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Paul Ricoeur:"Die Metapher und das Grundproblem der Hermeneutik" und Donald Davidson: "Was Metaphern bedeuten" - Ein Vergleich zwischen hermeneutischer und semantischer Metapherntheorie

Hausarbeit 2005 21 Seiten

Philosophie - Philosophie des 20. Jahrhunderts

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Paul Ricoeur: Die Metapher und das Hauptproblem der Hermeneutik.
2.1. Text und Metapher als Diskurs
2.2.Erklärung und Metapher – von der Metapher zum Text
2.3.Von der Hermeneutik zur Metapher (die Interpretation)

3. Donald Davidson: Was Metaphern bedeuten

4. Vergleich zwischen hermeneutischer und semantischer Metapherntheorie
4.1. Metaphorische und wörtliche Bedeutung und die Rolle des Kontextes
4.2. Wahrheit und Weltbezug

5.Schluss

Bibliographie

1.Einleitung

Metaphern dienen meist als stilistische Mittel, die in literarischen Texten ihre Anwendung finden. Oft stoßen die Rezipienten in diesem Zusammenhang auf Interpretationsprobleme, da die Verwendung von Sprache in der Metapher doch vom alltäglichen Sprachgebrauch abzuweichen scheint.

Metapherntheorien beschäftigen sich mit der Rolle von Metaphern beziehungsweise fragen sie nach dem, was Metaphern selbst bedeuten (können) und worin die Besonderheit hinsichtlich der sprachlichen Dimension der Metapher bestehen kann.

In der vorliegenden Arbeit möchte ich zwei konträre Metapherntheorien miteinander vergleichen.

Paul Ricoeur, ein Existenzphilosoph, der im allgemeinen sowohl in der Tradition Heidegger als auch der Poststrukturalisten anzusiedeln ist, beschreibt in „Die Metapher und das Hauptproblem der Hermeneutik“ einen Zusammenhang zwischen Text- und Metapherinterpretation beziehungsweise zwischen Text- und Metaphernerklärung. Eine große Rolle spielt dabei der kontextuelle Diskurs. Metaphorische Bedeutung ermöglicht es, den Text immanent zu erklären, während die referenzbezogene Interpretation von Texten auch die Interpretation der Metapher ermöglicht.

Donald Davidson dagegen, der sich häufig auf die theoretischen Konzeptionen Freges und Tarskis bezieht, nimmt in „Was Metaphern bedeuten“ eine Gewichtung hinsichtlich des Wahrheitsgehaltes von Metaphern vor. Er konstruiert dabei eine semantische Bedeutungstheorie, die es durch Bezug auf den wörtlichen Sinn der Metapher prinzipiell jedem Interpreten ermöglicht, diese zu verstehen und somit Intersubjektivität und Öffentlichkeit von Metaphern oder Texten garantiert.

In der folgenden Untersuchung werde ich zunächst beide Aufsätze referieren und anschließend den Vergleich anhand der unterschiedlichen Rollen von metaphorischer und wörtlicher Bedeutung, Kontext, Sprachgebrauch, Wahrheitsgehalt und Weltbezug vornehmen und beide Theorien einander gegenüberstellen.

2.Paul Ricoeur: Die Metapher und das Hauptproblem der Hermeneutik

Für Paul Ricoeur besteht das Hauptproblem der Hermeneutik in der Interpretation in zweifacher Bestimmung: zunächst existieren im Hinblick auf ihren Anwendungsbereich Interpretationsprobleme, da schriftliche Texte autonom sind. Im Gegensatz zu einem Gespräch findet keine Kommunikation zwischen Autor und Leser statt. Texte existieren unabhängig von der Intention des Autors und ihrer Bestimmung für den ursprünglichen Leser. Sie stehen so in Opposition zur gesprochenen Sprache. Bei geschriebenen Texten muss die Rede (discours) für sich selbst sprechen, die Interpretation findet hier ihre Anwendung.

Das zweite Problem betrifft den Status der Interpretation in Opposition zur Erklärung (explication). Der Interpretation wird in der philosophischen Tradition eine spezifische Subjektivität zugeschrieben, da der Leser selbst in den Verstehensprozess eingebunden wird. Text- und Selbst- Interpretation treten miteinander in Wechselwirkung. Der hermeneutische Zirkel besteht darin, dass sich der Sinn eines Textes nur im Ausgang von der Vormeinung des Interpreten erschließt.

Ricoeurs Intention ist es, einen Zusammenhang herzustellen zwischen diesen hermeneutischen Problemen der Textinterpretation und den rhetorischen, stilistischen oder semantischen Problemen, die durch Metaphern entstehen.

2.1.Text und Metapher als Diskurs

Text- und Metapherntheorie stehen auf einer gemeinsamen Grundlage, dem Diskurs (der Rede). Als dessen Grundeinheit fungiert der Satz.

Texte sind aufgrund ihrer Maximallänge identifizierbar, die von einzelnen Sätzen über Abschnitte, Kapitel, Bücher und Werken bis zu Bibliotheken reichen kann. Werke bezeichnen hierbei abgeschlossene Redesequenzen, die man als Text betrachten kann. Im Gegensatz dazu sind Metaphern durch ihre Minimallänge definiert, denn die metaphorische Verdrehung geschieht zunächst an den Worten selbst. Die Bedeutungsveränderung erfolgt jedoch nur durch Mitwirkung des Kontextes, die im Satz gegeben ist. Das Wort bleibt der Fokus, an dem sich die Metapher vollzieht; der Rahmen, der die Bedeutung erschließt, erfordert jedoch den ganzen Satz. Wörter als lexikalische Einheiten haben nur eine potentielle Bedeutung, die innerhalb eines Satzes aktualisiert wird. Metaphorische Bedeutung ist von wörtlicher Bedeutung unterschieden und kann nicht im Wörterbuch aufgefunden werden.

Text und Metapher sind somit Bestandteile des Diskurses. Ricoeur versucht nun, fünf paradoxe Charakteristika (Gegensatzpaare) des Diskurses aufzuzeigen, die für die Rolle der Metapher von Bedeutung sind.

Zunächst bezeichnet er Rede als Ereignis, die er der Sprache als „langue“, Code oder System gegenüber stellt. „Langue“ ist zeitlich beständig und bleibt gleich, Rede dagegen realisiert sich als Ereignis, als etwas Vorübergehendes, das auftaucht und wieder verschwindet. Trotzdem wird sie als Bedeutung verstanden (sie wird als dasselbe wieder identifiziert). Der Diskurs zeichnet sich also durch den Gegensatz von Ereignis und Bedeutung aus.

Zweitens ermöglicht der Diskurs einzelne Identifizierungen (zum Beispiel „diese Frau“, „jener Baum“...) und allgemeine Prädikationen (zum Beispiel die Menschheit als Gattung, Laufen als Handlung...).

Drittens besteht ein Gegensatz zwischen dem lokutionären und dem illokutionären Akt der Rede. Der lokutionäre Akt (der Akt des Sagens) bezeichnet die reine Äußerung, den Inhalt eines Satzes, während der illokutionäre Akt den Sprechakt, also das, was als Handlung zu der Äußerung hinzutritt, bezeichnet (zum Beispiel warnen, befehlen, versprechen...).

Viertens stehen sich Sinn (sense) und Referenz gegenüber. Der Sinn als immanente Redeabsicht bezeichnet, was durch den Satz als Ganzen oder durch seine Teile (die Wörter) gesagt wird, Referenz meint das, worüber etwas gesagt wird und stellt den Bezug zur Welt her. Erklärung bezieht sich auf den Sinn, Interpretation versucht, die Bedeutung zu erschließen.

Fünftens hat die Rede sowohl Selbstreferenz als auch Wirklichkeitsbezug. Die Verwendungen von Personalpronomina oder Demonstrativa ermöglichen den reflexiven Selbstbezug, gleichzeitig ist der Diskurs auch intentional und sachbezogen.

Im weiteren schließt sich nun die Bestimmung der Position der Metapher in den genannten Polarisierungen an.

Die Metapher hat zunächst einen doppelten Charakter: sie ist gleichzeitig Ereignis und Bedeutung. Ein Wort erhält seine metaphorische Bedeutung in spezifischen Kontexten und wird anderen, wörtlich zu nehmenden Ausdrücken gegenüber gestellt. Der Kontext macht eine wörtliche Verwendung einzelner Wörter unmöglich und führt zu metaphorischer Bedeutungsverschiebung. Nur so kann der Satz in seinem Kontext einen Sinn ergeben. Die neue Wortbedeutung ist somit ein Ereignis, weil sie nur in diesem spezifischen Kontext existiert, sie kann aber bei Wiederholung als dieselbe identifiziert werden und hat somit auch Bedeutung im Sinn von Identifizierbarkeit. Wenn die Bedeutung von der Mehrheit der Sprachgemeinschaft übernommen wird, kann sie zur Standardbedeutung, einer lexikalischen Einheit werden und erfährt dann Eingliederung in die Sprache als langue. Die Metapher ist dann jedoch tot, da sie nicht mehr gleichzeitig als Ereignis und Bedeutung auftreten kann.

Zweitens beruht die Metapher („Achill ist ein Löwe“) auf einer Attribution allgemeiner Prädikationen („ist ein Löwe“), die dem einzelnen Hauptgegenstand des Satzes („Achill“) zugeschrieben wird.

Ebenso erfordert die Metapher auch die Polarität zwischen den übrigen drei Gegensatzpaaren, deren Rolle im weiteren Verlauf der Untersuchung dargestellt wird.

Ricoeur versucht nun, eine Analogie zwischen Texterklärung und -interpretation einerseits und Metaphernerklärung bzw. -interpretation andererseits herzustellen.

Vom Standpunkt der Erklärung aus, die sich auf den Sinn, also die immanente Absicht der Rede, bezieht, kann das Verständnis der Metapher den Schlüssel zum Textverständnis bilden. Im Sinne der Interpretation, die sich auf Bedeutung als Selbst- und Weltreferenz bezieht, ermöglicht das Verstehen des Textes als Ganzes das Verständnis der Metapher.

2.2.Erklärung und Metapher – von der Metapher zum Text

Ricoeur erläutert den doppelten Charakter zwischen Ereignis und Bedeutung noch genauer: Triviale Metaphern (zum Beispiel „Der Mensch ist ein Wolf.“) verdeutlichen nicht die Aspekte der Metaphernerklärung, die einen Text erklären können. Um zu verdeutlichen, worauf triviale Metaphern beruhen, bezieht sich Ricoeur auf die Interaktionstheorie von Max Black, die besagt, dass die Bedeutung eines Wortes neben den semantischen und syntaktischen Regeln im Gebrauch der wörtlichen Bedeutung zusätzlich von einem System assoziierter Gemeinplätze abhängig ist, also von Regeln, denen die Angehörigen einer Sprachgemeinschaft unterworfen sind. In dem genannten Beispiel wird der Hauptgegenstand (der Mensch) durch ein Tiermerkmal qualifiziert, das den mit Wölfen assoziierten Gemeinplätzen angehört. So werden laut Black neue Aspekte des Hauptgegenstands zum Vorschein gebracht. Interaktionsmetaphern lassen sich nicht ohne Verlust an kognitivem Gehalt in die gewöhnliche Sprache (rück)übersetzen.

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Details

Seiten
21
Jahr
2005
ISBN (eBook)
9783638446426
ISBN (Buch)
9783640237982
Dateigröße
538 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v47767
Institution / Hochschule
Universität Leipzig
Note
2,0
Schlagworte
Paul Ricoeur Metapher Grundproblem Hermeneutik Donald Davidson Metaphern Vergleich Metapherntheorie ProS Metapherntheorien

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Titel: Paul Ricoeur:"Die Metapher und das Grundproblem der Hermeneutik" und Donald Davidson: "Was Metaphern bedeuten" - Ein Vergleich zwischen hermeneutischer und semantischer Metapherntheorie