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Chancengleichheit im Bildungswesen und Eliteförderung

Seminararbeit 2004 14 Seiten

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Chancengleichheit im Bildungswesen
1.1 Begriffsdefinition: Chancengleichheit
1.2.1 Chancengleichheit im Bildungswesen
1.2.2 Definition des Arbeitsstabes Forum Bildung
1.3 Vergleich der Definitionen

2 Eliteförderung
2.1 Chancengleichheit als Rechtfertigung für die Begabtenförderung
2.2.1 Pro-Argumente für eine Eliteförderung
2.2.2 Contra-Argumente gegen eine Eliteförderung
2.3 Eliteförderung und Chancengleichheit

3 Begabtenförderung in Deutschland
3.1 Existierende Methoden der Begabtenförderung in Deutschland
3.2.1 Akzeleration
3.2.2 Fähigkeitsgruppierungen
3.2.3 Enrichment-Maßnahmen
3.3 Maßnahmen im Bereich der Begabtenförderung in Hessen
3.4 Begabtenförderung in Deutschland unter Berücksichtigung der Chancengleichheit

4 Literaturverzeichnis

1 Chancengleichheit im Bildungswesen

1.1 Begriffsdefinition: Chancengleichheit

Die Chancengleichheit ist ein politischer Begriff, „der das Recht auf gleiche Ausgangsbedingungen für die einzelnen Glieder von Staat und Gesellschaft bei der Entfaltung ihrer unterschiedlichen Fähigkeiten und Interessen bezeichnet.“ (Der Brockhaus 2002). Der Begriff geht auf die Philosophie der Aufklärung zurück und ist in der allgemeinen Erklärung der Menschenrechte der Vereinten Nationen (Artikel 2) festgeschrieben. Dort wird die Gewährung gleicher Chancen für jeden Bürger eines Landes unabhängig von seinem Geschlecht, seiner Herkunft, Religion oder Hautfarbe gefordert.

1.2.1 Chancengleichheit im Bildungswesen

Aus dem Chancengleichheitsgebot resultiert zwangsläufig das Gebot der Gleichheit der Bildungschancen, weil Bildung die Grundvoraussetzung der sozialen und der beruflichen Chancengleichheit ist. Mitte der 60er Jahre wurde die Forderung nach Chancengleichheit im Bildungswesen in der Bundesrepublik Deutschland verwirklicht: Die soziale Herkunft und die unterschiedliche finanzielle Ausstattung dürfen demnach nicht über den Bildungsweg entscheiden oder ihn beeinflussen.

1.2.2 Definition des Arbeitsstabes Forum Bildung

Auf der Grundlage von Expertenberichten erarbeitet der Arbeitsstab Forum Bildung für die Politik des Bundes und der Länder Empfehlungen. Die Arbeitsgruppe besteht aus Bund-/ Ländervertretern, Arbeitgebern sowie Arbeitnehmern, Auszubildenden, Studierenden und Vertretern aus der Kirche. Gemeinsam wurde die folgende Definition zur Chancengleichheit im Bildungswesen erarbeitet:

„Das Bildungswesen hat die Voraussetzungen dafür zu schaffen, dass alle Menschen, unabhängig von ihrem sozialen und wirtschaftlichen Hintergrund, ihrer ethnischen und kulturellen Herkunft und ihren individuellen Voraussetzungen, Bildungsangebote wahrnehmen können, die ihren Interessen und Fähigkeiten entsprechen [Hervorhebung durch den Verfasser]. Förderung von Chancengleichheit bedeutet insbesondere die Überwindung von Barrieren, die einer gleichberechtigten Teilnahme an Bildung und einer optimalen Förderung entgegenstehen. Die Verwirklichung von Chancengleichheit muss sich gleichermaßen auf Persönlichkeitsbildung, auf Teilhabe an der Gesellschaft sowie auf den Zugang zum Arbeitsmarkt beziehen. Sie erschließt Potentiale für die Gesellschaft und ist ein konstitutives Element der Demokratie.“(Expertengruppe des Arbeitsstabes Forum Bildung, 2001)

1.3 Vergleich der Definitionen

Auf den ersten Blick scheinen die Definitionen ähnlich zu sein. Bei einer näheren Betrachtung fallen jedoch Unterschiede auf, die zum Teil widersprüchlich sein können und somit eine breite Debatte für die verschiedenen politischen Parteien ermöglichen.

Die Definition der Chancengleichheit fordert gleiche Ausgangsbedingungen, unabhängig von der sozialen Herkunft. Dabei werden unterschiedliche Fähigkeiten und Interessen entfaltet. Nach der Definition des Arbeitsstabes sollen Menschen „Bildungsangebote wahrnehmen können, die ihren Interessen und Fähigkeiten entsprechen“. Demnach muss zwar immer noch ein von sozialer Herkunft unabhängiger Bildungszugang ermöglicht werden, aber das Bildungsangebot kann unterschiedlich sein und entspricht den individuellen Interessen und Fähigkeiten. Das bedeutet sinngemäß, dass zum Beispiel Begabte anders gefördert werden können, weil sie „andere Fähigkeiten“ besitzen. Die Frage, die sich allerdings hieraus ergibt, ist, ob nicht die unterschiedlichen Fähigkeiten der Menschen unter anderem aus ihrer sozialen Herkunft resultieren. Ein Beispiel dafür findet sich schnell: Wenn ein Kind bei Eltern aufwächst, die entweder kein Geld für Bücher (außerhalb der Schule) ausgeben können, oder die ihr Kind im schulischen Sinn (z.B. bei Hausaufgaben) nicht unterstützen wollen, hat dann das Kind die gleichen Voraussetzungen wie andere Kinder?

Ein weiteres Beispiel: Der Vater hat seinem Kind bereits vor der Grundschulzeit das Lesen und Rechnen beigebracht. Dies ist nicht auf eine besondere Begabung des Kindes zurückzuführen, sondern auf das große Engagement des Vaters. Wäre es nun gerechtfertigt, wenn das Kind die Möglichkeit bekommen würde besonders gefördert zu werden? Sind seine „fortgeschrittenen Fähigkeiten“ im Vergleich zu seinen Klassenkameraden nicht vielmehr Ursache seines sozialen Umfeldes als einer besonderen Begabung?

Natürlich ist es nicht möglich diese Fragestellungen im Rahmen einer kurzen Seminararbeit zu untersuchen. Die Beispiele sollen lediglich bewusst machen, wie vorsichtig mit Definitionen umgegangen werden muss und wie vielseitig deren Interpretationen sein können.

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Details

Seiten
14
Jahr
2004
ISBN (eBook)
9783638441087
DOI
10.3239/9783638441087
Dateigröße
492 KB
Sprache
Deutsch
Institution / Hochschule
Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main – Institut für Gesellschaftswissenschaften
Erscheinungsdatum
2005 (November)
Note
2,0
Schlagworte
Chancengleichheit Bildungswesen Eliteförderung Schule Spannungsfeld Interessen

Autor

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Titel: Chancengleichheit im Bildungswesen und Eliteförderung