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Der Bürgerkrieg im Jemen 2014. Was sind die Ursachen des Konflikts?

Hausarbeit 2019 17 Seiten

Politik - Internationale Politik - Thema: Frieden und Konflikte, Sicherheit

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abstract/Zusammenfassung

Einleitung
Relevanzeinordnung
Forschungsfrage
Hinweise

Theoretischer Ansatz

Aufbau der Arbeit/Methodisches Vorgehen

Allgemeines

Konfliktfaktoren
Gruppenidentitäten
Politische Institutionen
Ökonomie

Fazit

Literaturverzeichnis

Abstract/Zusammenfassung

Ethnische und religiöse Konfliktlinien gepaart mit nicht vorhandenen oder unzureichenden politischen Institutionen und schlechten ökonomischen Grundbedingungen, führten im Jemen 2014 zu einer Situation mit hohem Risiko eines innenpolitischen Konflikts. Mit den Huthi-Rebellen aus dem Norden und der separatistischen Bewegung aus dem Süden liefern sich zwei einflussreiche Gruppen ein Tauziehen mit der Zentralregierung um territoriale Linienziehungen und letztendlich die Staatsmacht. Gleichzeitig sorgt die Al-Quaida mit Anschlägen für eine sowieso schon angespannte Sicherheitslage. All dies in einem Staat, der in seiner heutigen Form erst seit 1990 existiert und die notwendige öffentliche Infrastruktur seitdem nicht aufbauen konnte: In zahlreichen Regionen des Jemen hatte der jemenitische Staat seit seinem Bestehen nie das Gewaltmonopol inne, soziale Einrichtungen oder Sicherheitsinfrastruktur ist vor allem auf dem Land nicht oder fast nicht vorhanden. Gleichzeitig ist die politische Führung stark durchzogen von Korruption und Repression. Neben diesen politischen Schwächen und den bestehenden Ungleichheiten zwischen dem Norden und dem Süden des Jemen, bekommt die Situation im Jemen mit der Auseinandersetzung zwischen den zaiditischen Schiiten der Huthis und der, von der mehrheitlich sunnitischen jemenitischen Bevölkerung gestützten, Regierung auch noch eine religiöse Komponente. In einer Bevölkerung die fast mehrheitlich unter der Armutsgrenze lebt und angewiesen ist auf die Treibstoff- und Nahrungsmittelsubventionen des Staates, führt dies zu einer hochangespannten Lage. Diese Hausarbeit beschreibt die im Konflikt agierenden Akteure und versucht mithilfe eines theoretischen Ansatzes, die Ursachen für die Situation im Jemen zu analysieren und deren Risiko einzustufen. Dabei werden vor allem die drei Analyseperspektiven Identität, politische Institutionen und Ökonomie untersucht.

Einleitung

Relevanzeinordnung

Der Jemen wird als Land seit Jahrzehnten immer wieder von Auseinandersetzungen, Bürgerkriegen und militärischen Schlägen erschüttert. „Im Jemen kämpft jeder gegen jeden“ (Sydow 2015), so wird die Situation im südlichsten Land der arabischen Halbinsel beschrieben. Durch die ständig wiederaufkeimenden oder neuen Konflikte, konnte sich das Land nie richtig erholen: In „Arabiens Armenhaus“ sind inzwischen mehr als 20 Millionen Menschen auf humanitäre Hilfe angewiesen, fast eine Million sind von der Cholera betroffen.

Um den heutigen militärischen Krieg, bei dem ausländische Einflüsse eine starke Rolle spielen, zu verstehen, ist es wichtig zu analysieren, welche Faktoren zu dem Bürgerkrieg im Jahr 2014 geführt haben und wie es dadurch zu dem heutigen Zustand kommen konnte. Diese Hausarbeit soll einen Beitrag dazu liefern, und die Beweggründe der verschiedenen Akteure im Bürgerkrieg genauer erläutern.

Forschungsfrage

Inwieweit lässt sich die besondere Intensität des Bürgerkriegs im Jemen 2014 erklären?

Hinweise

In der folgenden Arbeit werden, falls möglich, Partizipialformen verwendet. Sollte dies nicht möglich sein, wird sich der Lesbarkeit wegen, auf die maskuline Form beschränkt.

Theoretischer Ansatz

Diese Arbeit stützt sich auf den Ansatz zur Erklärung von Ursachen innenpolitischer Konflikte, den Margit Bussmann, Andreas Hasencleve und Gerald Schneider 2009 in ihrem Text „Identität, Institutionen und Ökonomie: Ursachen und Scheinursachen

innenpolitischer Gewalt“ beschrieben haben. Um „einen realistischen Blick auf das komplexe Ursachengefüge moderner innerstaatlicher Gewalt“ werfen zu können, werden drei Faktoren in den Fokus gestellt: „Identität“, „Institutionen“ und „Ökonomie“. (Bussmann et. al. 2009: 9)

In die analytische Perspektive der Identität, werden vor allem ethnische Zugehörigkeiten und Religion mit einbezogen, welche leichter für Gewalt zu mobilisieren seien, eine höhere Opferbereitschaft aufweisen und sich eindeutiger von anderen Gruppen abgrenzen lassen würden. Durch die, bei ethnischen Gruppen meist vorliegende, gemeinsame Herkunft, würden diese sich in Krisen als Solidargemeinschaften begreifen und deshalb über einen hohen Grad an Zusammenarbeit und gute Kommunikationswege verfügen. (Bussmann et. al. 2009: 16)

Zur Mobilisierung, der für einen Bürgerkrieg notwendigen Gefolgschaft, bedarf es nach dem Ansatz von Bussmann, Hasencleve und Schneider zudem Abgrenzungs- und Überlegenheits-gefühlen gegenüber gegnerischen Gruppen. (Bussmann et. al. 2009: 9f.) Um gleichzeitig die kämpferische Gewalt rechtfertigen zu können, müsse sich eine Gruppe als benachteiligt wahrnehmen, die Erfolgschancen von friedlichem Prostest als gering einstufen und bewaffnetes Vorgehen als zielführend einschätzen. (Bussmann et. al. 2009: 16) Sollte all dies gegeben seien, so der theoretische Ansatz, würden Bürgerkriege mit ethnischen oder religiösen Ursachen außergewöhnlich lange dauern, beziehungsweise solche Konflikte schneller eskalieren. (Bussmann et. al. 2009: 17)

Durch die „Aufheizung“ von Konfliktlinien gegenüber anderen identitätsstiftenden Gruppen, würden diese als real wahrgenommen, könnten leicht manipuliert und von Eliten für ihre Zwecke konstruiert werden. Es wird auch darauf hingewiesen, dass jedes Individuum einer Vielzahl von identitätsstiftenden Gruppen angehört und es oft passieren würde, dass gegnerische Gruppen sozial nicht weit voneinander entfernt seien. (Bussmann et. al. 2009: 16)

Bussmann, Hasencleve und Schneider stellen dennoch fest, dass, obwohl innenpolitische Konflikte mehrheitlich in ethnischen oder religiösen Konflikten begründet sind, sich nur ein sehr geringer Bruchteil aller auf der Welt existierenden Identitätsgruppen bekämpft, und das Kriterium deshalb nicht alleinstehend als Konfliktfaktor verwendet werden könne. (Bussmann et. al. 2009: 15f.)

Die analytische Perspektive der Institutionen bezieht sich vor allem auf die organisatorischen Merkmale von Staaten oder politischen Prozessen. Die Form des Staates habe direkten Einfluss auf die Art des Bürgerkriegs oder Konfliktes. Insbesondere Entwicklungsländer, in denen um die Staatsmacht gerungen wird und zerfallende Staaten, in denen der Staat das Gewaltmonopol in den staatlichen Territorien verliert, hätten ein höheres Konfliktrisiko. (Bussmann et. al. 2009: 18f.) Dagegen würden Regierungssysteme mit höherem Stabilitätsniveau, etwa konsistente Demokratien und auch Autokratien, sich durch eine geringere Anfälligkeit für Konflikte auszeichnen. (Bussmann et. al. 2009: 21) Zudem seien allgemein Staaten, die in finanzieller, organisatorischer oder politischer Hinsicht schwächer wären, anfälliger für Rebellionen. (Bussmann et. al. 2009: 19)

Rohstoffe würden hier eine besondere Rolle spielen, da sie sowohl für mögliche Rebellionen als auch für den Staat selbst eine wichtige Einnahmequelle oder -möglichkeit darstellen würden. Ölreiche Staaten wären nach der Theorie, nicht angewiesen auf hohe Steuereinnahmen und würden deshalb weniger Wert auf die öffentliche Infrastruktur legen, und wären deshalb anfälliger für Konflikte. (Bussmann et. al. 2009: 19f.) Generell seien Staaten, die nicht ausreichend Einkommen generieren und deshalb öffentlichen Aufgaben nicht ausreichend nachkommen würden, anfälliger für Rebellionen. (Bussmann et. al. 2009: 20) Auf der anderen Seite seien auch Staaten, die zwar ausreichend Einkommen generieren, dieses durch Korruption, schlechte oder verschwenderische Regierungsführung aber nicht in öffentliche Güter für die Bevölkerung investieren würden, ebenfalls konfliktanfälliger. (Bussmann et. al. 2009: 20)

Als weiteres staatliches Merkmal gehen Bussmann, Hasencleve und Schneider auf die vorliegenden Wahlsysteme als Konfliktursache ein. So würden Wahlen mit nur einem Kandidaten und Mehrparteienwahlen ein geringeres Risiko erzeugen. (Bussmann et. al. 2009: 21)

Als dritte analytische Perspektive bezieht sich der theoretische Ansatz auf die Ökonomie. So würden niedrige Opportunitätskosten, also geringe Entfaltungs- und Wirtschafts-möglichkeiten, zu einer höheren Bereitschaft für die Generierung von Einkommen durch Gewalt führen. Staaten mit unzureichenden Bildungssystemen wären deshalb eher kriegsgefährdet. (Bussmann et. al. 2009: 22) Gleichzeitig wird allerdings argumentiert, dass militärische Auseinandersetzungen den Austausch von Gütern und Dienstleistungen behindern würden und dass deshalb ökonomische Interessen generell einer Gewaltanwendung entgegenstehen würden. (Bussmann et. al. 2009: 23) Nach Bussmann, Hasencleve und Schneider hätten in Staaten, in denen das Wirtschaftssystem in die globale Weltwirtschaft eingebunden ist, die Akteure eines Konflikts die Möglichkeit auf den Weltmarkt auszuweichen. Deswegen sei das Risiko für Gewaltkonflikte in protektionistisch orientierten Ländern höher. (Bussmann et. al. 2009: 23) Weiterführend geht der Ansatz aber davon aus, dass ökonomische Ursachen immer nur eingebettet in einem umfassenden Modell betrachtet werden könnten, da die Entscheidung zur Ausübung von Gewalt immer anderen, grundsätzlichen Erwägungen nachgelagert sei. (Bussmann et. al. 2009: 23)

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Details

Seiten
17
Jahr
2019
ISBN (eBook)
9783668944794
ISBN (Buch)
9783668944800
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v469082
Institution / Hochschule
Universität Hamburg
Note
1,7
Schlagworte
bürgerkrieg jemen ursachen konflikts

Autor

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Titel: Der Bürgerkrieg im Jemen 2014. Was sind die Ursachen des Konflikts?