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Der Effekt von süßem Geschmack auf die Prosozialität von Individuen

Hausarbeit 2018 15 Seiten

Biologie - Verhalten

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Abstract

2 Theoretischer Hintergrund

3 Methoden und Material

4 Ergebnisse

5 Diskussion

6 Literaturverzeichnis

1 Abstract

In der vorliegenden Studie handelt es sich um eine Untersuchung zum Thema „Embodiment“. Genauer gesagt habe ich mich mit den Auswirkungen von süßem Geschmack auf die Prosozialität von Menschen beschäftigt. Hierzu standen mir 12 Probanden zur Verfügung, die ich in drei Gruppen (Versuchsgruppe „Süß“, n=4; Kontrollgruppen „Sauer“, n=3, und „Neutral“, n=4) eingeteilt habe. Zur Untersuchung des Zusammenhangs zwischen „Süß“ und Prosozialität habe ich mittels zweier einfaktorieller ANOVA die zwei abhängigen Variablen (Ultimatum Game (UG) und Minuten, die freiwillig zur weiteren Hilfe, angeboten werden) mit den Geschmacksbedingungen verglichen. Die Ergebnisse sind nicht signifikant, weshalb ich mich in meiner Studie nicht für einen Zusammenhang zwischen süßem Geschmack und Prosozialität bei Individuen aussprechen kann. Allerdings ist unter Beachtung der methodischen Mängel und Limitationen darauf hinzuweisen, dass meine Studie (im Gegensatz zu vielen anderen) nicht repräsentativ ist.

2 Theoretischer Hintergrund

„She’s a sweetie.“ „She’s sugar.“ Immer wieder werden diese Metaphern im alltäglichen Sprachgebrauch auf der ganzen Welt verwendet (Chan, Tong, Tan und Koh, 2013), doch wer setzt sich tatsächlich mit deren tieferem Inhalt auseinander? Wer erkennt die Verbindung – im Folgenden Embodiment genannt – zwischen einer konkreten sensomotorischen Quelle (dem Geschmack) und einem abstrakten Begriff (wie „honey“ oder „sugar“)?

Metaphern mit Bezug auf „Süße“ werden meist im interpersonellen Kontext genutzt, sei es in romantischen Beziehungen („she’s a sweetheart“) oder Freundschaften, aber sie werden auch für spezifische Charakteristika – wie freundlich, helfend oder sich um andere kümmernd – bei Personen verwendet (Meier, Moeller, Riemer-Peltz und Robinson, 2011). Ren, Tan, Arriaga und Chan (2015) haben herausgefunden, dass sogar hypothetische Beziehungen als positiver eingeschätzt werden, wenn der Proband mit einem süßen Stimulus geprimt wurde (anzumerken ist aber, dass aktuell bestehende Beziehungen weder als positiver noch als negativer eingeschätzt werden, der Zusammenhang zwischen „Süße“ und positiven Emotionen für andere scheint also nicht ganz eindeutig zu sein).

Neben der „Süß-Metapher“ gibt es auch für andere Bereiche Beispiele für Embodiment: so z.B. Schärfe und das Ausmaß von Ärger (Ji, Ding, Deng, Ma, Jing und Jiang, 2013), der Geschmack „Bitter“ und die Reaktionsgeschwindigkeit (Chen und Chang, 2011) oder einem Geschmack (durch den Abscheu hervorgerufen wird) und Moral (Eskine, Kacinik und Webster, 2012).

In dieser Studie möchte ich allerdings bei der „Süß-Metapher“ bleiben, und den Zusammenhang mit prosozialem Verhalten untersuchen. In dieser Studie und in meinem Sinne beschreibt prosoziales Verhalten die Intention und weiterhin auch darauffolgendes Verhalten, die das Wohlergehen anderer Individuen fördert (Meier et al., 2011).

Meier et al. (2011) haben bereits in ihrer Studie festgestellt, dass es eine Interaktion zwischen der Süß-Präferenz und Persönlichkeit gibt, genauer, dass Personen, die süß mögen, verträglicher sind und mehr prosoziale Intentionen und prosoziales Verhalten zeigen. Aufgrund dessen gibt es laut Autoren auch Hinweise auf eine Verwurzelung von Prosozialität in der Persönlichkeit. Anzumerken ist trotzdem, dass die Interaktion erst signifikant wird, wenn die Süß-Präferenz hoch ausfällt. Ebendiesen signifikanten Zusammenhang zwischen Verträglichkeit (was folglich für prosoziales Verhalten spricht) und der Geschmackspräferenz „süß“ stellten auch Fetterman, Meier und Robinson (2017) in ihrer Studie fest. Der Effekt fällt moderat aus. Es ist außerdem wichtig zu erwähnen, dass eine signifikant negative Korrelation zwischen „Bitter“ und Verträglichkeit existiert, und Verträglichkeit neben „süß“ mit keinem anderen Geschmack positiv interagiert. Daraus lässt sich ableiten, dass Verträglichkeit und „Süße“ spezifisch miteinander verknüpft sind.

Dies scheint nicht nur bei diesen beiden Attributen so zu sein, sondern z.B. auch bei dem Konzept „Schärfe und Ärger“ (Ji et al., 2013). Die Autoren haben in ihrer Untersuchung herausgefunden, dass der metaphorische Zusammenhang zwischen „Schärfe und Ärger“ eine verkörperte Repräsentation ist, die immer automatisch (also nicht willentlich) ausgelöst wird.

Ein interessanter Aspekt neben der spezifischen Verknüpfung bei verkörperten Metaphern („bodily metaphors“) ist auch die Bidirektionalität, die sich in zahlreichen Studien (Eskine et al., 2012; Fetterman et al., 2017; Ji et al., 2013; Lee und Schwarz, 2012; Meier et al., 2011) erkennen lässt. Das bedeutet, dass der körperliche Aspekt und die kognitive Repräsentation in beide Richtungen miteinander verknüpft sind und einander automatisch auslösen. Ren et al. (2015) weisen aber auch darauf hin, dass die Art und Weise der Interaktion zwischen Geschmackstyp und Stimmung noch nicht eindeutig geklärt ist.

Weiterhin bezieht sich die Parallele zwischen den einzelnen Konzepten („Süß- Verträglichkeit“, „Bitter-Unverträglichkeit“, „Schärfe-Ärger“) auch auf die unmittelbaren sozialen Folgen. Diese sind in Bezug auf Schärfe schnellere Verärgerung und Irritierbarkeit sowie eine höhere Extraversionsausprägung der Probanden (Ji et al., 2013), und bei Bitter neben Feindseligkeit sogar Psychopathie und Sadismus (Fetterman et al., 2017); andersherum führt Süße wie bereits erwähnt zu mehr Verträglichkeit, prosozialen Verhalten und positiven Emotionen (Meier et al., 2011; Fetterman et al., 2017).

Es gibt verschiedene Erklärungsansätze, wie Embodiment entsteht. Allen gemeinsam ist aber, dass sie durch kulturell geprägte Aspekte entstehen. Die bekanntesten Konzepte sind die Perceptual Symbol System Theory von Barsalou (1999) und die „Metapherntheorie“ von Lakoff und Johnson (1999). Beide besagen, dass verkörperte Metaphern aufgrund des häufigen gemeinsamen Auftretens eines körperlichen und theoretischen Faktors zustande kommen. Das bedeutet also, dass die Sprachwahrnehmung in der Entstehung von verkörperten Metaphern eine entscheidende Rolle spielt und dies dadurch kulturell geprägt sein muss.

Die folgende Studie von Gilead, Gal, Polak und Cholow (2015) habe ich hierzu gefunden. Bekannt ist, dass sich die präverbale (und westliche) Variante für die Verknüpfung von Süß und Positivität und Schärfe für negative Eigenschaften ausspricht. Da die Autoren allerdings herausgefunden haben, dass Schärfe in Israel für intellektuelle Kompetenz und soziale Ziele, und Süße für Falschheit und fehlender Authentizität stehen, schließen die Autoren auf eine kulturell geprägte Variante.

Bisher gibt es zwar Erklärungsansätze für das Entstehen von Embodiment, allerdings denke ich, dass es aufgrund der Reichweite, in der „bodily metaphors“ genutzt werden (Chan et al., 2013), und den konkreten gesellschaftlichen Folgen, wichtig ist, sich tiefergehend auf empirischer Basis mit den zugrundeliegenden körperlichen Faktoren von Prosozialität zu beschäftigen. Der Fokus der Studie liegt auf dem Zusammenhang von der kognitiven Repräsentation des Geschmackstyps (genauer „süß“, „salzig“ sowie „neutral“) und Prosozialität.

Die konkrete Forschungsfrage lautet: „Sind Probanden, die einen süßen Stimulus erhalten, prosozialer?“. Für die Beantwortung stelle ich zwei Alternativhypothesen auf:

H1: Probanden, die einen süßen Reiz erhalten, nehmen eher an einer weiteren Studie teil, als Probanden, die einen salzigen oder gar keinen Reiz erhalten.
H2: Probanden, die einen süßen Reiz erhalten, bieten dem Gegenüber im UG höhere Beträge an, als Probanden, die einen salzigen oder neutralen Reiz erhalten.

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Details

Seiten
15
Jahr
2018
ISBN (eBook)
9783668936935
ISBN (Buch)
9783668936942
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v471434
Institution / Hochschule
MSB Medical School Berlin - Hochschule für Gesundheit und Medizin
Note
1,7
Schlagworte
Embodiment Prosozialität

Autor

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Titel: Der Effekt von süßem Geschmack auf die Prosozialität von Individuen