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Ist Koffein ein Suchtmittel oder ungefährlich?

Koffein und seine biochemische Wirkung im Körper

Hausarbeit 2019 17 Seiten

Pflegewissenschaft, Ernährung, Sport, Gesundheit

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Koffein
2.1 Chemische Sicht
2.2 Vorkommen im Alltag
2.3 Wirkung im Körper

3 Sucht
3.1 Was ist Sucht?
3.2 Klassifizierung nach ICD-

4 Zusammenspiel
4.1 Koffeinsucht
4.2 Koffein- Ein Problem?
4.3 Kritische Betrachtung

5 Fazit

Literaturverzeichnis

1 Einleitung

2017 titelten mehrere Nachrichtenportale über einen Todesfall durch Koffein. Ein 16- Jähriger habe einen Liter eines zuckerhaltigen mit Koffein versetzten Softdrinks, einen Kaffee und einen Energydrink zu sich genommen. Später stellte der Gerichtsmediziner Herzrhythmusstörungen fest. Der Teenager war vorher gesund. Das Koffein wurde als Grund für den Tod festgestellt. (Markus Brauer 2017: Stuttgarter-nachrichten.de, o. V. 2017: spiegel.de). Koffein kann also tödlich sein. Wie kommt es trotzdem dazu, dass fast 50% der Deutschen bei einer Umfrage angaben in den letzten 14 Tagen Kaffee gekauft oder konsumiert zu haben (Statista GmbH 2018)? Dabei sind andere koffeinhaltige Getränke wie Cola oder Tee noch nicht einmal mit einbezogen. Der Deutsche trinkt rund 160 Liter des Heißgetränks pro Jahr. Der Kaffee Verbrauch liegt somit noch 15 Liter vor dem Trinkwasserverbrauch (vgl. Blümle 2017: S.156). Ist die Gefahr, der sich die Deutschen aussetzten, unterschätzt?

In dieser Arbeit wird zunächst näher auf die Substanz Koffein eingegangen; Dabei werden chemische Aspekte beleuchtet und das Vorkommen im Alltag behandelt. Im folgenden Kapitel thematisiert der Autor die Inhalte Sucht und Abhängigkeit. Unter anderem wird dafür ein Katalog zur Bestimmung von Sucht zur Hilfe gezogen. Im Anschluss wird durch Bezug auf die vorangegangenen Kapitel erarbeitet ob Koffein unterschätzt ist oder nicht.1

2 Koffein

Koffein ist seit Jahrhunderten bekannt für seine wachmachende Wirkung (vgl. Blümle 2017: S. 149). Um zu verstehen warum es zu diesen Effekten kommt, muss die zunächst erklärt werden, es im Gehirn wirkt.

2.1 Chemische Sicht

Koffein ist ein in seiner Reinform ein „weißes, kristallines und geruchloses Pulver“ (Blümle 2017: S. 160). Die vollständige chemische Bezeichnung für Koffein lautet 1,3,7-Trimethyl-2,6-purindion (vgl. Blümle 2017: S. 160). Somit ist es Mitglied der „natürlich vorkommenden Purine“ (Lumitos AG o. J). Chemisch ähnlich dem Koffein sind Theobromin und Theophyllin welche beide unter anderem Metabolisierungsprodukte von Koffein im Körper sind (vgl. Beigelböck 2016 S.40). Beide kommen aber auch in der Natur vor. Theobromin ist unter anderem in Kakaobohnen, in der Kolanuss, oder in den Blättern des Matestrauches, als auch in den Blättern des grünen und schwarzen Tees zu finden (vgl. Blümle 2017: S. 159), Theophyllin ist in der Natur nur in kleineren Mengen vertreten, zum Beispiel in der Kolanuss (vgl. Blümle 2017: S.159). Koffein kann die Blut-Hirn-Schranke, die physiologische Grenze im menschlichen Gehirn überschreiten und somit psychoaktiv wirken (vgl. Beigelböck 2016 S.45). Theobromin hingegen ist keine Psychostimulanzie und Theophyllin wirkt in einem deutlich geringeren Maße als Koffein (vgl. Blümle 2017: S.160). Psychostimulanzien steigern die Leistungs- und Konzentrationsfähigkeit (vgl. Blümle 2017: S.160).

2.2 Vorkommen im Alltag

Koffein ist im Alltag in vielen verschiedenen Lebensmitteln anzutreffen. Er kommt in der Kaffeebohne vor und wird dann in Form von Kaffee konsumiert. Es kommt in der Kakaobohne vor und wird als Schokolade oder Kakao verzehrt. In dieser Darreichungsform ist der Koffeingehalt heutzutage aber eher gering, da Kakao nicht mehr so konzentriert konsumiert wird, sondern häufiger in Mischungen, wie zum Beispiel in Milchschokolade (vgl. Beigelböck 2016: S.9). Der Koffeingehalt von Zartbitterschokolade ist annäherungsweise 2,5-mal so hoch wie in Milchschokolade (vgl. Blümle 2017: S.157). Da es sich um natürliche Koffeinquellen handelt ist der Koffeingehalt stark schwankend. Die Kaffeebohne hat einen Koffeingehalt von 0,06- 3,2%. Teeblätter liegen mit einem Gehalt von 0,38-9,2% über dem der Kaffeebohne. Deutlich geringer als bei beiden zuvor genannten ist der Koffeingehalt bei Kakaobohnen mit 0,05- 1,3 % (Elmadfa 2011, S. 474). Eine weitere Koffeinquelle ist Mate. Dabei handelt es sich um eine Stechpalmen Art, deren Blätter auch zu einem koffeinhaltigen Tee aufgebrüht werden können (vgl. Beigelböck 2016: S.11).

Deutlich weniger Koffein enthalten Zitrussträucher. Anders als die meisten Pflanzen enthalten die männlichen Blüten der Zitrussträucher Koffein, um nicht etwa ihre Fressfeinde abzuschrecken (vgl. Blümle 2017: S.159), sondern um Bienen anzulocken und zu binden. Pflanzen die Koffein bereitstellen werden deutlich häufiger von den Bienen angeflogen, außerdem konnten sich die Bienen die Wege zu den Pflanzen deutlich besser merken (vgl. Beigelböck 2016: S.29). Der Koffeinanteil in einen durchschnittlichen Tasse Kaffee ist jedoch 1000-mal so hoch wie in einem Orangenblütentee der aus jenen Zitrussträuchern gebrüht wird. Koffein wird mittlerweile auch synthetisiert in Form von Tabletten verkauft (vgl. Beigelböck 2016: S.37). Die Dosierungen können hier deutlich höher sein als in Kaffee oder Energydrinks. Frei verkäuflich sind Tabletten bis zu 200 mg pro Tablette zu erhalten.

2.3 Wirkung im Körper

Nachdem das Koffein aufgenommen wurde verteilt es sich schnell im ganzen Körper. Über die benötigte Dauer, bis es komplett aufgenommen wurde gibt es verschiedene Angaben. Die Zeiten, nach denen der Koffeinwert im Körper maximal sein soll, variieren von 15- 30 Minuten (vgl. Blümle 2017: S.160) bis hin zu einer Stunde (vgl. Beiglböck 2016: S.45). Die Halbwertszeit von Koffein im Körper ist sehr unterschiedlich. Faktoren wie Alter, Gewicht, Schwangerschaft oder ob Medikamente eingenommen werden die den Abbau beeinflussen sorgen für enorme Abweichungen der durchschnittlichen Halbwertszeit von 4 Stunden (vgl. Blümle 2017: S.161). Bei Neugeborenen beträgt die Halbwertszeit 80 Stunden und bei Hochschwangeren 15 Stunden. Die Funktionsweise des Koffeins ist aber im menschlichen Körper immer ähnlich. Verrichtet der menschliche Körper Arbeit wird Adenosintriphosphat benötigt damit Energie im Muskel bereitgestellt werden kann. Wenn das Adenosintriphosphat gespalten wird um die Energie beziehen zu können, wird Adenosin freigesetzt. Beim Andocken des Abbauproduktes Adenosin, an die Adenosin Rezeptoren im Hirn wird die Noradrenalin-, Dopamin- und Acetylcholinproduktion vermindert (vgl. Beiglböck 2016: S.41). Adenosin schützt den Körper somit vor Überbelastung oder stressbedingten Folgeschäden (vgl. Beiglböck 2016: S.42). Die verminderte Ausschüttung der Hormone sorgt für die Erweiterung der Blutgefäße und eine Senkung des Pulses und des Blutdrucks (vgl. Beiglböck 2016: S.41). Koffein setzt sich an die Adenosin Rezeptoren im Gehirn, löst diese aber nicht aus, was dazu führt, dass weiterhin Hormone wie Dopamin ausgeschüttet werden (ebd.). Die Wirkung auf das zentrale Nervensystem ist somit als eine Steigerung der Aufmerksamkeit und Leistungsbereitschaft zu beschreiben (vgl. Blümle 2017: S.160), da Adenosin sich nicht an die Rezeptoren binden kann und die weitere Aktivität der Neuronen nicht unterbrochen wird (vgl. Blümle 2017: S.164). Insbesondere beim Erbringen von simplen Routineaufgaben ist eine Steigerung zu erkennen. (vgl. Beiglböck 2016: S.107). Die Verbesserung wirkt sich also eher auf die Schnelligkeit der Arbeit, aber nicht auf die Genauigkeit aus (vgl. Beiglböck 2016: S.107). Da Koffein auch mit der Calciummenge im Blut in Verbindung steht, wird Koffein in bestimmten Dosen auch eine Steigerung der Merkfähigkeit von neuen Wissensinhalten nachgesagt (vgl. Beiglböck 2016: S.108). Dies wird damit begründet, dass die Hirnzellen die „für das Langzeit Gedächtnis zuständig sind, Calcium benötigen um ihre Arbeit verrichten zu können“ (Beiglböck 2016: S.108). Es muss jedoch eine hohe Koffeindosis vorliegen damit die Calciumkonzentration extrazellulär steigt (vgl. Blümle 2017: S.164). Koffein wirkt auch in den Bronchen. Es weitet diese, indem es den Muskel zur Relaxion bringt vgl. (Blümle 2017: S.167). Das ist einer der Gründe warum Koffein hilft besser zu Atmen; indem es die Atemwege öffnet (vgl. Beiglböck 2016: S.106). Durch den, durch Koffein gestärkte Atemantrieb und die verbesserte Ausdauer der Atemmuskulatur, wird die Versorgung des gesamten Körpers mit Sauerstoff verbessert (vgl. Blümle 2017: S.167). Die Folge ist, dass eine Steigerung der physischen Leistungen im Ausdauerbereich (vgl. Beiglböck 2016: S.109) und eine Steigerung kognitiver Leistungen, wie der Konzentrationsfähigkeit (vgl. Blümle 2017: S.167) basierend auf der besseren Versorgung des Hirns mit Sauerstoff, zu erkennen ist. Diese Effekte werden häufig zur Behandlung von Asthmaerkrankungen genutzt. Eine stärkere Wirkung auf die Atmung haben aber die Metaboliten Theophyllin und Theobromin (ebd.).

Doch diese Wirkungen auf den Organismus haben auch negative Folgen, physisch sowie kognitiv. Sie geschehen häufig auf Kosten anderer Fähigkeiten (vgl. Blümle 2017: S.166). Bei manchen Menschen hat Koffein einen großen Einfluss auf den Schlafrhythmus. Dies wird mit der Blockade der Adenosinrezeptoren begründet (ebd.). Koffein kann bei manchen Menschen, sobald er eine Stunde vor dem Zubettgehen konsumiert wurde, die Einschlafzeit verzögern, die Aufwachzeit früher eintreten lassen und die, für die Qualität des Schlafes wichtigen Tiefschlafphasen verkürzen. (vgl. Beiglböck 2016: S. 86). Zusätzlich wirkt sich Koffein auch auf das Herz und das Herzkreislaufsystem aus. Hier wirkt es an einigen Stellen gefäßerweiternd und an anderen ist es für Gefäßverengungen verantwortlich (vgl. Blümle 2017: S.167). „An den Herzkranzgefäßen löst es eine Erweiterung aus. Durch eine Erhöhung der Kontraktionskraft des Herzens wird es in seiner Arbeits- und Leistungsfähigkeit unterstützt“ (Blümle 2017: S.167). Auf die Blutgefäße im Hirn wirkt es jedoch verengend (vgl. Beiglböck 2016: S.86). Zur Folge hat letzteres eine Anpassungsreaktion des Körpers, in Form einer dauerhaften Erweiterung der Blutgefäße um den alten Zustand wiederherzustellen. Wird das Koffein nun abgesetzt so fehlt die verengende Wirkung und als Resultat sind Entzugserscheinungen wie Kopfschmerzen zu erkennen (vgl. Beiglböck 2016: S.86). Weitere nicht so bekannte Folgen des Koffeinkonsums sind eine verminderte Spermienzahl und Qualität bei Söhnen, deren Mütter in der Schwangerschaft Koffein konsumiert haben (vgl. Beiglböck 2016: S.69). Auch das Geburtsgewicht der Kinder ist bei koffeintrinkenden Müttern signifikant geringer: „Zwischen 20 und 28g Körpergewicht je 100 mg Koffein pro Tag während der Schwangerschaft“ (Beiglböck 2016: S.70). Zusätzlich gebe es Beweise dafür, dass ein Koffeinkonsum während der Schwangerschaft von nur 150 mg pro Tag die Wahrscheinlichkeit eines erhöhten BMIs bis zum 15. Lebensjahr verdoppele (vgl. Beiglböck 2016: S.72). Die Menge des Koffeins ist hierbei entscheidend für die Wahrscheinlichkeit und den Grad des Übergewichtes.

Koffein wirkt im Körper allerdings anders, wenn schon Erkrankungen vorliegen, beziehungsweise bestimmte Medikamente zur Behandlung eingenommen werden, die mit den Wirkungen des Psychostimulanziums interferieren. Ein Medikament gegen Herzrhythmusstörungen sorgt für einen erhöhten Koffeinspiegel im Blut. Koffein kann in erhöhten Dosen Herzrhythmusprobleme auslösen, ist somit also kontraproduktiv zu Mextiletin – einem Medikament zur Behandlung (vgl. Beiglböck 2016: S.89). Ein häufig verschriebenes Antidepressivum verlängert die Halbwertszeit von Koffein um den Faktor 5 (vgl. Beiglböck 2016: S.89). Viele Nebenwirkungen von Fluvoxamin sind also möglicherweise auf die Wirkungen des, in der Dosis unveränderten ,Beikonsums von Koffein zurückzuführen. Wechselwirkungen wie die oben beschriebenen, bei denen der Koffeinabbau verlangsamt wird, oder auch der Wirkungstoffspiegel des Medikamentes steigt sind bei vielen Substanzen zu erkennen. Einige weitere Beispiele dafür sind Clozapin, ein Antipsychotika, Lithium als ein Mittel gegen bipolare Depressionen, orale Verhütungsmittel die teilweise den Koffeinabbau reduzieren, Grippemittel welche das Gleiche tun und somit zu Nebenwirkungen von Koffein durch einen höheren Wirkstoffspiegel führen können und das Herz somit doppelt belasten. Oder aber die Interferenz mit Asthmamitteln die auf Theophyllin basieren (vgl. Beiglböck 2016: S.90). Teilweise wird die Interferenz auch genutzt um zum Beispiel die Ausscheidung von Schmerzmitteln zu verringern und somit ihren Wirkungsgrad zu erhöhen (ebd.). Eine weitere Folgeerscheinung von Koffeinkonsum können Angststörungen sein. Koffein kann „Herzrasen (…) innere Unruhe, Erregung und Nervosität.“ (Beiglböck 2016: S.133) hervorrufen. Dies kann auch zur Verstärkung bereits bestehender Angststörung führen. Bei Koffeinmengen weit über 250 Micro Gramm kann es zu Nervosität, Schlaflosigkeit, oder Herzrasen kommen (vgl. Beiglböck 2016: S.83, vgl. Blümle 2017: S.166). Bei über 2g Koffein im menschlichen Körper wird „üblicherweise […] ein Spitalsaufenthalt nötig“ (Beiglböck 2016: S.83). Dies entspricht allerdings 20 Tassen Kaffee die in sehr kurzer Zeit konsumiert werden müssen (ebd.). Eine Vergiftung auf natürlichem Weg ist also nicht sehr wahrscheinlich. Mit Energy Drinks oder Koffeintabletten kann sich diesen Werten jedoch genähert werden (vgl. Beiglböck 2016: S.83). Wie die Angaben der Aufnahme und Metabolisierung von Koffein, gehen auch die Angaben zur letalen Dosis weit auseinander. Es sind Werte von 5g (vgl. Beiglböck 2016: S.83) bis hin zu 10 Gramm (vgl. Igseder 2018: S#) die Menschen, je nach körperlichen Gegebenheiten, töten können. Es ist wichtig zu erwähnen, dass viele Folgen von vermeintlichem Koffeinkonsum nicht unabhängig vom Placeboeffekt sind. Schon bei dem Gedanken Koffein zu sich genommen zu haben stieg der Herzfrequenz einer Versuchsgruppe, obwohl es sich nur um ein Placebo handelte (vgl. Beiglböck 2016: S.107). Die Steigerung der Wachheit und Leistungsfähigkeit der Personen hing davon ab, was sie glaubten, wie hoch der Koffeingehalt in dem Placebo-Getränk gewesen sein (vgl. Beiglböck 2016: S.107).

[...]


1 Aus Gründen der besseren Lesbarkeit wird auf die gleichzeitige Verwendung personenspezifischer Sprachformen verzichtet. Sämtliche Personenbezeichnungen gelten gleichwohl für jedes Geschlecht.

Details

Seiten
17
Jahr
2019
ISBN (eBook)
9783668952553
ISBN (Buch)
9783668952560
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v469988
Institution / Hochschule
Fachhochschule des Mittelstands
Note
2.0
Schlagworte
Koffein Sucht Gefährlich Ungefährlich Psychologie Suchtmittel Kaffee Kakao ICD-10

Autor

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