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Der politische Bürger im klassischen Athen. Wie funktionierte die politische Partizipation im Volksgericht?

Hausarbeit (Hauptseminar) 2017 11 Seiten

Politik - Politische Systeme - Historisches

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Was war das Volksgericht ?

3. Wer saß im Volksgericht

4. Wie war ein Volsgericht organisiert ?

5. Die politische Partizipation

6. Fazit

7. Quellenverzeichnis

8. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Das Thema, in dessen Kontext diese Arbeit steht, sind Gesellschaftliche Zugehörigkeiten. Der Begriff Gesellschaft, bezeichnet die Gesamtheit der Menschen, die zusammen unter bestimmten politischen, wirtschaftlichen und sozialen Verhältnissen leben.1 Der Begriff Zugehörigkeit stellt eine Mitgliedschaft, eine gewisse Verbundenheit dar.2 Somit wird unter gesellschaftlicher Zugehörigkeit die Mitgliedschaft in einer Gesellschaft beschrieben.

Die attische Gesellschaft war eine sehr stark auf demokratischen Verfahren basierende Gemeinschaft und wurde von Aristoteles als eine sogenannte Volkssouveränität definiert.3 Demokratie ist auch heute noch ein Begriff, der für das Prinzip, Entscheidungen durch die Mehrheit treffen zu lassen, steht.4

Die attische Demokratie war ein Vorläufer unserer heutigen Demokratien und wurde, so Aristoteles, von Solon begründet. Dieser war angeblich auch der Erfinder der drei wichtigsten Staatsorgane der attischen Demokratie und zwar der Volksversammlung, dem Rat der 500, und den Gerichtshöfen, welche diejenigen demokratischen Elemente darstellten, durch das das Volk die größte Macht gewinnen konnte. Laut dem aktuellen Forschungsstand jedoch lässt sich ganz klar sagen, dass das Volksgericht, in der wie folgt beschriebenen Art und Weise, nicht zu Solons Zeiten existiert habe, sondern erst viel später.5 Zwar ist es heute so gut wie unmöglich, die exakte Geschichte der Gerichte zu rekonstruieren, jedoch ist sich die Forschung darüber einig, dass sie in der zweiten Hälfte des 5. Jh. und somit in die Zeit der entwickelten Demokratie einzuordnen seien.

Da Athen immer als volkssouveräne, demokratische Polis dargestellt wird, stellt sich nun die Frage ob die Menschen tatsächlich so politisch interessiert waren. Vor allem auch aufgrund der Tatsache, dass nach dem attischen Bewusstsein die Demokratie zu den Volksgerichten gehörte. Dies soll im folgenden Anhand des Volksgerichtes untersucht werden. Dementsprechend ist die zentrale Frage dieser Arbeit:

Wie funktionierte die politische Partizipation im Volksgericht ?

Um diese Frage näher beantworten zu können, müssen zunächst das Volksgericht und seine Einbindung in die Gesellschaft definiert werden. Außerdem muss untersucht werden wie das Volksgericht organisiert war.

2. Was war das Volksgericht ?

Der Begriff Gericht kommt von dem griechischen Wort dikasterion, welches für große Gerichte benutzt wurde und im Plural dikasteria hieß. Diese stellten das wichtigste Staatsorgan dar, was sich anhand Aristoteles' folgenden Aussagen nachweisen lässt: „Ein Bürger in der Demokratie hat das Recht dem Gericht beizutreten, d.h. Geschworener (dikastes) und Teilnehmer zu sein. “6 Eine weitere Aussage verdeutlicht dies ebenfalls: „Das Volk hat sich zum Herren gemacht und regiert durch Dekrete und Gerichte. “7 Jedes Gericht war souverän. In der neueren Forschung jedoch gibt es Stimmen, die die Souveränität des Gerichtes angezweifelt haben und von einer gewissen Redekunst, der Gerichtsredner, gesprochen haben, die alle manipuliert hat. Denn wenn man das heutige Gericht und das attische Gericht vergleicht, dann sind viele Schwachstellen auffindbar. Heutzutage sind Gerichte öffentliche Institution, die vom Staat mit der Rechtsprechung betraut sind, um Verstöße gegen Gesetze zu bestrafen und Streitigkeiten zu schlichten.[8] Meistens geht es hierbei um Rechtsstreitigkeiten zwischen Privatleuten oder Kriminalfälle, selten um Verfassungsdelikte und Verfassungsfragen. Vor Gericht werden die Parteien immer von Juristen oder Rechtsexperten vertreten. Hingegen wurden im klassischen

Athen viele private Rechtsstreitigkeiten durch ein Schiedsrichterverfahren beigelegt. Nur wenn die Partei gegen den Spruch des Schiedsrichters Einspruch einlegten, kamen sie vor Gericht. Auch Morde und Einbrüche zogen nicht unbedingt Verfahren nach sich. Es wurden teilweise auch ohne Gerichtsverfahren Todesurteile gefällt. Da das Gericht aber auch viele Verwaltungsaufgaben innehatte, war es der Volksversammlung und dem Rat der 500 überlegen und sogar das höchste Staatsorgan. Zum Beispiel befanden sich bei der Vergabe einer öffentlichen Arbeit Geschworene vor Ort, um die Vergabe zu bezeugen. Interessant ist, dass in attischen Gerichten keine Juristen und Rechtsexperten vertreten waren. Dies lag zum einen daran, dass die Demokratie geschützt werden sollte und eine Machtübernahme seitens der gebildeten Schicht verhindert werden sollte. Zudem sollte jeder Bürger in der Lage sein, ohne jegliche aufwendige Bildung, teil des Gerichts zu werden. Das lässt schlussfolgern, dass das Rechtssystem recht simple gestaltet war.[9]

3. Wer saß im Volksgericht ?

Im Gericht saßen hauptsächlich Geschworene, welche ein Mindestalter von 30 Jahren haben mussten und keine Schulden gegenüber dem Staat aufweisen durften. Jeder, der als Geschworener ausgelost werden wollte, musste sich für eine jährliche Auswahl anmelden. Aus dieser Gruppe der Angemeldeten wurden dann 6000 Männer ausgelost. Diese mussten dann den sogenannten Heliasteneid auf dem Ardetoshügel ablegen, der wie folgt nachinszeniert wurde :

„Ich werde ab stimmen gemäß den Gesetzen und den Dekreten des athenischen Volkes und des Rates der Fünfhundert, darüber aber, wozu es keine Gesetze gibt, nach meinem Empfinden dafür, was das Gerechteste ist, und weder nach Sympathie noch nach Feindschaft. Und ich werde abstimmen nur über das, was Gegenstand des Verfahrens ist, und ich werde unparteiisch sowohl Kläger wie die Beklagten anhören. “ 10 Es wurde meistens auf die Namen Zeus, Apollon und Demeter geschworen und beim Eidbruch mit einem Fluch bestraft.[11]

Da die Rolle der Religion damals sehr groß war und die Menschen die Götter fürchteten, rechtfertigte der Eid einerseits das Handeln der Richter und die Überlegenheit gegenüber der Volksversammlung und andererseits gewann das Gericht so das Vertrauen des Volkes.[12]

Zudem bekam jeder Geschworene einen Ausweis, in Form von einer Plakette, auf dem sein voller Name stand und ein Stempel abgebildet war. Auffällig hierbei ist, dass auf vielen Plaketten mehrere Namen abgebildet waren, von denen einige getilgt worden sind. Dies beweist wiederum den jährlichen Wechsel des Amtes aufgrund der jährlichen Auslosung.[13] Für jedes Verfahren bekamen die Geschworenen eine Diätenzahlung von drei Obolen.

In der neueren Forschung gehen die Meinungen bezüglich der Frage, wer überhaupt Geschworener werden durfte, stark auseinander. Zum einen gibt es Forscher die behaupten dass meist ärmere Bürger vom Land als Geschworene in den Gerichten vertreten waren. Zum anderen gibt es welche die fest davon überzeugt sind, dass die Geschworenen nur aus der Mittel- und Oberschicht stammen können. Die erste These lässt sich Anhand von 2 Quellen belegen. Isokrates, ein Logograph, Rhetoriklehrer und Publizist politischer Reden über Probleme seiner Zeit,[14] schrieb zum Beispiel

„Es muss jedem Rechtdenkenden das Herz durchbohren vor dem Gerichtsgebäude Massen von Bürgern zu sehen, die sich einer Auslosung unterziehen, die darüber entscheidet, ob sie Ihr täglich Brot bekommen oder nicht “[15]

Oder auch Aristoteles, der schreibt, dass das gewöhnlich Volk, Demos, welches den Armen gleich ist, die Macht habe.[16] Auch auf den überlieferten Ausweisen der Geschworenen befanden sich Namen von einigen Bauern oder Fischern, was ebenfalls diese These unterstützt.[17]

[...]


[1] Dudenredaktion: Gesellschaft , auf: Duden online : http://www.duden.de/node/639812/revisions/1355067/ view (erstellt 2006), abgerufen am: 07-07-17.

[2] Dudenredaktion: Zugehörigkeit, auf: Duden online : http://www.duden.de/node/767290/revisions/1174314/ view (erstellt 2006), abgerufen am: 07-07-17.

[3] Hansen, Mogens Herman: Die athenische Demokratie im Zeitalter des Demosthenes. Strucktur, Prinzipien und Selbstverständnis, Berlin 1995, S. 184. (Im folgenden Zitiert als Hansen, Demosthenes).

[4] Dudenredaktion: Demokratie , auf: Duden online : http://www.duden.de/node/652683/revisions/1067944/ view (erstellt 2006), abgerufen am : 07-07-17.

[5] Bleicken, Jochen : Die athenische Demokratie, Paderborn 1995, S. 204 (Im folgenden Zitiert als Bleicken, Demokratie).

[6] Aristot. Pol. 1275 a 22-33.

[7] Aristot. Ath. Pol. 41,2.

[8] Dudenredaktion: Gericht , auf: Duden online : http://www.duden.de/node/646935/revisions/1363753/view (erstellt 2006), Abrufdatum: 07-07-17.

[9] Hansen, Domesthenes, S. 185.

[10] Fränkel, Max: Der attische Heliasteneid, in: Hermes 13 (1878), S. 464.

[11] Hansen, Domesthenes, S.188.

[12] Hansen, Domesthenes, S.188 f.

[13] Hansen, Domesthenes, S. 187.

[14] Weißenberger, Michael (Greifswald): Art. Isokrates, in: DNP : http://referenceworks.brillonline.com/ entries/der-neue-pauly/isokrates-e528160?s.num=0&s.f.s2_parent=s.f.book.der-neue-pauly&s.q=Isokrates (erstellt 2006), abgerufen am 07-07-17.

[15] Isokr. 7,54.

[16] Aristot. Ath. Pol. 41,2.

[17] Hansen, Domesthenes, S. 187.

Details

Seiten
11
Jahr
2017
ISBN (eBook)
9783346009586
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v477606
Institution / Hochschule
Ruhr-Universität Bochum
Note
Schlagworte
bürger athen partizipation volksgericht

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