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Wie funktioniert Gruppendynamik? Das rangdynamische Positionsmodell nach Raoul Schindler

Hausarbeit 2019 19 Seiten

Soziologie - Individuum, Gruppe, Gesellschaft

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Inhaltsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

1 Einleitung

2 Begriffsbestimmung
2.1 Gruppe
2.2 Team

3 Gruppendynamik
3.1 Historischer Hintergrund

4 Das rangdynamische Positionsmodell
4.1 Soziodynamische Rangstruktur
4.1.1 Alpha-Position
4.1.2 Gamma-Position
4.1.3 Beta-Position
4.1.4 Omega-Position
4.1.5 Gegenüber / Gruppengegner
4.2 Rangdynamische Bewegung

5 Fazit

6 Literaturverzeichnis

7 Anhang

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildungsverzeichnis

Abb.1 Merkmale einer Gruppe

Abb.2 Soziodynamische Rangstruktur nach Raoul Schindler

Abb.3 Das rangdynamische Positionsmodell

1 Einleitung

Zum Überleben sind die Menschen schon von Geburt an aufeinander an- gewiesen. Das soziale Leben besteht demnach aus diversen Mitgliedschaf- ten in Gruppen, ohne sich dessen unbedingt bewusst zu sein. In jedem Ab- schnitt des Lebens konfrontieren Aufgaben und plötzliche Situationen das soziale Umfeld, die es notwendig machen, sich in Gruppen zusammenzu- schließen und sich in diese zu integrieren.

Obwohl jeder Mensch andere Charakteristiken aufweist, verhalten sich die einzelnen Individuen in der Gruppe betrachtet gleich. Es gibt immer „Re- dende und Zuhörende, Vorantreibende und Verlangsamende, Anführer und Gefolgsleute, Unterstützer und Kritiker“ (König & Schattenhofer, 2018, S. 9).

Die vorliegende Arbeit thematisiert das rangdynamische Positionsmodell nach Raoul Schindler und gliedert sich in fünf Teile. Die Grundlage bilden soziometrische Untersuchungen, die zeigen, wie sich immer wieder vier Rangpositionen innerhalb einer Gruppe durchsetzen.

Der zweite Teil widmet sich der begrifflichen Klärung von Gruppe und Team. Darauf aufbauend, wird im dritten Abschnitt die Dynamik in Gruppen näher beleuchtet sowie der historische Hintergrund. Im Fokus des vierten Kapitels steht Schindlers rangdynamisches Positionsmodell. Hierbei wird die sozio- dynamische Rangstruktur analysiert und in ihre einzelnen Bestandteile auf- geschlüsselt – Alpha, Gamma, Beta, Omega und „G“. Zudem wird unter- sucht, wer gerade welche Rolle und damit Funktion für die Gruppe über- nimmt, ausführt und welche Dynamik daraus resultiert.

Die Ausarbeitung endet mit einem persönlichen Fazit, das sich mit dem vor- gestellten Modell kritisch auseinandersetzt.

2 Begriffsbestimmung

2.1 Gruppe

Eine Gruppe ist laut Duden eine „kleinere Anzahl von [zufällig] zusammen- gekommenen, dicht beieinanderstehenden oder nebeneinandergehenden Personen [die als eine geordnete Einheit erscheinen]“ (Duden, 2018).

Ist somit jede Ansammlung von Menschen eine Gruppe? Die Kleingruppen- forschung definiert eine Gruppe nach folgenden Merkmalen:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1: Merkmale einer Gruppe (vgl. König & Schattenhofer, 2018, S. 9)

Es ist ein psychologisches Phänomen, das entsteht, „wenn sich einzelne Menschen aus einer unverbundenen Menge gegenüber einem gemeinsa- men Ziel in einer Aktion zusammenschließen“ (Schindler, 1956). Ein Bei- spiel hierzu wäre eine Gruppe von Studentinnen und Studenten, die sich über den Dozenten amüsieren, der versehentlich über seinen offenen Schnürsenkel im Hörsaal stolperte. Die Gruppe hat dadurch einen gemein- samen Angriffspunkt. Durch diese Gemeinsamkeit entsteht innerhalb der Gruppe eine Art von Gefüge, ein so genanntes „Wir-Gefühl“, durch welches sich jeder Einzelne zu der Gruppe verbunden fühlt (vgl. Schindler, 1956).

2.2 Team

Das Team ist eine Sonderform der Gruppe. Dazu zählen alle Gruppen mit dem Ziel eine Aufgabe in Kooperation zu planen, auszuführen und zu lösen. Dabei besitzen die Mitglieder einen gewissen Selbststeuerungs- und Hand- lungsspielraum, um Entscheidungen eigenständig zu treffen. Dieser wird je- doch durch einen vorgegebenen organisatorischen Rahmen und Zeitraum begrenzt (vgl. König, 2012, S. 26). Somit ist „nicht jede Gruppe ein Team, aber jedes Team eine Gruppe“ (König & Schattenhofer, 2018, S. 18).

3 Gruppendynamik

Jeder Mensch lebt mindestens in einer Gruppe, ob hineingeboren, gegrün- det oder beworben. „Gruppen wie Familien, Schulklassen, Freundeskreise oder Arbeitsteams sind als Zusammenschluss von Individuen die Basisein- heiten […] des täglichen Lebens“ (Burger, 2005). Aus dieser Gruppenzu- sammengehörigkeit wird die soziale Identität des Einzelnen bezogen, d.h. der Mensch ist ein „Gruppenwesen“, der durch sie sozialisiert wird (vgl. Burger, 2005). Die Freiheit, sich selbstständig wechselnde soziale Orte zu suchen, um sich einer neuen Gruppe anzuschließen, fordert von den Mit- gliedern immer mehr Flexibilität zur Bewältigung neuer Gestaltungszwänge und Regeln. Als Folge reicht es nicht mehr aus, sich nur mit dem Zweck und Ziel einer Gruppe zu identifizieren, sondern vielmehr die Dynamik zu ver- stehen, um sie mitgestalten zu können (vgl. König & Schattenhofer, 2018, S. 9-10). Somit ergibt sich innerhalb einer Gruppe eine Art Struktur, welche die Mitglieder dazu bringt, bestimmte Rollen einzunehmen. Diese Struktur- bildung und die damit verbundenen Rollen werden später noch genauer thematisiert (siehe Kapitel 4 ff).

3.1 Historischer Hintergrund

„Die Gruppendynamik wird als die „vermutlich potenteste soziale Erfindung des 20. Jahrhunderts“ bezeichnet“ (Burger, 2005). Eine wesentliche Rolle spielte hierbei Kurt Lewin (1890-1947), der als einer der einflussreichsten Pioniere der Psychologie bekannt ist. „Sein wissenschaftliches und prakti- sches Interesse standen unter dem Eindruck der totalitären Katastrophen seiner Zeit, vor allem des Nationalsozialismus. […]. Ein zentrales Leitmotiv seiner Forschungen war es, Demokratisierungsprozesse zu befördern […]“ (König & Schattenhofer, 2018, S. 10). Durch Lewins Experimente wurden Interaktionen in Gruppen erforscht, sprich der Umgang mit Macht, Autorität und Führung, mit Außenseiterrollen, mit sozialer Kontrolle und Konformität (vgl. König & Schattenhofer, 2018, S. 10-11).

In Österreich entwickelte im Jahr 1957 der Psychotherapeut und Psycho- analytiker Dr. Raoul Schindler, der auch den Österreichischen Arbeitskreis für Gruppentherapie und Gruppendynamik (ÖAGG) mitgründete, das inter- national anerkannte Modell der Rangdynamik (vgl. Burger, 2005).

4 Das rangdynamische Positionsmodell

Die Individualität des Einzelnen zeichnet den Charakter einer Person aus. Jedes Mitglied agiert somit unterschiedlich innerhalb der Gruppe, sprich je- der versucht für sich ein zufriedenstellendes Umfeld zu schaffen. Das ge- schieht rein subjektiv. Die entstandenen Bemühungen und die ständig ver- ändernden inneren und äußeren Bedingungen führen zu einer ununterbro- chenen dynamischen Bewegung (vgl. Burger, 2005). Zu den inneren Ein- flussfaktoren zählen unter anderem Gefühle, Bedürfnisse, Ansichten, Ver- haltensweisen und Wertvorstellungen der Mitglieder. Institutionen, Aufga- ben, Ziele und die Gesamtheit aller Menschen werden hingegen den äuße- ren Faktoren zugeordnet (vgl. Edding & Schattenhofer, 2009, S. 20ff). „Aus der Dynamik der Gruppe ergibt sich ein Geflecht von aufeinander bezogenen Rollen“ (König, 2012, S. 24). Dieses Geflecht bildet einen notwendigen Bestandteil aller Gruppenprozesse. Das von Raoul Schindler entwickelte rangdynamische Positionsmodell beinhaltet vier Grundrollen in Gruppen, welche im folgenden Abschnitt vorgestellt werden.

4.1 Soziodynamische Rangstruktur

Die Beschreibung von unterschiedlichen Rollen wird aus Untersuchungen von Gruppen und Teams gewonnen. “Eine Gruppe ist demnach nur dann arbeitsfähig, wenn in ihr ein bestimmtes Repertoire an unterschiedlichen Rollen ausgebildet werden kann. […]. Es muss also eine Mindestausstat- tung mit unterschiedlichen Rollen vorhanden sein […], damit eine Gruppe als solche funktionieren kann“ (König & Schattenhofer, 2018, S. 48). Dabei sind die Rollen nicht an bestimmte Gruppenmitglieder gebunden, sondern können situationsbedingt auf einzelne Personen verteilt werden. Die fol- gende Abbildung zeigt den Mindestanspruch an Rollen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 2: Soziodynamische Rangstruktur nach Raoul Schindler (Schindler, 1956)

In diesen Positionen geht es um Macht, Einfluss und Führung innerhalb der Gruppe. Dieses Phänomen der Positionsaufteilung erfolgt in jeder Gruppe, ohne dass es den Gruppenmitgliedern bewusst ist (vgl. König & Schattenhofer, 2018, S. 49).

4.1.1 Alpha-Position

Das „Alpha-Tier“ der Gruppe initiiert die Richtung der Bewegung, d.h. die Mitglieder folgen dieser Position und unterstützen sie. Im Gegenzug ver- spricht der Gruppenführer Erfolg, repräsentiert die Ziele, leitet Auseinander- setzungen, führt Verhandlungen mit dem Gegenüber „G“ und trifft Entschei- dungen (vgl. König & Schattenhofer, 2018, S. 51).

4.1.2 Gamma-Position

In der Gamma-Position befinden sich all die Gruppenmitglieder, die sich mit der Führung des Alphas identifizieren. Diese Gefolgschaftsrolle unterstützt kompromisslos den Führenden bei der Verwirklichung der Gruppenziele, bestärkt ihn in seinem Vorhaben und versucht weitere Gruppenmitglieder in seinen Bann zu ziehen (vgl. Burger, 2005).

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Details

Seiten
19
Jahr
2019
ISBN (eBook)
9783668944909
ISBN (Buch)
9783668944916
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v469986
Note
1
Schlagworte
gruppendynamik positionsmodell raoul schindler

Autor

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Titel: Wie funktioniert Gruppendynamik? Das rangdynamische Positionsmodell nach Raoul Schindler