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Welche Motive gibt es für den beruflichen Wiedereinstieg nach der Elternzeit für Paare?

Hausarbeit 2017 19 Seiten

Ernährungswissenschaft / Ökotrophologie

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

1. Problemstellung

2. Forschungsstand

3. Fragestellung

4. Zielsetzung und Erkenntnisinteresse

5. Methoden und Material

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Das haushälterische Dreieck (nach:Schweitzer 1991, 137ff)

1. Problemstellung

Die Müttererwerbsquote ist in den vergangenen Jahren deutlich angestiegen. Lag sie im Jahr 2008 bei etwa 65% der Mütter zwischen 25 und 60 Jahren, so liegt sie im Jahr 2010 bei 71% (BMFSFJ (Hg.) 2013, S. 10). Die vorausgehende Erwerbsunterbrechung aufgrund der Geburt eines Kindes dauert bei 59% der Wiedereinsteigerinnen weniger als drei Jahre (BMFSFJ (Hg.) 2013, S. 14). Der Wiedereinstieg und die Entscheidung zu diesem stellt einen (häufig über mehrere Jahre andauernden) Prozess dar, an dem die gesamte Familie direkt oder indi- rekt beteiligt ist (Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) (Hg.) 2010; BMFSFJ (Hg.) 2013, S. 6).

Dieser Anstieg ist unter anderem auf rechtliche Änderungen, wie zum Beispiel die Einführung des Elterngeldes im Jahr 2007 zurückzuführen, durch die der Anteil der Väter, die die Eltern- zeit in Anspruch nahmen um über 30% anstieg (Statistisches Bundesamt (Hg.) 2008, 2016). Die Väter, die ihre Erwerbsarbeitszeit zugunsten der Sorgearbeit (Care) für ihre Kinder ver- ringern, werden in verschiedenen Studien als „neue“ Väter bezeichnet (Abel und Abel 2009; Ehnis 2009; Döge und Volz 2002; Walter 2002; Zulehner 2004). In einer aktuellen Studie des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) geben zudem circa 70% der Väter an, dass sie deutlich mehr Sorgearbeit leisten als die Väter ihrer Elterngenera- tion. Überdies äußert jeder zweite, dass er sich die Betreuung der Kinder mit seiner Partnerin teilen möchte. Die Reduktion der Erwerbsarbeit darf ihren beruflichen Erfolg jedoch nicht minimieren (BMFSFJ (Hg.) 2016a).

Trotz dieser Entwicklungen sehen Männer die Erwerbsunterbrechung der Frau als „normal“ an, bezogen auf sich selbst bezeichnen sie eine Erwerbsunterbrechung zugunsten der Sorgear- beit als Irregularität (BMFSFJ – Perspektive Wiedereinstieg, Frauen 2010 S.10).

Auf diesen Rollenbildern basiert die Verteilung der einzelnen Familienmodelle. Zwar möch- ten 84% der Mütter erwerbstätig sein, sei es im „gleichgestellten Modell“ oder im „traditio- nellen Zuverdienermodell“, in welchem die in Teilzeit beschäftigte Mutter die Hauptverant- wortung für die Sorgearbeit trägt, während der Vater den Großteil der Erwerbsarbeit leitet, um das Haushaltseinkommen zu sichern. Nur 16% der Mütter bevorzugen in der Umfrage das „traditionelle Ernährermodell“ (BMFSFJ (Hg.) 2010). In der Realität ist der Mann in 65% der Partnerschaften der Hauptverdiener (BMFSFJ (Hg.) 2013, S. 36).

Einer der Gründe für diese Verteilung ist die sogenannte Gender-Pay-Gap, da meist der Part- ner mit dem höheren Einkommen - das ist in 90% der Fälle der Mann – weiter arbeitet, da für ihn ökonomisch-rational gesehen die höheren Opportunitätskosten anfallen, wenn er sich für eine familienbedingt Auszeit entscheidet (Wippermann 2016; Sundström und Duvander 2002; Oberndorfer und Rost 2002; Connelly und Kimmel 2007).

Ungeachtet dieses Zustandes geben in einer Studie des BMFSFJ 41% der Frauen und 48% der Männer an, dass in ihrer Beziehung weitgehend Parität besteht. Die gleiche Studie besagt je- doch auch, dass 58% der Frauen im Allgemeinen der Meinung sind, dass die Gleichstellung der Geschlechter heute noch nicht verwirklicht ist (BMFSFJ (Hg.) 2016b, S. 70–72).

Im Jahr 2007 sind die meisten Aufgaben im Haushalt durch die Frau erledigt worden. 2015 sind diese Zahlen ist fast allen Tätigkeitsfeldern in der Haus- und Sorgearbeit signifikant zu- rückgegangen. Trotz dieses Rückgangs liegt der Anteil bei vielen dieser Tätigkeitsfelder über 50% (BMFSFJ (Hg.) 2016b, S. 71). In einer Umfrage im Jahr 2013 stellte das BMFSFJ zu- dem fest, dass Frauen die Unterstützung, die ihr Partner ihnen bei der Haus- und Sorgearbeit zugesichert hat, um sie im beruflichen Wiedereinstieg zu unterstützen, in der Realität kaum beziehungsweise gar nicht festzustellen ist (BMFSFJ (Hg.) 2013).

80% der Mütter geben an, dass sie die gesamte, beziehungsweise den größten Teil der Sorge- arbeit übernehmen (Institut für Demoskopie (Hg.) 2008). Entscheidet sich die Frau für den Wiedereinstieg in den Beruf, konkurrieren Erwerbs- und Sorgearbeit um die zeitlichen und energetischen Ressourcen (Deutscher Verein für öffentliche und private Fürsorge (Hg.) 2009). Neben dieser dauerhaften Mehrfachbelastung, die neben der mangelnden Unterstützung in- nerhalb der Familie auch aus einem hohen, unterschätzten Arbeitszeitvolumen resultiert, tre- ten häufig weitere Herausforderungen beziehungsweise Barrieren auf, die die Vereinbarkeit von Familie und Beruf erschweren (OECD (Hg.) 2005; BMFSFJ (Hg.) 2013, S. 32).

Weitere Barrieren sind der Wettbewerbsnachteil der Frauen (resultierend aus der Unterbre- chung der Erwerbstätigkeit und dem fortgeschrittenen Alter), veraltetes berufliches Wissen (Diener et al. 2013a), nicht ausreichende Betreuungsmöglichkeiten für die Kinder (in Bezug auf Anzahl, Organisation, Öffnungszeiten, Kosten) (BMFSFJ (Hg.) 2010; Wippermann 2016), nicht-übereinstimmende Erwartungen der Frauen und der Arbeitgeber (BMFSFJ (Hg.) 2013, S. 6) sowie der Widerstand in Betrieben, wenn der Mann in Elternzeit gehen möchte ((Puchert und Abril 2005, S. 84; Döge und Behnke 2005, S. 40; Wippermann 2016), da Väter, die sich aktiv an der Sorgearbeit beteiligen, für Unternehmen schwerer vorstellbar sind, als Mütter (Schmidt 2004, S. 23). Aufgrund der Barrieren sind Frauen nach dem Wiedereinstieg häufig in Teilzeitarbeit tätig (BMFSFJ (Hg.) 2016b, S. 18).

Insgesamt 50% der Frauen zwischen 30 und 50 Jahren sehen sich mit hohe Hürden konfron- tiert, um Beruf und Familie zu vereinbaren (BMFSFJ (Hg.) 2016b, S. 50–51). Unter anderem deshalb denken 1/3 der Wiedereinsteigerinnen nach der Rückkehr in die Erwerbstätigkeit über ein erneutes Ausscheiden aus dem Beruf nach (BMFSFJ (Hg.) 2013, S. 6). Um den Wieder- einstieg zu bewältigen benötigen Frauen Kompetenzen, wie zum Beispiel Empowerment, Mut und Durchsetzungsfähigkeit, mit denen sie Entscheidungen bezüglich ihres weiteren Lebens- verlaufs treffen können (BMFSFJ (Hg.) 2016b, S. 8). Dabei werden sie durch Projekte wie zum Beispiel die „Perspektive Wiedereinstieg“ des BMFSFJ (seit 2009) unterstützt (Diener et al. 2013a).

Der berufliche Wiedereinstieg verläuft nicht bei jeder Frau gleich, da ihre Lebensverläufe nicht „standardisiert“ sind (BMFSFJ (Hg.) 2013, S. 7). Frauen mit niedrigem Einkommen und ostdeutsche Frauen kehren häufiger in das Berufsleben zurück (Geyer et al. 2012; Wrohlich und Berger 2012), je älter eine Frau bei der Geburt ihres Kindes ist, desto länger unterbricht sie die Erwerbstätigkeit (Elsas et al. 2013, S. 128) und je höher ihr Bildungsniveau ist, desto eher beendet sie die erwerbslose Zeit (Drasch 2013; Elsas et al. 2013; Grunow et al. 2011; Ziefle 2009). Frauen aus älteren Generationen sehen die Erwerbsunterbrechung beziehungs- weise den Erwerbsabbruch als „Normalfall“ an, jüngere Frauen hingegen möchten möglichst schnell in die Erwerbstätigkeit zurückkehren (BMFSFJ (Hg.) 2010, S. 9–10).

Der Wiedereinstieg ist abhängig von sozialen Milieus/ Sinus-Milieus (Wippermann 2016, 27ff). Die Sinus-Studien zeigen die Pluralität der weiblichen Lebensverläufe: „es gibt heute nicht – mehr – die Wiedereinsteigerin und auch die Umstände für einen beruflichen Wieder- einstieg unterscheiden sich von Frau zu Frau“ (BMFSFJ (Hg.) 2010, S. 10). Grund dafür sind unter anderem die unterschiedlichen „Lebensentwürfe“ der Frauen, ihre heterogenen Vorstel- lungen einer Partnerschaft und die Handhabung der Ambivalenz zwischen dem gewünschten und dem tatsächlichen Verlauf des Lebens, in welchem der Mann Karriere macht, während die Frau die Sorge- und Hausarbeit leistet (BMFSFJ (Hg.) 2010, S. 10).

2.Forschungsstand

Im Bereich der qualitativen Familienforschung galten Männer in den letzten Jahrzehnten als das „vernachlässigte Geschlecht“ (Tölke 2005). Die Veröffentlichungen über Väter steigen aber seit den 1970er Jahren kontinuierlich an (Mühling und Rost 2007, S. 12) und sollen in diesem Projekt mit der Frauenforschung verbunden werden.

Die Einstellung des Vaters und seine Meinung bezüglich des Wiedereinstieges seiner Frau in den Beruf sind vor allem durch folgende Faktoren bedingt: dem Arbeitszeitumfang der Part- nerin nach der Elternzeit, der Orientierung beziehungsweise das Leitbild des Paares, der be- ruflichen Qualifikation der Partnerin, der Anzahl der Kinder, der Einkommenshöhe beider Elternteile und den betrieblichen Bedingungen (DGB Bundesvorstand 2015).

In den aktuellen Studien zeigt sich eine Vielzahl an Motiven von Frauen, die für den Wieder- einstieg in der Erwerbstätigkeit sprechen. Dazu zählen unter anderem immaterielle Motive, wie der Wunsch die eigenen Fähigkeiten wieder stärker zu nutzen und weiter zu entwickeln, der Wunsch nach mehr gesellschaftlicher Anerkennung, sozialen Kontakten, Abwechslung und Selbstverwirklichung sowie das Gefühl des „Nicht-Ausgelastet-Seins“, sozialer Druck, aber auch materielle Gründe wie die finanzielle Altersvorsorge und die Existenzsicherung der Familie (Diener et al. 2013a, 2013b, S. 38). Bis 2010 gewannen vor allem die materiellen Motive an Bedeutung hinzu (durch das veränderte Rollenbild der Frau und die Finanz- /Wirtschaftskrise) (BMFSFJ (Hg.) 2013, S. 21). Der Ehepartner unterschätzt die materielle Motivation seiner Partnerin, er sieht vor allem das immaterielle Motiv des Selbstwertgefühls im Vordergrund (BMFSFJ (Hg.) 2013, S. 24). 2016 haben die Motive Selbstwertgefühl, fi- nanzielle Unabhängigkeit, finanzielle Sicherung im Alter und Existenzsicherung der Familie zugenommen (BMFSFJ (Hg.) 2016b, 23ff).

Die im vorausgehenden Abschnitt erwähnten Studien betrachten jedoch ausschließlich die Motive der Frau und die Einschätzung ihres Partners zu diesen Motiven und deren Bedeutung. Es mangelt jedoch an Studien, welche sich mit dem gemeinsamen Entscheidungsfindungspro- zess des Paares befassen und die gemeinsamen Motive sowie die Beeinflussung der beiden Personen in der Partnerschaft in diesem Prozess betrachten.

3. Fragestellung

Wie in Kapitel 1 und 2 geschildert bestehen viele unterschiedliche Motive für Frauen wieder in die Erwerbstätigkeit zurückzukehren, die in unterschiedlichen Studien herausgearbeitet worden sind. Auch Männer sind in den vergangenen Jahren häufig bezüglich der Themen Elternzeit und dem Wiedereinstieg ihrer Partnerin in den Beruf nach der Elternzeit befragt worden. Die Studienlage beschränkt sich jedoch auf die Motive der Frauen, in den Beruf zu- rück zu kehren sowie die Einstellung ihrer Partner zu diesem Thema. Paare sind demnach immer getrennt betrachtet und befragt worden. Als Folge daraus stellt sich die Frage, wie Paa- re die Entscheidung bezüglich des beruflichen Wiedereinstiegs der Frau gemeinsam treffen.

Die Erkenntnisse des geplanten Projektes werden im Hinblick auf die Fragestellung:

„Was sind die Motive für einen beruflichen Wiedereinstieg nach der Elternzeit für Paa- re?“

ausgewertet.

Wie in Kapitel 5 ausführlicher besprochen wird, werden die Paare gemeinsam zu ihren Moti- ven befragt. Dabei interessieren besonders folgende Teilfragen:

1. Welche Motive hatte die Frau wieder in den Beruf einzusteigen? Welche Motive hatte ihr Partner sie dabei zu unterstützen/sie nicht zu unterstützen?
2. Wie wurde die Entscheidung zum beruflichen Wiedereinstieg getroffen? War es eine gemeinsame Entscheidung oder hat sich einer der beiden Partner durchgesetzt?
3. Hängen die getroffenen Entscheidungen, die den beruflichen Wiedereinstieg betreffen mit den vorausgegangenen Entscheidungen bezüglich der Elternzeit zusammen?

Im folgenden Kapitel werden die Hintergründe sowie Erkenntnisinteresse und Zielsetzung bezogen auf die Teilfragen und die Hauptfragestellung näher erläutert.

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Details

Seiten
19
Jahr
2017
ISBN (eBook)
9783668928237
ISBN (Buch)
9783668928244
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v468694
Institution / Hochschule
Justus-Liebig-Universität Gießen
Note
13,0
Schlagworte
beruflicher Wiedereinstieg Elternzeit Exposé Forschungsarbeit BMFSFJ Sorgearbeit Rollenbilder Care-Arbeit Gender-Pay-Gap Vereinbarkeit Familie Beruf haushälterisches Dreieck

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