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Funktion des Apostrophs. Die Geschichte des Apostorophs, Apostrophsetzung in der Praxis

Hausarbeit 2018 13 Seiten

Germanistik - Sonstiges

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die Geschichte des Apostrophs

3. Apostroph
3.1 Apostrophregel
3.2 Funktionen des Apostrophs im Deutschen
3.3 Reanalysen

4. Die Apostrophsetzung in der Praxis

5. Fazit

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Der Apostroph begegnet uns in unserem alltaglichen Leben auf Plakaten, auf Werbeschildern, in Facebook-Kommentaren, etc. Seit wann gibt es den Apostrophen in der deutschen Schriftgeschichte? In welchen Fallen setzt man einen Apostrophen und welche Funktionen erfullt er? Wie wird der Apostroph in der Praxis umgesetzt?

In der vorliegenden Hausarbeit sollen die Regeln und die Funktionen des Apostrophs ausfuhrlich dargestellt werden und kurz auf die praktische Nutzung durch Schreiber ubertragen werden.

2. Die Geschichte des Apostrophs

Erste Apostrophschreibungen findet man schon im antiken Griechenland. Schon damals wurde der Apostroph dazu genutzt, Auslassungen anzuzeigen.

Die Apostrophschreibung im Deutschen ist keinesfalls eine moderne Erscheinung. Die ersten Schreibungen mit dem Apostrophen findet man schon in mittelhochdeutschen Handschriften, wo man ihn als Abbreviaturzeichen setzte. Diese Schreibweise kann man bis zum 16. Jahrhundert nachweisen. (scherer 2013: 78) In der Geschichte der Drucksprache des Deutschen findet man Apostrophe erst seit dem 17. Jahrhundert- mit einer Verzogerung gegenuber dem Englischen und Franzosischen (KLEIN 2002: 184). Seit dem 17. Jahrhundert findet man den Apostrophen verstarkt in der Rechtschreibung. Bereits in der Mitte des 17. Jahrhunderts wird der Apostroph als Elisionszeichen beschrieben. AuBerdem wird er nicht mehr als phonographisch motiviertes Auslassungszeichen gesetzt, sondern auch aus logographisch motiviertes Zeichen - das Stammformapostroph (A.A.O.: 78). Hinzu kommt die Funktion als Genitivapostroph bei Personennamen, wodurch die Grenze zwischen Grundform und Flexiv markiert wird. (nubling 2014: 103) Im Deutschen wurde der Apostroph vor allem durch die Dichtung gepragt und ermoglichte Wortformen zu generieren und zu verschriftlichen, so dass sie in das jeweilige metrische MaB des Gedichtes passten. Anfangs wurde es dazu genutzt, Apokopierungen anzuzeigen, spater im 18. Jahrhundert auch dazu, Apharesen zu kennzeichnen (KLEIN 2002: 184). Der Apostroph wird erstmals von Adelung im spaten 18. Jahrhundert beschrieben, der das Genitive nach einem finalen gespannten Vollvokal durch einen Apostrophen abtrennen will, um die Endsilbenbetonung zu verhindern. Morphologisch motivierte Apostrophe treten zunachst bei Personennamen, dann auch bei Toponymen und Appellativen auf. Vor allem Formen des Genitivs sind betroffen (Genitiv- Apostroph), ab dem Ende des 18. Jahrhunderts wird der Apostroph auch dazu verwendet, Pluralflexive vom Wortstamm abzutrennen. Ebenfalls findet man ab dem Ende des 18. Jahrhunderts Derivationsapostrophe bei -sc^-Derivaten von Personennamen, die bis ins 19. Jahrhundert phonographisch motiviert sind (SCHERER 2013: 78). Derivationsapostrophe kommen in deonymischen Wortbildungen vor, und zwar in Adjektiven, z.B. Grimm’sche Marchen. Obwohl diese Worte Adjektivstatus besitzen, werden sie groB geschrieben. Adjektive mit Ortsnamen als Kern, die ebenso ein Zugehorigkeitsverhaltnis ausdrucken, werden jedoch klein geschrieben und nicht apostrophiert, z.B. mainzerisch. (NUBLING 2014: 104). Der morphographische Apostroph wird im Laufe des 19. und 20. Jahrhunderts auf andere Kontexte ubertragen, z.B. auf Komposita und abgeleitete Adverbien (Apostrophe bei Adverbien seit dem 19. Jahrhundert nachweisbar). Im Gegensatz zum Elisionsapostroph, der sich im 17. Jahrhundert in die Grammatikschreibung etablieren konnte, wurde der Genitivapostroph zwar zunachst als fakultativ setzbares Syngraphem akzeptiert, jedoch wieder auf der ersten Orthographischen Konferenz 1876 abgelehnt. Mit der jungsten Rechtschreibreform sind Zugestandnisse gegenuber dem Genitivapostrophen erkennbar, nur der Pluralapostroph bleibt ohne Befurwortung (SCHERER 2013: 79). In Texten des 18. und 19. Jahrhunderts kommen Apostrophe haufig vor, vor allem bei Eigennamen mit fremder Herkunft und Strukturen (NUBLING 2014: 104).

3. Apostroph

Das deutsche Schriftsystem besteht aus Buchstaben, Ideogrammen, Satzzeichen und dem Wortzwischenraum (Spatium). Der Apostroph gehort zu der Gruppe der Hilfszeichen. AuBerdem umfasst diese Gruppe Trennungsstriche, Erganzungsstriche, Bindestriche, Unterfuhrungszeichen und Abkurzungspunkte. Hilfszeichen werden nur geschrieben und nicht gesprochen. Die Funktion der Hilfszeichen beschrankt sich auf die Wortebene. Sie konnen Gliederungs- und Grenzzeichen innerhalb von Wortformen sein und dadurch einzelne Bestandteile besser erkennbar machen oder sie konnen Erganzungszeichen an Wortformen sein und z.B. eine Unvollstandigkeit anzeigen (CAMENZIND 2007: 349).

3.1 Apostrophregel

Apostrophe kann der Schreiber nicht beliebig setzen, er muss bestimmte Regeln dazu beachten. Im Weiteren sollen die §§ 96 und 97 des DR naher dargelegt werden.

Apostrophe mussen in einigen Kontexten gesetzt werden, in anderen ist die Apostrophschreibung obligatorisch.

Nach § 96 gibt es drei Falle, in denen man Apostrophe setzen muss. Dabei handelt es sich um Elisionsapostrophe (camenzind 2007: 359):

Betroffen davon sind Eigennamen im Genitiv, deren Grundform (Nominativform) auf einen s- Laut (-s, -ss, -fi, -tz, -z, -x, -ce) endet und nicht mit einem Artikel, ein Possessivpronomen oder dergleichen bei sich haben, so muss apostrophiert werden (§96,1): Aristoteles’ Schriften, Carlos’Schwester, etc.

AuBerdem wird ein Apostroph gesetzt, wenn Worter mit Auslassungen ohne Kennzeichnung missverstandlich oder schwer lesbar sind (§96,2): In wen’gen Augenblicken, das Wasser rauscht’, etc.

Worter, bei denen im Wortinneren etwas ausgelassen, werden auch apostrophiert (§96,3): D’dorf (=Dusseldorf), M’gladbach (Monchengladbach), etc.

Fakultativ werden Apostrophe nach § 97 in folgendem Fall gesetzt:

Wenn Worter, die in gesprochener Sprache mit Auslassungen realisiert werden und diese in der Wiedergabe der schriftlichen Sprache undurchsichtig erscheinen wurden:

Bitte, nehmen S ’ (=Sie) doch Platz!, Das war ’n (=ein) Bombenerfolg!, etc.

In § 97 gibt es zusatzlich eine Regelung zum Grenzapostroph. Dieser wird dann verwendet, wenn die Grundform eines Personennamens vor der Genitivendung -s oder vor dem Adjektivsuffix -sch verdeutlicht werden soll: Carlo’s Taverne vs. Carlos’ Taverne (SCHERER 2013: 80).

Nach camenzind (2007) stellt diese Regelung die Stammformkennzeichung dar. AuBerdem verweist § 97 weiterhin auf § 49, der wiederum auf § 62 verweist. In § 62 wird die GroB- und Kleinschreibung von adjektivischen Ableitungen von Eigennamen dargestellt. Wenn man die Stammform einer solchen Ableitung mit einem Apostroph darstellen will, dann muss die Ableitung wie in Darwin ’sche Theorie groBgeschrieben werden. Wenn man den Apostroph jedoch nicht setzt, hat dies eine Kleinschreibung zur Folge: darwinsche Theorie.

Auf den Apostrophen bezogen ist § 97 die groBte Veranderung in der Rechtschreibung. Der Paragraph erlaubt nicht nur eine Apostrophsetzung bei Personennamen mit Genitiv -s, sondern gibt dem Schreiber Freiheiten bei der Setzung (CAMENZIND 2007: 359f.).

Bestimmte Prapositionen verschmelzen im Deutschen regelmaBig, wie z.B. an zu am, ans oder in zu im, ins. Sofern diese Prapositionen allgemein gebrauchlich sind, werden sie ohne Apostroph geschrieben. Bei nicht standardsprachlichen Verschmelzungen wie in an’n, auf’m oder durch’n kann ein Apostroph nach §97 gesetzt werden (scherer 2010: 7).

3.2 Funktionen des Apostrophs im Deutschen

Der Apostroph hat im Deutschen verschiedene Funktionen. Nach KLEIN (camenzind 2007: 354) wird der Apostroph grob in den Gebrauch von Elisionsapostroph und Stammformapostroph unterteilt. Ersteres wird nach GALLMANN (A.A.O.: 354) wiederum in Suffixersatz, NormverstoBsignal und Abkurzungssignal klassifiziert und zweiteres als Grenzsignal vor Suffixen.

Im Folgenden sollen die Unterklassen naher erlautert werden.

Der Elisionsapostroph ubernimmt die Aufgabe auf der Wortebene, das nicht realisierte Genitiv-s (Suffixersatz) bei einem artikellosen Eigennamen, der auf einen s-Laut (1) endet (-s, -ss, -fi, -tz, -z, -x, -ce) oder den Suffixersatz bei geografischen Namen (2) anzuzeigen: (1) Andreas’Imbiss, (2) Paris’Strafien. (A.A.O. 2007: 354)

Der Apostroph beim Genitiv-s von Eigennamen, die auf einen s-Laut enden, wird nicht nur toleriert, sondern gefordert. Dadurch kann der Leser die Grundform des Namens problemlos rekonstruieren (GALLMANN 1985: 260).

AuBerdem kann man mit dem Elisionsapostrophen zeigen, dass man bewusst gegen eine Norm verstoBt. Dieser Fall tritt oft in Gedichten auf, um das VersmaB einzuhalten:

Ich hatt’ einmal zehn Gulden!-/Da dacht’ ich hin und her,/ Was mit den schonen Gulden /Nun wohl zu machen war ’.

Ein weiteres NormverstoBsignal stellt der Apostroph in der Wiedergabe gesprochener Sprache dar, z.B. in hochsprachlich unublichen Kurzformen oder auch Kontraktionen:

Ich werd’schlafen, Gehen s’schon? (CAMENZIND 2007: 354).

Der Apostroph bezeichnet als NormverstoBsignal also das Auslassen von einzelnen Grundgraphemen. Am haufigsten ist das -e beim oder am Wortende betroffen (GALLMANN 1985: 258).

Als Abkurzungssignal fungiert der Apostroph auf Schildern, Flyern, etc., wo man einen begrenzten Platz zur Verfugung hat. Dabei steht der Apostroph fur mehrere Buchstaben und weist den Leser darauf hin, dass etwas erganzt werden muss: M’gladbach, D’dorf Der Stammformapostroph ubernimmt eine segmentale Funktion (CAMENZIND 2007: 355), indem er ein Suffix, meistens -s, vom Wortstamm trennt. Durch das Setzen des Apostrophs kennzeichnet der Schreiber den Genitiv (Andreas ’Imbiss). Durch das Setzen vor dem Genitiv- s kennzeichnet der Schreiber die Stammform des Namens (Andrea’s Imbiss).

Daruber hinaus kann der Stammformapostroph in folgenden Varianten vorkommen:

1. Genitivapostroph bei englischen Namen: Sally’s
2. Genitivapostroph bei Namen: Peter’s Imbiss
3. Genitivapostroph bei Nicht-Personen: Bahnhof’s Imbiss
4. Genitivapostroph bei englischen Namen in deutschem Kontext: Dr. Pepper’s Getrank
5. Pluralapostroph: Handy’s
6. Pluralapostroph bei Abkurzungen: TV’s
7. Apostroph nach Zahlen: 70’er Jahre
8. Diminutivapostroph: Haus’chen
9. Wortverbindungsapostroph: SCHOKO’GIRL
10. Adjektivbildungsapostroph: Grimm’sche Marchen
11. Andere: Nicht’s

Den Genitivapostroph bei Firmennamen und bei Namen mit englischem oder amerikanischem Hintergrund findet man oft in der deutschen Rechtschreibung.

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Details

Seiten
13
Jahr
2018
ISBN (eBook)
9783668948129
ISBN (Buch)
9783668948136
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v469360
Institution / Hochschule
Johannes Gutenberg-Universität Mainz – Deutsches Institut
Note
2,0
Schlagworte
funktion apostrophs geschichte apostorophs apostrophsetzung praxis

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Titel: Funktion des Apostrophs. Die Geschichte des Apostorophs, Apostrophsetzung in der Praxis