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Zhang Yuanji bei der Commercial Press

Habitus und symbolisches Kapital eines konfuzianischen Gelehrten im literarischen Feld Chinas des frühen 20. Jahrhunderts

Hausarbeit (Hauptseminar) 2016 25 Seiten

Orientalistik / Sinologie - Chinesisch / China

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Handeln und Habitus
2.1 Sozialer Raum, soziale Felder und Kapital
2.2 Habitushermeneutik

3. Übertragung von Bourdieus Literatursoziologie auf das China des frühen 20. Jahrhunderts
3.1 Gesellschaftlicher Werdegang Zhang Yuanjis
3.2 Der Habitus eines traditionellen Gelehrten, der funktionieren will
3.3 Zhang Yuanjis Wechsel und Entwicklung im literarischen Feld

4. Konklusion

Literatur:

1. Einleitung

Die nachfolgende Arbeit soll das Wirken von Zhang Yuanji, einer der einflussreichsten Figuren im chinesischen Verlagswesen während der Zeit von 1903 bis in die frühen 1950er Jahre, in Anlehnung an Bourdieus Konzepte zu Habitus, Kapital und sozialen Feldern, untersuchen.

Um Zhangs Positionierungen im literarischen Feld besser nachvollziehen zu können, widmet sich diese Arbeit auch seinem gesellschaftlichen Werdegang und einer Analyse seines Habitus. Die Methodik der Habitusanalyse lehnt sich hierbei an die von Lange-Vester und Teiweis-Krügler beschriebene Habitushermeneutik in der Milieuforschung an. Anhand dieser Elemente soll gezeigt werden wie Zhang Yuanji sich vom konfuzianischen Gelehrten nicht nur zu einem erfolgreichen Industriellen, sondern auch respektierten Intellektuellen im modernen China entwickeln konnte.

2. Handeln und Habitus

Das Handeln von Individuen und aus diesen bestehenden Gruppen ergibt sich Bourdieu zufolge aus einer Kombination von Habitus und Kapitalausstattung innerhalb eines bestimmten sozialen Feldes (vgl. Lenger et al. 2013, S.21). Durch den Habitus ergeben sich nach Bourdieu die beobachtbaren Regelmäßigkeiten im alltäglichen menschlichen Verhalten. Der Habitus ist dabei determiniert und schöpferisch zugleich (vgl. Rehbein 2011, S.87).

Der Habitus von Individuen wird durch Sozialisation gebildet, Bourdieu benutzt dafür den Ausdruck Habitusformierung. Diese erfolgt nach Bourdieu vor allem im Kindheitsalter durch familiäre und schulische Erziehung, aber auch soziale Felder, in denen sich die Individuen bewegen, können den Habitus später mitgestalten (vgl. Lenger et al. 2013, S.23). Einmal ausgebildet ist der Habitus träge und verändert sich kaum noch (vgl. Rehbein 2011, S.93). Einzelne Schemata des Handelns, die den Habitus bilden, bezeichnet Bourdieu als Dispositionen (vgl. Rehbein 2011, S. 91).

2.1 Sozialer Raum, soziale Felder und Kapital

Bourdieu verortet die gesellschaftliche Position von Individuen und Gruppen anhand von drei Kriterien, die den dreidimensionalen sozialen Raum bilden. Bei diesen drei Kriterien handelt es sich erstens um das akkumulierte Gesamtvolumen der drei Kapitalsorten (ökonomisches, kulturelles und soziales Kapital); zweitens die Anteile von kulturellem beziehungsweise ökonomischem Kapital an diesem; und drittens um die soziale Laufbahn, welche sich aus dem An- bzw. Abstieg bezüglich der ersten beiden Kriterien im zeitlichen Verlauf ergibt (vgl. Burzan 2008, S.127ff).

Das ökonomische Kapital ist der unmittelbar in Geld konvertierbare Besitz und über das Eigentumsrecht leicht institutionalisierbar (vgl. Bourdieu 1983, S.185). Das kulturelle Kapital kann drei Zustände annehmen: inkorporiert, objektiviert und institutionalisiert. Inkorporiertes kulturelles Kapital ist verinnerlichte Kultur, es ist damit fester Bestandteil des Habitus einer Person. Beim objektivierten kulturellen Kapital handelt es sich um Kulturgüter wie Bücher, Kunstwerke und Instrumente. Im Gegensatz zum inkorporierten kulturellen Kapital können diese einfach weitergegeben oder mittels ökonomischem Kapital erworben werden.

Zur Aneignung und Nutzung des objektivierten kulturellen Kapitals bedarf es aber inkorporierten kulturellen Kapitals. Wer über dieses nicht in adäquater Form verfügt, muss es sich deshalb aneignen oder Inhaber dieses Kapitals in seine Dienste stellen. Beim institutionalisierten kulturellen Kapital wird inkorporiertes kulturelles Kapital in Form von Titeln objektiviert. Es ist somit nicht nur formell unabhängig vom Träger, sondern auch von dem tatsächlichen kulturellen Kapital, das sein Träger zu diesem Zeitpunkt besitzt (vgl. Bourdieu 1983, S. 185-190).

Soziales Kapital bezeichnet Ressourcen, die auf der Zugehörigkeit zu einer Gruppe beruhen. Das Gesamtkapital der Gruppe dient den einzelnen Mitgliedern dabei als Sicherheit. Diese Sozialkapitalbeziehungen existieren in der Praxis nur als materielle und/oder symbolische Tauschbeziehungen, welche auch gesellschaftlich institutionalisiert und garantiert sein können. Beispiele sind die Zugehörigkeit zu einer Familie, einer Klasse oder einer Partei (vgl. Bourdieu 1983, S. 190f). Mit ökonomischem Kapital lassen sich die anderen beiden Kapitalsorten zwar erwerben, allerdings ist dies oft mit erheblicher Transformationsarbeit verbunden (vgl. Bourdieu 1983, S. 196).

Der Begriff des sozialen Feldes bei Bourdieu meint differenzierte gesellschaftliche Teilbereiche, die über eigene Ressourcen (spezifisches Kapital) und Spielregeln für das Handeln im Feld verfügen (vgl. Müller 1992, S. 263). Die Struktur eines Feldes ergibt sich aus „der Verteilung des spezifischen Kapitals, das im Verlauf früher Kämpfe akkumuliert wurde und den Verlauf späterer Kämpfe bestimmt.“ (Bourdieu et al. 2001, S. 108).

Das Feld der Macht ist dabei der „Raum der Kräftebeziehungen zwischen Akteuren oder Institutionen, deren gemeinsame Eigenschaft darin besteht, über das Kapital zu verfügen, das dazu erforderlich ist, dominierende Positionen in den unterschiedlichen Feldern (insbesondere dem ökonomischen und dem kulturellen) zu besetzen.“ (Bourdieu 2001, S.342)

Zu diesen Feldern gehören unter anderem das politische und das literarische Feld, welche in Bezug auf Zhang Yuanji und somit für diese Arbeit besonders relevant sind.

Das literarische Feld und symbolisches Kapital

In „Die Regeln der Kunst“ widmet sich Pierre Bourdieu der Analyse des Feldes der Kulturproduktion, insbesondere dem Subfeld des literarischen Feldes.

Bourdieu gibt in seinem Werk drei Richtlinien für Untersuchungen innerhalb des literarischen Feldes an:

1. Die Untersuchung des literarischen Feldes innerhalb des Feldes der Macht
2. Die Analyse der objektiven Beziehungen zwischen den Positionen, die von miteinander konkurrierenden Gruppen eingenommen werden
3. Die Untersuchung der Genese, des Habitus (Dispositionen) als Ergebnisse des gesellschaftlichen Werdegangs und Positionen innerhalb des Feldes (vgl. Bourdieu 2001, S.340)

Dabei ist die Frage zu stellen, wie ein Schriftsteller aufgrund seiner sozialen Herkunft und der ihr geschuldeten gesellschaftlich konstruierten Eigenschaften bestimmte Positionen einnehmen kann (vgl. Bourdieu 2001, S.341). Einer ähnlichen Fragestellung soll hier in Bezug auf Zhang Yuanjis Positionen im literarischen Feld nachgegangen werden. Zu Verlegern merkt Bourdieu an, dass diese intellektuelle und ökonomische Dispositionen vereinen müssen (vgl. Bourdieu 2001, S. 343).

Die spezifische Kapitalsorte des literarischen beziehungsweise kulturellen Feldes ist für Bourdieu ein spezifisches symbolisches Kapital, das die Akteure in Form von Bekanntheit und Anerkennung besitzen. Das symbolische Kapital fungiert als ein Konsekrationskapital, das die Macht besitzt, Personen und Objekten Wert zu verleihen. Die Aneignung dieses Konsekrationskapitals ist die „einzig legitime Akkumulation - für den Autor wie für den Kritiker, für den Gemäldehändler wie für den Verleger...“ (Bourdieu 2001, S.239).

Besonderes Gewicht in seiner Analyse des literarischen Feldes hat bei Bourdieu die Autonomie des Feldes. Je mehr sich eigene Normen bei Verlegern und Produzenten von Literatur durchsetzen, desto höher ist diese Autonomie. Ist die Autonomie des literarischen Feldes stark ausgeprägt, ergibt sich ein deutlicherer Schnitt zwischen den Polen des Feldes: dem Subfeld der eingeschränkten Produktion, deren Produzenten nur andere Produzenten beliefern und über hohes symbolisches Kapital im literarischen Feld bei vergleichsweise geringem ökonomischen Kapital verfügen, und jenem der Massenproduktion, in dem sich Produzenten zwar symbolisch ausgeschlossen und diskreditiert wiederfinden, aber dafür über ein hohes ökonomisches Kapital verfügen. Der Umfang des Publikums ist deshalb für Bourdieu der eindeutigste Indikator für die Position im Feld (vgl. Bourdieu 2001, S.344).

Die Verleger nehmen dabei eine Position zwischen den Polen der reinen Kunst und des Kommerzes ein. Sie statten Autoren einerseits mit ökonomischem Kapital aus, um symbolische sowie ökonomische Profite zu erwirtschaften, und können andererseits dazu beitragen, einen Autor zu positionieren, indem sie ihn ihrerseits mit symbolischem Kapital ausstatten.

Politisches Feld und politisches Kapital

Das politische Feld ist nach Bourdieu die Arena, in denen die Akteure um politische Macht kämpfen. Dabei werden verschiedene Kapitalsorten (soziales, kulturelles, ökonomisches) in politisches Kapital umgewandelt. Politisches Kapital gibt dem Inhaber die Möglichkeit, kollektive Ressourcen zu mobilisieren (vgl. Swartz 2012, S. 163f). Dabei unterscheidet Bourdieu zwischen zwei Formen von politischem Kapital: dem persönlichen und dem delegierten.

Das persönliche politische Kapital stützt sich auf Bekanntheit und Ruf des Trägers und kann in Form von Expertenwissen oder heroischem, prophetischem Charisma existieren. Das delegierte politische Kapital geht von den Positionen aus, welche von den Individuen besetzt werden. Hier ist die politische Macht enger mit der Position verbunden als mit der Person, welche diese Position besetzt (vgl. Swartz 2012, S. 165).

2.2 Habitushermeneutik

Die Habitushermeneutik zielt darauf ab, aus manifesten Äußerungen von Personen latente Inhalte herauszuarbeiten, die auf die dem Habitus zugrundeliegenden Dispositionen verweisen. In einem ersten Schritt wird dabei die subjektive Perspektive, der auf ihren Habitus hin zu untersuchenden Person(en) rekonstruiert. Im zweiten Schritt werden dann die objektiven Lebensbedingungen der Personen mit ihren subjektiven Perspektiven verknüpft. So sollen die Bedingungen nachvollzogen werden, die zur Herausbildung bestimmter Sicht- und Handlungsweisen bei den Personen geführt haben (vgl. Lange-Vester / Teiweis-Krügler 2013, S. 160). Lange-Vester und Teiweis-Krügler listen hierzu eine Reihe an begrifflichen Gegensatzpaaren als Elementarkategorien des Habitus auf, nach denen die Äußerungen unterschieden werden. Diese werden wie folgt benannt:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

(aus Lange-Vester / Teiweis-Krügler 2013, S. 162)

Diese Elementarkategorien sollen aber nicht schematisch auf das Datenmaterial angewandt werden, sondern viel eher aus diesem mittels Interpretation der Äußerungen erarbeitet und gegebenenfalls abgeändert oder erweitert werden (vgl. Lange-Vester / Teiweis-Krügler 2013, S. 162). Die daraus gebildeten Typen sollen anschließend nach Lange-Vester und Teiweis-Krügler im sozialen Raum verortet werden, wobei sie ein Modell der fünf Traditionslinien von sozialen Milieus verwenden.

Für die Betrachtung Zhang Yuanjis in Bezug auf seinen Habitus soll eine solche Analyse seiner Schriften und überlieferten Verhaltensweisen durchgeführt werden, die der über ihn verfassten Biographie von Ip Manying „The Life and Times of Zhang Yuanji 1867-1959“ entnommen wurden.

3. Übertragung von Bourdieus Literatursoziologie auf das China des frühen 20. Jahrhunderts

Mit der Problematik einer Übertragbarkeit von Bourdieus Konzepten der Literatursoziologie auf das China des 20. Jahrhunderts setzen sich unter anderem Clemens Treter (in „Kunst, Markt und Moral“) und Michel Hockx (in „Questions of Style“ und „The literary field of twentieth-century China“) auseinander.

Beide sehen von einer umfassenden Analyse des literarischen Felds in China und seiner Position im Feld der Macht ab. In der Tat erwiese sich ein solches Unterfangen auch als schwierig, zumal sich zahlreiche Akteure, sowie auch Zhang Yuanji, auf verschiedenen Feldern bewegten und Bourdieu viel Gewicht auf die Autonomie des literarischen Feldes legt. So stellt Hockx fest, dass es einer der innovativen Aspekte der Southern Society ab 1909 - und später der Literary Association – war, das literarische Feld als Hauptsphäre ihrer Aktivitäten zu betrachten (vgl. Hockx 2003 S.123). Die personale Überlappung bis dahin ist auf das traditionelle Bildungssystem zurückzuführen. Durch das System der Beamtenprüfungen war - bis zu seiner Abschaffung - die Fähigkeit zu lesen und zu schreiben nahezu ausschließlich auf jene Gruppe beschränkt, die auch das politische Feld dominierte: die Literati beziehungsweise scholar-gentry elite, welche ihre politische Macht nutzen, um diese Monopolstellung beizubehalten (vgl. Weber S.280f, 286). Aus der Verortung quasi aller Literaturproduzenten Chinas innerhalb des ökonomisch gutsituierten Beamtentums, einhergehend mit der Abwesenheit literarischer Massenproduktion, lässt sich schlussfolgern, dass das heteronome Prinzip des Ökonomischen zwar bis in das 19. Jahrhundert kaum ein Rolle im literarischen Feld Chinas spielte, politische Interessen der Akteure aber eine höhere Autonomie und beherrschende Position im gesellschaftlichen Machtgefüge verhinderten.

So geht Hockx davon aus, dass eine Analyse des literarischen Feldes in China auf das Spannungsverhältnis zwischen einem autonomen Prinzip literarischen Werts und einem heteronomen Prinzip der politischen Nützlichkeit fokussieren würde, was durch Fallstudien von Literati, die sowohl eine literarische als auch politische Karriere anstreben, unterstützt werden könnte (vgl. Hockx 1999, S.9). Der Einfluss der Politik zeigt sich auch in Form von Zensur, die Hockx als einer der stabilsten Faktoren in der literarischen Praxis Chinas beschreibt (Hockx 2003, S.18). Hockx argumentiert daher dafür, für das literarische Feld Chinas im frühen 20. Jahrhundert Bourdieus Konzept zur Verortung eines Werkes im Feld um eine Achse, nämlich um die des politischen Kapitals zu ergänzen (vgl. Treter 2003, S.27; Hockx 1999, S.9).

Der Verfestigung des ökonomischen Prinzips im literarischen Feld Chinas erfolgt spätestens mit Beginn des 20. Jahrhunderts durch die zunehmende Professionalisierung, Kommerzialisierung und Entwicklung literarischer Massenproduktion durch die Verlagshäuser in Shanghai, allen voran der Commercial Press (vgl. Hockx 2003, S.9; 1999, S.72). Dieser kommerzielle Zugang zur Literatur sollte später von den Autoren der Bewegung des 4. Mai massiv kritisiert werden, in einem Versuch, den Berufsautoren bei den Shanghaier Verlagshäusern ihr literarisches Prestige streitig zu machen, was sich ultimativ auch als erfolgreich erwies (vgl. Hockx 1999, S.13; Cheng 1999). Der Ausgang dieses Definitionskampfs zu Gunsten der „4. Mai Literatur“ verweist auf eine gesteigerte Autonomie und eine graduell günstigere Position im gesellschaftlichen Machtgefüge des literarischen gegenüber dem ökonomischen Feld zu diesem Zeitpunkt. Allerdings fanden durch die Vertreter der neuen, „hohen Literatur“ politische und moralische Prinzipien auch wieder verstärkt Einzug in die Bewertung von Literatur (vgl. Treter 2003, 204f).

3.1 Gesellschaftlicher Werdegang Zhang Yuanjis

Nun soll der Frage nachgegangen werden, wie der gesellschaftliche Werdegang Zhang Yuanjis verlief und welche Position er in der chinesischen Gesellschaft um die Jahrhundertwende einnahm -jener Zeit, als er begann, sich zunehmend um Reformen zu bemühen, bevor er schließlich zur Commercial Press kam.

Zhang Yuanjis Familie stammte ursprünglich aus Zhejiang und war bekannt dafür, hohe Bildungsgrade und Positionen im Beamtenwesen zu halten. Sie besaß dort eine private Bibliothek, die öfters auch von anderen Gelehrten besucht wurde, sammelte seltene Bücher und erforschte die chinesischen Klassiker. Die Bibliothek wurde allerdings während des Taiping-Aufstands zerstört.

Zhang Yuanjis Vater flüchtete und wurde Beamter in Guangdong, wo Zhang Yuanji 1867 geboren wurde. Nach dem frühen Tod seines Vaters kehrte er mit seiner Mutter zurück nach Zhejiang. Während dieser finanziell angespannten Situation verdiente Zhang Yuanji Geld als Lehrer und mit dem Verkauf von Essays - zwei Erwerbszweige, zu denen er im weiteren Verlauf seines Lebens zurückkehren sollte. Zunächst strebte Zhang Yuanji jedoch, wie schon sein Vater auch, eine Karriere im Beamtenwesen an und erreichte 1892 den Jinshi-Grad, den höchsten akademischen Titel (vgl. Ip 1985, S.11-15). Formell gehörte Zhang Yuanji damit zu jener erlesenen Gruppe chinesischer Männer, die zu dieser Zeit sowohl über die besten Chancen zur Akkumulierung von Besitz als auch über höchstes Ansehen und Prestige verfügten (vgl. Weber 1989 S.222, 324).

Zhang Yuanji wurde daraufhin zur Arbeit im Zongli Yamen bestellt. Diese Behörde war 1861 eingerichtet worden, um sich mit der Außenpolitik Chinas sowie generell allen Themen, die als westlich, ausländisch oder neu betrachtet wurden, auseinanderzusetzen. Zhang Yuanji konnte nicht nur, sondern musste sich hier gewissermaßen konsequent Wissen über die westlichen Staaten und ihre Beziehung zu China aneignen (vgl. Ip 1985, S.16-18). Zusätzlich war der Zongli Yamen eine Hochburg der seit 1862 aktiven Selbststärkungsbewegung, jener Literati, die nach den militärischen Niederlagen Chinas gegen die wesentlichen Staaten intensiv die Aneignung von Wissen über diese Staaten und ihre Technologie verfolgten, dabei allerdings dem Prinzip folgten, die chinesische Lehre bilde die innere Substanz, die westliche sei für den äußeren Gebrauch (vgl. Jing 2002, S. 25-29, Schmidt-Glintzer 2014, S.24).

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Details

Seiten
25
Jahr
2016
ISBN (eBook)
9783668954298
ISBN (Buch)
9783668954304
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v471370
Institution / Hochschule
Universität Wien – Sinologie
Note
1
Schlagworte
China Chinesische Republik Bourdieu Chinesische Literatur Literaturgeschichte

Autor

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Titel: Zhang Yuanji bei der Commercial Press