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Die Frauen im Sierra Club zur Zeit der Progressive Era 1890 -1920

Hausarbeit 2013 14 Seiten

Geschichte - Amerika

Leseprobe

Inhalt:

1. Einleitung

2. Die Entstehung und Ziele des Sierra Club 1890 1920.
2.1 Der Umweltschutz und der Gender-Diskurs des Sierra Club in der Progressive Ära.

3. Die Frauen im Sierra Club

4. Fazit

5. Literatur

1. Einleitung:

Als sich der amerikanische Umweltschützer John Muir 1892 gegen den Bau des Hetch-Hetchy-Damms im Yosemite National Park aussprach, wurde er in der TageszeitungSan Francisco Callals „weibisch“ dargestellt.1 Dieser Cartoon zielte nicht direkt auf Muirs Ansicht ab, man müsse den Bau des Hetch-Hetchy Damms verhindern. Es ging eher darum, dass es nicht üblich war sogar verpönt war dass man sich als Mann für den Umweltschutz interessiert. Es war hingegen eher üblich, dass der Umweltschutz Frauen vorbehalten war.

Die Progressive Ära der Vereinigten Staaten von Amerika (ca. 1890-1920) war eine Periode in der US-amerikanischen Geschichte, die vor allem durch soziale Neuerungen und diskursive Veränderungen gekennzeichnet war. Dazu gehörte neben der Erneuerung von Arbeiterechten und Änderungen im Erziehungswesen auch eine Wandlung des Gender-Diskurses. Das Auftreten von John Muir und die Gründung der Umweltorganisation Sierra Club im Jahre 1892 war dabei der Anfang einer Debatte, die das Rollenbild der Geschlechter verändern sollte.

Darüber hinaus rückten in der Progressive-Ära auch die Interessen der Frauen zunehmend in das Zentrum der Öffentlichkeit und spielten bei politischen Entscheidungen eine immer größere Rolle. Frauen konnten so auch darauf hoffen, Wahlrecht zu erlangen und ein höheres Mitspracherecht in der Gesellschaft zu haben.

In dieser Arbeit möchte ich darstellen, in welcher Beziehung tatsächlich Frauen zu dem Sierra Club standen, d. h. wie hoch der Frauenanteil unter den Mitgliedern war, wie der Sierra Club auf die weiblichen Mitglieder eingegangen ist, welche Rolle sie im Club gespielt haben und ob sich ihre Aufgaben in der Club-Organisation von denen der Männer unterschieden haben.

Ich werde im ersten Teil meiner Arbeit erläutern, was der Sierra Club genau ist, welche Ziele er sich gesetzt hat und werde ihn historisch einordnen. Im darauffolgenden Teil werde ich die Grundzüge des Gender-Diskurswandels der Progressive Ära im Bezug auf Umweltschutz darstellen. Im letzten Teil möchte ich einen Einblick in die Rolle der Frau innerhalb des Clubs geben, darstellen wie sich die Geschlechterverteilung unter den Mitgliedern im Sierra Club über die Jahre 18901920 verändert hat und welche Rollen und Ansichten Frauen hatten. Als Quelle werde ich hierfür hauptsächlich die Bulletins des Sierra Clubs verwenden, die jährlich erschienen sind. Neben Statistiken und Formalia enthalten diese Hefte auch Erfahrungsberichte von Wanderund Kletterausflügen in den Yosemite-Nationalpark, die möglicherweise Aufschluss über den Alltag der Frauen im Verein geben könnten. Als Sekundärliteratur werde ich u. a. die Monographie „Natures Altars“ von Susan Schrepfer verwenden, die sich einerseits mit der Beziehung zwischen Gender und Natur beschäftigt, aber andererseits einige Einblicke in die Rolle der Frau im amerikanischen Umweltschutz gibt..

2. Die Entstehung und Ziele des Sierra Club 1890-1920.

Seit Mitte des 19 Jh. gab es in den Vereinigten Staaten von Amerika eine wachsende Bewegung, die ein Interesse an der Natur und dessen Entdeckung hatte. Der Ursprung dieser Bewegung ist hauptsächlich auf die schnell steigende Bevölkerung, besonders in den Städten, dem Ausbau des amerikanischen Eisenbahnnetzes und der dadurch beschleunigten Modernisierung zurückzuführen.2 Diese Bewegung waren die so genanntenNaturalists.Einer der Vertreter dieser Bewegung war John Muir. Er empfand die im 19. Jh. gängige Annahme, die Natur sei nur für die Nutzung des Menschen gedacht, als einen großen Irrtum. „Every animal, plant, and crystal controverts it in the plainest terms. Yet it is taught from century to century as something ever new and precious, and in the resulting darkness the enormous conceit is allowed to go unchallanged.“3 John Muir bereiste verschiedene Gebiete in Nordamerika, um dort zu forschen, Berichte darüber zu schreiben und zu veröffentlichen. 4

Später schwenkte seine Arbeit auf den Erhalt von Naturgebieten um. Schon in den 1860er und 1870er Jahren hatte John Muir ein reges Interesse in Kalifornien, Gebiete vor der Umstrukturierung und vor allem vor dem Bau einer Eisenbahnstrecke derSouth Pacific Railwayszu schützen und die Einrichtung eines Nationalparks im Yosemite Valley zu fordern. Dies gelang ihm auch noch vor der Gründung des Sierra Club. Ende der 1880er konnte John Muir einen festen Kreis von Leuten gewinnen, die sein Interesse teilten. Unter ihnen war Robert Johnson, ein Redakteur des New YorkerCentury-Magazins. Er schlug John Muir vor, eine Organisation zu gründen, die fest für die Idee einstehen sollte, für die Gründung von National Parks, wie es beim Yosemite Valley der Fall war, einzutreten. Muir sträubte sich allerdings gegen diese Idee, da er Schwierigkeiten sah, eine rein politische Organisation zu leiten.5 Ein weiterer Person, die sich für die Idee des Yosemite-Nationalparks einsetzte, der Berkeley-Professor Henry Senger, machte den Vorschlag, einenAlpine Clubnach englischem Vorbild zu gründen. Dieses Modell sollte Leute zusammenbringen, die ein gemeinsames Interesse an der Erschließung des Yosemite Valley hatten. Der Club sollte den alpinen Sport fördern, in dem Ausflüge sogenannteOutings -organisiert wurden. Andererseits sollte der Club sich dem Erhalt von der Natur und der Einrichtung von Nationalparks zum Ziel setzen, indem er Lobby-Arbeit bei Politikern leistete, um ein direktes Eingreifen in die Natur des Yosemite-Valley zu verhindern und vor allem den Raum des Valleys für alle zugänglich zu halten. Gerade durch die Outings sollten ein wachsendes Naturinteresse entstehen, dass die Bürgerinnen und Bürger dazu animieren sollte, sich für den Erhalt des Yosemite Valley stark zu machen und auf die Politik in Kalifornien und auf föderaler Ebene Einfluss zu nehmen. Am 25. Mai 1892 wurde das erste Treffen abgehalten und John Muir wurde Präsident auf seine Lebenszeit bis zu seinem Tod 1914. Der Sierra Club war seit seiner Gründung unter der Präsidentschaft Muirs in der Lage, weitere Nationalparks wie Mt. Rainier oder Grand Canyon durch die amerikanische Regierung errichten zu lassen. Der Bau des HetchHetchy Damms, die vom Sierra Club stark bekämpft wurde, konnte allerdings nicht verhindert werden und die Stadtverwaltung von San Francisco bekam 1913 durch denRaker Actdie Legitimation den Damm zu bauen.6 Zuvor erfuhr der Dammbau durch ein Referendum unter der Bevölkerung von San Francisco Zustimmung. Dennoch gilt der Sierra Club als eine der bekanntesten und bedeutendsten Umweltorganisationen in der Geschichte der USA und gilt als Mitbegründer der sogenanntenConservationBewegung, die über ganz Amerika Nachahmer finden sollte und weitere Naturschutzgebiete in den USA und Kanada gegründet werden konnten.

2.1 Der Umweltschutz und der Gender-Diskurs in der Progressive Ära,

Mitte bis Ende des 19. Jh. war das Engagement für den Erhalt der Natur für einen Mann wie John Muir allerdings noch nicht in der amerikanischen Gesellschaft etabliert.. Denn das Interesse am Umweltschutz war ausschließlich Frauen vorbehalten. Es war gängig, dass sie sich für Themen wie Sauberkeit in den Städten, saubere Milch und Sauberes Trinkwasser einsetzten. Frauen waren es, die Umweltorganisationen gründeten und sich politisch auf dieser Ebene beweisen konnten. Unter anderem gab es auch sogenannte Women-Clubs, in denen ausschließlich Frauen aufgenommen wurden. Auch wenn diese Clubs sich teilweise mit anderen Interessen, wie z. B. Kultur oder Religion auseinandersetzten, haben sie trotzdem für dieConservation-Bewegung die Lobby-Arbeit geleistet.7 Frauen setzen sich ebenfalls dafür ein, dass ökologische Themen an Hochschulen gelehrt wurden und plädierten für ihr Wahlrecht bei Kommunalwahlen, unter anderem damit auch dort Themen wie Umweltprobleme und -schutz eine Rolle spielen konnten und Parteien darauf eingehen mussten.8 Sie erhielten dabei Rückendeckung von Umweltorganisationen wie z. B. dem Sierra Club. Auch an Hochschulen etablierten Frauen umweltspezifische Wissenschaften und wurden somit zu Experten auf diesem Gebiet. Weiterhin sahen Frauen in ihrem Interesse für die Natur und Wanderungen eine Art Unabhängigkeit. Das Wandern und Klettern wurde seit den 1830er Jahren bei Frauen zu einen beliebten Sport. Sie konnten weite Kletterstrecken zurücklegen ohne auf eine männliche Begleitung angewiesen zu sein. Eine Eigenschaft die in das Phänomen der „New Woman“, das zu dieser Zeit aufkam, starken Einfluss hatte

Allerdings wurde ihnen nie die Professionalität zugetraut, wie es beispielsweise bei Männern der Fall war. Es gab die Annahme, dass sie eine sentimentale Beziehung zur Natur hatten und von daher keine Entscheidungen treffen konnten, die „wirtschaftlich durchdacht“ und „wissenschaftlich rational“ waren, sondern sich nur an den Erhalt natürlicher Schönheit orientieren. Im Vergleich dazu behauptete man, dass Männer, die sich für den Erhalt der Natur einsetzen, eher ein ökonomisches Interessen verfolgen, wie z. B. die Luft sauber zu halten, damit die Bevölkerung gesund bliebe, um produktiv und wirtschaftlich stark zu sein.9 Dennoch setzte um die Jahrhundertwende vom 19. zum 20 Jh. eben durch Personen wie John Muir eine „Identitätskrise“ des Mannes ein. Diese Krise bestand hauptsächlich darin, dass der Mann ebenfalls ein Interesse an dem Erhalt der Natur hatte, die nicht ökonomisch motiviert war, sondern auch, weil er sich von ihrer Schönheit in den Bann gezogen fühlte. Diese Männer wurden häufig als nicht männlich angesehen. Es war eher üblich, dass das sentimentale Interesse von Männern deren Familien galt, als der Natur. John Muir hingegen verspürte eine äquivalente Beziehung zur Natur und seiner Familie als Familienvater.10

Aufgrund dieser „Krise“ ging z. B. dieAmerican Forestry Association (AFA)sogar soweit, mit Beginn der diskursiven Änderung um die Geschlechterrolle in der Umweltpolitik, Frauen aus ihrer Organisation auszuschließen. Sie wollten sich damit vor dem Ruf schützen, „unmännlich“ zu sein und dem Bild gleich zu kommen, Interesse an dem Erhalt von Schönheit der Natur zu haben. Ein weiterer Beweggrund war die Annahme, dass der Umweltschutz mehr technisches Know-How verlangte als zuvor. Die AFA ging davon aus, dass Frauen nicht die nötigen Kenntnisse besäßen um sich effektiv in der Vereinigung zu engagieren.11 Vorerst hatte die Organisation Frauen aufgenommen, um sie als eine Art sentimentales Gegengewicht in der Basis gegenüber des „professionellen“ Umweltschutzes zu halten , die sich für einen rein profitorientierten Umweltschutz einsetzten12 Auch in der Stadtplanung wurden Frauen genau aus diesem Grund ausgegrenzt. Zwar waren sie unmittelbar in Vereinigungen für Landschaftsarchitektur, wie derAmerican Park and Outdoor Associationvertreten, wurden aber nicht zu Tagungen für Stadtplanung, wie derNational Conference of City Planningeingeladen. Auch hier hatte man die Befürchtung, dass die dort zu treffenden Beschlüsse durch Anwesenheit von Frauen, „sentimental“ motiviert sein könnten und dann von der Öffentlichkeit nicht ernstgenommen würden.

3. Die Frauen im Sierra Club.

Unter den Gründungsmitgliedern des Sierra Club zählten sich vorerst nur wenig Frauen. Von 144 Mitgliedern waren lediglich nur 5 Mitglieder weiblich.13

[...]


1 Rome, Adam, „Political Hermaphrodites‘: Gender and Environmental Reform in Progressive America“, 2006, S. 441.

2 vgl. Barrow Jr., Mark V., „The Specimen Dealer“: Entrepeneural Natural History in Americas Gilded Age, 2001, S. 494.

3 Fox, Stephen, „The American Conservation Movement“ John Muir and His Legacy“, S. 59.

4 vgl. Colby, William E, „John Muir The President of the Sierra Club“ S. 3.

5 Fox, Stephen, The American Conservation Movement, S. 106.

6 The Raker Bill 1913, http://www.sfmuseum.org/hetch/hetchy.html, 06. Februar 2013, 16:05.

7 Schrepfer, Susan, „Nature‘s Altars Mountains, Gender and American Environmentalism“, 2005. S. 95.

8 vgl. Rome, Political Hermaphrodites, S. 444.

9 vgl. ebenda S. 448.

10 vgl. Schrepfer,, Nature‘s Altars, S. 48.

11 Machant, Carolyn, „Women of the Progressive Conversation Movement 1900-1920, 1984, S. 77.

12 vgl. Rome, Political Hermaphrodites, S. 450.

13 Sierra Club, Board Of Directors Meeting Minutes 1892 1907, http://www.oac.cdlib.org/ark:/28722/bk000775x57/?order=2&brand=oac4, 25. September 2012, 20:50 Uhr.

Details

Seiten
14
Jahr
2013
ISBN (eBook)
9783668963443
ISBN (Buch)
9783668963450
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v470113
Institution / Hochschule
Universität zu Köln – Institut für anglo-amerikanische Geschichte
Note
2,3
Schlagworte
Pogressive Era USA Nordamerika Sierra Club Gender John Muir Naturschutz Natur

Autor

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Titel: Die Frauen im Sierra Club zur Zeit der Progressive Era 1890 -1920