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Ablaufen-Sprintstart in der Leichtahletik - Lehrprobe

von Christian Klaas (Autor) Markus Eppelmann (Autor)

Unterrichtsentwurf 2005 26 Seiten

Gesundheit - Sport - Sportarten: Theorie und Praxis

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Thema der Stunde

3 Sachanalyse – Technikanalyse des Tiefstarts

4 Didaktische Überlegungen
4.1 Rahmenbedingungen / Materialien
4.2 Zielgruppenanalyse
4.3 Lernziele
4.3.1 Motorische Lernziele
4.3.2 Kognitive Lernziele
4.3.4 Affektive Lernziele

5 Methodische Überlegungen
5.1 Lehrmethoden
5.2 Motivation
5.3 Methodische Maßnahmen
5.4 Organisation

6 Beschreibung der Unterrichtsteile
6.1 Teil I – Sammeln von Bewegungserfahrungen
6.2 Teil II – Techniktraining

7 Tabellarischer Stundenverlauf

8 Reflexion der Lehrprobe

9 Zusammenfassung

10 Literaturverzeichnis

1 Einleitung

In der vorliegenden Ausarbeitung der Lehrprobe zum Thema „Ablaufen - Sprintstart in der Leichtathletik“, wird eine mit Sportstudenten durchgeführte exemplarische Stunde dargestellt, die sich in zwei Abschnitte gliedert, welche nachfolgend beschrieben werden.

Im ersten Teil der Stunde, der für Schüler der Sekundarstufe I konzipiert ist, liegt der Schwerpunkt auf dem Sammeln von Bewegungserfahrungen. Dazu wurden alle Bewegungsaufgaben in eine Geschichte eingebunden um ein spielerisches und erlebnisbetontes Lernen zu ermöglichen. Darin sind Aufgaben zu Startimpulsgebung, Reaktion, Loslaufen / Starten enthalten, die auf eine ganzheitliche Schulung der Bewegung abzielen.

Der zweite Teil der Lehrprobe umfasst ein disziplinspezifisches Techniktraining, wie es im Jugend- und Leistungstraining und mit Schülern der Sekundarstufe II zur Anwendung kommen kann. Das gezielte Erlernen der Tiefstarttechnik erfolgt auf deduktive Weise und wird mit Hilfe einer sukzessiven aufeinander aufbauenden Übungsreihe angesteuert. Über die Etappen Fallstart, Hochstart und Kauerstart gelangen wir schließlich zum Tiefstart, der im Sinne der Erleichterungsstrategie „Programmverkürzung“ in seine Einzelteile zerlegt und schrittweise zusammen-gebaut wird.

Die erlernte Technik soll abschließend in einem Spiel gegen einen Partner Anwendung finden.

2 Thema der Stunde

Das Thema der Stunde lautet „Ablaufen - Sprintstart in der Leichtathletik“.

3 Sachanalyse – Technikanalyse des Tiefstarts

Der Tiefstart ist die Starttechnik in der Leichtathletik, die bei Distanzen bis 400m angewendet wird. Sie gliedert sich in drei Phasen, die Vorbereitungsphase, die Startaktion und den Beschleunigungslauf. Die Vorbereitungsphase untergliedert sich in zwei weitere Abschnitte, die an die Signale des Startgebers gebunden sind, es sind die „Auf die Plätze – Position“ und die „Fertig - Position“. Im Folgenden sollen die Merkmale und Kenngrößen der einzelnen Phasen geschildert und beschrieben werden.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Vor dem Start wird der Startblock eingestellt, wobei in Bauersfeld & Schröter (1998, S.132) drei Start-stellungen unterschieden werden.

Während im Schul- und Breitensport die mittlere Startstellung auf Grund der einfacheren Gewichtsverlagerung und dem koordinativ weniger anspruchsvollen, hauptsächlichen Abdruck über das vordere Bein zum Einsatz kommt, findet im Spitzensport zunehmend die enge Startstellung, verbunden mit einem beidbeinigen Abdruck, Anwendung. Darüber hinaus ist die Startstellung der Blöcke auch eine Gefühlssache und auch aus einer mittleren Startstellung heraus, lässt sich ein beidbeiniger Abdruck realisieren der für die Tiefstarttechnik spezifisch ist.

Mit dem „Auf die Plätze“ Kommando beginnt die Einnahme der gleichnamigen Position, die bis zum Ertönen des „Fertig“ Kommandos beibehalten wird. Zum Einnehmen der Position tritt der Sportler vor die Blöcke, stützt sich mit den Händen auf dem Boden ab und setzt seine Füße von vorne, beginnend mit dem vorderen Bein, mit den Fußballen auf die Blöcke. Das Knie des hinteren Beins berührt den Boden, die Hände stützen schulterbreit hinter der Linie auf den Fingerspitzen, während die Daumen abgespreizt sind. Das Gewicht verteilt sich gleichmäßig auf die Unterstützungspunkte, die Haltung ermöglicht eine entspannte Muskulatur und optimale Konzentration auf den Start, der Kopf ist leicht nach unten gesenkt. Geprägt wird die Position von der Einstellung der Blöcke. Ziel dieser Position ist, sich gut auf den Start konzentrieren und in der darauf folgenden Phase, eine günstige Abdruckposition einnehmen zu können.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Auf das Kommando „Fertig“ wird die gleichnamige Position eingenommen, die bis zum Ertönen des Startsignals beibehalten wird. Die „Fertig“-Position (s. Abb.1) wird durch Streckung beider Beine bis zu einem Winkel von etwa 90°-100° des vorderen und 120° – 140° des hinteren Beins erreicht, wodurch das Becken oberhalb der Schulterachse liegt und sich das Körpergewicht gleichmäßig auf Arme und Beine verteilt. Je nach Startstellung wird der Körperschwerpunkt (KSP) derart verlagert, dass er lotrecht vor dem vorderen Startblock liegt, was durch Verlagerung der Schulterachse vor die Hände erreicht wird. Die Arme sind noch immer gestreckt, der Kopf mit Blick zur Startlinie nach unten gerichtet. Die Beine drücken gegen die Startblöcke um eine höhere Vorspannung zu erzeugen. Ziel dieser Position ist, die Vorspannung der Beine zu garantieren, den KSP in eine, in Bezug auf die Streckrichtung der Beine, günstige Lage zu bringen, damit nach erfolgtem Startkommando explosiv und unter optimaler Ausnutzung der Beschleunigungskräfte abgelaufen werden kann (vgl. Bauersfeld, 1998, S.132).

Nach erfolgtem Startsignal beginnt die Startaktion, die mit dem Verlassen des vorderen Startblocks endet. Durch die Startaktion soll dem Körper eine hohe und in Bewegungsrichtung gerichtete Anfangsbeschleunigung erteilt werden. Dies wird durch einen beidbeinigen, explosiven Abdruck erreicht, wobei sich das hintere Bein zuerst vom Block löst, während das vordere noch zur vollständigen Streckung gelangt. Das hintere Bein wird schnell und flach, aber dennoch raumgreifend nach vorne geschwungen und unter den Körper, der sich in deutlicher Vorlage befindet, gesetzt, während ein aktiver, wechselseitiger Armeinsatz die Bewegung aktiv unterstützt. Im Spitzenbereich erfolgt zusätzlich zum Beinabdruck noch ein Armabdruck.

Es folgt der Beschleunigungslauf, der hier nicht weiter beschrieben werden soll.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 2: Phasen des Tiefstarts (vgl. Haberkorn & Plaß, 1992)

Nachfolgende Abbildung veranschaulicht die Phasen und Positionen des Tiefstarts.Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

4 Didaktische Überlegungen

4.1 Rahmenbedingungen / Materialien

Die Lehrprobe fand am Montag, den 02.11.2004, von 13:45 bis 15:00 Uhr in der TU-Großsporthalle statt. Die für die Unterrichtseinheit benötigten Materialien, zwei Zauberschnüre, sechs Kastenzwischenteile, ein kleiner Turnkasten, zwei große Turnkästen, eine Kiste mit (Volley-)Bällen, ein großer Weichboden, eine Kiste mit (Tennis-)Bällen, sechs Parteibänder und vier Pylonen standen zur Verfügung. Es standen nur vier, statt den geplanten sechs, Startblöcke zur Verfügung. Weitere erforderliche Materialien, die organisiert werden mussten, waren eine Papierscheibe mit einer hellen und einer dunklen Seite und ein Netz Mandarinen.

4.2 Zielgruppenanalyse

Die Zielgruppe besteht aus drei weiblichen und ca. zwölf männlichen Sportstudenten, die den Praxis- und Grundkurs, einige bereits auch den Aufbaukurs „Training“, in Leichtathletik abgeschlossen haben. Damit ist davon auszugehen, dass die Lerngruppe im Hinblick auf die Sportart Leichtathletik über überdurchschnittliche kognitive, koordinative und konditionelle Fähigkeiten verfügt.

Obwohl die Lerngruppe bei der Durchführung der Lehrprobe aus Studenten bestand, ist die Lehrprobe dennoch ursprünglich für Schüler konzipiert, weshalb in der Folge von Schülern statt Studenten die Rede sein wird. Weiterhin sind unter den Begriff Schüler sowohl männliche als auch weibliche Schüler zu fassen.

Mit dem zweigliedrigen Stundenkonzept können im Hinblick auf die Schule unterschiedliche Stufen angesprochen werden. Während der erste Teil bereits in der Primarstufe und zu Beginn der Sekundarstufe I durchgeführt werden kann, richtet sich der zweite Teil vor allem an Schüler in der Sekundarstufe II, da die Tiefstarttechnik erhöhte Ansprüche an die Kraftfähigkeiten stellt.

4.3 Lernziele

4.3.1 Motorische Lernziele

Das offene Unterrichtskonzept im ersten Teil verfolgt als motorisches Ziel das Sammeln von Bewegungserfahrungen im Bereich Reagieren, Starten, Ablaufen.

Im zweiten Teil der Lehrprobe wird die Tiefstartechnik erlernt. Die Schüler sollen am Ende der Stunde in der Lage sein, den Tiefstart gemäß dem erläuterten Technikleitbild realisieren zu können.

4.3.2 Kognitive Lernziele

Die Schüler sollen in der Lage sein, den Startblock zweckmäßig einstellen zu können.

Die Schüler sollen den Start in seine Phasen „Auf die Plätze“, „Fertig“, „Los“ unterteilen und die entsprechenden Positionen bzw. Bewegungen damit verbinden können.

Die Schüler sollen wissen, dass der erste Abdruck nach vorne und nicht nach oben gerichtet ist.

4.3.4 Affektive Lernziele

Durch den ersten Teil der Lehrprobe, sollen die Schüler eine positive Einstellung gegenüber der Leichtathletik, insbesondere der Disziplin Sprint gewinnen.

5 Methodische Überlegungen

5.1 Lehrmethoden

Wie bereits in der Einleitung erwähnt wurde, soll der erste Teil der Stunde vor allem dem Sammeln von Bewegungserfahrungen in Bezug auf das Reagieren, Starten und Ablaufen dienen. Um dies zu verwirklichen wird ein offenes Unterrichtskonzept verwendet, welches auf der Selbsttätigkeit der Lernenden basiert und somit den Vorteil hat, dass nicht von vornherein starre Bewegungsmuster vorgegeben werden, sondern Freiraum zum Experimentieren bleibt. Die Schüler können also selbst ausprobieren auf welche Art und Weise sie schneller starten und ablaufen können und entwickeln so eigene Lösungen. Insbesondere Spielformen bieten sich dabei zum Entwickeln von Neugier und Motivation an. Der Unterricht verläuft prozessorientiert, d.h. der Weg ist das Ziel.

Im zweiten Teil der Stunde soll nun dagegen mit Hilfe eines disziplinspezifischen Techniktrainings die konkrete Tiefstarttechnik vermittelt werden. Der Unterricht verläuft resultatorientiert, weswegen auf ein geschlossenes Unterrichtskonzept zurückgegriffen wird. Wir orientieren uns hierbei an den methodischen Prinzipien „Vom Leichten zum Schweren“ bzw. „Vom Einfachen zum Komplexen“. Zunächst soll aus dem Fallstart mittels einer seriellen Übungsreihe die „Fertig“-Position des Tiefstarts entwickelt werden. Dieser wird im Anschluss die „Auf die Plätze“-Position vorgeschaltet, bevor der eigentlichen Startaktion nochmals verstärkte Aufmerksamkeit gewidmet wird.

Das in der Vermittlung angewendete Prinzip der Programmverkürzung wird beim Entwickeln bzw. Festigen der „Fertig“-Position und der eigentlichen Startaktion durch das methodische Prinzip des Variationslernens ergänzt. Dieses Kontrastlernen baut auf der Vorstellung auf, dass sich der Körper hinsichtlich einer Bewegungstechnik selbst organisiert, wenn der Trainierende die zur Zielbewegung gehörenden Teilbewegungen zwischen ihren beiden Extrempolen variiert. Beim Sprintstart wären hinsichtlich der Oberkörpervorlage z. B. die beiden Extrempole eine horizontale Oberkörpervorlage nach dem Start oder eine vollkommen aufrechte Körperhaltung nach dem Start. Das Wechselspiel zwischen diesen beiden Extrempolen bewirkt diesem Ansatz zufolge auf Dauer eine Optimierung der Technik hinsichtlich dieses Technikmerkmals.

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Details

Seiten
26
Jahr
2005
ISBN (eBook)
9783638444606
Dateigröße
565 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v47529
Institution / Hochschule
Technische Universität Darmstadt – Institut für Sportwissenschaft
Note
1,3
Schlagworte
Ablaufen-Sprintstart Leichtahletik Lehrprobe Sprint Tiefstart

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Titel: Ablaufen-Sprintstart in der Leichtahletik - Lehrprobe