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DACH-Regionalismen und deren Darstellung im DaF-Kontext

Hausarbeit 2018 20 Seiten

Deutsch - Deutsch als Fremdsprache / Zweitsprache

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Deutsch als plurizentrische Sprache

3 DACH-Regionalismen
3.1 Was ist DACH?
3.2 Was sind Regionalismen?
3.3 Besonderheiten

4 Darstellung in Wörterbüchern
4.1 Variantenwörterbuch des Deutschen
4.2 Wortatlas der deutschen Umgangssprachen
4.3 Vergleich der beiden Darstellungsweisen

5 Darstellung in DaF-Lehrwerken

6 Fazit

7 Literaturverzeichnis

8 Anhang

1 Einleitung

„Die deutsche Standardsprache ist ein abstraktes Konstrukt“ (Hägi 2007, 10), denn in Österreich und der Schweiz spricht und schreibt man anders als in Deutschland. Ebenso gibt es auf regionaler Ebene sprachliche Unterschiede zwischen Norden und Süden, Osten und Westen.

Wie wird mit der Variation des Standarddeutschen DaF- bzw. DaZ-Kontexten umgegangen? Es scheint als ginge man auf sprachlicher Ebene weitgehend von einem allgemeingültigen Deutsch aus, jener Varietät, die in Deutschland gesprochen wird, wohingegen die übrigen Varietäten weniger beachtet werden.

Welches „Deutsch“ soll im DaF- bzw. DaZ-Kontext vermittelt werden? Entscheidet man sich dafür ausschließlich „eine“ korrekte Form, um es den Lernenden einfacher zu machen und lässt so die Varietätenvielfalt außer Acht? Oder müssen DaF-Lernende all diese verschiedenen Varianten beherrschen? Deutsche Muttersprachler können dies allerdings ebenso wenig und eine neue Sprache zu erlernen ist ohnehin schwierig genug, würde es nicht eine zusätzliche Überforderung für Lernende darstellen?

Es ist und bleibt umstritten welche Rolle DACH-Regionalismen im DaF-Unterricht einnehmen sollten. Offensichtlich ist, dass nicht alle Varianten des Deutschen gleichermaßen vermittelt werden, was zu Problemen führen kann, wenn Lernende beispielsweise das Wort ‚Sahne‘ gelernt hat, nun aber nach Wien kommen, wo man ‚Schlagobers‘ sagt, oder nach Bern, wo der korrekte Ausdruck ‚Rahm‘ lautet.

Selbst wenn es zwischen den Varietäten in Deutschland, Österreich und der Schweiz insgesamt mehr Gemeinsamkeiten als Unterschiede gibt, ist es notwendig sich über die Variation der deutschen Standardsprache bewusst zu werden und diese auch im Fremdsprachenunterricht zu vermitteln, um die Lernende auf die sprachliche Realität vorzubereiten. DaF-Lehrkräfte gehen zwar teilweise im Rahmen von landeskundlichen oder sprachpolitischen Themen auf lexikalische und grammatische Variation der Sprache ein; jedoch nicht ausreichend.

In der folgenden Ausarbeitung wird zunächst das Konzept der Plurizentrik (Kapitel 2) und der Begriff DACH-Regionalismus erläutert (Kapitel 3) bevor auf dessen Darstellung im Wortatlas der deutschen Umgangssprachen (Eichhoff 1977-2000) und im Variantenwörterbuch des Deutschen (Ammon 2010) eingegangen wird (Kapitel 4). Anschließend wird der Frage nachgegangen, ob und wenn ja, wie von DACH-Regionalismen im DaF-Kontext Gebrauch gemacht wird oder ob die deutschländische Standardvarietät eine gemeindeutsche Geltung innehat (Kapitel 5).

2 Deutsch als plurizentrische Sprache

Deutsch ist – ebenso wie Englisch, Französisch, Spanisch und Portugiesisch – eine plurizentrische Sprache, das bedeutet, dass die deutsche Sprache in mehr als nur einem Land nicht nur präsent, sondern auch als nationale oder regionale Amtssprache anerkannt ist und dadurch standardsprachliche Unterschiede entwickelt hat (vgl. Ammon 2010,XXXIX).

Die plurizentrische Auffassung von der deutschen Sprache bedeutet, dass sprachliche Besonderheiten der Zentren des Deutschen nicht als Abweichungen von einer übergreifenden deutschen Standardsprache gelten, sondern als gleichberechtigt nebeneinander bestehende standardsprachliche Ausprägungen des Deutschen. (Ammon 2010: S. XLI)

Als Amtssprache ist Deutsch in folgenden sieben Zentren in Gebrauch: Deutschland, Österreich, Liechtenstein, Schweiz, Luxemburg, Ostbelgien und Südtirol in Norditalien. Jedoch gehören lediglich Deutschland, Österreich und die deutschsprachige Schweiz zu den Vollzentren der deutschen Sprache, bei den übrigen (Teil-)Regionen handelt es sich lediglich um Halb- oder Viertelzentren.1

Von einem Vollzentrum spricht man dann, wenn die standardsprachlichen Besonderheiten in eigenen Nachschlagewerken, vor allem Wörterbüchern, festgehalten und autorisiert sind. Dies trifft für Österreich, die deutschsprachige Schweiz und Deutschland zu, bei denen es sich deshalb um nationale Vollzentren der deutschen Sprache handelt. (Ammon 2010: XLI)

Grundlegend für die Standardisierung einer Varietät ist besonders die auf nationalstaatlicher Ebene stattfindende eigenständige Bezeichnung für verwaltungstechnische und politische Gegebenheiten. So hat beispielsweise die Bezeichnung ‚Bundesrat‘ in der deutschländischen Varietät eine andere Bedeutung als in der schweizerischen (vgl. Ammon 2010, XLI). Aber auch Alltagsbereiche sind davon betroffen, so werden auch in den Medien bevorzugt eigennationale Varianten verwendet. „Man kann ohne Weiteres eine deutschsprachige Zeitung allein aufgrund linguistischer Kriterien Deutschland, Österreich oder der Schweiz zuordnen“ (Hägi 2007: 7).

Man spricht daher nicht von dem einen „Standarddeutsch“, sondern von drei (theoretisch) gleichberechtigten Standardvarietäten. Die Frage, die sich nun stellt, ist, wie sich das politische Konzept der Plurizentrik auf sprachlicher Ebene manifestiert und wie es in den DaF-Kontext integriert wird.

3 DACH-Regionalismen

Der Begriff DACH-Regionalismus mag zunächst nicht einleuchtend sein, weswegen er an dieser Stelle ausgehend seiner beiden Elemente erläutert wird. Anschließend wird auf zwei verschiedene „Typen“ von Regionalismen eingegangen, die den Wortschatzerwerb womöglich in unterschiedlichem Maße beeinflussen.

3.1 Was ist DACH?

Das Akronym DACH setzt sich wie folgt zusammen: Das D kennzeichnet D eutschland, das A stellt Österreich (bzw. A ustria) dar und CH steht für die Schweiz (bzw. C onfederatio H elvetica), allesamt ausgehend der jeweiligen Autokennzeichen der Vollzentren der deutschen Sprache. Die jeweiligen Sprachvarianten heißen Teutonismen (Deutschland), Austriazismen (Österreich) und Helvetismen (Schweiz).

Alle Standardvarietäten sind Teil der Standardsprache, doch „[o]bwohl die nationalen Varietäten des Deutschen grundsätzlich gleichrangig sind, stehen sie in der Praxis in einem asymmetrischen Verhältnis zueinander“ (Hägi 2007, S. 8). Die Standardvarietät Deutschlands bleibt demnach die dominante, wegen der geographischen Größe und der wirtschaftlichen und politischen Stärke, weswegen Teutonismen in Österreich und der Schweiz eher verstanden werden als Austriazismen und Helvetismen in Deutschland. „Die standardsprachliche Varietät Deutschlands hat dadurch eine größere kommunikative Reichweite, ist also weniger stark regional markiert und wirkt dadurch neutraler“ (Hägi 2007, 7). In der Realität wird die Standardvarietät Deutschlands oft mit der deutschen Standardsprache gleichgesetzt, was im Umkehrschluss bedeutet, dass die Standardvarietäten Österreichs und der Schweiz „für nichtstandardsprachlich gehalten werden und jeweils als Akzent oder Dialekt abqualifiziert“ (Hägi 2007, S. 8) werden.

Es existieren zwar eigenständige Wörterbücher für die jeweiligen Standardvarietäten, wie der Duden. Österreichisches Deutsch und der Duden. Schweizerhochdeutsch, dennoch behandeln „[d]ie großen Wörterbücher des Deutschen […] die für Deutschland spezifischen Varianten einfach als gemeindeutsch, als seien sie in allen deutschen Sprachgebieten gültig– was aber nicht zutrifft“ (Ammon 2010, XLI). Zusätzlich gibt es keine überregionale Einrichtung gibt, die die deutsche Sprache normiert, wie beispielsweise die Académie Française für den frankophonen Raum. Um dieser Asymmetrie entgegenzuwirken und Deutschsprechende zu sensibilisieren, gibt es jedoch auch solche Wörterbücher, die alle Standardvarietäten gleich behandeln, wie an späterer Stelle beispielhaft aufgezeigt werden soll.

3.2 Was sind Regionalismen?

Regionale Varietäten sind vielfältig. Um den Begriff Regionalismus einwandfrei erklären zu können, ist es nötig ihn zunächst kurz zu definieren und ihn anschließend von den Begriffen Standardvarietät und Dialekt abzugrenzen.

Der Duden definiert Regionalismus als „regionale sprachliche Eigentümlichkeit“ (Dudenredaktion o.J.a). Ein Regionalismus ist Teil einer Regionalsprache. Dieser Begriff wird definiert als „Sprache (Dialekt), die sich auf eine Region beschränkt oder funktional über ein begrenztes Gebiet hinaus nicht verwendbar ist“ (Dudenredaktion o.J.b). Die folgende Grafik dient der Abgrenzung des Begriffes zu Dialekt und (regionaler und nationaler) Standard und der Veranschaulichung der jeweiligen Reichweite. Als Regel könnte man an dieser Stelle festhalten, dass je weiter verbreitet eine Varietät ist bzw. je höher ihre kommunikative Reichweite, desto standardisierter ist diese.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Baßler/Spiekermann, zitiert nach: Hägi 2007, 7

Ein Dialekt unterscheidet sich in dem Sinne von einem Regionalismus, als dass er noch spezifischer respektive noch regionalsprachlicher ist und daher eine „geringe kommunikative Reichweite hat“ (Hägi 2007, 7). Dialekte treten nicht in eigenständigen Wörterbüchern auf, da sie nicht standardisiert sind, sondern sich auf die Privatsphäre und nicht-öffentliche Kommunikation beschränken.

‚Regionalsprachen‘ basieren zwar auf Dialekten, haben Dialektales aber möglichst abgebaut und durch standardsprachliche Annäherrungen ersetzt. Die ‚standardsprachlichen Varietäten‘ werden weiterhin unterteilt in ‚regionale Standardvarietäten‘ […] und ‚nationale Standardvarietäten‘ […]. (Hägi 2007, S. 7)

Standardvarietäten sind bei plurizentrischen Sprachen vorzufinden, die in Folge mehrere eigenständige, gleichberechtigte Sprachen aufweisen. Bezogen auf die deutsche Sprache sind das wie bereits erwähnt, die deutschländische, österreichische und schweizerische Standardvarietät. Regionale Standardvarietäten sind zusätzlich in jedem der drei Länder vorzufinden.

Regionalismen sind auf allen sprachlichen Ebenen zu finden, so kann die Aussprache eines Wortes von Region zu Region unterschiedlich sein, oder die Orthographie (‚doppels‘ statt ‚ß‘ in der Schweiz), Grammatik, Idiomatik, Pragmatik, Morphosyntax oder eben die Lexik (vgl. Hägi 2007, 9), mit der sich in der vorliegenden Arbeit beschäftigt werden soll. Dabei gibt es kein richtig oder falsch, denn das jeweilige Normempfinden ist abhängig von der Region, in der man Deutsch gelernt hat oder aufgewachsen ist.

Nicht immer kann eine Variante eindeutig (nur) einer Varietät zugeordnet werden, nicht immer ist eine Variante eindeutig als standardsprachlich oder nichtstandardsprachlich einzustufen (hier spielt der Kontext eine ganz wichtige Rolle), und fast nie ist eine Variante nur einem der deutschsprachigen Länder zuzuordnen oder gilt im gesamten jeweiligen Land. (Hägi 2007, 9)

Tatsächlich herrschen fließende Übergänge zwischen den verschiedenen Varietäten. Diese sprachliche Komplexität gilt es besonders im Sprachunterricht geschickt zu behandeln.

3.3 Besonderheiten

In Bezug auf lexikalische DACH-Regionalismen sind zwei verschiedene Typen zu manifestieren; solche Regionalismen, die ein gemeindeutsches Synonym haben, das von einem Großteil der Sprecherinnen und Sprecher als Norm empfunden wird, und solche, für die es kein gemeindeutsches Synonym gibt.

Als simples und bekanntes Beispiel für die erste Variante dient das Wort ‚Brötchen‘. ‚Brötchen‘ bildet den gemeindeutschen Oberbegriff. Je nach Region unterscheiden sich zwar die Bezeichnungen dafür, sodass sie derart verständlich und gängig sind, dass sie selbst in Bäckereien ausgeschildert sind. In Berlin nennt man es ‚Semmel‘, in Rheinhessen ‚Weck‘, in Norddeutschland ‚Rundstück‘, in der Schweiz ‚Brötli‘ etc. Diese Varianten werden in Wörterbüchern als regionalsprachlich markiert. Allen Regionalismen ist jedoch gleich, dass die Sprecher der entsprechenden Region, den Begriff ‚Brötchen‘ dennoch als solchen akzeptieren und er auch in den entsprechenden Wörterbüchern zu verzeichnen ist (vgl. Anhang 1-2, S. 12f.).

Dann gibt es jedoch noch solche Regionalismen, die kein gemeindeutsches Synonym haben. Das ist beispielsweise der Fall für den Ausdruck für die „Person, die Vieh schlachtet, zu Fleisch- und Wurstwaren verarbeitet und diese verkauft“ (Ammon 2010: 473). So gibt es unterschiedliche Berufsbezeichnungen dafür: ‚Metzger‘ im Südwesten Deutschlands und der Schweiz, ‚Fleischer‘ im Osten, ‚Schlachter‘ im Norden und ‚Fleischhauer‘ bzw. ‚Fleischhacker‘ in Österreich (vgl. Anhang 3-4, S.14f.). Jeder Deutschsprecher weist (mindestens) einem dieser Begriffe eine individuelle Norm zu, tatsächlich gibt es jedoch keinen gemeindeutschen Ausdruck, sondern lediglich regionale Varianten. Wirft man einen Blick in den Duden, so wird deutlich, dass anders als bei den meisten Begriffen, diese allesamt mit einer Regionsabkürzung versehen sind. Bei solchen Fällen ist die Asymmetrie der drei Standardvarietäten klar zu verzeichnen, wenn es darum geht, einen Oberbegriff zu definieren. Die meisten Wörterbücher wählen schließlich den Begriff ‚Fleischer‘ als gemeindeutschen Eintrag und führen die übrigen Varianten jedoch mit Regionsabkürzungen ebenfalls auf.

4 Darstellung in Wörterbüchern

Wie bereits erwähnt, existieren neben den Wörterbüchern, die jeweils nur eine der drei Standardvarietäten darstellen, auch solche, die Austriazismen und Helvetismen nicht als Ausnahmen betrachten, sondern gleichberechtigt zu der deutschen Variante behandeln. Davon sollen an dieser Stelle zwei dargestellt und gegenübergestellt werden: das Variantenwörterbuch des Deutschen (2010) und der Wortatlas der deutschen Umgangssprachen (1977-2000).

[...]


1 Anerkannte Minderheitssprachen außerhalb des deutschsprachigen Raumes, die ebenfalls standardsprachliche Besonderheiten entwickelt haben, bei denen es sich jedoch lediglich um Halb- oder Viertelzentren handelt, werden an dieser Stelle nicht thematisiert.

Details

Seiten
20
Jahr
2018
ISBN (eBook)
9783668975156
ISBN (Buch)
9783668975163
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v476881
Institution / Hochschule
Justus-Liebig-Universität Gießen
Note
1,0
Schlagworte
dach-regionalismen darstellung daf-kontext

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