Lade Inhalt...

Schöne neue digitale Welt? Die gesellschaftlichen Herausforderungen und die Beeinflussung der Sozialstruktur durch die Digitalisierung

Hausarbeit 2018 18 Seiten

Sozialwissenschaften allgemein

Leseprobe

Gliederung:

1. Hinführung: Modernisierung seit dem Pleistozän

2. Digitalisierung als aktueller Modernisierungsprozess
2.1 Charakteristika der Digitalisierung
2.2 Einordnung in ausgewählte Modernisierungsdimensionen
2.2.1 Differenzierung
2.2.2 Individualisierung
2.2.3 Rationalisierung
2.2.4 Domestizierung

3. Sozialstruktur in Zeiten des digitalen Wandels
3.1 Sinus-Milieus
3.2 Soziale Ungleichheit

4. Digitalisierung und Soziale Arbeit
4.1 Soziale Bedarfe im Zeitalter der Digitalisierung
4.2 Neue Aufgabenfelder der Soziale Arbeit

5. Digitalisierung im globalen Kontext

6. Fazit

7. Literaturverzeichnis

1. Hinführung: Modernisierung seit dem Pleistozän

Modernisierung in der Geschichte der Menschheit erfolgte häufig parallel zur Entdeckung und Erschließung vorher unbekannter Ressourcen sowie der damit einhergehenden Schaffung neuer Werkzeuge. So entwickelten sich beispielsweise seit der Steinzeit einzelne Epochen, die aufgrund der Nutzung neuer Metalle entstanden und nach diesen benannt wurden (Urban, 2015). Die Verwendung von Bronze in der Bronzezeit etwa brachte eine Vielzahl von werk- stofflichen Innovationen im Produkt- und Bearbeitungsbereich mit sich und erleichterte so den Aufbau von Städten und Zivilisationen. Auch für die Sozialstruktur trug die Gewinnung und Bearbeitung von Bronze ein Novum in sich, da arbeitsteilige Prozesse erstmals flächen- deckend organisiert werden mussten und die Kontrolle über Erze sowie der kluge Handel mit Metallen zu einer Ausprägung von sozialen Oberschichten führten. Neben der gesellschaftli- chen Umstrukturierung führte die Modernisierung der Bronzezeit auch zu negativen Effekten in den Bereichen Natur und Gesundheit. So entstanden in Mesopotamien und zahlreichen weiteren Regionen 2600 v. Chr. bereits Metallindustrien, deren Produktionsvolumen so groß waren, dass sie als Auslöser der ersten folgenreichen Umweltverschmutzungen in der Menschheitsgeschichte eingingen. Neben der Luftverschmutzung durch Gase und Rußparti- kel, sorgte die Entsorgung von schwermetallbelasteter Asche und Schlacke in der unmittelba- ren Umgebung für eine Kontamination von Böden und Trinkwasser. Das hatte zur Folge, dass diese Gesellschaften durch die Metallverarbeitung Krankheitssymptome wie Leberschäden, Nierenversagen oder Lungenkrebs verstärkten (Neukirchen, 2016). Geht der Blick Richtung Moderne, so ist in Anlehnung an Rosa et al. (2018) die Industrialisierung als Modernisie- rungstreiber zu nennen, bei der eine zunehmende Technisierung und Arbeitsteilung zu im- mensen sozialen Umwälzungen führte. Innovative Instrumente waren dabei eine neue Infra- struktur von Eisenbahn, Straßen und Telegraphie sowie eine kollektive Errichtung von Arbei- tersiedlungen.

Als mitunter bedeutendste Triebfeder für kürzlich angestoßene und aktuelle Modernisie- rungsprozesse wird in der einschlägigen Literatur die Digitale Revolution identifiziert (Bert- sche, Como-Zipfel, 2016). Hierbei wird eine Vielzahl von materiellen Ressourcen verwendet, um Werkzeuge zu schaffen, die von der Funktion des ursprünglich fasslichen Werkzeugs ent- grenzt, einen neuen digitalen Wirkungsraum erschließen (Röcker, 2017).

Diese Ausarbeitung hat die Zielstellung, das Phänomen der Digitalisierung als Modernisie- rungsprozess zu analysieren sowie die damit verbundenen Auswirkungen auf die Sozialstruk- tur zu beleuchten und die Frage zu beantworten, wie die Digitalisierung diese verändert. Zu- dem erfolgt eine Einordnung digitaler Technologien aus einer globalen Betrachtungsweise. Weiter werden unter Bezug des digitalen Kontextes ausgewählte potenzielle soziale Problem- lagen thematisiert und daraus resultierende neue Handlungs- und Aufgabenfelder der Sozialen Arbeit diskutiert.

2. Digitalisierung als aktueller Modernisierungsprozess

Seit über zwei Dekaden sieht sich die Gesellschaft mit einer verstärkten Zunahme der Digita- lisierung konfrontiert (Wittpahl, 2017). Dieses Kapitel beleuchtet sowohl den Gegenstand der Digitalisierung als auch eine Einordnung in Anlehnung an die vier Modernisierungsdimensio- nen: Differenzierung, Rationalisierung, Individualisierung und Domestizierung (Rosa et al., 2018, Degele, Dries, 2005, van der Loo, van Reijen, 1997).

2.1 Charakteristika der Digitalisierung

Unter Digitalisierung wird die Umwandlung von analogen Informationsträgern wie Musik, Bild oder Text in elektronische Zahlenwerte verstanden. Dies ermöglicht eine vereinheitlichte Bearbeitung, Speicherung und Übertragung von Daten, die den Nutzern eine unbegrenzte Re- produzierbarkeit von Information ohne Qualitätsverlust und mit marginalem Kostenaufwand erlaubt (Kröhling, 2016). Als Meilensteine bei der Verwendung digitaler Medien als Massen- produkt sind die CD als Tonträger in den frühen 80er Jahren, die Digitalisierung des Telefon- netzes ab 1987 und seit der Jahrtausendewende auch der Bereich des digitalen TV-Empfangs zu nennen. Die bis heute höchste Popularität findet die Digitalisierung schließlich in der Form des Internets, die es ermöglicht, Texte, Bilder und Videos unabhängig von Zeit und Ort zu konsumieren, ohne die Daten dabei selbst besitzen zu müssen (Schröder, 2006). Wie wichtig die Digitalisierung für den Wirtschaftssektor ist, skizziert der Vorstandsvorsitzende der Tele- kom, Timotheus Höttges (2016). Für ihn sind in der heutigen Zeit erfolgreiche Unternehmen auch immer digitalisierte Unternehmen. Dabei führt er als Beispiel die Firma Apple an, die mit einem Börsenwert von über 700 Milliarden Dollar, die Spitzenposition unter den wert- vollste Unternehmen einnimmt. In Anlehnung dazu ist zu erwarten, dass die globalen Märkte in Zukunft von digitalisierten Unternehmen dominiert werden, da Geschäftsprozesse aktuell nicht mehr ohne den IT-Sektor auskommen (Abolhassan, 2016). Das ökonomische Potenzial der Digitalisierung im Bereich Internettechnologie wird für deutsche Unternehmen bis zum Jahr 2025 bei etwa 207 Milliarden Euro geschätzt (Dürand et al., 2014). Diese Zahlen offen- baren die immense zukünftige Bedeutung der Digitalisierung für den nationalen Arbeitsmarkt.

2.2 Einordnung in ausgewählte Modernisierungsdimensionen

Um eine differenzierte Einordnung der Digitalisierung in vier Dimensionen der Modernisie- rung zu ermöglichen, werden an dieser Stelle die auf Hans van der Loo und Willem van Rei- jen (1997) zurückgehenden Grundannahmen, die sich wiederum auf Talcott Parsons Überle- gungen beziehen, kurz vorgestellt. FU GLH $XWRUHQ LVW 0RGHUQLVLHUXQJ HLQ ÄKomplex mitei- nander zusammenhängender struktureller, kultureller, psychischer und physischer Verände- rungen, der sich in den vergangenen Jahrhunderten herauskristallisiert und damit die Welt, in der wir augenblicklich leben, geformt hat und noch immer in eine bestimmte 5LFKWXQJ OHQNW³ (van der Loo, van Reijen, 1997, S. 11). Dabei handelt es sich um keinen linearen Prozess, vielmehr schreiben die beiden Autoren der Modernisierung einen paradoxen Wesenszug zu (Degele, Dries, 2005). Die einzelnen Dimensionen können dabei durchaus konträr zueinander verlaufen und in einen Widerspruch münden, was als Ä]ZHL6HLWHQ GHUVHOEHQ 0RGHUQLVLe- UXQJVPHGDLOOH³ (van der Loo, van Reijen, 1997, S. 37) beschrieben wird.

2.2.1 Differenzierung

Die Dimension der Differenzierung beschreibt eine veränderte Gesellschaftsstruktur, durch eine Spezialisierung der Arbeitsbereiche sowie eine Ausdifferenzierungen von Funktionen und Werten unterschiedlicher Disziplinen wie beispielsweise Ökonomie, Politik, Wissen- schaft oder Kunst. Dabei werden die einzelnen Teilbereiche durch keine übergreifende Steue- rungsinstanz mehr zusammengehalten. Es droht ein Verlust der gesellschaftlichen Einheit und Ganzheit durch Prozesse der Desintegration und des Auseinanderfalls (Rosa et al., 2018). Analysieren Beobachter in diesem Kontext die Digitalisierung, so offenbart sich eine erhöhte Differenzierung der Arbeitswelt, die zuvorderst in den durch Digitalisierung neu geschaffenen IT-Berufen selbst zu finden ist. So entstanden beispielsweise die Berufsbilder der Fachinfor- matiker für Anwendungsentwicklung und Systemintegration, Systemkaufleute, System- und Informatikkaufleute oder Systemelektroniker (Ehrke et al., 2012). Weiter ist eine Diversifizie- rung der industriellen Arbeitswelt als Folge des Einsatzes digitaler Techniken zu beobachten, da Digitalisierung einhergehend mit Automation als Eckpfeiler für die Industrie 4.0 angese- hen wird (Kögel et al., 2017). Aber auch Politik oder Verwaltungen implementieren verstärkt digitale Systeme, die als eGovernment bezeichnet werden, in ihre Tätigkeitsbereiche, was zu funktionalen Differenzierungen führt, da sich das Aufgabenbild mit dem Einsatz der techni- schen Komponente verändert (Wittpahl, 2017). Experten auf dem Gebiet der IT prognostizie- ren in naher Zukunft eine zunehmende Beschleunigung des Prozesses der Digitalisierung mit seinen WirkungsmechaQLVPHQ: ÄInnerhalb der nächsten Jahre werden Branchen, Volkswirt- schaften und Gesellschaften transformiert werden oder durch Disruption sich dahin gehend verändern, wie es teilweise nur durch Science Fiction bekannt war³ ($QGHULH, 2018, 6.16). Durch diese Einschätzung wird deutlich, dass die erwartbaren gesellschaftlichen Differenzie- rungen durch Digitalität in ihrer Intensität noch deutlich zunehmen können und auch die ein- gangs geschilderten pathologischen Phänomene der Modernisierungsmedaille in diesem Kon- text realistisch anmuten.

2.2.2 Individualisierung

Die Modernisierungsdimension der Individualisierung richtet den Fokus auf die veränderte Persönlichkeit der agierenden Menschen. Durch mehr Autonomie und Wahlfreiheiten von Personen können diese verstärkt unabhängig von lokalen oder verwandtschaftlichen Gege- benheiten bestimmen, welche religiöse Überzeugung sie vertreten, welchen Ehepartner sie wählen oder welchen beruflichen Tätigkeiten und Freizeitbeschäftigungen sie nachgehen. Diese von Konventionen und Traditionen zunehmend losgelöste Wahlfreiheit zwingt die In- dividuen allerdings auch dazu, dass sie für Handeln verstärkt Verantwortung übernehmen müssen und sie ihr eigenes Leben genauer planen müssen. Gesellschaftlicher Zwang wird somit nur noch durch den Bezug auf individuelle Bedürfnisse und Interessen hergestellt. Die pathologische Komponente der Modernisierung ist in den Bereichen der Vereinsamung und niveauloser Massenkultur, die nur noch durch den Konsum eine Unterscheidung möglich macht, zu identifizieren (Rosa et al., 2018). Im Bezug auf die Digitalisierung zeigt sich vor allem die ausgeprägte Loslösung von zeitlichen örtlichen Gegebenheiten, da etwa bestimmte Internetangebote unabhängig von geographischen und zeitlichen Rahmenbedingungen von einer unbestimmten Personenzahl genutzt werden können. Zudem wird die Wahlfreiheit, wel- che Angebote genutzt oder wie digitale Inhalte gestaltet werden, durch einen zu Teilen vor- handenen Deckmantel der Anonymität, noch weiter von gesellschaftlichen Zwängen entrückt (Brodnig, 2014). Weiter werden die Leistungen und Inhalte des Internets zunehmend auf die einzelnen Nutzer zugeschnitten. Deswegen führt die gesteigerte Adaption der Anwendungen und Websites an die Profile ihrer Anwender, die von Algorithmen berechnet und/oder durch eigene Modifikationen und Angaben verändert werden können, zu einer stetigen Personalisie- rung und Individualisierung im digitalen Bereich. Bei sozialen Medien führt diese Tendenz etwa dazu, dass Nutzer nur noch Inhalte angezeigt bekommen, die diese mit hoher Wahr- scheinlichkeit auch interessieren. Dies wird auch als Filterblase und Echokammer bezeichnet (Zweig et al., 2017). Pathologisch kann bei der Digitalisierung als Modernisierungstreiber auch auf den bereits genannten Faktor der Einsamkeit verwiesen werden, da eine Überdigita- lisierung nach Cachelin (2017) zu einem Defizit an sozialen Kontakten und daraus resultie- rend auch zu einer Unterversorgung von menschlicher Nähe führt.

2.2.3 Rationalisierung

Die kulturelle Perspektive benennt Modernisierungsprozesse meist als Rationalisierung. Die Welt wird hierbei in all ihren Facetten berechenbar und kann somit durch rationales Handeln beherrschbar gemacht werden. Dabei erfolgt eine Neuordnung der Welt mit der Maxime, die- se möglichst effizient zu gestalten. Um dies zu erreichen, richtet sich die Wissenschaft strikt an rationalen Erklärungen aus, die empirisch nachweisbar sind. Der Wirtschaftssektor agiert unter dem Aspekt der Nutzenmaximierung mit dem Credo stets den größten Ertrag zu erwirt- schaften und dabei so wenig Aufwand wie möglich zu betreiben. Die Politik handelt aus- schließlich nach den Gesetzen einer demokratischen Ordnung und die Subjekte agieren eben- falls nur auf Grundlage eines rationalen Kalküls, mit dessen Hilfe alle Handlungen auf die Parameter Zeit und Geld reflektiert werden. Sie verfahren dabei genauso effizient und zielge- richtet wie die Akteure der Wirtschaft. Die Pathologien bestehen etwa aus Sinnverlusten und manifestierten Sachzwängen (Rosa et al., 2018). Die Digitalisierung fungiert als Katalysator für die rationale Durchdringung der Welt, indem immer mehr Sensoren eingesetzt und Daten gesammelt werden. Ein Beispiel hiefür sind sogenannte Smart-Cities, die als intelligente Städ- te genau nach diesen rationalen Gesichtspunkten funktionieren. Durch die Schaffung dieser digitalen und effizienten Städte erhoffen sich die Betreiber, den gestiegenen Anforderungen und Erwartungen an Logistik, Umweltschutz sowie Sicherheit begegnen zu können (Müller- Seitz et al., 2016). Ein weiteres Beispiel für die zunehmende Rationalisierung, die durch digi- tale Innovationen eingeleitet wurde, ist die Substituierung menschlicher und niedrig qualifi- zierter Arbeitskräfte durch Maschinen, da diese nach Kennzahlen kostengünstiger und somit zu einem größeren Nutzen für die Unternehmen führen (Kröhling, 2017). Zudem verschärft die Digitalisierung den Konkurrenzkampf von im Marktumfeld handelnden Akteuren, was dazu führen kann, dass sowohl Arbeitnehmer als auch Organisationen mit einer verstärkten Ellenbogenmentalität agieren (Schramm, 2017). Unter diesem Gesichtspunkt befeuern primär rationale Verhaltensweisen nach dem Nutzenmaximierungsprinzip soziale Exklusion, da Be- dürfnisse nach Solidarität und Gemeinschaftlichkeit in den Hintergrund rücken. Als Folge fehlender sozialer Zuneigung und Wertschätzung sieht Kohlmann (2016) in Anlehnung an Carl Rogers eine Verletzung der psychischen Ebene, die zu psychologischen Dysfunktionen führen kann. Diese Annahme veranschaulicht das negative Potenzial einer Rationalisierung der Kultur als Teilprozess der digitalen Modernisierung.

2.2.4 Domestizierung

Als vierte und letzte Modernisierungsdimension ist die Domestizierung zu nennen, die eine immer weiter optimierte Beherrschung der Natur durch den Menschen in den Fokus nimmt. Dabei werden Naturkräfte und Naturprozesse zunehmend stärker vom Menschen gelenkt und umgeformt, wodurch diese gezielter zur Befriedigung individueller und kollektiver Bedürfnis- se beitragen können. Zudem erfolgt eine steigende Unabhängigkeit des Menschen von der Natur, da technische Innovationen beispielsweise dazu beigetragen haben, die Raumtempera- tur losgelöst von der Außentemperatur regulieren zu können. Die durch die Modernisierung gewonnenen Wissenszuwächse und Werkzeuge führen somit zu einer verstärkten Unterwer- fung der Natur, zu der der Mensch im weitgefassten Sinn auch selbst gehört. Das Paradox der Domestizierung bezieht sich auf die Zerstörung der Natur, von der der Mensch zu einem be- stimmten Grad weiter abhängig und somit betroffen ist (Rosa et al., 2018). Auf den Bereich der digitalen Innovation übertragen, lässt sich beispielsweise die wachsende Instrumentalisie- rung der Landwirtschaft benennen. So werden autonom fahrende Landwirtschaftsmaschinen entwickelt, die mittels Kameras, Sensortechnik und Satellitensignalen eine zentimetergenaue Bearbeitung von Ackerflächen ermöglichen. Weiter wird mit sogenannten Smart-Farming Technologien der individuell an jeden Acker angepasst Nahstoffbedarf berechnet, um Dün- gemittel zu optimieren und somit den Ertrag aus der Natur zu maximieren. Zudem existieren beispielsweise im Bayrischen Wald Drohnen, die anhand von Videoaufnahmen, Rückschlüsse auf die Aktivität von Borkenkäfern errechnen, um so die Schädlinge gezielt bekämpfen zu können und damit die Ausbeute der Forstwirtschaft zu steigern (Lutz, 2017). Die Digitalisie- rung sorgt nach Knye und Matusiewicz (2018) zudem im Bereich der Gentechnik für Innova- tion, wodurch beispielweise Pflanzen immer stärker nach den Wünschen des Menschen ge- schaffen werden können. Die dadurch geformten Monokulturen sind anfälliger gegenüber Pflanzenschädlingen und Krankheitserreger, was zu massiven Ernteeinbußen führen kann. Als Folge werden gesundheitsschädliche Pflanzenschutzmittel verwendet, deren Anwendung Tei- le der Natur zerstört. Diese Effekte führten zur Züchtung von transgenen Pflanzen, die selbst Toxine gegen Schädlinge ausbilden, um den exogenen Pestizideinsatz zu verringern. Dadurch können aber wiederum andere Organismen geschädigt werden, was beispielsweise beim Men- schen zu einem erhöhten Risiko zur Ausbildung einer Lebensmittelallergie führt (Heberer, 2015). Diese aufgeführten Beispiele aus dem Bereich der Landwirtschaft zeigen, dass die Na- tur durch neue entstandene Möglichkeiten der Digitalisierung immer stärker nach menschli- chem Willen beherrscht werden kann, aber auch, dass es durch mögliche Nebeneffekte zur Störung oder Zerstörung von Lebensformen kommen kann.

3. Sozialstruktur in Zeiten des digitalen Wandels

In diesem Teil der Arbeit wird die deutsche Sozialstruktur im Kontext von Online-Nutzung dargestellt, indem auf die Übertragung der Sinus-Milieus als Online-Milieus thematisiert wird. Zudem wird auf Aspekte der Sozialen Ungleichheit eingegangen, die neben ökonomi- schen Betrachtungsweisen ebenfalls den Blickwinkel der Digitalisierung miteinschließt.

[...]

Details

Seiten
18
Jahr
2018
ISBN (eBook)
9783668945852
ISBN (Buch)
9783668945869
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v470515
Institution / Hochschule
Hochschule Coburg (FH)
Note
1,3
Schlagworte
schöne welt herausforderungen beeinflussung sozialstruktur digitalisierung

Autor

Teilen

Zurück

Titel: Schöne neue digitale Welt? Die gesellschaftlichen Herausforderungen und die Beeinflussung der Sozialstruktur durch die Digitalisierung