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Kohelet 3,10-22. Eine Interpretation

Hausarbeit 2018 11 Seiten

Theologie - Historische Theologie, Kirchengeschichte

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Das Buch Kohelet

2. Einleitung

3. Kohelet 3,10-22
3.1 Verse 10-15
3.1.1 Beantwortung der Fragen aus vorherigen Textstellen
3.1.2 Interpretation der Verse 10-15
3.2 Interpretation der Verse 16-22

4. Fazit

Literaturverzeichnis

1. Das Buch Kohelet

Das Buch Kohelet ist in das Alte Testament der Bibel einzuordnen. Es nimmt dabei eine besondere Stellung ein und setzt der Person, die es liest ein Maß an Grundwissen über Weisheiten voraus. In Kohelet werden Sprichwörter zitiert und durch eigene Erkenntnisse kommentiert, was teilweise sehr philosophisch erörtert wird. Kohelet ist in die hellenistische Epoche einzuordnen und wurde wahrscheinlich von König Salomo, oder mit einem Verweis auf König Salomo, von einem anderen Autor verfasst.

Im ersten Teil des Buches geht es grundsätzlich über die Philosophie von Glück, wobei sich besonders die Königstravestie hervorhebt. In ihr schlüpft Kohelet in die Rolle eines Königs um dessen Leben zu zeigen. Durch Wissen, großartige Werke und durch Lustmaximierung probiert er Glück zu erwerben. Trotzdem erlangt er dieses Glück nicht, was ihn verzweifeln lässt. Ein wenig später im Buch kommt er zur Erkenntnis, dass er nur durch Gott Glück erlangen kann. Durch diese Einsicht werden von ihm Themen wie Zeit, Gott und Ewigkeit, Tod, Ausbeutung und Konkurrenzkampf, Gefahren des Alleinseins, Armut und Reichtum, sowie Freude und Gottesgedenken aufgegriffen.1

2. Einleitung

Wir Menschen sind auch nur Tiere

Wir Menschen sollten klar erkennen, auch wenn wir stolz uns Menschen nennen, dass Männer, Frauen, Greis und Kind in Wahrheit auch nur Tiere sind.

Ob Leid, ob Freud, ob Pech, ob Glück: wir unterliegen dem Geschick. Denn sterben müssen Mensch und Tier, wir sind für kurze Zeit nur hier.

Wir sind wie Wind, wie Windeshauch, es stirbt das Tier, der Mensch stirbt auch. Der Menschen Atem aufwärts steigt? Der Tiere Hauch nach unten neigt?

Nur eines ich ganz sicher glaub: wir sind aus Staub, wir werden Staub. Wir können Freude nicht genießen, nachdem wir uns´re Augen schließen.

Freude gibt es dann nicht mehr? Kohelet, ich mag dich sehr!

Der Mensch kann keine Welt erschaffen, er ähnelt mehr den Menschenaffen, ist sterblich wie ein Regenwurm trotz Goethe, Kant und Kirchenturm.2

Dieses Gedicht steht stellvertretend, für das Kapitel 3 Vers 16-22, in welchem es kurz gesagt um die menschliche Selbstüberschätzung geht. Denn letztendlich, wie im Gedicht beschrieben, hat der Mensch dem Tier gegenüber nach Kohelet keinen Vorteil. Unmissverständlich wird dem Leser mitgeteilt, dass der Mensch im Grunde genommen nur ein Tier ist. Was Kohelet in diesem Kapitel genau mitteilen möchte, wird im Gliederungspunkt 3.2 interpretiert. Im weiteren Rahmen dieser Arbeit wird Kapitel 3 Vers 10-15 analysiert. Mit diesem außerordentlich wichtigen Teil des Buches, wird im Folgenden begonnen.

3. Kohelet 3,10-22

10 Ich sah mir das Geschäft an, für das jeder Mensch durch Gottes Auftrag sich abmüht. 11 Das alles hat er schön gemacht zu seiner Zeit. Überdies hat er die Ewigkeit in ihr Herz hineingelegt, doch ohne dass der Mensch das Tun, das Gott getan hat, von seinem Anfang bis zu seinem Ende wiederfinden könnte. 12 Ich hatte erkannt: Es gibt kein in allem Tun gründendes Glück, es sei denn, ein jeder freut sich und so verschafft er sich Glück, während er noch lebt, 13 wobei zugleich immer, wenn ein Mensch isst und trinkt und durch seinen ganzen Besitz das Glück kennenlernt, das ein Geschenk Gottes ist. 14 Jetzt erkannte ich: Alles, was Gott tut, geschieht in Ewigkeit. Man kann nichts hinzufügen und nichts abschneiden und Gott hat bewirkt, dass die Menschen ihn fürchten. 15 Was auch immer geschehen ist, war schon vorher da, und was geschehen soll, ist schon geschehen und Gott wird das Verjagte wieder suchen.

Die Übel der Welt

Unrecht bei Gericht

16 Noch etwas habe ich beobachtet unter der Sonne: An der Stätte, wo man Urteil spricht, geschieht Unrecht; an der Stätte, wo man gerechtes Urteil sprechen sollte, geschieht Unrecht. 17 Da dachte ich mir: Gott ist es, der den Unschuldigen wie den Schuldigen verurteilt. Denn eine bestimmte Zeit für jedes Geschehen und für jedes Tun gibt es dort. 18 Was die einzelnen Menschen angeht, dachte ich mir, dass Gott sie herausgegriffen hat und dass sie selbst erkennen müssen, dass sie eigentlich Tiere sind. 19 Denn jeder Mensch unterliegt dem Geschick und auch die Tiere unterliegen dem Geschick. Sie haben ein und dasselbe Geschick. Wie diese sterben, so sterben jene. Beide haben ein und denselben Atem. Einen Vorteil des Menschen gegenüber dem Tier gibt es da nicht. Denn beide sind Windhauch. 20 Beide gehen an ein und denselben Ort. Beide sind aus Staub entstanden, beide kehren zum Staub zurück. 21 Wer weiß, ob der Atem der einzelnen Menschen wirklich nach oben steigt, während der Atem der Tiere ins Erdreich hinabsinkt? 22 So habe ich eingesehen: Es gibt kein Glück, es sei denn, der Mensch kann durch sein Tun Freude gewinnen. Das ist sein Anteil. Denn wer könnte ihn dahin bringen zu sehen, was nach ihm sein wird?3

3.1 Verse 10-15

3.1.1 Beantwortung der Fragen aus vorherigen Textstellen

Diese Passage stellt ein Herzstück des Buches dar. Die neue Einsicht, die Kohelet zuvor im Buch erlangte, wird hier durchdacht und formuliert. Kohelet wurde im letzten Abschnitt weiser, weswegen er die Fragen, die ihn vorher zur Niedergeschlagenheit brachten, in einen neuen Zusammenhang bringen kann und beantworten kann. Die erste Frage war, ob es nicht ein elendes Geschäft sei, das Gott den Menschen vorgesetzt hat (vgl. 1,13). Die zweite Frage war, ob und was alles Windhauch sei (vgl. 1,2). Die dritte Frage lautete, wie bzw. wo der Mensch Glück erlangen kann (vgl. 2,3). Die vierte Frage handelte davon, ob der Mensch vollkommene Weisheit bzw. Einsicht erreichen kann (vgl. 1,17). Alle vier Fragen vereint handeln von dem Menschen und seinem genauen Sinn im Leben. Sie werden in Kapitel 3 Vers 10-15 wieder aufgenommen und in einem Ganzen beantwortet.

Zur ersten Frage wird entgegnet, dass Gott den Frauen und Männern das „Alltagsgeschäft“, welches als negativ angesehen wird, vorgesetzt hat. Dieses „irdische Geschäft“ stellt im Vers 3,11a jedoch nichts mehr Negatives dar, sondern etwas Positives, da es von Gott schön gemacht wurde und als Etwas, für das es eine passende Zeit gibt.

Zur zweiten Frage, die vom Windhauch handelt, und damit die Sterblichkeit von allen Lebewesen auf der Welt betont, wird in 3,11b geantwortet, dass Gott den Frauen und Männern dieser Welt die Ewigkeit in ihre Herzen gelegt hat. Die Erdenbewohner können also nicht nur Irdisches erleben, sondern ebenfalls etwas, was in ihren persönlichen Herzen ist, das von Gott kommt und ewig ist.

Die dritte Frage, die lautete, wo bzw. wie der Mensch Glück erreichen kann, wird in Kapitel 3, Vers 12-13 beantwortet, indem beschrieben wird, dass Glück eine Gabe Gottes ist.

Die vierte Frage zum Thema vollkommene Einsicht und Weisheit des Menschen wird dahingehend beantwortet, dass es Grenzen der Erkenntnis des Menschen gibt. Gott ist transzendent, aus diesem Grund ist das Handeln Gottes bzw. die Erkenntnis über Gott nicht ganz durchschaubar. Das immanente Wesen der Frauen und Männer hat zwar einen Anteil an der Ewigkeit, kann das Transzendente jedoch nicht voll erfassen. Der Mensch muss diese Abgrenzung anerkennen. Es ist zwar vertretbar nach Erkenntnis und Weisheit zu suchen, nicht möglich ist aber eine Antwort darauf.

Die Frage Eins, Zwei und Vier behandeln die Frage wie Gott Frau und Mann schuf, weiter gesehen behandeln sie die Frage über die Schöpfungshandlung durch Gott. In Frage drei geht es grundsätzlich um das Erreichen von Glück durch den Menschen.

3.1.2 Interpretation der Verse 10-15

Vers 10: hier wird die Frage von Kapitel 1, Vers 13b erneut aufgegriffen, die lautete, ob nicht alles, was unter dem Himmel gemacht wurde, ein klägliches Geschäft war. Der Unterschied in diesem Vers ist nun, dass hier nicht von einem „schlechten Geschäft“ die Rede ist, sondern nur von einem „Geschäft“ gesprochen wird. In diesem Vers wird das Geschäft, welches Gott den Menschen auftrug, nicht mehr als schlecht beschrieben, sondern nur noch als mühsam. Mit „Geschäft“ meint man in diesem Vers die Gesamtheit von menschlichen Handlungen und menschlichem Tun. Es klingt dabei die Frage an, ob Gottes Auftrag an die Menschen nicht gut ist, da er als mühsam beschrieben wird.

Vers 11a: Vers 11 dient als eine Antwort für Vers 10. Hier wird beschrieben, dass Gott zu seiner Zeit alles schön gemacht hat. Mit „alles“ ist „das Geschäft“ aus dem vorherigen Vers gemeint. Mit den Wörtern „zu seiner Zeit“ wird nicht „zu Gottes Zeit“ angedeutet, diese Wörter richten sich nämlich an „das alles“. Es ist damit gemeint, dass alles was von Gott gemacht wurde eine eigene Zeit hat und schön ist. Wenn man dies auf die Schöpfung überträgt ist das „Geschäft“, durch das Männer und Frauen sich abmühen müssen, von Gott gemacht und dauert von der Geburt bis hin zum Tod an. Alle Begebnisse eines Menschen in seinem Leben, ob gut oder schlecht, wurden von Gott zu seiner Zeit schön gemacht.

Vers 11b: Das Windhauchurteil aus dem vorherigen Kapitel wird hier aufgenommen und berichtigt. Frauen, Männer, Tiere, alle Lebewesen müssen sterben, kein Leben währt ewig, trotzdem macht diese Vergänglichkeit das Leben Aller nicht zu einem Windhauch. In Vers 11 wird geschrieben, dass Gott die Ewigkeit in das Herz der Menschen gelegt hat. Das Wort „Ewigkeit“ bedeutet in diesem Satz, dass der Mensch diese Ewigkeit nicht erreichen kann und dass er nicht über sie verfügen kann, da sie zur Transzendenz Gottes zählt. Sie ist weder mit einem Anfang der Zeit, noch mit einem Ende der Zeit zu beschreiben. Gott hat diese Ewigkeit aber in das Herz der Menschen gesetzt, was bedeutet, dass der Mensch nicht ganz unter das Windhauchurteil fällt, da er etwas Bleibendes, etwas Zeitüberdauerndes durch Gott im Herzen besitzt. Der Mensch besitzt also Anteil am transzendenten, aber kann es nicht vollkommen erfassen. Dies liegt daran, dass das Wesen des Menschen immanent ist.

Vers 12: In diesem Teil wird die dritte Frage, welche im vorherigen Kapitel aufkam, geklärt. Diese lautete, ob der Mensch sich unter dem Himmel Glück verschaffen kann. Es ist Mann und Frau möglich Glück zu erlangen, obwohl deren Erkenntnis begrenzt ist. Zwar nicht durch eigene Bemühungen, aber durch ein richtiges Selbstbild. Der Mensch soll nicht an Gottes Stelle treten, sondern seine eigene Position respektieren und akzeptieren um Glück zu erreichen.

Vers 13: In diesem Satz wird noch einmal hervorgehoben, dass das menschliche Glück nur ein Geschenk von Gott darstellt. Damit wird klargestellt, dass es keiner Frau und es keinem Mann möglich ist, selbst Glück zu erwerben. Die Königstravestie wird dadurch berichtigt, indem Kohelet erkennt, dass sein Glück mit Gott eine Rolle spielt.

Vers 14a: Hier wird Kohelet letztendlich klar, dass den Menschen durch Gott Glück, Zeit und Ewigkeit geschenkt wird, diese Dinge stehen dem Tod, also der Vergänglichkeit und der Endlichkeit des menschlichen Lebens entgegen. Es wird zudem betont, dass das Handeln Gottes nicht nur auf das Vergangene, sondern auch auf das Jetzt Bezug nimmt. Der Satz „Alles was Gott tut, ist für die Ewigkeit“ bedeutet damit, dass die Werke Gottes von Endgültigkeit und Beständigkeit geprägt sind. Dies ist dahingehend zu interpretieren, dass die Erfahrung des menschlichen Glücks, welche eine Gabe von Gott darstellt, teil an der Ewigkeit besitzt. Sowie das menschliche Herz, welches auch einen Teil der Ewigkeit Gottes aufweist. Aufgrund des Geschenkcharakters des Glücks, ruft Kohelet zu „Carpe diem“ auf, also nicht wegen den Gefühlen von Hoffnungslosigkeit und allgemeiner Sinnlosigkeit, welche in der Königstravestie zum Beispiel auftreten. Durch das im Vers 14 angesprochene Wort „Ewigkeit“ wird eine Verbindung zu Vers 11 mit hergestellt. Vertieft wird dieser Zusammenhang durch die Wörter „nichts hinzufügen und nichts abschneiden“ aus Vers 14 mit „vom Anfang bis zum Ende“ aus Vers 11. Im letzteren Vers wurde erklärt, dass das göttliche Tun in seiner Ganzheit vom Menschen nicht ganz erkennbar ist. In Vers 14 wird geschrieben, dass sein Tun absolut vollkommen ist, wobei es um eine beeindruckte Erkenntnis geht, es wird nämlich festgestellt, dass es am Handeln Gottes nichts hinzuzufügen oder abzuschneiden gibt.

Vers 14b: Diese Feststellung über das vollkommende und beharrliche Tun Gottes führt zur Gottesfurcht, welche wiederum bei den Menschen zu einer wachsenden Erkenntnis über das Tun Gottes führt.

Vers 15: Das Tun Gottes wird im vorherigen Abschnitt als vollkommen und als alle Zeit beständig dargestellt. Auch wird erwähnt, dass es an ihm nichts abzuschneiden oder hinzuzufügen gibt, dies bedeutet aber nicht, dass es in der Welt dadurch keine Veränderungen gibt, was in Vers 15 klar wird. Es kann dahingehend interpretiert werden, dass ein Wechsel der Zeit stattfindet, aber etwas Neues entsteht dabei nicht. Gott sucht das „Verjagte“, demnach das „Vergangene“ und schützt es somit vor dem Vergehen. So vereint Gott Zukunft und Vergangenheit. Eine andere Möglichkeit der Interpretation besteht in einer anderen Übersetzungsweise. „Nur Gott kann das, dem man nachjagt suchen.“ In diesem Fall bezieht sich „dem man nachjagt“ auf die Zukunft und auf die Vergangenheit. Nur Gott kann beiden Zeiten nachjagen, wodurch der Begriff Ewigkeit angedeutet wird. Speziell „nur“ wird durch Kohelet betont, was bedeutet, dass nur durch Gott die vollständige Erkenntnis von Zukunft und Vergangenheit möglich ist. Mann und Frau werden von dieser Erkenntnis der Zukunft und der Vergangenheit somit ausgeschlossen. Nur die Gegenwart ist der richtige Ort der Erkenntnis für den Menschen. Die Gegenwart liefert Raum für Glück und Erheiterung, weswegen der Mensch nur diese ergreifen soll.4 5

[...]


1 Vgl. DIETRICH, Walter, Die Welt der Hebräischen Bibel: Umfeld Inhalte Grundthemen, Stuttgart 2017, 159f.

2 KLOSTERHALFEN, Wolfgang, Reimbibel, Heitere Aufklärung über das „Buch der Bücher“, o.O.⁶ 2012, 132.

3 Kohelet 3,10-22.

4 Vgl. BIRNBAUM, Elisabeth / SCHWIEGENHORST-SCHÖNBERGER, Ludger, Das Buch Kohelet, Neuer Stuttgarter Kommentar, Altes Testament 14/2, Stuttgart 2012, 106-114.

5 Vgl. SCHWIEGENHORST-SCHÖNBERGER, Ludger, Kohelet, Herders Theologischer Kommentar zum Alten Testament, o.O. 2 2011, 261-275.

Details

Seiten
11
Jahr
2018
ISBN (eBook)
9783668946965
ISBN (Buch)
9783668946972
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v470649
Institution / Hochschule
Ludwig-Maximilians-Universität München
Note
2,3
Schlagworte
Kohelet AT Altes Testament Bibel Carpe Diem Menschen Tiere Welt Interpretation Vers 3 Exegese Gott

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Titel: Kohelet 3,10-22. Eine Interpretation