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Die Geschichte der Türksprachen im Iran

Hausarbeit 2017 15 Seiten

Russistik / Slavistik

Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Allgemeines zu Türksprachen

3. Allgemeines zum Iran

4. Iranisches und türkisches Zusammenspiel

5. Türksprachen im Iran

6. Kultureller Einfluss der Türksprachen

7. Persisch als Schulsprache im Osmanischen Reich

8. Fazit

1. Einleitung

Im Iran werden einige Türksprachen gesprochen. Welche sind diese und wo werden sie gesprochen? Wie kam es zu diesem Sprachkontakt?

Neben allgemeinen Informationen zum Iran und zu den Türksprachen selbst sollen in dieser Hausarbeit die Türksprachen, die im Iran gesprochen werden, genauer illustriert werden. Außerdem soll der Sprachkontakt zwischen den Iranern und den Türkvölkern kurz erläutert werden. Darüber hinaus soll der Einfluss der Türksprachen auf die Kultur des Irans und der Einfluss des Persischen auf das Osmanische Reich als Hauptgegenstand dieser Hausarbeit erläutert und aufgezeigt werden.

2. Allgemeines zu Türksprachen

Die Türksprachen sind die Sprachen der Türkvölker und werden den altaischen Sprachen zugeordnet. Sie gliedern sich in eine 1) Südwestgruppe/Oghusisch (Osmanisch/ Türkeitürkisch, Aserbaidschanisch, Chorasantürkisch, Turkmenisch), in eine 2) Südostgruppe/ Uigurisch (Usbekisch und osttürkische Vorläufersprachen, Neuuigurisch), in eine 3) Nordwestgruppe/Kiptschakisch (Tatarisch, Baschkirisch, Krimtatarisch, Kasachisch, Karakalpakisch, Kirgisisch, Nogaisch, Kumückisch, Karaimisch, Karatschaisch-Balkarisch, Kumanisch, das als Vorläufer gelten kann), in eine 4) Nordostgruppe/südsibirische Türksprachen (Altaitürkisch, Chakassisch, Tuwinisch, nordsibirische Türksprachen wie Jakutisch und Dolganisch), in eine 5) tschuwaschische Gruppe (im Wolgagebiet, vom Gemeintürkischen stark abweichend) und in eine 6) chaladschische Gruppe (Mittelpersien mit stark archaischen Zügen.

Die Schriftsprachen lassen sich auch in verschiedene Perioden einordnen. Das Alttürkische wird in die Ältere Periode eingeordnet, die das 8. bis 11. Jahrhundert beschreibt und runenartige Inschriften und Handschriften (besonders die türkische Sprache der Orchoninschriften) umfasst. Das Altuigurische zwischen dem 11. und 12. Jahrhundert umfasst Handschriften in verschiedenen Alphabeten. Das Karachanidische, auch im 11. bis 12. Jahrhundert, umfasst islamische Spracheinflüsse in arabischer Schrift. Die Mittlere Periode (Mitteltürkisch) umfasst das Charismtürkische, das Wolgabulgarische, das Altkiptschakische, das Altosmanische, das Frühdschagataische (ab dem 13. Jahrhundert). Verschiedene Übergangsformen des Mittel- und Spätosmanischen, des Spätdschagataischen und des Wolga- Türkis (ab dem 16. Jahrhundert) sind schließlich in der neueren Periode zu finden. Die Moderne Periode umfasst die jüngsten Sprachformen des Türkeitürkischen, des Aserbaidschanischen, des Gagausischen, des Turkmenischen, des Tatarischen, des Baschkirischen, des Krimatatarischen, des Kumückischen, des Nogaischen, des Tschuwaschischen, des Usbekischen, des Kasachischen, des Karakalpakischen, des Kirgisischen, des Neuuigurischen, des Altaitürkischen, des Chakassischen, des Tuwinischen und des Jakutischen.

Besonders charakteristisch für Türksprachen sind die Erweiterungsmöglichkeiten der Stammwörter. An diese können Suffixe drangehängt werden. Auch die Lautharmonie, z.B. die Vokalharmonie, ist in den einzelnen Sprachen stark ausgeprägt. Außerdem steht der Prädikatskern am Satzende mit vorangestellten Komplementen und Attributen, die als ganze Satzgefüge stehen können. Im Wortschatz befinden sich bereits in älteren Sprachstufen Lehnwörter aus Nachbarsprachen, z.B. aus dem Persischen oder Arabischen im Osmanischen (vgl. Universal-Lexikon: Türksprachen).

3. Allgemeines zum Iran

Der vollständige Ländername lautet Islamische Republik Iran (seit 1979). Das Land ist 1.648.000 Quadratkilometer groß, die Bevökerungszahl beläuft sich auf 78,1 Millionen. Unter den 78,1 Millionen Menschen sind etwas mehr als die Hälfte Perser sowie Aseris, Kurden, Luren, Arabar, Belutschen, Kaschkai, Turkmenen und andere. In Teheran leben ca. 12

Millionen Einwohner. Neben der offiziellen Ländersprache Persisch, wie in Punkt 5 noch näher erläutert wird, werden auch unter anderem die Türksprachen Aserbaidschanisch, Chaladsch, Kaschgaisch, Turkmenisch, Chorasan und Irantürkisch gesprochen. Das Land grenzt im Norden an das Kaspische Meer, im Süden an den Persischen Golf. Zu den Nachbarländern gehören die Türkei, der Irak, Pakistan, Afghanistan, Turkmenistan, Aserbaidschan und Armenien. Der Iran war zwar nie eine Kolonie, stand aber zweitweise unter britischem und russischem Einfluss. Derzeitiger Präsident und Regierungschef ist Hassan Ruhani, der sein Amt am 3. August 2013 angetreten hat.

Im Iran sind mehr als 99% der Bevölkerung Muslime (davon sind ca. 90% Schiiten und 8% Sunniten), daneben gibt es auch Christen, Zarathustrier, Bahá'í und Juden. (vgl. Auswärtiges Amt: Allgemeines Iran). Nach der Verfassung hat der Iran den zwölfer-schiitischen Islam1 als Staatsreligion. Alle Gesetze müssen mit der Scharia übereinstimmen. Jedoch werden die Sunniten, die die Minderheit darstellen (siehe oben), mehr und mehr diskriminiert und auf der Gesetzesebene benachteiligt. Die jüdischen, christlichen und zoroastrischen Minderheiten werden von der Verfassung anerkannt und ihnen werden Sitze im Parlament zugeschrieben. Seit der Antike hat der Iran eine der größten jüdischen Gemeinden des Nahen Ostens. Nach der Revolution 1978/79 verließen jedoch viele Juden das Land und zogen nach Israel, Europa oder Amerika. Heute leben nur noch etwa 25.000 Juden im Iran (vor allem in Teheran und Schiraz).

Die christliche Minderheit des Irans besteht zum größten Teil aus Armeniern mit verschiedenen Konfessionen, wobei die Christen überwiegend im Nordwesten des Landes und auch in Teheran und Esfahan lebten. Die Zahl der christlichen Iraner beläuft sich auf 100.000; ihnen stehen zwei Parlamentssitze zu.

Die Zarathustrier2 sind nach Indien und in die USA ausgewandert. Ihre Mitglieder sind auf 30.000 geschrumpft. Im Iran leben sie in Teheran und um Yazd (Zentraliran).

Eine Sonderstellung der religiösen Minderheiten nehmen die Bahá'í3 an. Sie werden als vom Islam Abgekommene bezeichnet und besitzen keine Rechte. Sie bekommen keine Personalpapiere ausgehändigt und sind der staatlichen Willkür ausgesetzt. (vgl. LIP: Religion Iran).

4. Iranisches und türkisches Zusammenspiel

Türkisch sprechende Gruppen waren schon früh im Kontakt mit iranischen Nomaden, welche Zentral-Eurasien und die inneren Steppen Asiens beherrschten. Schon die frühen türkischen Reiche hatten aktiven Handel und kulturellen Austausch mit ihnen.

Die Anfänge des alten türkischen Staates werden mit iranischen Elementen in Verbindung gebracht. Der herrschende Stamm hat in den Regionen Sakas und Tokharian in Ost-Turkestan gelebt und umfasste nicht-türkische Elemente. Der sogdische Einfluss auf den Staat war beachtlich. Die Sogdianer4, die internationale Kaufleute waren und lange herausragende Handelskolonien hatten, brauchten die militärische Kraft der Türken. Sogdische Männer dienten als Handelsmänner und Diplomaten und waren Vermittler in den Beziehungen zwischen Iran, Byzanz und China. Die sogdische Sprache wurde mit der in den Zentren von Bukhara und Samarkand verglichen und diente als Verständigungssprache in Zentralasien in der Handelsroute. Als die Türks westwärts fortschritten, kamen sie in Kontakt mit den Choresmiern.

Der uighurische Staat wurde mit den sogdischen Elementen sogar noch mehr in Verbindung gebracht. Nach dem Zerfall des uighurischen Nomadenstaates zogen viele Uighuren nach Ost- Turkistan, eine überwiegend iranische und tocharische Region, welche nun mehr und mehr türkisch wurde. Der chasarische Staat, welcher sich in die ausbreitete, wurde Objekt des starken iranischen Einflusses. Seine wichtigsten Kontaktpunkte waren die Islamische Welt in Choresmien und Iran.

Alle nachfolgenden türkischen Nomadenstaaten stellten Spezialisten aus den sesshaften Königreichen ein. Die Sogdianer und später auch andere Iraner dienten mit bürokratischen und diplomatischen Funktionen in türkischen Staaten in Zentralasien und in Nahost. Alle großen Islamische Staaten, die von Türken geführt wurden, waren in einer engen Symbiose mit der Iranischen Welt. Die alte türkisch-sogdische Symbiose hielt weiterhin in einer islamischen Form an, wie beispielsweise in den Staaten der Karachaniden, Ghaznaviden, Seldschuken, der Choresmischen Dynastie, Ilchanen, Timuriden, Usbeken, Safawiden, des Mogulreiches, Osmanen, etc. Sie alle folgten Mustern, die in Zentralasien eingeführt worden waren und welche eine Vermischung aus islamischen, türkischen und iranischen Traditionen darstellten. Dies erfolgte stets mit einer Verbindung aus einer persischen führenden Elite, einem türkischen Militär und einer iranischen Bürokratie.

Türkische, iranische und arabische Traditionen formten so eine neue Kultur. Die Türken machten zum ersten Mal nähere Bekanntschaft mit dem Persischen während der kulturellen Wiedergeburt der Samaniden.

Im 9. und 10. Jahrhundert gab es viele Veröffentlichungen von Literatur in Neu-Persien. Das Persische hatte einen tiefen Einfluss auf die literarische Sprache des Türkischen. Türkisch wurde zur Sprache des Osmanischen Reiches, jedoch mussten gebildete und kulturelle Menschen auch in der Lage sein, Arabisch und Persisch sprechen zu können. Das Osmanisch- Türkische hatte weitreichende Elemente des Persischen übernommen. Aufgrund der langen Interaktion haben türkische Gruppen viele Elemente der iranischen Kultur übernommen und transformiert. Auf der anderen Seite haben sich jedoch auch viele Iraner den türkischen Elementen angepasst. Viele Teile Zentralasiens wurden vom Türkischen geprägt. Die türkischen und mongolischen Eroberungen haben das Verbreiten des Türkischen in Aserbaidschan und Anatolien vorangebracht.

Während der iranisch-türkische Kontakt in den frühesten Perioden immer gefördert wurde, ist es schwierig linguistische Beweise dafür zu finden, sodass die Frage nach dem Sprachkontakt immer noch offen bleibt. Namen könnten jedoch wichtige Hinweise in Bezug auf die kulturelle Geschichte der Türken geben (z.B. hybride Namen5 zwischen den Urtürken und historischen Uighuren). Wenn die Türken angefangen haben, mehr als nur ein Element, das nicht-türkisch ist, zu benutzen, dann könnten sie auch fremde Elemente, die zu ihren kulturellen Hintergründen passten, adaptiert haben. In der seldschukischen Welt und in der darauffolgenden Zeit sind Vermischungen von arabisch-persischen und türkischen Elementen oft vorhanden und wohlbekannt. Byzantische Quellen enthalten viele Materialien zu diesen Kombinationen (vgl. Lars Johanson, 2006: S. 1-3).

5. Türksprachen im Iran

1. Aserbaidschanisch:

Das Aserbaidschanische bzw. das Aseri gehört zur südwestlichen (oghusischen) Gruppe der Türksprachen. Das Kerngebiet des aserbaidschanischen Sprachraums bilden der Nordwest Irans und die Republik Aserbaidschan. Auch in den iranischen Provinzen wie Chorasan und Fars und in den Städten Hamadan und Teheran wird Aserbaidschanisch gesprochen.

[...]


1 schiitische Gruppierung

2 Anhänger einer der bedeutendsten vorislamischen Religion des Irans

3 aus dem schiitischen Islam entstandene Religion im 19. Jahrhundert

4 Einwohner von Sogdiana, altpersische Provinz

5 Namen, die aus mehr als einem Element bestehen und mindestens ein nicht-türkisches Element besitzen; meistens mittel-iranischer oder neu-persischer Ursprung

Details

Seiten
15
Jahr
2017
ISBN (eBook)
9783668973626
ISBN (Buch)
9783668973633
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v469366
Institution / Hochschule
Johannes Gutenberg-Universität Mainz – Institut für Slavistik, Turkologie und zirkumbaltische Studien
Note
bestanden
Schlagworte
geschichte türksprachen iran

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