, dass Anleger ihr Vermögen auf mehrere Anlagetitel teilen (diversifizieren). Vor diesem Hintergrund untersucht Markowitz den Sinn einer Diversifikation, unter den Annahmen (nicht alle werden hier genannt), dass Anleger risikoscheu sind, Wertpapiere beliebig teilbar, Transaktionskosten und Steuern nicht existieren sowie Renditen normal verteilt sind.4 Da als allgemeingültiges Ziel eines jeden Investors die Erzielung eines hohen Ertrags – bei niedrigem Risiko – festgehalten werden kann, gilt für Markowitz ein Portfolio in folgenden Fällen als „effizient“:

- wenn es kein weiteres gibt, welches bei gegebener Renditeerwartung ein geringeres Risiko aufweist,
- bei gegebenem Risiko eine höhere Renditeerwartung erzielt und / oder sowohl eine höhere Rendite als auch ein geringeres Risiko erreicht.5

Dies visualisiert Markowitz in der sog. „Efficient-Curve“ in Abhängigkeit von der Volatilität zur Rendite eines Portfolios.

2.2 . Capital Asset Pricing Model

Im Rahmen der Bearbeitung des Behavioral Finance Ansatzes und der begrenztes Kapazität dieser Arbeit werden nur die wesentlichen Aussagen des Capital Asset Pricing Models wiedergegeben, ohne das Thema in der eigentlich notwendigen Tiefe zu bearbeiten. Die komplette Ausarbeitung des CAPM würde den Rahmen dieser Arbeit sprengen.

Bei der Weiterentwicklung der Portfoliotheorie wird insbesondere die Annahme gestellt, dass es einen risikolosen Zinssatz gibt, zu welchem Anleger unbegrenzt Mittel aufnehmen oder anlegen können werden können und Investoren sich rational verhalten (Homo Oeconomicus).

In Addition zu den in 2.1. genannten Annahmen gilt hinsichtlich des Kapitalmarktes, dass es keinerlei Zugangsbeschränkungen gibt und alle Investoren dieselben homogenen Erwartungen haben. Diese vier Annahmen sowie die in 2.1. erwähnte „beliebige Teilbarkeit“ von Wertpapieren stellen zusammen den „vollkommenen Markt“ dar.

Abgeleitet aus diesen Annahmen spricht das CAPM erstmals von einem sog.

„Marktportfolio“, welches alle risikobehafteten Assets eines Marktes beinhaltet.6 Des Weiteren erkennt das CAPM, dass diversifizierbares Risiko vom Markt nicht entlohnt wird. Mit anderen Worten bedeutet dies, dass lediglich die Übernahme von systematischen Risiken (Marktrisiko) entlohnt wird. Der Kapitalmarkt zahlt dem Investor keine Prämie für das wegrationalisieren des unsystematischen (firmenspezifisches Risiko) Risikos durch Diversifikation. Aus dem Model ergibt sich außerdem ein sog. „Beta-Faktor“, welche den relativen Beitrag eines Assets zur Varianz des Marktportfolios wiedergibt.7

2.3 . Homo Oeconomicus

Der durch die Annahmen der klassischen Kapitalmarkttheorie entsprungene „Homo Oeconomicus“ handelt „...ausschließlich nach wirtschaftlichen Gesichtspunkten [und] ... kennt nur ökonomische Ziele...“.8 Bei der Verfolgung seiner Ziele trifft ist er stets rationale Entscheidung und ist sich seinen Alternativen sowie den Folgen seiner Entscheidungen bewusst. Er setzt außerdem einen vollkommenen Markt voraus und besitzt folglich stetig sämtliche Information über Märkte und / oder Güter.9 Die eigene Nutzenmaximierung spielt bei der Entscheidungsfindung bzw. bei seinem Verhalten eine tragende Rolle, die Schädigung anderer nimmt er gar in Kauf. Lediglich der eigene Nutzen ist von Bedeutung.10

Zur Vereinfachung bzw. Veranschaulichung der klassischen Kapitalmarkttheorie nach Markowitz, Tobin oder Sharpe mag der Ansatz eines rationalen Anlegers / Menschen von Vorteil sein. Es wird jedoch schnell klar, dass es in der Realität einen in dieser Art und Weise agierenden Menschen mit solcher Informationsfülle nicht gibt. Der verhaltensökonomische Forschungsansatz trennt sich genau von diesem Leitbild und zeigt auf wie Markteilnehmer tatsächlich Informationen verarbeiten und Entscheidungen treffen.

3. Behavioral Finance

3.1. Was ist Behavioral Finance?

Das Forschungsgebiert der Verhaltensökonomie kann man als eine Art „… Schnittmenge zwischen Ökonomie und Psychologie ..“ verstehen.11 Durch die Loslösung der Annahmen der klassischen Kapitalmarktheorie, insbesondere die des Homo Oeconomicus12, ist es der Versuch, „… das Menschenbild der Ökonomie mit dem Menschenbild der Psychologie wieder zu versöhnen.“13

So wird mit dem Ziel der Identifikation von Einflussfaktoren, auf welche in den kommenden Kapiteln eingegangen wird, in der Behavioral Finance vor allem die Art und Weise der Informationsauswahl und -verarbeitung von Anlegern untersucht.14 Zu diesen zählen die sog. „Heuristiken“, welche als mentale Abkürzungen bei Problemlösungen / Entscheidungsfindungen zu verstehen sind.15 Ein weiterer Einflussfaktor sind die „Framing (Rahmen)-Effekte“. Hierbei beobachtet man, dass die ein und dieselbe Problemstellung durch unterschiedliche Darstellungsweisen unterschiedliche Entscheidungen hervorrufen kann.16 „Entscheidungen von Personen sind [also] stark von der Art der Präsentation …, dem sogenannten Entscheidungsrahmen, abhängig.“17 Des Weiteren untersucht und widerlegt der verhaltensökonomisch geprägte Forschungsansatz auch die These der vollkommenen Informationseffizienz der Kapitalmärkte und der damit verbundenen Ausgeschlossenheit der Erzielung einer Überrendite bei gegebenem Risiko.18

[...]


1 Vgl. Goldberg, Nitzsch (2004), S.38

2 Vgl. Deutsche Bundesbank (2011), S. 45

3 Fischer (2002), S.41

4 Vgl. Fischer (2002), S.41 ff.

5 Vgl. Michalky, Schittler (2008), S.187 f.

6 Vgl. Fischer (2002), S.71/72

7 Vgl. Braun (2009), S. 156

8 bpb (2013)

9 Vgl. bpb (2013)

10 Vgl. Niederer (2004), S. 16

11 Landes, Steiner (2013), S.48

12 Vgl. Beck (2014), S. 1 ff.

13 Beck (2014), S. 9

14 Vgl. Schriek (2014), Kap. 1

15 Vgl. Beck (2014), S. 25

16 Vgl. Goldberg, Nitzsch (2004), S.90

17 Golsch (2002)

18 Vgl. Roßbach (2001), S. 7

Details

Seiten
15
Jahr
2016
ISBN (eBook)
9783668945203
ISBN (Buch)
9783668945210
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v468538
Institution / Hochschule
FOM Hochschule für Oekonomie & Management gemeinnützige GmbH, Köln
Note
2,3
Schlagworte
Behavioral Finance CAPM Portfoliotheorie Rahmeneffekte Heuristiken Anomalien

Autor

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Titel: Der Behavioral Finance Ansatz