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Leistung und Leistungsbewertung in der Grundschule

Hausarbeit 1999 34 Seiten

Pädagogik - Schulpädagogik

Leseprobe

INHALTSVERZEICHNIS

VERZEICHNIS DER ABBILDUNGEN

I. EINLEITUNG

II. ZUM BEGRIFF DER LEISTUNG

III. ARTEN DER LEISTUNGSBEWERTUNG
1. Ziffernzensuren
2. Verbale Beurteilung

IV. GESETZLICHE GRUNDLAGEN IN SACHSEN- ANHALT
1. Gesetzliche Grundlagen für die Grundschule
2. Gesetzliche Grundlagen für die Förderstufe
3. Gesetzliche Grundlagen bzgl. der Arten der Leistungsnachweise

V. LEISTUNGSKONTROLLEN
1. Zur Unterscheidung zwischen Erfolgs- und Leistungskontrollen
2. Vorbereitung von Leistungskontrollen
3. Leistungs- und Prüfungsängsten entgegenwirken
4. Durchführung von Kontrollen
5. Zum Übergang von der Leistungsfeststellung zur Leistungsbewertung
6. Rückgabe der Kontrollen
7. Bemerkungen zu mündlichen Leistungskontrollen

VI. “VON DER SCHWIERIGKEIT DES LEHRER- SEINS”
1. Beurteilungsfehler im Allgemeinen
2. Förderdiagnostik
3. Motivation
4. Zur Problematik der Stigmatisierung

VII. Geht es auch ohne Noten?
1. Vor- und Nachteile der Zensuren
2. Möglichkeiten der ziffernlosen Bewertung

VIII. ZUSAMMENFASSUNG

LITERATURVERZEICHNIS

VERZEICHNIS DER ABBILDUNGEN

1. Abbildung 1

2. Abbildung 2

3. Abbildung 3

4. Abbildung 4

5. Abbildung 5

6. Abbildung 6

7. Abbildung 7

8. Abbildung 8

9. Abbildung 9

10. Abbildung 10

I. EINLEITUNG

“Die Schule hat den Auftrag, Kinder und Jugendliche auf die Aufgaben vorzubereiten, die sie als Staatsbürger, als Berufstätige und als Gestaltende ihres persönlichen Lebensbereiches zu bewältigen haben. Daher muss sich die Schule immer der berechtigten Anfrage stellen, ob das, was gelehrt und gelernt wird, den Anforderungen der außerschulischen Realität entspricht.”[1]

Wir leben heutzutage in einer Leistungsgesellschaft, die schon an unsere Kinder hohe Anforderungen stellt. Doch kann sich unser Schulsystem allein daran orientieren? Schüler werden schon in frühen Jahren mit Leistung konfrontiert. Einige Lehrer vertreten dabei die Meinung, das die individuellen Fähigkeiten und Fertigkeiten des Schülers keine Rolle spielen. Doch diese Anschauung ist nun schon seit Jahren überholt. Heute beschäftigen sich Pädagogen und Psychologen immer wieder mit der Thematik, wie man individuell vorgehen aber auch allen gerecht werden kann.

In diesem Aufsatz stehen Leistung und Leistungsbewertung in der Grundschule im Mittelpunkt. Angefangen beim allgemeinen Leistungsbegriff und den Gesetzlichen Grundlagen, werden Möglichkeiten und Schwierigkeiten der Leistungsbewertung dargestellt. Abschnitt VI. beschäftigt sich dann gezielt mit der „Schwierigkeit des Lehrerseins“. Dabei wird beleuchtet, dass auch Lehrer nur Menschen sind, die Fehler machen. Es geht aber auch um die Problematik einer gezielten Förderung der Schüler.

Es wurden verschiedene Bücher genutzt: Lexika, Bücher über „Auswertung und Beurteilung von Unterricht“[2] und Bücher über die allgemeine Schulpraxis.

II. ZUM BEGRIFF DER LEISTUNG

Leistung ist immer auf eine bestimmte Norm bezogen und notwendig, um zu bestimmen

wer

was

wann

mit wem

wo

wie

womit

warum

und wozu

geleistet werden soll.

Die Bewertung erfolgt immer anhand von bestimmten Maßstäben. dabei unterscheidet man drei verschiedene Idealtypen:[3]

1. der intraindividuelle Maßstab

Bei diesem Maßstab wird der Lernfortschritt des Individuum als Bezugsnorm dargestellt. Außerdem wird die Lernentwicklung in einem bestimmten Zeitabschnitt gezeigt. Da man aber als LehrerIn an Lehrplänen und Lernzielen orientieren muss, ist eine ausschließliche Anwendung dieses Maßstabes eher unrealistisch.

2. der interindividuelle Maßstab

Im Gegensatz zum 1., wird eine Lern- oder Altersgruppe als Bezugsnorm dargestellt. Mit dieser wird die Leistung des Individuums verglichen. Häufig findet man ihn angewendet bei der Erstellung von Prognosen. Probleme treten dabei aber auf, wenn die Bezugsnorm der Klassendurchschnitt ist. Das heißt, dass die Leistung in einer Klasse durch- in einer anderen Klasse überdurchschnittlich sein kann.

3. der kriteriumsorientierte Maßstab

Hier wird das angestrebte Lernziel als Bezugsnorm festgelegt. Er dient vor allem zur Ermittlung des Erfolges pädagogischer Maßnahmen. Voraussetzung dafür ist aber, dass alle Schüler das gleiche Ziel erreichen. Zur Bestimmung von Noten kann man diesen Maßstab eigentlich nicht anwenden. Entweder hat man das Ziel erreicht oder nicht.

Die Leistungserziehung im Unterricht kann sich ausschließlich am gesellschaftlichen Leitungsprinzip orientieren. Dieses ist geprägt von einem Leben um Macht, Auslese, Konkurrenz und Anpassung- nur Ergebnisse zählen.

Da das ein unmöglicher Weg für die Entwicklung zu einer verantwortlichen, selbständigen Persönlichkeit, ergibt sich daraus ein veränderter Leistungsbegriff.

Jede/r SchülerIn bringt unterschiedliche Begabungen mit sich und muss dementsprechend individuell gefördert werden. Als Ziel stellt sich die Förderung der Selbstachtung. Dazu sind natürlich Erfolgsmöglichkeiten und das Gefühl, etwas zu können, nötig.

Eine weitere Notwendigkeit für die Leistungserziehung, ergibt sich daraus, dass die SchülerInnen es lernen müssen, mit Fehlern umzugehen. Fehler machen heißt dabei, auf der Suche nach Lösungsmöglichkeiten zu sein. Es bedeutet nicht, zu versagen. Wenn ein/e SchülerIn Fehler macht, ist das für den/ die LehrerIn ein Zeichen über die Entwicklung des Kindes und eröffnet bzw. sollte Möglichkeiten zur gezielten Förderung eröffnen.

III. ARTEN DER LEISTUNGSBEWERTUNG

Es gibt zwei verschiedene Arten von Leistungsbewertung. Zum einen die standardisierten Zensuren und zum anderen die verbale Bewertung.

I. Ziffernzensuren

“Eine Zensur ist eine Kurzform eines Urteils über das Verhalten von SchülerInnen, das dargestellt sein durch eine Ziffer, einen Buchstaben, ein Adjektiv oder andere Symbole.”[4]

Zensuren haben in der Schule verschiedene Funktionen:

1. Zensuren als Motivation
2. Zensur als Legitimation
3. Zensur als Sozialisationsfunktion
4. Zensuren als Rückmeldefunktion
5. Zensuren als Berichtsfunktion
6. Anreiz- und Disziplinierfunktion
7. Selektionsfunktion
8. Prognostische Funktion

Zensuren sind von verschiedenen Faktoren abhängig. Eine Untersuchung von Weiss (1964) ergab, dass die Notengebung von Erwartungen und Vorurteilen abhängig ist. Bei der Untersuchung wurden Lehrern zwei Aufsätze gegeben. Einem Aufsatz teilte man einen positiv auffallenden Schüler, dem anderen Aufsatz einen negativ auffallenden Schüler zu. Dies geschah ganz wahllos. Das Ergebnis war eindeutig. Der “gute” Schüler erhielt immer eine bessere Beurteilung.

Im Weiteren ergaben Untersuchungen von Hadley (1977) und Petillon (1978), dass auch Sympathie und Antipathie eine Rolle bei der Bewertung spielen. Hier erhielten, ähnlich wie bei der Untersuchung von Weiss, beliebte Schüler bessere Noten gegenüber ihren Mitschülern.

Coffmann untersuchte die Abhängigkeit vom/ von der PrüferIn. Bei der gleichen Arbeit gab es durch Bewertung verschiedener Lehrer unterschiedliche Ergebnisse. Je mehr Themenfreiheit vorlag, desto größer waren die Differenzen.

1971 befragte Haecker 64 LehrerInnen, welche Kriterien der Bewertung ihnen wichtig ist. Das Ergebnis war differenziert. Während einige besonders Wert auf Sauberkeit und Schrift legten, war anderen das formal- mechanische Rechnen, das Finden des Lösungsansatzes oder das mathematische Denken wichtig.

Zensuren sind aber auch abhängig von formalen Aspekten. Das bedeutet im Einzelnen, dass, wenn auch nur der Inhalt gewertet werden soll, oft Schrift, Form, Orthographie und Grammatik unbewusst mitbeurteilt werden.

Schon daraus ergibt sich, dass es viele Beurteilungsfehler möglich sind, die im Abschnitt VI. 1. näher erklärt werden.

2. Verbale Beurteilung

Bei der verbalen Beurteilung gibt es verschiedene Formen, die sich auf die die Art und Weise des Zeugnisses beziehen.

Als erstes gibt es das normative Zeugnis, dass mehr oder weniger die Wertmaßstäbe und Ansprüche von außen an den SchülerIn heranträgt. Häufig nähert man sich dabei den Zensuren an. Genauer gesagt, beschreibt man nur “gute” und “schlechte” Leistungen, Ursachen werden aber nicht genannt.

Eine weitere Zeugnisform ist das schöne Zeugnis. Wahrscheinlich heißt es so, weil der/ die SchülerIn hier “schöngeredet” wird. Auch dieses Zeugnis enthält wenig Konkretes und wenig Informationen, die etwas über das Lernverhalten und den Lernfortschritt aussagt.

Das deskriptive Zeugnis ähnelt sehr einem “nüchternen” Tatsachenbericht, der eine rein statische Beschreibung, aber keine Hinweise zur Veränderung enthält.

Das Zeugnis, was leider viel zu selten in der Praxis zu finden ist, bezeichnet man als entwicklungsbezogenen Zeugnis. Hier wird die Lernsituation beschrieben und Veränderungen im Lernverhalten werden aufgezeigt. Weiterhin werden auch Möglichkeiten zu erfolgreiche(er)m weiterlernen gegeben.

Wie schon die verschiedene Zeugnisformen zeigen, gibt es auch hier einige Probleme. Viele LehrerInnen tun sich von vornherein schwer mit dem Schreiben von Zeugnissen. Daher sind die meisten Zeugnisse leider nicht so, wie es sei sollte.

Verbale Beurteilung soll die Lernprozesse der Schüler beleuchten und beschreiben. Der Unterricht sollte so geplant sein, dass man genügend Informationen erhält, die für eine ausführliche verbale Beurteilung nötig sind. Dabei sind Beobachtungen der Lernentwicklung eines jeden Schülers sehr grundlegend. Wichtig ist es für den Schüler aber nicht nur über seine Lernentwicklung und seinen Lernstand informiert zu sein, sondern auch Hinweise und Anhaltspunkte zum weiteren Lernen bekommen.

Beim Schreiben eines verbalen Zeugnisses ist es wichtig, darauf zu achten, dieses, wenn möglich fehlerfrei und ohne Widersprüche zu formulieren. Im Einzelnen heißt das vor allem, dass positive und negative Aussagen sich nicht gegenseitig widersprechen. Die Ausdrucksweise muss verständlich sein. Es nützt keinem Schüler etwas, wenn er seine Beurteilung nicht versteht. Wichtig ist auch, darauf zu achten, dass es bei der verbalen Beurteilung nicht um eine Charakterisierung sondern um eine Beschreibung und Bewertung des Verhaltens geht.

Zu empfehlen ist es, sich mit den jeweiligen Formulierungsformen für Sehr Gut bis Unbefriedigend zu beschäftigen und diese dann auch zu verwenden.

IV. GESETZLICHE GRUNDLAGEN IN SACHSEN- ANHALT

Leistungsnachweise sind zensierte Klassenarbeiten und andere Formen der Überprüfung von Kenntnissen, Fertigkeiten und Fähigkeiten. Dabei sollen vier Funktionen erfüllt werden:

1. Rückmeldung für den Schüler
2. Rückmeldung für den/ die LehrerIn
3. Bericht für die Erziehungsberechtigten
4. als Grundlage für die Bewertung von Schülerleistungen

Die Anforderungen an den Schüler sind so zu stellen, dass “auch die Fähigkeit, Wissen anzuwenden sowie die auf fundiertem Wissen beruhende Fähigkeit zu selbständigem Denken und begründetem Urteil nachgewiesen werden muss.”[5]

1. Gesetzliche Grundlagen für die Grundschule

In Sachsen- Anhalt gibt es das erste Notenzeugnis am Ende der 2. Klasse für einige Fächer. Dies sind Deutsch, Mathematik und HSU.

Die Anfangszeit in der Schule soll dazu genutzt werden, um die Freude am Lernen zu entwickeln und die Kinder an die Anforderungen der Schule zu gewöhnen. Bis dahin gibt es Berichte mit sachlichen Aussagen über das Arbeits- und Sozialverhalten. Dabei werden folgende Einzelbereiche näher beleuchtet.

1. Verhaltensbereich

Hier wird das Verhalten gegenüber den Mitschüler und den Lehrern beobachtet und beschrieben. Es geht aber auch um den Umgang mit verschiedenen Gegenständen und Sachen.

2. Arbeitsbereich

Es werden Aussagen zum Arbeitsverhalten in der Klasse, in der Gruppe und bei der Einzelarbeit gemacht. Zum Beispiel Aussagen über Ausdauer, Aufmerksamkeit und Sorgfalt.

3. Lernbereich

Das Zeugnis soll auch Beschreibungen über die Leistungsfähigkeit beinhalten. Das sind zum Beispiel Aussagen zum Sprachverständnis und Rechenfertigkeiten

Im Einzelnen können weitere wichtige Informationen, insbesondere für die Eltern, hinzugefügt werden.

Bei dem ersten Notenzeugnis, ist für die nicht zu benotenden Fächer ein Bericht über Arbeits- und Sozialverhalten beizufügen.

In den ersten zwei Jahren der Grundschule werden keine Klassenarbeiten geschrieben. Man beginnt die Kinder in den Klassen 3 und 4 langsam an Leistungsnachweise heranzuführen. Auch hier wieder nur in einigen Fächern, dies sind Deutsch, Mathematik und HSU. Die Klassenarbeiten sind bis dahin nicht länger als 45 Minuten.

Vom Kultusministerium ist eine bestimmte Anzahl von Klassenarbeiten vorgeschrieben.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Anzahl der vorgeschriebenen Klassenarbeiten in der Grundschule[6]

Fach/ Lernbereich

Anzahl der Arbeiten pro Schuljahr

Schriftlicher Sprachgebrauch 3 – 5

Rechtschreibung/ Sprachbetrachtung 3 – 5

Mathematik 4 – 6

Heimat- und Sachunterricht 3 – 5

Das Ergebnis der Klassenarbeiten kann mit höchstens 50 % in die Endnote eingehen.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass der Lehrer große Freiheiten bei der Bewertung hat und die Ziele des offenen Unterrichts gut verwirklichen kann. Selbst bei der Anzahl und Wertung der Klassenarbeiten kann man als LehrerIn sehr flexibel sein.

2. Gesetzliche Grundlagen zur Förderstufe

In der Förderstufe werden die wahlobligatorischen Fächer nicht bewertet. Da ein großer Schwerpunkt der Förderstufe die Projektwochen sind, gibt es auch dazu einige Regelungen. Zum einen werden während der Projektwochen keine Klassenarbeiten geschrieben. Man sollte aber die in dieser Zeit erbrachten Leistungen in der allgemeinen Bewertung mit beachten. Ebenso können die Projekte Inhalte der anschließenden Klassenarbeiten sein.

[...]


[1] Rahmenrichtlinien Grundschule, Seite 3, Druckerei und Verlag Gebr. Gatloff GmbH, Magdeburg

[2] Titel: Georg E. Becker, Beltz Verlag, Weinheim und Basel 1986

[3] hausarbeit.de, 6.1.1. aus Eiko Jürgens: Leistung und Beurteilung in der Schule, Academia Verlag, Sankt Augustin 1997

[4] www.hausarbeit.de

[5] Runderlass des MK vom 25.05.1994

[6] hausarbeit.de

Details

Seiten
34
Jahr
1999
ISBN (eBook)
9783638129107
ISBN (Buch)
9783638834650
Dateigröße
695 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v4762
Institution / Hochschule
Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg – Institut für Grundschulpädagogik
Note
1
Schlagworte
Leistung Leistungsbewertung Grundschule Grundlagen Grundschulpädagogik

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