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Zu: Roman Jakobson - Poesie der Grammatik und Grammatik der Poesie

Hausarbeit (Hauptseminar) 2005 17 Seiten

Sprachwissenschaft / Sprachforschung (fachübergreifend)

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

I. Einführung

II. Skizze zum Aufsatz und Argumentation

III. Die Stationen in der wissenschaftlichen Laufbahn Jakobsons

IV. Poesie und Grammatik
IV. 1 Probleme der Übersetzung
IV. 2 Bild und Poesie
IV. 3 Metrum und Semantik
IV. 4 Grammatische Analyse des Gedichts von B. Brecht „Wir sind sie“ nach R. Jakobson

V. Abschluss und Ausblick

VI. Literaturverzeichnis

VII. Internetquellen

I. Einführung

Der Strukturalismus beruht auf der Grundannahme, dass Phänomene nicht isoliert auftreten, sondern in Verbindung mit anderen Phänomenen stehen. Als interdisziplinäre Forschungsrichtung, die ihren produktiven Höhepunkt in den sechziger und siebziger Jahren des 20. Jahrhunderts hatte, beruft sich der Strukturalismus vor allem auf die Einsichten und Methoden des Linguisten Ferdinand de Saussure zum Aufbau von Sprachen und anderen Bedeutungssystemen. Im Jakobsons Schaffen ist diese kritische Aneignung des Strukturalismus Ferdinand de Saussures ganz deutlich zu erkennen. Roman Jakobson - Mitbegründer der Prager strukturalistischen Schule wandte die de Saussureschen Methoden auf die verschiedensten Forschungsfelder an. Er gehört z.B. zu denjenigen Linguisten, die die Leistung von Sprache in fiktionalen Texten untersuchten und die Literatur als Werk der Sprache befragte. In dem Aufsatz „Poesie der Grammatik und Grammatik der Poesie“ betont er unter anderem das Phänomen der Bedeutungsbildung mit Hilfe der Grammatik und macht es zu seinem zentralen Untersuchungsgegenstand. Die Bedeutungsbeziehung ist in und durch die Sprache identifizierbar: die Wörter kommunizieren miteinander.

Meine Arbeit wird in erster Linie die strukturalistische Auffassung der Poesie nach Jakobsons analysieren und reflektieren. Im 2. Kapitel werde ich den Aspekt zwischen dem Material von Dichtung und Malerei näher betrachten. Der Bergriff „Bild und Poesie“ geht zwar auf eine veraltete Vorstellung bzw. einseitige Definition von Poesie zurück: die Vorläufer der russischen Formalisten hatten nämlich Poesie als Schaffung von Bildern verstanden, aber natürlich findet man Texte die dieses überholte Verständnis belegen.

Die von mir in dieser Arbeit dargestellten Beispiele sollen eine Grundlage schaffen, die eine Beschreibung, die Erkenntnis bestimmter, literarischer Phänomene im Bezug auf die Grammatik ermöglicht.

Die Konzeptionen der Prager strukturalistischen Schule haben die Entwicklung der Sprachwissenschaft in zahlreichen Ländern befruchtet. Durch ihre Inspiration haben sich die funktionale Linguistik, die Harward-Schule u. a. herausgebildet und entwickelt:

„Eine unerschrockene Forschung, die sich abseits der gewohnten Wege hält und sich vor der Ablehnung mancher Zeitgenossen nicht beirren lässt – das wäre die beste Charakterisierung des Werks von Roman Jakobson. Es ließe sich kaum ein Linguist finden, der in unserer Zeit die Beziehungen zwischen der Sprachwissenschaft und den anderen Wissenschaften mit ähnlicher Sorgfalt und Gründlichkeit erforscht hätte. Linguistik und Poetik, Linguistik und Semiologie – die Liste will nicht enden. Diesen Beziehungen galt Roman Jakobson´s stetiges, aufmerksames Interesse“.[1]

II. Skizze zum Aufsatz und Argumentation

In diesem Aufsatz werden unter anderem grundlegende Beiträge zur vergleichenden Metrik, zur Erforschung des poetischen Parallelismus sowie zur Rolle der Klangsymbolik in der poetischen Sprache dargestellt; abschließend wird das Thema der „Poesie der Grammatik und der Grammatik der Poesie“ exponiert, das alle strukturalen Gedichtanalysen Jakobsons verbindet. Zusammenfassende Bemerkungen über die Poetik und ihre Beziehung zur Linguistik als auch die Antwort auf die Frage, was eine sprachliche Botschaft zum Kunstwerk macht, werden das Thema ergänzen. „Alle diskursiven Kategorien kommen von der Sprache, aber um sie zu identifizieren, muss man zuerst die Vielzahl von Systemen erkennen, die im inneren der Sprache wirksam sind.“[2]

III. Die Stationen in der wissenschaftlichen Laufbahn Jakobsons

Roman Jakobson, geboren am 23. Oktober 1896, war ein russischer Jude. Er studierte Slavistik in seiner Heimatstadt Moskau und schloss sich bald dem Moskauer Linguistenkreis an. Das Ziel war das Studium der Linguistik, der Poetik, der Metrik und der Folklore. Zusammen mit einer ähnlichen Vereinigung in Petersburg, dem OPOJAZ, ist der Moskauer Kreis unter dem Titel „Russischer Formalismus“ in die Geschichte der Literaturwissenschaft eingegangen.

1920 ging Jakobson nach Prag, wo er ab 1926 als Mitbegründer des Prager Linguistenkreises wirkte. Er untersuchte vor allem die Phonologie, die Morphologie, die Poetik, sowie die Geschichte der slavischen Sprachen. Das Hauptcharakteristikum des Prager Strukturalismus bildeten Thesen der sprachlichen Struktur: mit dem Aspekt der Funktionalität und der Feststellung, dass Synchronie und Diachronie eine untrennbare dynamische Einheit bilden und die Sprache deswegen als zweidimensional zu betrachten ist.

1933 erhielt er eine Professur an der Universität Brünn. Da entwickelte er eine eigene Theorie der distinktiven phonologischen Eigenschaften, mit der er einen bedeutenden Schritt über die klassische Phonologie des „Cercle linguistique de Prague“, die ihren Niederschlag in Trubeckoy´s „Gründzügen der Phonologie“ fanden, hinausging.

1939 floh er als Jude aus der Tschechoslowakei nach Dänemark, dann nach Schweden. Wissenschaftlich ist das Intermezzo in Skandinavien geprägt durch die erste Phase in der Erforschung der Kindersprache und der Aphasie.

1941 folgte er einem Ruf an die École Libre des Hautes Études, eine französische Exil-Universität in New York. Dort traf er Claude Lévi-Strauss, den er nachhaltig beeinflusste. Über ihn und über Lacan gewann Jakobson in der Folge einen maßgebenden Einfluss auf die Ausbildung des französischen Strukturalismus. Viel zitiert ist das Bekenntnis von Lévi-Strauss, er habe in Jakobson einen Gelehrten gefunden, der „sich nicht nur die gleichen Probleme gestellt, sondern sie schon gelöst hat“[3]. 1943 erhielt er eine Professur an der Columbia-Universität; 1949 wurde er nach Harvard berufen. Ab 1957 lehrte er, als erster Harvard-Professor überhaupt, zugleich auch am benachbarten M.I.T. 1967 wurde er emeritiert. Zu erwähnen sind die persönlichen Kontakte mit Schriftstellern und Künstlern wie Chlebnikov, Majakovskij, Mandelstam, Nezval, Seifert, Teige, Aragon und Triolet, die Zusammenarbeit mit Wissenschaftlern verschiedenster Richtungen, dem Physiker Niels Bohr, Biologen wie F. Jacob, den Psychologen J.S. Brunner, S.S. Stevens, den Begründern der Kybernetik und Informationstheorie N. Wiener, E. Colin Cherry, Philosophen Carnap, Quine und vielen anderen.[4]

IV. Poesie und Grammatik

IV. a Probleme der Übersetzung

Mit seinem Aufsatz „Poetry of grammar and Grammar of poetry“ wies Jakobson die besondre Rolle auf, die die Grammatik in der Poesie spielt. Anschaulich gesagt: Jedes beliebige sprachliche Element kann in der poetischen Sprache „aktualisiert sein, d.h. es kann darauf aufmerksam gemacht werden, es kann Objekt des ästhetischen Erlebnisses werden. Es kann ein Element sein, das uns in der mitteilenden Rede nicht bewusst wird, über dessen Existenz wir nichts wissen. Kurz gesagt: die sprachlichen Elemente können im dichterischen Werk in einem derartigen Maße ins Zentrum rücken, dass sie in der Hierarchie des Werkaufbaus höher stehen als die inhaltlichen Elemente.“[5]

„Was ein Gedicht zum Gedicht macht, ist die Vorherrschaft der poetischen Funktion über andere Funktionen der Sprache (zu informieren, sich auszudrücken, etwas zu wollen, Kontakt zu haben, über Mittel der Verständigung sich zu verständigen“).[6] Diese poetische Funktion bewirkt, dass die Textelemente durch Symmetrien und Antisymmetrien vielfach untereinander zu einem Ganzen verbunden sind. Der Rahmen der Optionen ist nämlich eine besondere Stelle für Poetik der Grammatik.

[...]


[1] Jakobson R., Pomorska K., „Poesie der Grammatik. Dialoge, S.158 . Frankfurt am Main 1982.

[2] T. Todorov: Jakobsons Poetik, in: “Symboltherien”, Tübingen 1995, S. 278

[3] Pingaud Bernard, 1965, „Comment on devient structuraliste”. L´Arc 26, 1-5.

[4] Vgl. Holenstein Elmar, „Roman Jacobsons phänomenologischer Strukturalismus“, Frankfurt am Main 1975, S. 18-20 und 200-201.

[5] J. Mukařovský, „Komposition des poetischen Werkes“, in: Prager Schule: Kontinuität und Wandel“, Hg. Wolfgang F. Schwarz, S. 48, Frankfurt am Main 1997.

[6] Lübbe Grotheus Grete, „Gedichte interpretieren im Anschluss an Roman Jakobson“, in: Roman Jakobsons Gedichtanalysen. Eine Herausforderung an die Philologen “, Hg. H. Birus, S. Donat, B. Meyer-Sickendiek, S. 185 , Göttingen 2003.

Details

Seiten
17
Jahr
2005
ISBN (eBook)
9783638445924
Dateigröße
664 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v47708
Institution / Hochschule
Johannes Gutenberg-Universität Mainz
Note
1,7
Schlagworte
Roman Jakobson Poesie Grammatik

Autor

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