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Kurt Tucholsky und das Autodafé - Untersuchung zweier Briefe an Walter Hasenclever

Hausarbeit 2004 15 Seiten

Germanistik - Neuere Deutsche Literatur

Leseprobe

1. Einleitung

„Unsere Bücher sind also verbrannt. Im Buchhändlerbörsenblatt ist eine große Proscriptionsliste für in vierzehn Tagen angekündigt. Dieser Tage stand an der Spitze des Blattes im Fettdruck:: ‚Folgende Schriftsteller sind dem deutschen Interesse abträglich. Der Vorstand erwartet, daß kein deutscher Buchhändler ihre Werke verkauft. Nämlich: Feuchtwanger – Glaeser – Holitscher – Kerr – Kisch – Ludwig – Heinrich Mann – Ottwalt – Plivier – Remarque – Ihr getreuer Edgar – und Arnold Zweig.’ In Frankfurt haben sie unsere Bücher auf einem Ochsenkarren zum Richtplatz geschleift. Wie ein Trachtenverein von Oberlehrern.“[1]

Kurt Tucholsky schilderte diese Vorgänge am 17. Mai 1933 in einem Brief an seinen Freund Walter Hasenclever. Seine Position und seine Gedanken zum Autodafé und zur Situation im faschistischen Deutschland äußert Tucholsky sich in seinen bis heute überlieferten Briefen lediglich zweimal. Es handelt sich dabei jeweils um einen Brief an Walter Hasenclever, von denen der eine kurz vor, der andere kurz nach der Bücherverbrennung verfasst wurde.[2]

Für die Bearbeitung der Korrespondenz zwischen Tucholsky und Hasenclever im Rahmen einer Hausarbeit steht leider kaum Sekundärliteratur zur Verfügung. Im Mittelpunkt steht dabei die Frage nach der Einschätzung des Stellenwertes des Autodafé durch Tucholsky. Dazu soll zunächst eine Einordnung der Vorgänge in den biografischen Kontext vorgenommen, also der Werdegang Tucholskys und seine persönliche Situation im Jahr 1933 beleuchtet werden. Der primäre Aspekt dieser Arbeit soll eine Analyse der Korrespondenz Tucholskys mit Walter Hasenclever sein. Ziel der Arbeit ist es, Überlegungen zu Tucholskys Aussagen bezüglich der Bücherverbrennung anzustellen und zu analysieren, welche Bedeutung letztere und die begleitenden Umstände in Deutschland auf den Autor gehabt haben mögen. Es soll jedoch hierbei nicht nach Gründen geforscht werden, deretwegen Tucholskys Werke den Flammen übergeben wurden, ebenso wenig wie der Aspekt des Freitods und eventuelle Ursachen dafür.

2. Biografische Daten zu Kurt Tucholsky

Am 9. Januar 1890 wurde[3] Kurt Tucholsky als Sohn des Direktors der Berliner Handelsgesellschaft, Alex Tucholsky, geboren. Von 1899 bis 1903 besuchte er das Französische Gymnasium in Berlin, wechselte 1903 auf das Königliche Wilhelms-Gymnasium Berlin, wo er bis 1907 blieb. Im selben Jahr 1907 wurde seine Satire „Märchen“ im „Ulk“ veröffentlicht. 1909 erreichte er nach externer Vorbereitung, also ohne weiteren Schulbesuch das Abitur. Zwischen 1909 und 1912 studierte er zunächst in Berlin, später in Genf Jura. Im gleichen Jahr erschien sein Buch „Rheinsberg“. Ein Jahr später beginnt seine Tätigkeit bei der „Schaubühne“, bei der er bis 1915 bleibt.

Am 19. November 1914 bestand er seine juristische Doktorprüfung.

In der Zeit zwischen 1915 und 1918 war er als Soldat im Osten eingesetzt. 1917wird er auf eine Fliegerschule versetzt, später kam er nach Rumänien. Nach dem Krieg nahm er seine Tätigkeit als Chefredakteur des „Ulk“ auf. 1920 heiratet er die Ärztin Else Weil. Während der großen Inflation im Jahr 1923 verdingte er sich als Privatsekretär eines Bankiers in Berlin. 1924 verschlägt es ihn als Korrespondent der „Weltbühne“ und der „Vossischen Zeitung“ nach Paris. Er lässt sich von Else Weil scheiden und heiratet Mary Gerold.

1926 verstarb der Gründer der „Weltbühne“, Siegfried Jacobson. Tucholsky wurde daraufhin für zehn Monate Herausgeber des Blattes.

1929 übersiedelte Tucholsky ins Schwedische Hindas, wo er bis zu seinem Tod blieb.

1933 wurden seine Bücher verboten und verbrannt. Im August des Jahres wurde ihm die deutsche Staatsbürgerschaft aberkannt. Er wurde von Mary Gerold geschieden.

Am 19. Dezember 1935 flößte sich Tucholsky selbst Gift ein und starb zwei Tage später in einem Krankenhaus in der Nähe von Göteborg.

3. Die Freundschaft zu Walter Hasenclever

Die Freundschaft[4] der beiden Autoren entwickelte sich, als Hasenclever als Korrespondent für das Berliner „8-Uhr-Abendblatt“ und gelegentlicher Mitarbeiter der „Weltbühne“ war (zwischen 1925 und 1930) tätig war.

!939 erschien Hasenclevers Bekenntnisroman „Irrtum und Leidenschaft“, in dem er die ihm vertrauten Personen seines Umfelds porträtierte, mit Ausnahme Kurt Tucholskys. Links bemerkt jedoch, dass ein enormes gegenseitiges Vertrauensverhältnis zwischen den beiden Autoren bestanden haben muss, was sich auch in den sehr persönlichen Briefen widerspiegelt. Es gab sogar eine literarische Zusammenarbeit Hasenclevers und Tucholskys (z. B. das Drama „Christoph Columbus oder die Entdeckung Amerikas“) wenn auch mit eher mäßigem Erfolg. Bis zu seinem Tod pflegte Tucholsky engen Kontakt zu Hasenclever, dessen Rat er respektierte und dem er sich anvertraute.

4. Tucholsky im Jahre 1933

Im Januar 1933 wurde Adolf Hitler von Reichspräsident Hindenburg zu Reichskanzler ernannt. Bereits zuvor hatte Tucholsky dem Nationalsozialismus keine Sympathie entgegengebracht. Er hasste nach eigenen Aussagen politische Extreme, sowohl rechts als auch links.

„die innere Struktur dieses Regimes nimmt Tucholsky mit der affektlosen Gelassenheit hin, mit der man ein unerklärliches Naturphänomen verfolgt. Seit dem 30. Januar hat sich nur eines geändert: dieses Naturphänomen ist Macht geworden, mit dessen Maßnahmen man zu rechnen und mit deren Konsequenzen man sich auseinanderzusetzen hat.

Am 10. Mai 1933 fliegen Tucholskys Bücher neben unzähligen anderen Erzeugnissen ‚artfremder und zersetzender Literatur’ vor dem Gebäude der Berliner Universität und unter dem Gejohle der damaligen deutschen Studenten auf den Scheiterhaufen.“[5]

[...]


[1] Bonitz, 1996, Seite 39.

[2] vgl. ebd., Seite 610.

[3] vgl. Schulz, 1992, Seite 173 und Prescher, 1986, Seite 95.

[4] vgl. Links, 1983, Seite 653ff.

[5] Schulz, 1992, Seite 157f.

Details

Seiten
15
Jahr
2004
ISBN (eBook)
9783638440561
ISBN (Buch)
9783638791304
Dateigröße
396 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v46993
Institution / Hochschule
Universität Potsdam – Institut für Germanistik, Abteilung Literaturwissenschaft
Note
gut - befriedigend
Schlagworte
Kurt Tucholsky Autodafé Untersuchung Briefe Walter Hasenclever Grundkurs

Autor

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Titel: Kurt Tucholsky und das Autodafé - Untersuchung zweier Briefe an Walter Hasenclever