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Aufmerksamkeitsstörungen und das Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom

Hausarbeit 2019 25 Seiten

Psychologie - Allgemeine Psychologie

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abkurzungsverzeichnis

1. Einleitung

2. Aufmerksamkeit
2.1 Definition
2.2 Selektive Aufmerksamkeit
2.2.1 Visuelle Aufmerksamkeit
2.2.2 Auditive Aufmerksamkeit

3. Aufmerksamkeitsstorungen
3.1 Definition
3.2 Atiologie und Lokalisation

4. Aufmerksamkeits-Defizit-Syndrom mit Oder ohne Hyperaktivitat
4.1 Diagnostik
4.2 Atiologie
4.3 Behandlungsmoglichkeiten
4.3.1 MedikamentoseBehandlung
4.3.2 Therapeutische Ansatze
4.3.3 Multimodale Ansatze

5. Kritische Diskussion

6. Fazit

Literaturverzeichnis

Abkurzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1. Einleitung

Diese Hausarbeit beschaftigt sich mit dem Thema Aufmerksamkeit und Aufmerksamkeitsstorungen, genauer mit dem Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom sowie dessen Behandlung und gesellschaftlichem Umgang.

Im ersten Teil der Arbeit wird der Begriff „Aufmerksamkeit“ in der Psychologie definiert, grob erlautert und einige Theorien werden vorgestellt. Die selektive Aufmerksamkeit im visuellen sowie auditiven Zusammenhang wird kurz touchiert. Der Begriff ..Aufmerksamkeitsstorung" wird dann im Kontext dieser Theorien und Definitionen eingeordnet und erklart. Verschiedene Arten und Ursachen von Aufmerksamkeitsstorungen werden erwahnt. AnschlieGend wird auf das Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom (ADS) genauer eingegangen: Was zeichnet diese Aufmerksamkeitsstorung aus? Was sind typische Symptome? Wie wird ADS diagnostiziert und wie wird es aktuell behandelt? Die Wirksamkeit herkommlicher Behandlungen wird diskutiert. Im letzten Teil der Arbeit wird der Umgang mit dem Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom sowohl im engeren Umfeld der Betroffenen als auch im gesellschaftlichen Kontext kritisch behandelt.

Diese Arbeit bezweckt, nach ausfuhrlicher Begriffsklarung aufzuzeigen, wie ubliche Behandlungsmoglichkeiten des Aufmerksamkeitsdefizitsyndroms sowie der aktuelle gesellschaftliche Umgang mit dieser Aufmerksamkeitsstorung zu beurteilen sind und wo Verbesserungen moglich sind.

2. Aufmerksamkeit

2.1 Definition

Dieser Teil der Arbeit gibt eine grobe Einfuhrung in die psychologische Betrachtung der Aufmerksamkeit. Neben einer reinen Zustandsbeschreibung eines Organismus im Kontext der Ermudung beschreibt der Begriff Aufmerksamkeit in der Psychologie hauptsachlich die Fahigkeit, aus alien wahrgenommenen Reizen einige zu priorisieren und bevorzugt zu verarbeiten, andere hingegen nicht Oder nur eingeschrankt zu verarbeiten beziehungsweise zu unterdrucken. Dies geschieht, weil in der Umwelt eines Organismus normalerweise zu viele Reize vorliegen, um alle gleichzeitig verarbeiten zu konnen beziehungsweise alle Reize in eine eventuelle Denk- Oder Handlungsreaktion einflieGen zu lassen. [Jansen, 2015, S. 121]

Beschreibt man den Menschen als informationsverarbeitenden (also reizverarbeitenden) Organismus, werden nach der Registrierung der Reize durch die Sinnesorgane diese selektiert verarbeitet beziehungsweise weitergeleitet, um schlieGlich auf sie zu reagieren und Denken und Handeln zu steuern. Dabei ist zu beachten, dass Aufmerksamkeit nicht von alien anderen kognitiven Funktionen abgegrenzt ist, sondern nur im Zusammenspiel mit diesen funktioniert.

2.2 Selektive Aufmerksamkeit

Bei der Betrachtung der Aufmerksamkeit in der Psychologie spielt die sogenannte „selektive Aufmerksamkeit" eine groGe Rolle. Von dieser selektiven Aufmerksamkeit ist die Verarbeitung der neuronalen Signale aller Sinnesorgane betroffen. Man spricht besonders im Zusammenhang mit der visuellen Aufmerksamkeit oft von der sogenannten „Spotlight-Metapher“: Reize/lnformationen innerhalb des „Spotlights“ (Fokus der selektiven Aufmerksamkeit) werden weiterverarbeitet, jedoch nicht (oder nur in geringerem MaGe) Reize die sich auGerhalb dieses Aufmerksamkeitsfokus befinden. Der Fokus der selektiven Aufmerksamkeit kann dabei sowohl willentlich (intern) manipuliert werden, als auch durch fur den neurologischen Apparat auffallige Eigenschaften eines Reizes (extern). [Goldstein, 2015, S. 130; Krummenacher, 2014, S. 208]

Es haben sich im Laufe der Zeit zwei gegensatzliche Theorien herausgebildet, die den Ursprung dieser selektiven Aufmerksamkeit zu erklaren wollen: Einerseits gibt es die Theorie, dass der menschliche neurologische Apparat auf Grund seiner begrenzten Kapazitaten nicht die Fahigkeit besitzt, alle Reize gleich zu verarbeiten, und deshalb selektiert. Dem gegenuber steht die Theorie, die selektive Aufmerksamkeit sei nicht durch diese „Hardwarekapazitaten“ limitiert, sondern vielmehr ein Zwangsprodukt der Tatsache, dass Wahrnehmung erfolgt, um auf die wahrgenommenen Reize zu reagieren. Da aber nicht alle Reize gleich (oder uberhaupt) wichtig fur eine eventuelle Reaktion sind, wird folglich angenommen, dass im neurologischen Apparat nach der primaren Representation aller wahrgenommenen Reize nur solche Reize weiterverarbeitet werden, fur die es uberhaupt moglich ist, sie effektiv in eine geordnete Reaktion einflieGen zu lassen.

Im Folgenden werden einige Theorien bezuglich der selektiven Aufmerksamkeit im Kontext zweier Sinnesorgane betrachtet: dem Auge (visuelle Aufmerksamkeit) und dem Ohr (auditive Aufmerksamkeit). Diese beiden Sinnesorgane stellen im Zusammenhang der Aufmerksamkeit die am haufigsten untersuchten dar.

2.2.1 Visuelle Aufmerksamkeit

Becker-Carus postulierte, dass die Auswahl zu verarbeitender Stimuli auf folgende zwei Determinanten zuruckgefuhrt werden kann: Physikalische Charakteristika (GroGe, Form, Bewegung, ...) des Stimulus sowie interne personliche Faktoren (Gefuhle, Erfahrungen, ...). Als Salienz bezeichnet man die physikalische Auffalligkeit eines Stimulus: Bewegt der Stimulus sich auffallig schnell, ist er besonders groG, bunt Oder hell? Interne Faktoren beeinflussen durch Top-Down Prozesse die Aufmerksamkeit: Je nach Erwartungshaltung, Vorwissen Oder Bedurfnissen erfolgt die Wahrnehmung verschiedener Reize anders. [Becker-Carus, 2011, S. 234]

Die willentliche Erkenntnissuche ist laut Becker-Carus auch eine mogliche Art der Aufmerksamkeitssteuerung. Beim systematischen Oder unsystematischen Scannen der Umgebung kann der Aufmerksamkeitsfokus an einem Reiz hangenbleiben, obwohl dieser weder durch physikalische Eigenschaften auffallt noch im Zusammenhang mit internen Faktoren wichtig ist. Lasst man die Augen auf der Suche nach Informationen „schweifen“, erfahrt man unweigerlich Stimuli, unabhangig davon ob man nach genau diesen uberhaupt gesucht hat. [Becker-Carus, 2011, S. 235]

Eine oft verwendete Methode zur Untersuchung der visuellen Aufmerksamkeit ist die sogenannte „visuelle Suche": Probanden wird die Aufgabe gestellt, durch das Drucken eines Schalters moglichst schnell zu identifizieren, ob sich ein bestimmter vorher festgelegter Reiz (Zielreiz) inmitten von anderen Reizen (Distraktoren) befindet. Der Zielreiz kann sich unter Anderem in Form, Farbe Oder GroGe von den Distraktoren unterscheiden. Durch Messungen der Reaktionszeit und der -genauigkeit kann dann durch diese Methode beispielsweise gezeigt werden, ob bestimmte Unterscheidungsmerkmale leichter zu identifizieren sind als andere, Oder in wie weit personliche Faktoren die selektive Aufmerksamkeit beeinflussen. [Krummenacher, 2014, S. 208]

Bei der Verarbeitung visueller Reize wird dabei unterschieden zwischen zwei Arten der visuellen Aufmerksamkeit: Neben der „verdeckten Aufmerksamkeit", welche Reize am Rand des Blickfeldes auswertet, beschreibt die „offene Aufmerksamkeit" das Lenken der Aufmerksamkeit auf einen Reiz durch die Bewegung und Fokussierung der Augen. Posner et al. konnten 1978 nachweisen, dass die visuelle Aufmerksamkeit keineswegs nur im Fixationspunkt beeinflussbar ist: Sie baten Probanden, auf einen Reiz zu reagieren, der am Rand ihres Sichtfeldes erscheinen werde. Vorher teilten sie den Probanden mit, auf welcher Seite ihres Sichtfeldes der Reiz sich befinden werde. Entsprach diese Information der Wahrheit, erschien der Reiz also auf der Seite, auf die die Probanden vorbereitet waren, fielen die Reaktionen deutlich schneller aus verglichen mit Probanden, welchen man die falsche Seite verraten hatte. Dieser Effekt trat ein bei einer Abweichung des Reizes vom Fixationspunkt urn bis zu 24°. [Posner, Nissen & Ogden, 1978, S. 137-155]

Posner et al. begrundeten diesen Effekt auch rein logisch: die Ausrichtung des Fixationspunktes auf Reize setzt voraus, dass ein gewisses MaR> an Aufmerksamkeit am Rand des Sichtbereiches vorhanden ist. Ansonsten konnte ein potentiell interessanter Reiz gar nicht als solcher identifiziert werden bevor das Auge sich auf diesen fixiert. Wendet man die Spotlight-Metapher auf die visuelle Aufmerksamkeit an, muss man also sagen dass die GroGe des Spotlights variabel ist. Allerdings wird die Reizverarbeitung weniger effizient, je grower derAufmerksamkeitsbereich ist.

2.2.2 Auditive Aufmerksamkeit

Der Begriff der auditiven Aufmerksamkeit wird bestimmt durch sich scheinbar widersprechende Ergebnisse einiger Experimente und die darauf basierenden Theorien.

Broadbents Filtertheorie postuliert, dass schon sehr fruh im Wahrnehmungssystem basierend auf physikalischen Eigenschaften eines Stimulus entschieden werden kann, ob dieser weitergeleitet wird (fruhe Auswahl). So zeigt sich bei manchen auditiven Reizen eine Stimulation eines Hirnareals nach einer Zeitspanne, die so kurz ist, dass eine Identifizierung des Stimulus nach dessen Inhalt noch nicht erfolgt haben kann. Die Theorie geht davon aus, dass alle Stimuli von den Sinnesorganen an eine Art Zwischenspeicher weitergeleitet werden, wo an Hand physikalischer Merkmale des Reizes (wie Frequenz Oder Ort) entschieden wird, ob dieser zur vollen, bewussten Verarbeitung weitergeleitet wird. Der Zwischenspeicher behalt jedoch auch die nicht weitergeleiteten Stimuli fur kurze Zeit, urn auf diese zugreifen zu konnen falls sie doch gebraucht werden. [Jansen, 2015, S. 122­123]

Broadbent geht in seiner Theorie auch davon aus, dass die weitere Verarbeitung der Stimuli an einer zentralen Stelle erfolgt. Soil die Aufmerksamkeit also auf etwas anderes gelenkt werden, erfordert das den sofortigen Wechsel dieser zentralen Stelle auf den neuen Aufmerksamkeitsfokus. [Broadbent, 1958, S. 11-35]

Broadbents Theorie hat allerdings auch Erklarungslucken. Wie zum Beispiel ist sie mit dem Cocktailparty-Effekt vereinbar? Selbst bei absoluter Konzentration auf ein Gesprach bemerkt man in einem lauten Raum, wenn in einem anderen Gesprach der eigene Name genannt wird. Man nimmt also Stimuli, welche auGerhalb des Aufmerksamkeitsfokus liegen nicht nurwahr, sondern verarbeitet sie auch semantisch. Treismans Attenuationstheorie verspricht, eine plausible Losung fur dieses Problem anzubieten. Anstelle einer zentralen Stelle welche alle Stimuli nach „entweder-oder“ Mechanismus filtert, schwacht hier ein Attenuationsmechanismus verschiedene Stimuli unterschiedlich stark ab. Der Cocktailparty-Effekt ist demnach so zu erklaren, dass der Attenuator den eigenen Namen weniger stark abschwacht als andere Worter. Die Attenuationstheorie versucht also, die Probleme von Broadbents Theorie zu losen, indem der zentrale Reizverarbeitungsmechanismus nicht mehr in „entweder-oder“ Form funktioniert, sondern jeder Reiz unterschiedlich stark abgeschwacht wird. [Muller & Krummenacher, 2008, S. 107; Muller & Krummenacher, 2014, S. 209]

lm Gegensatz zur Filter- und Attenuationstheorie, bei denen der Filtermechanismus nah hinter dem Sinnesorgan ansetzt, geht die Theorie der spaten Selektion davon aus, dass Reize im neurologischen System sehr spat gefiltert werden, und keine Vorselektion und Zwischenspeicherung stattfindet. Alle Reize werden parallel beurteilt, weitergeleitet werden nur Reize, welche fur aktuelle Aufgaben von Bedeutung sind. Je nach dem Anspruch der aktuell ausgefuhrten Aufgabe konnte sich der Ort der Selektion verschieben, je schwieriger die Aufgabe, desto weiter in Richtung des wahrnehmenden Organs. So wurden weniger Reize verarbeitet, urn die Selektionskapazitaten fur diese Aufgabe freizuhalten. Experimente zum dichotischen Horen sprechen fur eine spat ansetzende Selektion: Wenn Probanden auf beiden Ohren unterschiedlich sinnvolle Satze vorgespielt werden mit der Aufgabe, nur die auf einem Ohr gehorten Satze nachzusprechen, tendieren sie dazu, weiterhin sinnhafte Satze nachzusprechen, auch wenn auf dem Ohr welches sie eigentlich nachsprechen hatten sollen, zu sinnlosen Wortern gewechselt wird. Obwohl also von Anfang an nur eine Tonspur beachtet werden soil, wird die andere trotzdem auch semantisch verarbeitet, und schlieGlich bewusst weitergeleitet wenn es semantisch sinnvoll erscheint. [Deutsch & Deutsch, 1963, S. 80-90]

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Details

Seiten
25
Jahr
2019
ISBN (eBook)
9783668953963
ISBN (Buch)
9783668953970
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v476756
Institution / Hochschule
SRH Hochschule Riedlingen
Note
3,0
Schlagworte
aufmerksamkeitsstörungen aufmerksamkeitsdefizitsyndrom

Autor

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