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Das Habitus Konzept nach Pierre Bourdieu

Hausarbeit 2017 12 Seiten

Kulturwissenschaften - Allgemeines und Begriffe

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Das Habitus Konzept

3. Kapitalbegriff / Ökonomisches Kapital
3.1 Kulturelles Kapital
3.1.1 Objektiviertes Kulturkapital
3.1.2 Inkorporiertes Kulturkapital
3.1.3 Institutionalisiertes Kulturkapital
3.2 Soziales Kapital

4. Sozialer Raum, Klassen und Geschmack

5.Der Geschmack der Gentrifizierung

6. Fazit

7. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

In der folgenden Arbeit erläutere ich das Habitus-Konzept von Pierre Bourdieu und untersuche, inwieweit die globale Gesellschaft den Gentrifizierungsprozess durch ihren Habitus beeinflusst und dominiert. Dabei werde ich die Forschungsergebnisse von Miriam Stock über den Geschmack der Gentrifizierung in Berlin hinzuziehen und anhand dessen, einen Bezug zur Habitustheorie herstellen.

Als Einstieg in das Thema werde ich den Habitus Begriff Bourdieus erklären und die Bedeutung dessen herausarbeiten, da dieser ein bestimmender Aspekt und Grundstein in Bourdieus Sozialtheorien ist.

Im weiteren Verlauf werde ich zunächst den Kapitalbegriff erläutern, welcher nach Bourdieu nicht nur nach der Idee des Kapitalismus definiert werden kann. Darauf aufbauend stelle ich die für diese Arbeit relevanten Kapitalarten, das ökonomische Kapital, das Kulturkapital, mit seinen Unterteilungen, sowie das soziale Kapital dar.

Diese sind Voraussetzung für die Erläuterung des Sozialen Raumes, wie ihn Bourdieu definiert. Unter diesem Aspekt stelle ich die gesellschaftliche Klassendifferenzierung vor und beleuchte welche Rolle dabei der Geschmack der einzelnen Schichten spielt.

Darauf aufbauend werde ich die Forschung von Miriam Stock vorstellen, welche den Gentrifizierungsprozess Berlins untersucht und wichtige Gesichtspunkte bezüglich des Geschmacks der Gentrifizierer herausgearbeitet hat, um sie im Folgenden auf Bourdieus Habitustheorie zu beziehen.

2. Der Habitus

Der Habitus ist nach Bourdieu die allgemeine Grundhaltung eines Menschen. Die Gesamtheit seines Verhaltens in der sozialen Welt. Sowohl seine einverleibten Strukturen, die als Dispositionen verstanden werden, wie Neigungen und Veranlagungen, als auch seine Lebensweise, Einstellung und Wertvorstellung. Der Habitus ist die „strukturierte und strukturierende Struktur“ (Bourdieu 1987: 280). Damit sagt Bourdieu, dass diese Struktur des Ganzen durch Verhalten geprägt wird und gleichzeitig seine Umwelt prägt. Das Einverleiben erfolgt durch die Sozialisation und findet demnach unbewusst statt. Die „eingeprägten Schemata“ (Werner Fuchs- Heinitz/Alexandra König 2011: 137) werden von Generation zu Generation weitergegeben und das Individuum ist sich dessen nicht bewusst, denn es weiß um die „Herkunft und Aneignung dieser Elemente des Habitus“ (Fuchs-Heinitz/ König 2011: 115) nicht mehr. Deshalb fügen sich die Individuen ohne nachzudenken und handeln intuitiv nach vererbten Instinkten. Dieser Mechanismus bestimmt wiederum den gegenwertigen Lebensstil eines Menschen. Es steuert seine Körperhaltung, seine Neigungen, seinen Geschmack, trügt sein Urteilsvermögen, bestimmt sein Denken und Handeln. Seine soziale Welt scheint sich das Individuum zu Gunsten des Habitus einzurichten, darauf unbewusst bedacht, dass seine einverleibten Handlungspraktiken zum Ausdruck kommen (Fuchs-Heinitz/ König 2011: 114).

Durch seinen Habitus kann sich das Individuum innerhalb seiner Klasse erfolgreich bewegen, denn dieser bietet ihm alle vorausgesetzten Mittel hierfür. Gleichzeitig schränkt ihn dieser jedoch ein, denn er setzt auch Grenzen, Dinge darüber hinaus zu erkennen. Denn sie erkennen nur das, was sie zu erkennen gewohnt sind. Dennoch ist der Habitus nicht statisch und kann als ein dynamisches Konzept verstanden werden, welches begrenzt verändert werden kann. Der Habitus innerhalb der gleichen sozialen Schicht ist keineswegs gleich, auch hier hängt es im Detail von „unterschiedlichen Positionen“ (Fuchs-Heinitz/ König 2011: 131) im sozialen Raum ab und kann durchaus durch die eigenständige Bildung beeinflusst werden. Jede Kultur, jede Gesellschaft, jede Klasse, wobei Bourdieu dabei den Ausdruck des Klassenhabitus verwendet und jedes Individuum verfügt über einen Habitus, der vornehmlich durch die soziale Herkunft geprägt ist. Die Position des Einzelnen im sozialen Raum ist abhängig vom Habitus und dem Kapitalvolumen, basierend auf Bourdieus Kapitalarten; dem ökonomischen, kulturellen, sozialen und symbolischen Kapital. Diese Kapitalarten sind in den jeweiligen sozialen Schichten in unterschiedlichen Anteilen vorhanden (Fuchs-Heinitz/ König 2011: 149).

3. Kapital

Der Kapitalbegriff darf hier nicht nur nach der Idee des Kapitalismus definiert werden. Kapital ist nicht der „bloße Warentausch“ ( Kreckel 1983: 184), sondern wird nach Bourdieu als „soziale Energie“ (Fuchs-Heinitz/ König 2011/ Bourdieu 1979/1999: 159) bezeichnet. Kapital ist demnach „gespeicherte und akkumulierte Arbeit in materieller oder verinnerlichter Form“ ( Fuchs-Heinitz/ König 2011: 159).
Alle Kapitalarten werden zu einem bestimmten Zeitpunkt verteilt. Einige Kapitalarten, wie das inkorporierte Kulturkapital, werden vererbt, andere wiederum durch die Sozialisation einverleibt oder im Laufe des Lebens erworben. Diese Verteilung ist unumgehbar, da sie in der gesellschaftlichen Struktur verankert ist. Die Verteilung der Kapitalarten bestimmt die Erfolgschancen des Individuums und ermöglicht das dauerhafte Funktionieren in der Gesellschaft. Bei dem ökonomischen Kapital handelt es sich um ein rein materielles Gut, das in Geld umwandelbar ist. Ökonomisches Kapital ist für Bourdieu das grundlegendste Kapital von allen, da alle „anderen Kapitalarten […] mithilfe vom ökonomischem Kapital erworben werden[…].“(Kreckel 1983: 196) können.

3.1 Kulturelles Kapital

3.1.1 Objektiviertes Kulturkapital

Das kulturelle Kapital kann in drei verschiedene, aber zusammenhängende Kapitalarten gegliedert werden. Das objektivierte Kulturkapital in Form von z.b. Büchern, Instrumenten und Maschinen etc., existiert in sachlich materieller Form und ist wie das ökonomische Kapital in Geld konvertierbar oder auf andere Individuen übertragbar. Allerdings ist die Anwendung dieser Kapitalgüter mit der kulturellen Fähigkeit verbunden, diese Güter auch nutzen zu können. Um sich dieser kulturellen Güter bedienen zu können, ist ein einverleibtes, inkorporiertes Kulturkapital notwenig. Zum einen kann jedes Individuum das inkorporierte Kulturkapital mühsam und zeitaufwendig selbst erwerben, oder im Tausch gegen ökonomisches Kapital jemandes Dienste in Anspruch nehmen, der bereits über das inkorporierte Kulturkapital verfügt. Dadurch entsteht eine Rivalität zwischen den Akteuren des vorherrschenden inkorporiertem Kulturkapitals und der „Inhaber von ökonomischem Kapital“(Kreckel 1983: 190). Diese Rivalität ist ein wichtiger Aspekt für den ständigen Machtkampf im sozialen Raum.

3.1.2 Inkorporiertes Kulturkapital

Das inkorporierte Kapital ist ohne Ausnahme, immer an den Körper des Individuums gebunden. Es ist verinnerlicht, bestehend aus kulturellen Kenntnissen, erworbenen Fähigkeiten, Bildung und somit nicht auf andere übertragbar oder zu Geld konvertierbar. Die Währung dieser Kapitalsorte ist Zeit, die Zeit, die zum Erlernen und der Aneignung der Bildung notwendig ist. Diese Zeit wird von jeder / jedem persönlich investiert und kann nach Bildungsstand variieren. Nicht weniger wichtig ist hierbei die soziale Herkunft, die die zugrundeliegende Bedingung dafür schafft, ob bestimmte Fähigkeiten und das Aneignen dieser, dem Individuum einfach oder schwerfallen. Das inkorporierte Kapital ist eine Disposition des Habitus, die „zu einem festen Bestandteil der Person“ (Kreckel 1983: 187) geworden ist. Im Gegensatz zur teilweise stillen, nicht greifbaren Weitergabe des inkorporieren Kapitals, ist die erste Aneignung dessen, durch die Umstände der Aneignung geprägt. Als Beispiel dient hier die Weitergabe einer Sprache oder eines Akzentes, der charakteristisch für eine bestimmte Region oder ein bestimmtes Milieu steht. Wird über eine besondere Fähigkeit verfügt, die mit wenigen geteilt wird, kann dies zu einem materiellen oder symbolischen Profit führen und ist ebenfalls mit einer Machtposition verbunden.

3.1.3 Institutionalisiertes Kulturkapital

Der Erwerb von Titeln, Zeugnissen oder Beglaubigungen nach einer erbrachten, bestandenen Leistung, befähigen den Inhaber dessen, sich nicht immer wieder Prüfungen oder Rechtfertigungen unterziehen zu müssen. Dieser muss sich nicht ständig beweisen und hat dank des erworbenen, institutionalisiertem Kulturkapital einen „dauerhaften und rechtlich garantierten konventionellen Wert“ (Kreckel 1983: 190) erlangt. Dies verschafft ihm einen Weg zu einer beruflichen Welt, die denjenigen verschlossen bleibt, die keine Zeit in den Bildungserwerb investiert haben. Bildungskapital setzt Zeit voraus, welche wiederum ökonomisches Kapital voraussetzt.

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Details

Seiten
12
Jahr
2017
ISBN (eBook)
9783668941410
ISBN (Buch)
9783668941427
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v469948
Institution / Hochschule
HafenCity Universität Hamburg
Note
2,7
Schlagworte
Habitus Bourdieu Miriam Stock Gentrifizierung Kapital soziales Kapital ökonomisches Kapital kulturelles Kapital sozialer Raum Geschmack Klassen Die feinen Unterschiede Praktische Vernunft Klassenhabitus

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Titel: Das Habitus Konzept nach Pierre Bourdieu