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Deeskalation. Methoden und Anwendung

Projektarbeit 2019 38 Seiten

Soziale Arbeit / Sozialarbeit

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Aggressionsauslösende Reize
2.1 Definitionen und Grundlagen
2.2 Aggressionsauslösende Reize in meinem persönlichen/beruflichen Alltag
2.3 Was macht den Reiz aggressionauslösend, und wie könnte der Reiz ent- schärft werden?
2.3.1 Was macht den Reiz aggressionsauslösend?
2.3.2 Wie könnte der Reiz entschärft werden?

3 Eskalations- und Deeskalationskreisläufe5
3.1 Skizzierung des Eskalations- und Deeskalationskreislaufs anhand eines
Beispiels aus der eigenen Praxis
3.1.1 Eskalation(skreislauf)
3.1.2 Deeskalation
3.2 Welche Möglichkeiten sehe ich, die Eskalationskreisläufe zu unterbre- chen bzw. zu verändern?
3.2.1 Eigene positive Geisteshaltung, gewaltfreie Kommunikation
3.2.2 Eigenes Verhalten
3.2.3 Prinzipien der klientenzentrierten Beratung und Therapie, aktives Zuhören, Ressourcenorientierung
3.2.4 Schulz von Thun: 4-Ohren-Modell
3.2.5 Prinzipien der systemischen Traumatherapie
3.2.6 Schulungen, Ausbildungen, Fachtagungen, Übungen zur Deeska- lation
3.2.7 Prävention

4 Aggressionspotenzial
4.1 Woran merke ich, dass mein Aggressionspotential steigt?
4.2 Woran erkenne ich ein steigendes Aggressionspotential bei anderen Menschen?
4.3 Wie lässt sich das Aggressionspotential bei anderen Menschen senken?

5 Aggressionsverhalten traumatisierter Menschen
5.1 Vergleich des Verhaltens traumatisierter Menschen mit dem Verhalten Nichttraumatisierter (Aggressionskreisläufe)
5.2 Welche Konsequenzen ergeben sich daraus für mein professionelles Handeln?

6 Deeskalationsmethoden
6.1 Welche Deeskalationsmethoden kenne ich?
6.2 Welche Deeskalationsmethoden nutze ich bereits?
6.3 Wie lässt sich das 4-Ohren-Modell für die Deeskalation nutzen?

7 Wie kann ich das Wissen über Eskalationsstufen und De- eskalationsmöglichkeiten in meinem professionellen Team nutzen?

Literaturverzeichnis

1 Einleitung

Die beste Gewaltanwendung ist die, die nicht nötig ist. Die beste Aggression ist die, die gar nicht erst entsteht. Die schönste Eskalation ist die, die gar nicht droht. (WESULS 2005, S. 19)

Durch Deeskalation lassen sich Gewalt und Aggression in Einrichtungen wie z.B. Krankenhäu - sern, Heimen, Polizei und Gesundheitspraxen deutlich reduzieren oder ganz verhindern.

Durch Deeskalations- und Selbstbehauptungstrainings können insbesondere auch Menschen, die in der Psychiatrie, in Tageskliniken, in Notaufnahmen, im Rettungsdienst, in Flüchtlingsunter - künften, in Behörden, Ämtern und Einrichtungen aller Arten, z.B. auch bei der Polizei, in Sozial- und Behinderteneinrichtungen oder als Sicherheits- und Personenschutzpersonal arbeiten, sich selbst, ihre Patienten/Klienten und Dritte vor Gewalt und Aggression, wie z.B. Einschüchterun - gen, Drohungen, Beschimpfungen, körperlichen sowie sexuellen Übergriffen, schützen.

Deeskalation ist auch ein besonders wichtiges Thema in der Pflege, denn insbesondere in der Psychiatrie und in der Notaufnahme komme es häufiger zu körperlichen Übergriffen. Laut Studi - en wurden „72 bis 78 % der Mitarbeiter in Gesundheitseinrichtungen bereits einmal verbal ange - griffen, und 28 % erleben in Deutschland mindestens einmal im Monat massive Gewalt von Pati - enten oder Angehörigen“ (s. WIKIPEDIA, DEESKALATION).

Deeskalation kann auch bei der Verhinderung und Auflösung von Konflikten zwischen Lehrern und Schülern eine Rolle spielen.

Geflüchtete Menschen, die ich in der vorliegenden Arbeit speziell thematisiere, weil ich diese Projektarbeit im Rahmen meiner Ausbildung zur Flüchtlingsberaterin schreibe, leiden oft unter psychischen und physischen Belastungen, schwierigen Lebensbedingungen, unsicherem Auf- enthaltsstatus und beherrschen häufig noch nicht ausreichend die deutsche Sprache. In diesem Spannungsfeld können konfliktreiche Situationen leicht eskalieren. Im Beratungskontext ist es daher wichtig, Konfliktsituationen frühzeitig zu erkennen, um ein Hochschaukeln der Gewaltspi - rale zu vermeiden. Mit Hilfe von deeskalierenden Techniken (Gesprächstechniken, taktischen Verhaltensweisen) lassen sich kritische Situationen gezielt und stufenweise entschärfen und Ge- waltkreisläufe unterbrechen.

In Flüchtlingsheimen und in Beratungssituationen mit oftmals mehrfachtraumatisierten Flüchtlin - gen kann es bei allen Arten von Kontakten, insbesondere auch g egenüber den Bediensteten, zu grenzüberschreitendem Verhalten kommen, das eine vertretbare Toleranzgrenze überschreitet. Andersherum kann es vorkommen, dass Bedienstete gegenüber Flüchtlingen unbewusst und ungewollt so agieren, dass ihr Verhalten Gewalt und Aggression hervorruft.

Zur Gewaltverhinderung gibt es Kurse, in denen verbale und nonverbale deeskalierende Metho- den sowie eine hilfreiche Haltung in Konfliktsituationen, auch im Rahmen von Gewaltprophylaxe, vermittelt werden. Hier wird in Deeskalationstrainings gelehrt und geübt, wie das Aufkommen von Gewalt möglichst frühzeitig bemerkt werden kann, wie man angemessen reagiert, wie Ange - griffene handlungsfähig bleiben und wie man sich selbst, seine Mitarbeiter und Dritte vor Gewalt schützt.

Auch in Heilpraxen kann es vorkommen, dass sich Klienten aggressiv (selbst- oder/und fremdge - fährend) verhalten. Dann reicht es nicht aus, Krankheitsbilder, Therapieverfahren und die Geset- zeslage zu kennen. Vielmehr sind in solchen Fällen auch konkretes Wissen über die verschiede - nen Konfliktfelder sowie die Kenntnis von rhetorischen und sonstigen Handlungsstrategien zur Deeskalation in Theorie und Praxis vonnöten. Für extreme Situationen kann man sich in Praxen und Beratungseinrichtungen z.B. auch durch Notfallschaltungen zur Polizei absichern.

2 Aggressionsauslösende Reize

2.1 Definitionen und Grundlagen

Eine „Deeskalation“ ist eine Maßnahme, die „die Entstehung oder die Steigerung von Gewalt und Aggression erfolgreich verhindern kann. Das Ziel jeder Deeskalationsmaßnahme ist es, aggressi - ons- oder gewaltbedingte psychische oder physische Beeinträchtigungen oder Verletzungen eines Menschen zu vermeiden, wann und wo immer das möglich ist.“ Die Deeskalation stellt somit auch „eine dauerhafte Arbeitsgrundhaltung dar, das tief verwurzelte Bedürfnis, das eigene Arbeitssystem möglichst frei von Gewalt und aggressiven Verhaltensweisen zu halten und zu gestalten “ (WESULS 2005, Seite 19)

Durch Deeskalation kann verhindert werden, dass sich Konflikte in Rückkoppe lungsprozessen bzw. Teufelskreisen aufschaukeln. Deeskalation ist die schwierigste Herausforderung beim Konfliktma - nagement. Das Gegenteil von Deeskalation ist „Eskalation“, die Verschärfung und Ausweitung von Konflikten.

Ein „Konflikt“ kann entstehen, wenn mindestens zwei Menschen, die miteinander für längere Zeit verbunden oder aufeinander bezogen sind, zu einem Anlass bzw. Thema unangenehme Gefühle erleben, weil „wichtige Bedürfnisse noch nicht erfüllt werden konnten bzw. (wenigstens scheinbar) nicht miteinander vereinbar“ sind (RÜTHER GFK, Seite 4).

Unter „Gewalt“ versteht man jeden „Versuch, andere Menschen zu bestrafen oder die eigenen Be - dürfnisse ohne Rücksicht auf die Bedürfnisse anderer Menschen durchzusetzen“ (ebenda).

2.2 Aggressionauslösende Reize in meinem persönlichen/berufli- chen Alltag

Gründe für Gewalt und Aggression im Flüchtlingsbereich, im Gesundheitswesen und speziell auch in Heilpraxen können z.B. sein (modif. nach WESULS 2005, Seite 8):

- Innere Spannungsfelder bei den Betroffenen
- Hohe Aggressionspotentiale der Beteiligten
- Mangelnde Einsicht in die Maßnahmen
- Betreuung und Behandlung werden als Gewalt empfunden
- Starke und zahlreiche Stressoren für Mitarbeiter
- Schwierige Helferbeziehungen
- Eingeschränkte Kommunikationsmöglichkeiten des Patienten (Sprachbarrieren)
- Erwartungsdruck an Patienten und Mitarbeiter
- Erkrankungen (Depression, PTBS, Dissoziation, Sucht, Ängste, Zwänge, psychotische Stö - rungen etc.)
- Kampf um Autonomie (Selbstbestimmung) vs. Durchsetzung von Regeln und Anordnungen

Die konkreten aggressionsauslösenden Reize können hierbei ganz unterschiedlich sein:

- Unsachliche kontroverse Diskussionen
- Nicht zuhören, unsachliche Diskussionen, Aneinander-Vorbeireden, Missverständnisse
- Vorschläge, Empfehlungen, Maßnahmen etc., die falsch verstanden und nicht akzeptiert werden
- Enttäuschungen, Verzögerungen, Unklarheiten, unzureichende kognitive oder emotionale
Verarbeitung, therapeutisch induzierte Erstverschlimmerung
- Bissige Bemerkungen, Sticheleien, Abwertung, Beleidigungen, Ignoranz, üble Nachrede, Verleumdung, Kränkungen, Vorwürfe, Drohungen
- Ungewollte Berührung, körperliche Angriffe, Rempeln, Schubsen
- Schreien, Toben, Schlagen, Treten, bis hin zu Prügelei

2.3 Was macht den Reiz aggressionsauslösend, und wie könnte der Reiz entschärft werden?

2.3.1 Was macht den Reiz aggressionsauslösend?

Ärger und Wut sind menschliche Emotionen bzw. Gefühlsreaktionen, ähnlich wie Freude, Liebe, Trauer und Angst. Diese Gefühle können durch aktuelle Ereignisse oder durch gedankliche Erin - nerungen an Ereignisse ausgelöst werden.

Für die Reaktionen und Handlungen eines Menschen ist es von entscheidender Bedeutung, wie der Mensch mit Ärger oder Wut umzugehen gelernt hat und über welche kognitiven, sprachlichen und psychischen Verarbeitungsmöglichkeiten er verfügt. Wird jemand seinen Ärger oder seine Wut nach einer gewissen Zeit nicht los oder steigert sich eine Person gedanklich in Wut hinein, „ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass sich diese Emotionen in Aggression verwandeln“ (vgl. WESULS 2005, S. 13).

Aggressionen können nur ausgelöst werden, wenn das psychisch-limbische System dessen, der dem Reiz ausgesetzt ist, so getriggert wird, dass der Reiz als emotional negativ, belastend und ggf. angstauslösend empfunden und entsprechend negativ reagiert wird.

Jemand, der eigene Traumata aufgelöst hat, geistig ausgeglichen und gut mit sich selbst verbun - den ist, ist weniger oder gar nicht mehr durch äußere und/oder innere Umstände triggerbar. Trau - matisierungen und sonstige emotionale Verbindungen zu vergangenen belastenden Situationen sind bei solchen Personen abgebaut oder aber werden als Auslöser und Verhaltens muster so re- flektiert, dass Aggressionen nicht zu aggressivem Verhalten führen.

Professionell ausgebildete und entsprechend professionell handelnde Menschen können, wie alle anderen Menschen auch, durch vieles triggerbar sein. Sie haben jedoch gelernt, reflektiert deeska - lierend zu reagieren.

Aggressionen können durch äußere und innere Reize ausgelöst werden, wenn negative Erlebnis se und unerfüllte Bedürfnisse (bewusst oder unbewusst) mit bestimmten Ereignissen verbunden wer- den (siehe Traumatisierungen als spezielle Form dieses Zusammenhangs in Kapitel 5).

Auch organische und psychische Erkrankungen (z.B. Depressionen, Manien, Demenzen, Ängste, Zwangsstörungen, Süchte etc.) sowie die Einnahme von Medikamenten (s. insbesondere ältere tri - zyklische und tetrazyklische nicht-selektive Antidepressiva in den ersten 2-4 Wochen, wenn der An- trieb bereits erhöht, aber die Stimmung noch verdunkelt ist, oder nach Absetzen der Medikamente) können dazu führen, dass innere und äußere Reize als stärker adversiv erlebt werden und entspre- chend starke Aggressionen, bis hin zu Mord oder Suizid, auslösen können.

Flüchtlinge und Migranten können unvorstellbar schwierigen existenziellen Situationen (s. Kapitel 5.1) ausgesetzt sein. Oft ist es auch der Kontext, vor allem die Bedrohung von Angehörigen in hei - matlichen Kriegsländern, der maßgeblich mit dazu führen kann, dass Betroffene z.B. depressiv und bereits bei geringen Reizen aggressiv werden.

Für Flüchtlingsberater und Therapeuten ist es, zusätzlich zu den bereits genann ten Faktoren, wich- tig, sich selbst möglichst gut zu kennen, eigene Traumatisierungen aufgelöst zu haben und profes - sionell-reflektiert zu handeln.

2.3.2 Wie könnte der Reiz entschärft werden?

a) In Akutsituationen: Bei akut betroffenen, ggf. traumatisierten Personen ist es zunächst wichtig, die belastenden Reize zu reduzieren und nach Möglichkeit ganz abzustellen Dies gilt vor allem auch für Situationen, in denen akute Krisenintervention erforderlich ist (→ Polizei/Notarzt rufen, Kontakt herstellen, Person beruhigen, aktuelle Bedürfnisse erkennen, für Sicherheit und Wohlbefin - den sorgen, orientieren, Betroffenen aus Gruppe isolieren, abgrenzen, aus der Situation entfer nen, nicht aus den Augen lassen, Psychoedukation, Ressourchen aktivieren, praktische Hilfe, Raum ge - gen für individuelle Prozesse, Kontrolle und Handlungsfähigkeit fördern, hilfreiche Kontak te hinter- lassen, Medikamente zur Beruhigung [Arzt]).

Im Fall von Fremd- und/oder Selbstgefährdung ist unverzüglich die Polizei zu benachrichtigen, die dann überprüft, ob die Person einzuweisen und/oder, im Fall von Straftaten, in Gewahrsam zu brin - gen ist. Alternativ zur Polizei kann Selbsteinweisung vorgeschlagen werden.

b) Reaktionsphase (späterer Zeitpunkt, nach Akutphase): Sicherheit und Stabilität schaffen. Die be- troffene Person erzählen lassen. Das schafft weitere Entlastung und Distanz zum Reiz.
c) Beratung/Coaching/Therapie (späterer Zeitpunkt, nach Reaktionsphase): Erweiterung der Hand- lungsfähigkeit durch Erläuterungen, Psychoedukation, Traumabewältigung, Hilfe zur Selbsthilfe. Das schafft weitere Entlastung und Distanz zum Reiz. Ziel: Integration des Erlebten (ggf. des Trau - mas), Akzeptanz.

Durch Coaching, Beratung und/oder Therapie kann die betroffene Person (z.B. ein Flüchtling) da- bei unterstützt werden, Kontrolle und Handlungsfähigkeit wiederzugewinnen, ggf. entstandene In - trusionen (Traumata) zu integrieren und das eigene Verhalten zu ändern. Hierbei ist oft (bei Trau - matherapie immer) professionelle Hilfe erforderlich. Das Ziel ist, den Reiz zu verringern und/oder die eigene innere Einstellung zum (oft nicht änderbaren äußeren) Reiz zu modifizieren.

Eine Traumatherapie ist erst sinnvoll und wird erst bewilligt, wenn mindestens vier Wochen seit der Traumatisierung vergangen sind, so dass Traumafolgestörungen (PTBS, Depression, Anpassungs- störungen) diagnostizierbar sind, und wenn der Aufenthaltsstatus in dem Fall, dass die betrof fene Person ein Flüchtling ist, positiv geklärt ist, der Flüchtling also im Land bleiben darf. Für den Zeit - raum, in dem der Aufenthaltsstatus noch offen ist, gibt es spezielle Therapien und Unterstützungs - möglichkeiten für Flüchtlinge, in denen jedoch keine Traumatisierungen bearbeitet werden (s. z.B. NET, KIDNET). Auch dies schafft Distanz zum Reiz und Selbstbestimmung.

Durch Übernahme von Verantwortung für die eigenen Bedürfnisse, Worte, Mimik und Gestik sowie für Handlungen und Verhalten können Reize zusätzlich entschärft werden. Für die Reaktionen auf die Reaktionen anderer Menschen ist der Betroffene selbst verantwortlich. Hieran kann durch Coa- ching, Therapie etc. gearbeitet werden, auch wenn der Reiz selbst möglicherweise nicht zu beseiti - gen ist.

Voraussetzung für erfolgreiche(s) Coaching/Beratung/Therapie ist, dass der Betroffene keinen Tä - terkontakt mehr hat, nicht bedroht wird und sich in sicheren, positiven Lebensumständen befindet (Wohnung, hinreichend Geld, förderliches soziales Umfeld etc.).

Schon während die betroffene Person in Sicherheit gebracht und psychisch und körperlich stabili - siert wird, gilt es, problematische Faktoren im Äußeren und in der Psyche des Betroffenen abzumil- dern und innere und äußere Ressourcen aufzubauen. Ressourcenorientie rung ist im Rahmen von alltäglicher, beraterischer und therapeutischer (gewaltfreier Kommunikation) möglich (Beispiel: „Du bist vorsichtig und passt auf Dich auf“ statt „Du bist ängstlich“; vgl. VON WACHTER 2017).

Um die betroffene Person optimal beraterisch und/oder therapeutisch zu unterstützen und für die erfolgreiche Auseinandersetzung mit inneren und äußeren aversiven Reizen zu stabilisieren, ist es wichtig, empathisch und offen zu sein, verstehen zu wollen, eine fragende Haltung zu haben (Nach- fragen statt Besserwissen), tiefer zu gehen, auf Gefühle und Bedürfnisse einzugehen (anstatt nur Gedanken auszutauschen), Klarheit herzustellen, mit dem Herzen dabei zu sein (nicht nur mit dem Kopf), sich auf den Gegenüber einzustellen, als Mensch präsent sein, Präsenz zu zeigen (z.B. durch Nicken und innerliches Mitgehen), schnelle Beurteilungen und Vorverurteilungen zu vermei - den (alte indianische Weisheit: „beurteile niemanden, bevor Du nicht 10 Meilen in seinen Mokass - ins gegangen bist“), auch bei Widerstand gegen empathisches Zuhören empathisch zu antworten, verstehen zu wollen, um was es wirklich geht, und auch eigene Gefühle, Wünsche und Bedürfnis se kundzugeben. Hierbei ist es wichtig, beim Selbstausdruck Gefühlswörter (wie z.B. „traurig“, „hilf los“, „besorgt“, „ärgerlich „usw.) und Bedürfniswörter zu verwenden, die anzeigen, ob bestimmte Bedürf - nisse erfüllt sind oder eben nicht, Bedürfnisse zu validieren und zu normali sieren und die Erfüllung von Bedürfnissen zu unterstützen.

3 Eskalations- und Deeskalationskreisläufe

3.1 Skizzierung des Eskalations- und Deeskalationskreislaufs an- hand eines Beispiels aus der eigenen Praxis

3.1.1 Eskalation(skreislauf)

Der folgende Eskalationskreislauf nach WESULS 2005, SEITE 22, liegt den anschließenden Aus- führungen zugrunde:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1: Der Eskalationskreislauf WESULS 2005, S. 22

Eskalations-Beispiel aus der eigenen Praxis (fiktiv): Ein Klient (25-jähriger Flüchtling einer Flüchtlingseinrichtung), in der ich angestellt arbeite, galt bisher als ängstlich, unauffällig, eher in sich gekehrt und zurückgezogen und wird plötzlich aus unbekanntem Grund aggressiv. Er zittert, schwitzt, schimpft lautstark und ist kaum zu beruhigen. Er schubst ein Kind, das direkt neben ihm steht, so kräftig zur Seite, dass das Kind auf den Boden fällt. Ein Mitarbeiter der Einrichtung wird sofort aus dem Nebenraum zur Unterstützung herbeigerufen. Der Mitarbeiter schreit den Klienten barsch an („Hören Sie sofort auf, was denken Sie sich eigentlich?“). Der Mitarbeiter springt auf den Klienten zu, hält diesen zurück und ist aufgebracht. Daraufhin geht der Klient auf den Mitar- beiter los, der sich jedoch befreien kann. Als die die Situation immer weiter eskaliert, indem der Flüchtling Mitflüchtlinge angreift, die ihn zurückhalten wollen, werde auch ich (als Flüchtlingsbe- raterin und Psychotherapeutin) informiert. Da der Klient (Flüchtling) weiterhin unberechenbar ist, die Situation nicht unter Kontrolle ist und Fremdgefährdung sowie ggf. auch Selbstgefährdung vorliegen, rufe ich sofort die Polizei.

Erläuterungen unter Berücksichtigung der o.g. Eskalationsphasen : Der Klient (Flüchtling der Flüchtlingseinrichtung) schimpft, wird aggressiv und schubst ein Kind auf den Boden (→ Stufe 1 des Eskalationskreiskaufs: aggressives Verhalten des Patienten/Klienten). Die Situation wird von dem sofort herbeigerufenen Mitarbeiter nicht sofort richtig erkannt und unzutreffend bewertet und interpretiert (→ Stufe 2 des Eskalationskreiskaufs): Der Mitarbeiter erkennt nicht, dass die Hand - lung möglicherweise durch Retraumatisierung und/oder durch eine Krankheit (Dissoziation, De- pression, psychotische Störung o.Ä.) verursacht ist, sondern vermutet offensichtlich persönliche

Hintergründe und Vorliegen von Zurechnungsfähigkeit. Deshalb ist der Mitarbeiter aufgebracht (Stufe 3 des Eskalationskreiskaufs), verliert seinerseits die Beherrschung und schreit den Klien - ten an (Stufe 4 des Eskalationskreiskaufs). Zudem vergisst der Mitarbeiter, in dieser unübersicht- lichen Situation aufgrund der Fremdgefährdung und mögli chen Selbstgefährdung die Polizei zu rufen, und handelt auch insofern unverantwortlich. Der Kli ent ist, möglicherweise durch Retrau- matisierung, Dissoziation, depressive Agitiertheit, durch eine Angststörung, durch Drogen und/oder aus psychotischer Angst heraus außer sich, fühlt sich vielleicht verfolgt und bedroht, halluziniert möglicherweise wahnhaft (Stufe 6 des Eskalationskreiskaufs). Er schreit, schimpft, droht, wehrt sich vielleicht gegen fiktive Angreifer, verliert vollständig die Kontrolle und greift, um sich zu wehren, um ihn herum stehende Personen an (Stufe 7 des Eskalationskreiskaufs). Damit schließt sich der Kreislauf, die Situation eskaliert weiter.

Hier ist ein 9-Stufen-Modell der Eskalation, das zeigt, wie destruktiv und zerstörend Aggressions - kreisläufe enden können, wenn keine Deeskalationskompetenzen vorliegen. Auch dieses Modell kann auf Beratung, Coaching und Therapie bezogen werden:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 2: Eskalation STEIGER 2013, S. 332

3.1.2 Deeskalation

Um Eskalation zu verhindern, hätte der Mitarbeiter z.B. auf die folgende Weise reagieren können (modif. nach WESULS 2005, Seite 19):

Deeskalationsstufe I: Verhinderung der Entstehung von Gewalt und Aggression in der gegebe - nen Situation. Der Mitarbeiter hätte den vermutlich dissoziierten und möglicherweise psychoti - schen Klienten auf keinen Fall anschreien, grob festhalten, und lautstark zurechtweisen dürfen. Es war sinnlos gewesen, rationale Einsicht zu fordern, wenn Retraumatisierung, Dissoziation und/oder möglicherweise sogar eine psychotische Störung vorlagen, denn dann sind weder ratio - nale Einsichtsfähigkeit noch Zurechnungsfähigkeit (und entsprechend auch keine Schuldfähig - keit) vorhanden.

Vielmehr hätte der Mitarbeiter versuchen sollen, den Klienten zu beruhigen und ihm gut zuzure - den (Deeskalation). Gleichzeitig wäre es wichtig gewesen, die Anwesenden aus dem Gefahren - bereich zu entfernen, eine Überzahl zu schaffen, den Klienten aus der Gruppe zu isolieren und ihn notfalls nach Möglichkeit bis zur Ankunft der Polizei, ggf. auch unter Anwendung von scho- nender Gewalt, festzuhalten (Vermeidung von Fremd- und Selbstgefährdung). Hierbei kann je - doch von Mitarbeitern und Anwesenden nicht erwartet werden, dass sie sich selbst in Lebensge - fahr bringen. In dieser Phase ist es zudem wichtig sicherzustellen, dass keine Waffen im Spiel sind, und gefährliche Gegenstände aus der Gefahrenzone zu entfernen.

Deeskalationsstufe II: Veränderung der Sichtweisen und Interpretation aggressiver Verhaltens- weisen. Der Mitarbeiter hätte erkennen müssen, dass der Klient möglicherweise retraumatisiert, dissoziiert und/oder sogar psychotisch ist. In diesem Zustand ist es nur möglich, dem Klienten gut zuzureden, ihn zu beruhigen und ihn im Fall von Dissoziation ins Hier und Jetzt zurückzuho - len. Problematische Themen und unterschiedliche Sichtweisen können, wenn überhaupt, erst geklärt werden, wenn der Klient beruhigt ist und sich in der Gegenwart sicher fühlt. Erst dann wird irgendwann später vielleicht eine ausgewogene Beurteilung des Falles möglich werden. Nach Trennung des Aggressors von der Gruppe wäre es erforderlich gewesen zu berücksichti- gen, dass der Klient ggf. krank ist und/oder deshalb weiterhin eine Gefahr für andere und für sich selbst darstellt. Entsprechend wäre professionelles Handeln und im gegebenen Fall das soforti - ge Benachrichtigen der Polizei erforderlich gewesen.

Deeskalationsstufe III: Verständnis der Ursachen und Beweggründe aggressiver Verhaltens - weisen. Sobald der Klient (wieder) Gesprächen und rationalem Vorgehen zugäng lich ist, könnte er zu seinen Gefühlen und zur Ursache und Motivation seiner aggressiven Handlun gen befragt werden. Dies ist jedoch in der im Beispiel gegebenen akuten Erregungssituation nicht möglich. Bei retraumatisierten, dissoziierten oder sogar psychotischen Klienten drohen weitere Aggressi - vität und Eskalation, wenn Vorfälle ursachenorientiert untersucht werden, solange sie sich nicht sicher fühlen und nicht psychisch und körperlich stabil sind. Im gegebenen Fall wäre es sinnvoll gewesen, den Klienten zu beruhigen und schonend dafür zu sorgen, dass bis zur Ankunft der Polizei und des Notarztes gemäß der Eskalationsstufen IV bis VI nicht noch Schlimmeres pas - siert (Eigen- und Fremdgefährung).

Deeskalationsstufe IV: Kommunikative Deeskalationstechniken im direkten Umgang mit hoch - gespannten Patienten/Kienten. Hierzu gehören eine verständnisvolle, aber konsequente Haltung, Validierung und Normalisierung der Gefühle („es ist normal, dass Sie unter den gegebenen Um - ständen so reagieren, die meisten Menschen würden genauso reagieren / hätten genauso rea - giert“), Vermeidung von Konfrontation, keine Ursachensuche, keine Begründungen und Ursa- chenanalyse, keine Schuldzuweisungen; Es ist wichtig, den Klienten zu bestätigen, ihn nach Ge - fühlen, Wünschen und aktuellen Bedürfnissen zu fragen, die expliziten Wünsche des Klienten weitestmöglich zu berücksichtigen (insofern der Klient zurechnungsfähig ist), Verständnis zu zei - gen, die nächsten Schritte zu erklären, zu beruhigen etc. (s. hierzu mehrere Beispiele in WESULS 2005) und dabei alles Erforderliche zu organisieren.

Deeskalationsstufe V: Patientenschonende Abwehr- und Fluchttechniken bei Angriffen von Pa- tienten/Klienten. Es gibt zahlreiche Techniken, mit denen sich Mitarbeiter und Betroffene vor ag- gressiven Patienten/Klienten schützen können. Diese Techniken können und sollten in professio - nellen Deeskalationstrainings eingeübt und regelmäßig aufgefrischt werden, damit sie in der An - wendungssituation habitualisiert und sicher anwendbar sind. Es gibt zahlreiche Bücher und Vi - deos zu den Themen „Konfliktmanagement“ und „Selbstverteidigung“ sowie insbesondere zum Vorgehen in aggressionsmotivierten allgemeinen und psychiatrischen Notfallsituationen (s. BERZEWSKI 2009 und die Literaturliste dieser Projektarbeit).

Bei sich anbahnenden oder bereits vorfallenen körperlichen Angriffen durch aggressive Kli - enten/Patienten ist es oft ratsam zu fliehen, um dann aus der Sicherheit heraus Unterstützung herbeizurufen, eine Überzahl zu schaffen und/oder die Polizei zu alarmieren. Wenn Flucht je - doch nicht mehr möglich ist, gilt es den Angriff möglichst klientenschonend abzuwehren, um dann zu fliehen und/oder unverzüglich Unterstützung bzw. die Polizei herbeizurufen.

Gegenüber Mitarbeitern können z.B. Codewörter vereinbart werden, um nach Hlfe zu rufen und geichzeitig die Art der Gefahr zu beschreiben (vgl. WIEFEL 2018). Wenn es gefährlich wird, ist zu empfehlen, direkt aus dem Raum zu gehen. Man sollte in unklaren (und natürlich erst recht in klaren) Gefahrensituationen niemals versuchen, Dinge im Gespräch selbst herauszufinden (ebenda).

Deeskalationsstufe VI: Patientenschonende Immobilisations- und Fixierungstechniken bis zur Ankunft von Polizei und ggf. Notarzt.

Eine Möglichkeit der Immobilisierung besteht darin, einen Aggressor bis zur An kunft von Polizei und ggf. Notarzt festzuhalten.

In Deutschland ist es Privatpersonen erlaubt, jemanden im Fall von Gesetzesverstößen (z.B. Be - schädigung von Eigentum, Diebstahl, Bedrohung, Körperverletzung etc.) nach dem Jeder manns- Paragraphen (§ 127 Abs. 1 S. 1 STPO) vorläufig festzunehmen und, z.B. bei Fluchtge fahr, am Verlassen des Tatortes zu hindern (s. JURAFORUM). Dies ist jedoch nur dann gestattet, wenn der Festnehmende den Täter nicht persönlich kennt. Die Praktiken, die bei der Festnahme verwen - det werden, müssen verhältnismäßig sein. Jedoch darf im Rahmen von Not wehr (§ 227 BGB) und Selbsthilfe (§229 BGB) auch Gewalt angewendet werden (ebenda).

Flüchtlinge in Flüchtlingeseinrichtungen sind namentlich bekannt und können somit nicht von Mitarbeitern über den Jedermann-Paragraphen festgenommen werden. Den Mitarbeitern stehen jedoch entsprechende gesetzliche Handlungsmöglichkeiten zur Verfügung, die es ihnen ermögli - chen, sich selbst und Dritte vor Aggressoren bis zur Ankunft von Polizei und ggf. Notarzt zu schützen.

Falsch verstandene Zivilcourage kann lebensgefährlich sein. Wenn ein Kunde/Klient/Patient ran - daliert, hat die eigene Sicherheit Vorrang (WIEFEL 2018).

Falls der Klient zugänglich ist, kann ihm nahegelegt werden, sich selbst in eine Klinik einzuwei - sen. In diesem Fall sind die Verantwortlichen verpflichtet sicherzustellen, dass die Selbsteinwei - sung tatsächlich vorgenommen wird. Da dies im gegebenen Fall nicht möglich war, weil die Gründe für die Aggressionen unklar und möglicherweise krankheitsbedingt waren, war unverzüg - lich die Polizei zu rufen.

3.2 Welche Möglichkeiten sehe ich, die Eskalationskreisläufe zu unterbrechen bzw. zu verändern?

3.2.1 Eigene positive Geisteshaltung, gewaltfreie Kommunikation

Geschichte vom Hund im Spiegelsaal (Autor unbekannt): „Eines Tages betrat ein Hund einen Spiegelsaal. Als er die tausend Hunde sah, bekam er Angst, sträubte das Nackenfell, knurrte furchtbar und fletschte die Zähne. Und tausend Hunde sträubten das Nackenfell, knurrten furcht - bar und fletschten die Zähne. Voller Panik rannte der Hund aus dem Saal und glaubte von nun an, dass die Welt aus lauter knurrenden, gefährlichen und be drohlichen Hunden bestehe. Einige Zeit später kam ein anderer Hund in den Saal. Auch er sah die tausend Hunde. Freudig wedelte er mit dem Schwanz, sprang fröhlich herum und forderte die Hunde zum Spielen auf. Er verließ den Saal mit der Überzeugung, dass die ganze Welt aus netten, freundlichen Hunden bestehe, mit denen es sich wunderbar spielen ließe.“

Die Geschichte vom Hund im Spiegelsaal zeigt, wie sehr die eigene Geisteshaltung bereits die erste Deeskalationsinstanz sein kann. Positive Wertschätzung des Gegenübers, Empathie, ge- waltfreie Kommunikation, guter Kontakt etc. sind die wichtigsten Standpfeiler jeder gemeinsamen Arbeit, auch im Rahmen von Deeskalation.

3.2.2 Eigenes Verhalten

In aggressiven Konfliktsituation ist es wichtig, ruhig zu bleiben, eigene Angst, Wut und Aggres - sionen zu unterdrücken, die eigene Körpersprache zu kon trollieren und selbst keine Aggressi- onsmerkmale (s. Kap. 4.2) zu zeigen, um den Gegenüber nicht zu provozieren (vgl. POESCHL 2018).

3.2.3 Prinzipien der klientenzentrierten Beratung und Therapie, aktives Zuhören, Ressourcenorientierung

Bei der Deeskalation sind die folgenden Punkte, die allgemein bei jeder Beratung, jeder Thera - pie und letztendlich bei jeder Kommunikation beachtet werden sollten, von Bedeutung: posi tive Wertschätzung, Authentizität, Vorurteilslosigkeit, faires Streiten, Zugeben von eigenen Feh lern, direktes Ansprechen von Problemen, authentisches Sagen der Wahrheit, mit dem eigenen Ver - halten Vorbild sein, positive Einstellung zu Menschen, guter Kontakt, Liebe, Vergebung, Offen - heit, Humor, Arbeit an sich selbst, an seinen eigenen Traumata und an seinen eigenen Fehlern, respektvoller Umgang, Offenheit für Argumente, aktives Zuhören, Ich-Botschaften und Bezug zu Fakten, Akzeptanz von Grautönen (kein Schwarz-Weiß-Denken), andere Menschen das Gesicht wahren lassen, Hilfe anbieten, Suche nach Auswegen/Ausgleich/Kompromissen, Re spekt, Fair- ness, Schaffen von Win-win-Situationen.

Bei der Arbeit mit gewalttätigen Menschen ist es erforderlich, die Per son und ihre unangemesse- ne Verhaltensweise voneinander zu trennen: „Ich mag Sie als Mensch, aber Ihre Gewalttatigkeit lehne ich ab“. Ratsam ist, hart in der Sache, aber fair zur Person zu sein.

3.2.4 Schulz von Thun: 4-Ohren-Modell

Nach dem 4-Ohren-Modell von Schulz von Thun ist es wichtig, die Botschaft hinter dem proposi - tionalen Gehalt (der sachlich-inhaltlichen Bedeutung) eines Satzes zu verstehen. Ist man in der Lage, auf allen vier Kommunikationsebenen (Sachinhalt, Beziehung, Selbstoffenbarung, Appell) kompetent zu kommunizieren, können sich anbahnende aggressive Auseinandersetzungen schnell erkannt und im Idealfall schnellstmöglich deeskaliert werden.

3.2.5 Prinzipien der systemischen Traumatherapie

Aus systemisch-traumatherapeutischer Sicht ist es wichtig, den Gegenüber, seine Weltsicht, sei - ne Lebenssituation, seine Traumatisierungen, seine Ziele, Interessen und Erwartungen und so- mit auch sein Handeln in möglichst vielen Aspekten möglichst gründlich zu verstehen. Wie möchte der Klient behandelt werden? Wie möchte ich vom Klienten behandelt werden? Wie gut ist mein Verhältnis zum Gegenüber? Wie können wir beide zufrieden aus dieser Situation her- ausgehen? Welche Personen und Faktoren spielen sonst eine Rolle? Welche Ressourcen kön - nen aktiviert werden? Wie könnte unser Verhalten aussehen, wenn/damit wir uns verstehen? Wie kann ich mir, um zu helfen, um Anweisungen durchzusetzen und um mich an Gesetze zu halten, Respekt verschaffen und klare Grenzen setzen, die dann auch eingehalten werden? Wie kann ich den Gegenüber in seiner Traumatisierung/Retraumatisierung/Erkrankung vor sich selbst schützen? Welche Alternativen gibt es? Wer oder was kann als Ressource mit hinzugezo - gen werden? Wie lässt sich der Betroffenen in Sicherheit bringen und stabilisieren?

3.2.6 Schulungen, Ausbildungen, Fachtagungen, Übungen zur Deeskalation

Zum Thema „Konfliktmanagement“ und „Deeskalation“ (als Teil des Konfliktmanagements) sind zahlreiche Schulungen, Ausbildungen, Fachtagungen, Kurse, Online-Kurse und Bücher (auch mit konkreten Übungen zur Deeskalation, s. z.B. BÄRSCH 1997) auf dem Markt. Die Münchner Polizei bietet kostenlos einen Kurs „Zivilcourage“ an, in dem jedermann (zumindest ansatzweise) lernen kann, im Alltag außerhalb des Hauses mit aggressiven Menschen umzugehen.

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Details

Seiten
38
Jahr
2019
ISBN (eBook)
9783668980846
ISBN (Buch)
9783668980853
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v476886
Institution / Hochschule
campus Naturalis, München
Note
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Titel: Deeskalation. Methoden und Anwendung