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Rationale Politik am Beispiel von Machiavellis "Il Principe"

Essay 2005 8 Seiten

Politik - Politische Theorie und Ideengeschichte

Leseprobe

1. Der Principe aus realwissenschaftlicher Sicht

Otto Keck zufolge kann rationale Politik verschiedene Formen annehmen. In der Realität ist ihnen allen jedoch gemeinsam, dass bei den vermeintlich rational agierenden Akteuren keine idealtypischen Voraussetzungen wie etwa eine vollständig geordnete Präferenzordnung, vollständige Informationen sowie ein vollkommener innerer Rechner vorzufinden sind. Es kann also nicht darum gehen, reales politisches Handeln mit den selben Maßstäben zu messen, wie es die formale Wissenschaft tun kann. Vielmehr ist ein Fürstenspiegel, wie ihn Machiavelli mit dem Principe vorlegt, eine Arbeit die ihre Ansichten und Ratschläge nicht aus der Vogelperspektive gewinnt, sondern sie sieht die Welt aus den Augen derer, denen sie letztlich nützen soll.

Unter dieser Einschränkung soll Kecks Arbeit nun auf Machiavellis Principe angewendet werden, um zu untersuchen ob der Fürstenspiegel in gewissen Punkten die Ansicht Kecks bezüglich einer rationalen Politik wiedergibt. Dabei kann dieser Essay natürlich nicht den Anspruch erheben, eine abschließende Analyse über die Rationalität des Principe zu bieten. Es soll lediglich anhand von Beispielen belegt werden, ob und inwieweit rationale Politik im Principe zu finden ist.

2. Sind Machiavellis Präferenzen konsistent?

Zunächst erscheint es sinnvoll, zu klären unter welchem Gesichtspunkt der Fürst handelt, d.h. ob er egoistisch, altruistisch oder unter ethischen Gesichtspunkten agiert. Nun erkennt man schnell, dass sowohl der Schriftsteller Machiavelli, als auch der Fürst in seinem Buch egoistische Präferenzen verfolgen und zumindest der Fürst zweckrational im Sinne Webers handelt[1]. Auch die Konsistenz der Präferenzen betreffend, ist der Principe eindeutig auf das Ziel ausgelegt, Strategien zum Machtgewinn bzw. deren Erhalt zu bieten; dieser Präferenz ordnet er alles unter: „Ich wende mich ausschließlich den Alleinherrschaften zu und werde [...] ausführen, wie diese regiert und behauptet werden können.“[2] Handelt der Fürst dennoch zum Vorteil dritter, so tut er dies z.B. nicht einer ethischen Präferenz folgend, sondern weil solches Handeln lediglich ein Mittel zur Erreichung seiner dominanten Präferenz darstellt. So bemerkt Machiavelli, dass es gut sei Milde walten zu lassen, doch müsse der Fürst darauf achten, „[...], dass er von der Milde keinen schlechten Gebrauch macht.“[3], also nicht seiner dominanten Präferenz zuwider handelt. Damit führt ein Verhalten, dass vordergründig von der egoistischen Präferenz abweicht, nicht zu einer allgemeinen Inkonsistenz.

Gemäß Kecks Definition der Zweck-Mittel-Rationalität müsste also auch der Fürst eine Rangfolge der Mittel besitzen, die entsprechend seiner konsistenten Präferenz des Machtgewinns bzw. deren Erhalt gegliedert ist.

3. Die Mittel als Ergebnis kognitiver Präferenzen

Bevor einige Handlungsvorschläge des Fürsten näher beleuchtet werden, soll zunächst geklärt werden, unter welchem Weltbild sie zustande kommen.

[...]


[1] Hegmann, H.: „Politischer Individualismus“

[2] Machiavelli, N.: „Der Fürst“; Kröner Verlag Stuttgart, 1978, 6. Auflage, Seite 3

[3] ebd; Seite 67

Details

Seiten
8
Jahr
2005
ISBN (eBook)
9783638440615
Dateigröße
474 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v47001
Institution / Hochschule
Universität Augsburg – Phil.-Soz.-Fakultät
Note
1,3
Schlagworte
Rationale Politik Beispiel Machiavellis Principe Theorie Ideengeschichte

Autor

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Titel: Rationale Politik am Beispiel von Machiavellis "Il Principe"