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Wo liegen in der Personalauswahl die ethischen und rechtlichen Grenzen der Privatsphäre?

Hausarbeit 2018 16 Seiten

BWL - Personal und Organisation

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1. Einleitung

2. Eingrenzung Privatsphäre

3. Definition Ethik

4. Personalauswahl

5. Auswahl von Rechtsgrundlagen
a. Schwangerschaft
b. Ethnischer Herkunft
c. Religionsund Parteizugehörigkeit
d. Behinderung und Krankheit
e. Lebenslauf

6. Fazit

Quellenverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1. Einleitung

Als arbeitsuchender Bewerber1 ist jedem der übliche Bewerbungsprozess geläufig. Dem eigentlichen persönlichen Kennenlernen steht zunächst die Erstellung der Bewerbungsunterlagen und das Zusendenden dieser an den potenziellen Arbeitgeber voraus. Findet sich der Arbeitgeber von den Bewerbungsunterlagen angesprochen, erfolgt in der Regel die Einladung zu einem persönlichen Auswahlverfahren. Innerhalb der persönlichen Gespräche kann es dann zu rechtlichen und ethischen Konflikten kommen, die dem Arbeitnehmer möglicherweise nicht bekannt sind. Dadurch gelangt der Bewerber dem Arbeitgeber gegenüber in einen Informationsrückstand. Aus Arbeitgebersicht, der möglichst detailreiche und private Daten über den Bewerber erfahren möchte, ist dessen Ungewissheit durchaus nützlich. Ist sich der Bewerber nicht im Klaren über seine Rechte oder tritt er sehr unsicher auf, werden schnell Fragen beantwortet, die rechtlich, aber auch ethisch nicht vertretbar sind. Bewerber empfinden sich oft den Arbeitgebern unterlegen, da sie überzeugen möchten. Dabei gilt jedoch stets, dass die Privatsphäre eines jeden Bewerbers gleich schützenswert ist und zu private Informationen dem Arbeitgeber generell nicht mitgeteilt werden müssen. Um nicht einen negativen Eindruck zu vermitteln, weil man als Bewerber vernarrt auf seine Rechte pocht, hat ein jeder Bewerber das Recht zur Lüge bei nicht rechtlich zugelassenen oder ethisch nicht vertretbaren Fragen, sofern die Lüge legitim ist.

Anhand dieser Hausarbeit sollen die rechtlichen Grenzen der Privatsphäre eines Bewerbers in der Personalauswahl dargestellt und in Verbindung mit einer Auswahl von ethischen Ansätzen kritisch hinterfragt werden. Anhand dieser Rechtsgrundlagen, die die Personalauswahl betreffen, soll aufgezeigt werden, ob und inwiefern diese ethisches Handeln in der Personalauswahl für den Arbeitgeber bereits rechtlich vorgeben.

Die Hausarbeit gliedert sich in sechs Kapitel. Nach der Einleitung erfolgt im zweiten Kapitel die Eingrenzung des Begriffs der Privatsphäre. Im dritten Kapitel wird die Ethik definiert und um vierten Kapitel auf die Personalauswahl hinsichtlich ethischer Aspekte eingegangen. Kapitel fünf beinhaltet die Nennung rechtlicher Grundlagen und den damit verbundenen ethischen Problemstellungen. Die Hausarbeit schließt mit einem zusammenfassenden Fazit ab.

2. Eingrenzung Privatsphäre

Wenn der Arbeitgeber während der Personalauswahl zu persönliche und intime Fragen stellt, greift dies in die Privatsphäre der Bewerber ein. Hier stellt sich die Frage, wann in die Privatsphäre eines Bewerbers eingedrungen wird und wie diese abgegrenzt ist. In dem in Art. 2 Abs. 1 Grundgesetz i.V.m. Art. 1 Abs. 1 GG geregelten allgemeinen Persönlichkeitsrecht ist unter anderem die Privatsphäre ein Bestandteil. Demnach lässt sich die Privatsphäre durch zwei Arten bestimmen. „ Zum einen ist damit das Leben im häuslichen Bereich, im Familienkreis und generell im Privatleben (räumlich) gemeint. Zum anderen gehört zur Privatsphäre auch das Recht, dass private Angelegenheiten (gegenständlich) nicht an die Öffentlichkeit getragen werden“ (Geßner 2014). Das bedeutet auch im Auswahlverfahren hat jeder Bewerber das Recht auf den Schutz seiner Privatsphäre und das Recht darüber zu bestimmen, welche persönlichen Daten preisgegeben werden. Dabei zieht jedoch jeder Mensch selbst die Grenzen seiner eigenen Privatsphäre. Die wahrgenommene Privatsphäre variiert zum Teil stark, sodass es keine einheitliche Definition der Privatsphäre gibt. Bei der Personalauswahl können, je nach Stellenausschreibung und Art des Unternehmens, die Grenzen der Privatsphäre ebenfalls stark variieren und „Eingriffe unter strikter Wahrung des Verhältnismäßigkeitsgrundsatzes zulässig“ (Rittner 2008, 96) sein. Dies wird im Laufe dieser Hausarbeit deutlich.

3. Definition Ethik

„ Ethik hat es mit dem Nachdenken über Werte und Verhaltensregeln zu tun. Diese Regeln fallen je nach Wertvorgaben unterschiedlich aus. Die Werte, die ein Mensch mitbringt, sind abhängig von Herkunft, Bildung und Prägung“ (Dietzfelbinger 2015: 9). Dies lässt sich auch auf die Personalauswahl übertragen. In der Personalauswahl kommen hingegen noch die Werte und Verhaltensregeln des Unternehmens und der ausgeschriebenen Stelle hinzu, die es in Einklang mit denen des Bewerbers zu bringen gilt.

Hinsichtlich der Personalauswahl, die einen wichtigen Teil des Unternehmensführung darstellt, ergibt sich die Frage der Notwendigkeit von Ethik in einem wirtschaftlich denkenden Unternehmen, denn Unternehmen arbeiten stets gewinnmaximierend. Dennoch kann dabei die Berücksichtigung ethischer Überlegungen sinnvoll sein (vgl. Dietzfelbinger 2015: 1), denn das „Image, Corporate Identity und Reputation sind für das Unternehmen ebenso wichtig wie gute Ergebnisse“ (Dietzfelbinger 2015: 1). Diese Werte sind es, die dem Unternehmen als Visitenkarte bei der Rekrutierung neuer Bewerber dienen. Denn kaum ein Bewerber möchte in einem unethischen Unternehmen arbeiten, sei es in Bezug auf die Umwelt, der eigenen Mitarbeiter oder der Gesellschaft. Auch hier gibt es einige wenige branchenspezifische Ausnahmen, auf die in dieser Hausarbeit nicht weiter eingegangen werden.

Involvierte Stakeholder, seien es Kunden, Geschäftspartner oder die Mitarbeiter, profitieren alle, wenn sich das Unternehmen ethische Gedanken macht und diese auch berücksichtigt. Die Unternehmensgröße sowie die Branche, der ein Unternehmen zuzuordnen ist, spielen dabei keine Rolle (vgl. Dietzfelbinger 2015: 2).

4. Personalauswahl

„Konkrete ethische Probleme [in der Personalauswahl] sind beispielsweise: Verwendung unzulänglicher Diagnosemethoden, Vernachlässigung des Anforderungsbezugs, Anwendung belastender Verfahren, unbilliges Eindringen in die Privatsphäre, mangelnde Vertraulichkeit der erhobenen Daten, konfligierende Verpflichtungen gegenüber Auftraggebern und Klienten“ (dasWirtschaftslexikon 2016).

In dieser Hausarbeit wird, wie bereits erwähnt, der Schwerpunkt auf die rechtliche und ethische Einhaltung der Privatsphäre gelegt.

Die Personalauswahl beginnt beim Unternehmen mit dem Erstellen des Stellenprofils und den Anforderungen an den Bewerber. Das Stellenprofil beinhaltet die Kriterien, die der Bewerber für die Bewältigung der Aufgaben am Arbeitsplatz benötigt. Ein Anforderungsprofil und das dazugehörige Stellenangebot müssen ausreichend konkretisiert sein. Dabei gilt es jedoch für jedes Unternehmen verschiedene rechtliche Vorschriften, inklusive dem Diskriminierungsgesetzt, zu berücksichtigen. Dies führt dazu, dass ausgeschriebene Stellenangebote meist eine große Gruppe Bewerber ansprechen und nicht gezielt die Bewerber, die sich das Unternehmen vorstellt, da dies aus rechtlicher Sicht nicht möglich ist (z.B. nur Männer). Anhand der eingegangenen Bewerbungen muss ein jedes Unternehmen dann selbst anhand bestimmter Kriterien Bewerber auswählen. In der ethischen Personalauswahl schauen die Unternehmen dabei nicht nur auf die harten Faktoren, wie die vorhandenen Qualifikationen, sondern auch auf die weichen Faktoren, die die Charaktereigenschaften betreffen.

Legt ein Unternehmen bei einem Bewerber beispielsweise einen großen Wert auf ehrenamtliche Tätigkeiten, soziales Engagement oder besondere Berufserfahrung in ethisch ausgerichteten Unternehmen, so ist es für das Unternehmen von Vorteil dies bereits anhand der Bewerbungsunterlagen zu erkennen. Bewerber haben die Möglichkeit dies im Lebenslauf oder im Anschreiben zu tun, um das Unternehmen dadurch gezielt anzusprechen und um die eigene Passgenauigkeit für die ausgeschriebene Stelle zu begründen. In diesem Prozess wird die Vorarbeit für den weiteren Auswahlprozess geleistet. Welche Charakterzüge oder ethischen Werte einen Bewerber auszeichnen soll, legt jedes Unternehmen selbst fest. Anhand dieser Maßstäbe wählt das Unternehmen das für sich am besten passendste Auswahlerfahren. Für diesen weiteren Auswahlprozess, der nach dem Sichten der schriftlichen Bewerbungen folgt, gibt es unterschiedliche Instrumente. Das meist verbreitete Instrument ist das klassische Vorstellungsgespräch. Diskussionen, Argumentationen zu ethischen Dilemmata, Assessmentcenter und Planspiele finden eher Anwendung bei Bewerbungen für höhere Positionen oder bei großen Unternehmen mit vielen Bewerbern.

Letztere Verfahren haben den Vorteil, dass sie auf Verhaltensbeobachtungen Wert legen. Somit sind diese im Vergleich zu (kurzen) Vorstellungsgesprächen weniger empfänglich für eine zu positive Selbstdarstellung oder Fehleinschätzungen zur Persönlichkeit der Bewerber. Dennoch ist es auch in Vorstellungsgesprächen wichtig den Bewerber nach seinen Charakterzügen und bisherigem ethischen Verhalten zu fragen.

Dies geschieht idealerweise unter Berücksichtigung der ethischen und rechtlichen Anforderungen, die im kommenden Kapitel in Bezug auf die Einhaltung der Privatsphäre beispielhaft dargestellt werden.

Dietzfelbinger formuliert folgende Frage der Ethik, die sich ein Bewerber aber auch das Unternehmen hinsichtlich der ethischen und rechtlichen Anforderungen in einem Auswahlverfahren stellen sollten : „Wie verhalte ich mich zu einer offensichtlich moralisch fragwürdigen Situation?“ (Dietzfelbinger 2015: 10)

5. Auswahl von Rechtsgrundlagen

Ziel des Unternehmens in der Personalauswahl ist es ein Vertrauensverhältnis zum Bewerber aufzubauen und den Bewerber von den Werten des Unternehmens zu überzeugen. In Zeiten, in denen Life-Balance und Zufriedenheit am Arbeitsplatz wichtige Faktoren sind, rücken auch die ethischen Anforderungen an ein Unternehmen in den Vordergrund und finden beim Bewerber mehr Berücksichtigung. Um im späteren Beschäftigungsverhältnis Missverständnisse und Unstimmigkeiten zu umgehen, ist eine gute Personalauswahl im Vorfeld wichtig, die das Risiko auf Fehlbesetzungen minimieren. Von einer guten Personalauswahl kann gesprochen werden, wenn der Unternehmen und der Bewerber ihre Vorstellungen, Erwartungen und Werte abstimmen und auf Passgenauigkeit prüfen. Dabei gilt jedoch zu berücksichtigen, dass „die Personalsauwahl […] an eine Vielzahl von Gesetzen und Rechtsvorschriften gebunden ist“ (Apelojg 2010: 28). Bisher gibt es in Deutschland keine genauen gesetzlichen Regelungen zur Personalauswahl, weshalb auf die allgemeinen Gesetzte zurückgegriffen wird. Es gilt jedoch, dass der Arbeitgeber den Bewerber nur Fragen stellen darf, wenn er auf die Antworten im Hinblick auf die Ausübung der ausgeschriebenen Stelle sein sachlich berechtigtes Interesse hat. Der Art. 1 GG steht auch in der Personalauswahl an erster Stelle, der besagt, dass die Würde des Menschen unantastbar ist. „Daraus ergibt sich für Auswahlverfahren der Anspruch, dass keine Verfahren und Methoden eingesetzt werden dürfen, die für die Bewerber entwürdigend sein könnten“ (Lohaus 2013: 70).

Eine Auswahl von Rechtsgrundlagen, die häufig bei Fragen in Auswahlverfahren zu berücksichtigen sind, werden im Folgenden dargestellt.

a. Schwangerschaft

Die Frage, ob eine Schwangerschaft besteht stellt nach § 7 Abs. 1 AGG mit Verweis auf § 1 AGG eine diskriminierende Frage aufgrund des Geschlechts dar und ist somit generell unzulässig. Der § 2 Abs. 1 Nr. 1 AGG besagt, dass Frauen und Männer bei der Einstellung gleich zu behandeln sind. Dies wäre in dem Fall einer Schwangerschaft nicht gegeben. Sollte der Arbeitgeber gezielt danach fragen, hat auch hier der Bewerber das Recht zu Lügen (vgl. Hensche 2018).

[...]


1 Zur vereinfachten Darstellung wird in der Hausarbeit auf die weibliche Nennung verzichtet.

Details

Seiten
16
Jahr
2018
ISBN (eBook)
9783668949645
ISBN (Buch)
9783668949652
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v470020
Note
2,0
Schlagworte
personalauswahl grenzen privatsphäre

Autor

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