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Der wirtschaftliche Aufstieg der Niederlande als Seemacht im 17. Jahrhundert

Seminararbeit 2005 15 Seiten

Geowissenschaften / Geographie - Regionalgeographie

Leseprobe

Gliederung

1. Einleitung

2. Die Republik der Vereinigten Niederlande
2.1 Aufkommen und Blüte
2.2 Das “Goldene” Zeitalter

3. Das niederländische Handelsimperium
3.1 Ursachen für den niederländischen Kaufmannskapitalismus
3.2 Ostseehandel
3.3 Die Vereinigte Ostindische Kompanie (VOC)
3.4 Die Westindische Kompanie (WIC)

4. politischer und wirtschaftlicher Rückgang im 18. Jhd

5. Schlussbemerkungen

Literaturliste

Anhang

1. Einleitung

Der wirtschaftliche Aufstieg eines kleinen Staatenbundes mit seinen 2 Millionen Einwohnern im 17. Jahrhundert zur Groß- und Kolonialmacht ist ein erstaunliches, aber erklärbares Phänomen. Die entscheidende Voraussetzung für den Aufstieg in den Kreis der europäischen Kolonialmächte lag für die Niederlande in den wirtschaftlichen und sozialen Strukturen, die sich in den Provinzen Holland und Seeland aufgrund einer langen maritimen Tradition und durch die handelspolitische Expansion des 16. Jahrhunderts herausgebildet hatten. Als Reeder, Werfteigner, Manufakturisten, Importeure und Exporteure waren die Kaufleute des Großbürgertums zur politisch und gesellschaftlich führenden Schicht aufgestiegen. Zudem baute die „Republik der Händler“ die besten Schiffe und besaß so gut ausgebildete Seeleute, dass ein Schiff gleicher Größe zum Beispiel die doppelte Anzahl französischer Matrosen benötigte.

Die vielfältigen Folgen der Auseinandersetzungen mit Philipp II. gaben dieser reichen und selbstbewussten Bourgeoisie Veranlassung, den Blick nach Übersee zu richten.

Diese Arbeit hat sich zur Aufgabe genommen, den wirtschaftlichen Aufstieg der Niederlande mittels einer untersuchenden Darstellung zu analysieren.

2. Die Republik der Vereinigten Niederlande

Die staatliche Gemeinschaft der sieben Nordprovinzen der Niederlande, die sich im Kampf gegen Spanien zu organisieren begann, war ein „Staatenbund ohne Monarch[1] “. Eigentliche Träger der Souveränität und des politischen Lebens waren die Stände der autonomen Provinzen. Diese waren, ungeachtet aller vorhandenen ethnischen, sprachlichen, wirtschaftlichen, religiösen und sozialen Gegensätze, als Burgundischer Reichskreis 1551 an die spanische Linie der Habsburger gekommen.

2.1 Aufkommen und Blüte

Als blühendes Gewerbegebiet mit über 200 Städten, von denen Antwerpen und Rotterdam 50% der Welthandelsgüter umschlugen, erbrachten die Niederlande für die spanische Krone eine siebenmal höhere Steuerleistung als der Ertrag des amerikanischen Silbers ausmachte. Amsterdam war ein Zentrum des europäischen Geldhandels. Den ständig steigenden Finanzbedarf Philipps II. von Spanien nutzten die niederländischen Stände unter Berufung auf ihr traditionelles Steuerbewilligungsrecht zur Bestätigung und Erweiterung ihrer Privilegien aus. Zur finanziellen Bedeutung trat die politische: im französisch-habsburgischen Konflikt, der sich seit 1559 zu einem französisch-spanischen verengte, besaßen die Niederlande eine Schlüsselstellung in der Klammer, die Habsburg und Frankreich gelegt hatte. Berücksichtigt man schließlich die Tatsache, dass die religiöse Einheit der Provinzen längst zerbrochen war und sich Lutheraner, wie Wiedertäufer und Calvinisten trotz aller Verfolgung besonders im Norden des Landes behauptet haben und dem spanischen König misstrauisch, ja feindlich gegenüberstanden, wird verständlich, dass Philipp II. ihre strenge Unterwerfung anstrebte. Die einsetzende Hispanisierung stand unter absolutistischen und gegenreformatorischen Vorsätzen. Die Ketzergesetze wurden erneuert und von der Inquisition rücksichtslos angewendet. Die Folge war eine scharfe Reaktion des unter Führung Wilhelm von Oranien-Nassau stehenden Adels, der trotz einiger Erfolge Philipp nicht zum Umdenken bewegen konnte. Der gut organisierten calvinistischen Minderheit, die freie Religionsausübung forderte, gelang es daher, den Adel zu einem Bündnis zu gewinnen, bei dem ihm freilich die Führung bald aus der Hand glitt. Den durch religiösen Fanatismus und soziale Unzufriedenheit ausgelösten Bilder- und Kirchensturm 1566 konnten Oranien und Egmont, der Statthalter von Flandern, nur mit Mühe eindämmen. Oranien, von den radikalen als Verräter beschimpft, floh beim Eintreffen der Armee des „eisernen Herzogs“ Alba nach Deutschland und entging so dem Schicksal von Egmont, der 1568 hingerichtet wurde. Das von Alba errichtete Terrorregime führte zu einer Solidarisierung aller Bevölkerungsschichten. Auch das konservative Bürgertum schwenkte auf die antispanische Linie ein, als alle waren mehrere neue Steuern, darunter eine zehnprozentige Umsatzsteuer, erheben ließ. So wurde der Widerstand gegen die spanische Militärdiktatur zu einem nationalen Anliegen.

Nach 10 Jahren eines erbittert geführten Krieges, in dem die von englischen und französischen Stützpunkten operierenden Wassergeusen ab 1572 wirkungsvolle Unterstützung auf dem Festland erhielten, gelang es dem Generalstatthalter Alexander Farnese 1579, die katholischen Südprovinzen gegen Bestätigung ihrer ständischen Privilegien zur Anerkennung Philipps II. zu bewegen. Mit der wenig später konstituierten Union von Utrecht der nördlichen Provinzen, in der die Calvinisten Hollands und Seelands den Ton angaben, wurde deutlich, dass die konfessionellen Gegensätze stärker waren als zunächst angenommen. Die Ächtung Oraniens durch Philipp beantwortete die Utrechter Union 1581 mit der Unabhängigkeitserklärung vom spanischen „Tyrannen und Rechtsbrecher[2] “.

Die Stände der in der Utrechter Union verbundenen Provinzen übernahmen die politische Führung des Landes und sollten sie bis zu Napoleons Zeiten auch nicht abgeben. Es zeigte sich, dass auch nach dem Fortfall des führenden Kopfes im Aufstand (Wilhelm von Oranien-Nassau wurde 1581 durch einen katholischen Fanatiker ermordet) durchaus keine Führungsschwäche entstand. Dieser Bund der Utrechter Partner erwies sich als ein lebensfähiges Gebilde. Mehr noch: der neue, flächenmäßig kleine Staat entwickelte bis ins 17. Jahrhundert hinein relativ rasch zu einer europäischen Groß- und Kolonialmacht, die ein wesentliches Zentrum in der schließlich vom habsburgisch-französischen Gegensatz getreten Außenpolitik bildete. In jener Phase des 17. Jahrhunderts, dass die Literatur als das „Goldene Jahrhundert[3] “ der niederländischen Geschichte zu beschreiben pflegt, vollzog sich kaum ein außenpolitischer Akt Europas, der nicht finanzielle oder aktive militärische Beteiligung der neuen Seemacht, meistens aber beides, gesehen hätte. Die Republik der Vereinigten Niederlande hat niemals später mehr jenen außenpolitischen Status erreichen können.

2.2 Das “Goldene” Zeitalter

Eine wesentliche Voraussetzung für die Blüte der Republik war der Bevölkerungsanstieg. Bis 1650 belief sich die Einwohnerzahl im Gebiet der Republik auf 1,9 Millionen. Der Anstieg gehörte noch zu jenem Entwicklungstrend, der schon um 1500 eingesetzt hatte und sich nunmehr in der Republik fortsetzte. War er somit für die Niederlande selbst gleichsam eine Kontinuitätserscheinung, im europäischen Vergleich muss der Aufstieg aber sicherlich als eine Ausnahme angemerkt werden. Dabei konzentrierte er sich vor allem auf die Städte. Hier wuchsen die Hafen- und Handelsstädte im allgemeinen rascher als die Gewerbeorte. Hier gab es erhöhte Aktivitäten in Handel und Gewerbe, die ihre Impulse aus einigen exogenen Faktoren bezogen. Statistisch sicherlich nur schwierig zu erfassen, in ihrer Bedeutung jedoch nicht zu übersehen, waren die Niederlassungen von Unternehmern und gewerblichen Experten aus den hochentwickelten südlichen Provinzen. Einen weiteren Import brachte der Krieg selbst. Tatsächlich entwickelten sich die Niederlande doch zu einem wichtigen Waffenlieferanten für den ganzen europäischen Kontinent, auch für Spanien, mit dem sie sich im Krieg befanden, wie ohnehin der „Handel mit dem Feind“ („handel op de vijand“) ein durchaus lukratives Geschäft darstellte[4].

Handel und Schifffahrt entwickelten sich in der Zeit der Republik bis zur Mitte des 17. Jahrhunderts in einem bis dahin in Europa unbekannten Ausmaß. Die maritime Lage allein war dann nicht ausschlaggebend. Vielmehr müssten die relativ geringen Kosten im Schiffbau durch Anfuhr billigen Baumaterials und Anwendung bestimmter Bautechniken (Standardisierung) sowie nicht zuletzt auch die Einführung eines neuen Schifftyps, der sogenannten „fluit“, genannt werden. Dieser Typ war geeignet für den Transport von Massengütern und konnte mit nur geringer Mannschaft gesegelt werden. Berücksichtigt man, dass ein Großteil des niederländischen Seehandels den Getreidetransport aus dem Ostseeraum betraf, lässt sich die Bedeutung eines kostengünstig konstruierten Schifftyps für den Massengütertransport abschätzen. Der Ostseehandel fand seine wesentliche Ergänzung im Handel mit Spanien, Portugal und Südwestfrankreich, da von hierher die im Ostseeraum benötigten Waren kamen. Diese weitverzweigte, von Skandinavien bis zur Levante reichenden Handelstätigkeit, die schließlich noch durch das Überseegeschäft der unten noch zu beschreibenden VOC und WIC ergänzt wurde, wurde von einer Flotte betrieben, die zahlenmäßig den Gesamtbestand der englischen, schottischen und französischen Flotte übertraf (1632 etwa 1750 Schiffe mit insgesamt 310.000 Tonnen). Diese Flotte hob den holländischen Stapelmarkt zu einem zentralen Markt Europas empor; ein Markt, der, begünstigt durch die Lage an den alten, nach Zentral- und Südosteuropa führenden Handelswegen, das kontinentale Hinterland beherrschte.

Die Blüte des Handels, die den Aufbau des Bank- und Kreditwesen förderte, bedingte auch eine Blüte des gewerblichen Sektors sowie des Dienstleistungsbereichs.

[...]


[1] S. Schöffer, Ivo: Kleine Geschichte der Niederlande. Frankfurt a.M., 1956. S.55.

[2] S. Lademacher, Horst: Geschichte der Niederlande: Politik-Verfassung-Wirtschaft. Darmstadt, 1983. S.76.

[3] z.B. Schöffer (1956), Lademacher (1983) und Israel (1989).

[4] S. Lademacher (1983) S. 127.

Details

Seiten
15
Jahr
2005
ISBN (eBook)
9783638441254
ISBN (Buch)
9783638791274
Dateigröße
493 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v47100
Institution / Hochschule
Universität Hamburg
Note
gut
Schlagworte
Aufstieg Niederlande Seemacht Jahrhundert Seminar Niederlande Portrait

Autor

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