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Grundlagen zum Verstehen von Gruppen

Über verschiedene Phasen und Rollen in der Gruppenentwicklung

Hausarbeit 2017 11 Seiten

Soziologie - Allgemeines und Grundlagen

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Definitionen
2.1 Gruppe
2.2 Rollen

3. Phasen der Gruppenentwicklung
3.1 Phase 1: Forming
3.2 Phase 2: Storming
3.3 Phase 3: Norming
3.4 Phase 4: Performing
3.5 Phase 5: Mouring

4. Rollen in der Gruppe
4.1 Der Anführer
4.2 Der Außenseiter
4.3 Der Mitläufer
4.4 Der Clown

5. Zusammenfassung

6. Fazit

7. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Jeder Mensch kommt im Laufe seines Lebens an den Punkt wo er sich aus verschiedenen Gründen mit anderen Leuten zu einer Gruppe zusammenschließt und sich in diese auch integrieren muss. Dies geschieht meistens dann, wenn man mit komplexen Lagen oder Aufgaben konfrontiert wird, welche in einer Gruppe einfacher zu lösen sind. Jedoch beginnt die Gruppenbildung bereits kurz nach der Geburt, das Neugeborene benötigt Zuwendung, Ernährung und Wärme durch andere Personen. Das geschieht durch die Gruppierung des Familienverbandes, in der der Mensch hineingeboren wurde. Somit lässt sich bereits an diesem Punkt der Arbeit sagen, dass gerade weil der Mensch andere Menschen zum Überleben benötigt, sich immer wieder in Gruppen aufhält und interagiert, welche er gar nicht als Gruppe wahrnimmt. Von Kindesbeinen an werden so von unterschiedlichsten Gruppen Werte, Normen und Ideen vermittelt, sogar mitgestaltet und verschiedene Rollen in Gruppen eingenommen. Die Interaktion und das Leben in Gruppen sind also von der Geburt, über die Schulzeit, bis hin zur Berufswelt und dem Freundeskreis allgegenwertig. Es gibt zahlreiche Vorteile, die das Individuum in einer Gruppe erfahren wird. In der Gemeinschaft fühlt sich die Einzelperson stärker, die Hemmschwelle wird gesenkt, man traut sich Sachen die man allein nicht getan hätte. Eine gemeinsame Interessenvertretung wird gebildet, es entstehen gemeinsame Vorlieben welche in der Gruppe zusammen ausgelebt werden können. Anerkennung ist eines der am höchsten einzustufenden Vorteile, da jeder Mensch nach ihr strebt. Aber es gibt auch negativen Seiten, diese können Spott, Erniedrigung und Unverständnis sein. Der „Gruppenzwang“ ist hier als ein weiterer schlechter Aspekt zu nennen und der Ausstieg aus einer Gruppe kann sich schwieriger gestalten als gedacht. So ist es möglich, dass Kriminalität und Gewalt in Gruppen häufiger auftreten. Zu Beginn möchte ich die Begriffe Gruppe und Rolle definieren, anschließend werde ich die verschiedenen Phasen der Gruppenentwicklung aufzeigen. Darauf folgend werde ich die Rollen innerhalb einer Gruppe vorstellen, hier werde ich mich auf die am häufigsten auftretenden Rollen beschränken, da ich mich in dieser Arbeit auf die wesentlichen Kernpunkte konzentrieren möchte. Diese werden sein, der Anführer, der Außenseiter, der Mitläufer und der Clown. Die genannten Rollen werde ich im theoretischen Teil definieren und dessen Merkmale genauer erläutern.

Gruppen ohne Rollenzwang, ist das möglich?

und

Muss sich die Einzelperson anpassen oder kann sie ganz sie selbst sein?

Auf diese beiden Fragestellungen werde ich das Hauptaugenmerk legen. Zum Schluss dieser Arbeit werden die Ergebnisse präsentiert und die gewonnenen Erkenntnisse mit einem Fazit gewürdigt.

2. Definitionen

2.1 Gruppe

Der Begriff der Gruppe ist kein eindeutiger. In der Soziologie der Wissenschaft welche sich mit der empirischen und theoretischen Erforschung des sozialen Verhaltens befasst, bezeichnet man Gruppe als intermittierendes soziales System. Also eine Gruppe besteht auch weiterhin fort, auch wenn ihre Mitglieder nicht an einem Ort versammelt sind. Die Gruppe ist gebunden an Personen und nicht an Sachen. Dies bedeutet, dass der Austausch von Personen einer Gruppe nur begrenzt stattfinden kann und die Gruppe sich nicht wegen einem klaren Zweck versteht. Wenn Menschen über längeren Zeitraum miteinander kommunizieren, beginnen sie ihre Beziehungen zu strukturieren. Sie werden dadurch eine Gruppe. Kommunikation, Normen, Ziele, Rollen und Themen sind die wesentlichen Elemente der Gruppenstruktur (vgl. Marmet 1999, S.25).

Die Zusammensetzung einer Gruppe besteht aus Personen, welche in einem bestimmten Zeitraum durch regelmäßige und feste Beziehungen mit – und untereinander in Verbindung stehen. Eine Reihe von Merkmalen beschreibt die Gruppe präziser:

- Dauerhaftigkeit
- Zusammengehörigkeitsgefühl (Wir-Gefühl)
- Interaktion und Kommunikation
- Ziele
- Werte und Normen
- Rollen.

Gruppen können in verschiedene Arten unterteilt werden, im Folgenden werde ich die verschiedenen Arten einer Kategorie nennen jedoch nicht definieren, da auch dies ein sehr komplexes Thema darstellt und nicht Schwerpunkt dieser Arbeit darstellt.

1. Kleingruppe / Großgruppe
2. Primärgruppe / Sekundärgruppe
3. Formelle Gruppen / Informelle Gruppen
4. Fremdgruppe / Eigengruppe

(vgl. Metzinger 2010, S.12).

2.2 Rollen

Ursprünglich aus dem Theater stammend, entwickelte sich auch der Begriff Rolle bezugnehmend auf das menschliche Zusammenleben. Dort wurden jeder Rolle bestimmte Verhaltensmuster, Charaktereigenschaften und Merkmale zugewiesen. Gemäß König und Schattenhofer liege der Unterschied darin, dass nicht ein Autor bestimmt welches Verhalten und welche Texte gesprochen werden. Es seien die Erwartungen welche die Rolle prägen, „ die von den anderen Mitspielern und dem Publikum der jeweiligen Rolle entgegengebracht und vom Rollenspieler hinreichend akzeptiert werden sowie von ihm in unterschiedlichem Ausmaß verinnerlicht sein können“ (König/Schattenhofer 2006, S. 47). Jedes Mitglied einer Gruppe wird im Laufe der Zeit eine Rolle einnehmen und eine Rollenfunktionen entwickeln. Die Rollen, die sich dabei in Gruppen bilden können, sind vielfältig und können sehr unterschiedlich sein: Führer, Mitläufer, Clown, Opportunist, Drückeberger, Vermittler, Organisator, Streber, Tyrann, Spielverderber, Petzer, Klassenkasper, Trottel, Querulant, Sündenbock usw.. Die Entstehung und Entwicklung der Rollen in Gruppen sind von verschiedenen Faktoren abhängig:

- Rollen bilden sich erst mit dem Gruppenprozess heraus
- Rollen können sich wandeln
- Rollen sind durch Gruppenmerkmale Beeinflusst (vgl. Metzinger 2010,S.33/37).

3. Phasen der Gruppenentwicklung

Bevor jedes Mitglied einer Gruppe seinen oder einen Platz gefunden hat, durchläuft jede Gruppe verschiedene Phasen. Dieser Abschnitt befasst sich mit den fünf verschiedenen Phasen der Gruppenentwicklung.

Es gibt verschiedene Phasenmodelle, in dieser Arbeit werde ich grundlegend auf das Modell von Bruce Tuckman eingehen welches von König und Schattenhofer weiterentwickelt wurde, aber auch wichtige Aspekte von anderen Modellen mit einbeziehen.

Die Reihenfolge dieser Phasen erweckt den Anschein, dass es sich um einen Linearen Prozess handelt, aber genau dieses ist er nicht. Gruppen entwickeln sich zyklisch und können Phasen überspringen oder auch zurückfallen. Im Laufe der Gruppenexistenz werden manche Phasen öfter durchlaufen, z.B. wenn Gruppenmitglieder die Gruppe verlassen.

3.1 Phase 1: Forming

Die erste Phase die wir betrachten ist das Forming, auch Einstiegs – und Findungsphase genannt.

Zu Beginn jeder Gruppenfindung und Entwicklung besteht vor allem Angst und Ungewissheit. Erste noch sehr distanzierte Annäherungsversuche finden statt und die Einzelpersonen versuchen für sich einen Überblick und eine Ordnung zu schaffen. Der Ich-Gedanke und unverbindliches Verhalten dominieren in dieser Phase (vgl. Wellhöfer 2001, S10).

3.2 Phase 2: Storming

Die zweite Phase dieses Modells ist das Storming, auch Auseinandersetzungs- und Streitphase genannt.

Das eigene Interesse steht in dieser Phase immer noch klar im Vordergrund, da die Beziehungen zu anderen Gruppenmitgliedern noch nicht gefestigt sind. Der Gedanke, ob die Mitgliedschaft in dieser Gruppe für den einzelnen positiv oder negativ ist, wurde geklärt, so dass die Mitglieder versuchen einen Platz in dem Gruppenkonstrukt zu finden. Fortlaufend werden die Beziehungen zu den anderen Mitgliedern gefestigt „…und erkämpft sich den eigenen Platz in der entstehenden Rangordnung“ (Wellhöfer 2001, S. 11). In dieser Phase kommt es vermehrt zu Konflikten in entstandenen kleinen Untergruppen und die Rollen werden gefestigt.

3.3 Phase 3: Norming

Die dritte Phase des Tuckman Modells benennt die Norming Phase, welche auch als Regelungs- und Übereinkommensphase bezeichnet wird.

Kennzeichnend für diese Phase ist das Auftreten eines starken Wir-Gefühls, die Gruppenmitglieder identifizieren sich mit Ihrer Gruppe und deren Zielen. Durch das emotionale öffnen gegenüber andern Gruppenmitgliedern entsteht ein starkes Sicherheitsgefühl. „Es entsteht ein gemeinsamer Bezugsrahmen, der gruppenspezifische Verhaltensnormen beinhaltet...“(Wellhöfer 2001, S. 11). Dieses Verhalten ist gruppenspezifisch bedingt, kann daher nicht als individuell betrachtet werden.

3.4 Phase 4: Performing

In der vierten Phase dem Performing geht es um die Leistungs- und Arbeitsphase.

Die Gruppe hat sich gefestigt und etabliert, so kann jetzt mit vereinten Kräften geplant und auf die gesteckten Ziele hingearbeitet werden. Durch das Erreichen des Entwicklungshöhepunktes fühlen sich die Gruppenmitglieder stark, selbstsicher und anderen Gruppen überlegen.

Eine gemeinsame Sprache bzw. ein gemeinsamer Sprachstil ist jetzt Bestandteil der Gruppe, wodurch der Zusammenhalt der Gruppe immer weiterwächst. Somit wird die Distanz zu anderen Gruppen immer größer und erreicht ihren höchsten Punkt. Nun ist das Gruppengebilde gefestigt genug um neue Mitglieder aufzunehmen und diese zu integrieren. Dadurch das die Gruppe in dieser Phase extrem gefestigt ist, besteht auch nicht die Gefahr eine neue Rollenverteilung durch neue Gruppenmitglieder zu bilden.

3.5 Phase 5: Mouring

Die letzte Phase dieses Modells welche durch Bruce Tuckman 1977 weiterentwickelt und dem Tuckman Modell hinzugefügt wurde, beschäftigt sich mit der Neuorientierung oder auch die Trauerphase.

Nach erfolgreichem erreichen der gesetzten Ziele beginnt die Auflösung der Gruppe, dies kann je nach Gruppenmitglied mit mehr oder weniger starken Emotionen ablaufen. Dies hängt auch davon ab wie lange die jeweiligen Gruppenmitglieder in der Performingphase verweilt haben. Es besteht aber auch die Möglichkeit das die Gruppe fortbesteht, sich eventuell anders strukturiert und ein neues Ziel definiert. Sollte dies nicht geschehen kann sich bei den einzelnen Mitgliedern ein gewisses Maß an Angst oder auch Unsicherheit entwickeln, ein Gefühl des Verlassen seins.

4. Rollen in der Gruppe

Die gruppendynamischen Rollen erfassen das Maß an Einfluss, das einem Gruppenmitglied im Gruppengeschehen eingeräumt wird (vgl. Stahl 2012, S.296).

Durch die hohe Vielfalt an verschiedenen Rollen welche von Gruppenmitgliedern eingenommen werden können, werde ich mich auf die primären vier Rollen beziehen. Das sind die Rollen des Anführers, des Mitläufers, des Außenseiters und des Clowns.

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Details

Seiten
11
Jahr
2017
ISBN (eBook)
9783668952898
ISBN (Buch)
9783668952904
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v470068
Institution / Hochschule
Hochschule für Wirtschaft und Recht Berlin
Note
1,6
Schlagworte
grundlagen verstehen gruppen über phasen rollen gruppenentwicklung

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