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Entwicklungspsychologie. Modulzusammenfassung

Skript 2018 7 Seiten

Psychologie - Entwicklungspsychologie

Leseprobe

Entwicklungspsychologie

1. Begriffe und Grundkonzepte

Entwicklungspsychologie ist eine Teildisziplin der Psychologie.

Gegenstand der Entwicklungspsychologie sind intraindividuelle (=innerhalb eines Individuums ablaufende) Veränderungen des Erlebens und Verhaltens über die gesamte Lebensspanne sowie interindividuelle (zwischen Individuen ablaufende) Unterschiede bei den intraindividuellen Veränderungen. => psychologische Veränderungen von Personen

Entwicklung bezeichnet die relativ überdauernde intraindividuelle (=innerhalb eines Individuums ablaufende) Veränderung des Erlebens über die Zeit hinweg.

Aufgabe der Entwicklungspsychologie ist die Beschreibung, Erklärung, Diagnose, Prognose und gegebenenfalls die

Intervention (bei Fehlentwicklungen) von Entwicklungsverläufen.

Geschichte der Psychologie:

- Antike: Bedeutung der Psychologie
- Mittelalter: Kinder als noch nicht ausgewachsene Erwachsene
- 17./18. Jahrhundert: Aufklärung

- John Locke: Empirismus (=Kind ist tabula rasa, kommt also ohne Angeborenes auf die Welt); Erziehung dient als Verhütung von Fehlentwicklungen
- Jean-Jacques Rousseau: Nativismus (=Kind bringt angeborene Ideen z.B. moralischer Natur mit=Naturphilosophie). Erziehung als negative Pädagogik (kein Eingriff erlaubt natürliche Entwicklung des Kindes)

- Ab 1859: Darwin: Evolutionstheorie + Kindertagebuchmethode (= elterliche Beobachtung der Entwicklung der Kinder-> zunehmende Differenzierung von Beobachtungsdaten und daraus resultierende Fragen
- 19. Jahrhundert: Lebenstreppen (1. Lebenshälfte Wachstum, 2. Abbau-> keine bedeutsamen Lebensereignisse in 2. Lebenshälfte

Die Theorien der Entwicklungspsychologie lassen sich in verschiedene Ansätze einordnen

- Psychoanalytische Ansätze:

- Psychoanalyse (Freud): Über-Ich, Ich, Es =>Verschiebung der Triebquelle und deren Befriedigung, von oral -anal -phallisch-Latenz-zu genital (ab 11 Jahren); bei nicht ausreichender oder übermäßiger Triebbefriedigung während der Phasen treten Entwicklungsprobleme auf

- Psychobiologische Ansätze

- Evolutionspsychologie (Darwin): Verhalten muss adaptiven Wert haben, sonst hätte sich in der Evolution nicht durchgesetzt (Anpassung erhöht Überlebenswahrscheinlichkeit); es wird zwischen kultureller und biologischer Evolution unterschieden (stimmen nicht überein)

- Lerntheoretische Ansätze:

- Konditionierung (Skinner): Lernerfahrungen in der Interaktion mit der sozialen Umwelt treiben die Entwicklung voran
- Klassische Konditionierung: Lernen durch das Verknüpfen von Reizen. Neutraler Reiz (Ton) wiederholt mit einem unkonditioniertem Reiz (Nahrung) dargeboten, so kommt es zu einer unkonditionierten Reaktion (Speichelfluss)

Grundbegriffe

- Absolute Stabilität= die Abwesenheit von Veränderungen z.B. Gehfähigkeit
- Normative Stabilität= der Rangplatz eines Individuums bleibt in Bezugsgruppe gleich z.B. Intelligenzentwicklung im Jugendalter. Jugendliche starten an unterschiedlichen Punkten und die Intelligenz erhöht sich. Während der Entwicklung bleibt der, der als Intelligentester gestartet ist stetig der Intelligenteste, sein Rang wird also nicht verändert.

Anlage-Umwelt-Debatte

- Setzt sich mit der Frage auseinander, ob die Quelle von Entwicklungsprozessen innerhalb (=Anlage) oder außerhalb (Umwelt) des Individuums liegt.

- Dazu gibt es verschiedene Testmethoden:

- Zwillingsstudien
- Adoptionsstudien (Zusammenhang zu Adoptivgeschwister hoch-> geringer Anlage Anteil)
- Deprivationsstudien (=Ausschalten von Umwelteinflüssen)

- Es gibt kein entweder Anlage oder Umwelt!
- Es besteht eine Wechselwirkung zwischen beidem

Entwicklungskonzepte

- Reifung: Entwicklung verläuft infolge genetisch festgelegter Wachstumsimpulse
- Sensible Perioden: zu bestimmten Lebenszeiten (=sensible Periode) haben spezifische Erfahrungen maximale Entwicklungswirkungen (z.B. Wolfskinder: Spracherwerb kann nicht mehr vollständig aufgeholt werden
- Sozialisation: Entwicklung findet durch Anleitung, Belehrung, Nachahmung, Strafe/Belohnung statt (altersabhängig)
- Entwicklungsaufgaben: Entwicklung besteht in der Bewältigung von normativen psychologischen Herausforderungen
- Kritische Lebensereignisse: Einschnitte in Lebensgeschichte erfordern Entwicklungsprozess (z.B. Krankheit)
- Phasenmodelle: Entwicklung verläuft in distinktiven (abgrenzbaren) Phasen. Phasen bauen nicht zwingend aufeinander aus
- Stufenmodelle: Entwicklung verläuft in aufeinander aufbauenden Stufen

2. Methoden und methodische Probleme in der Entwicklungspsychologie

Statistische Grundkonzepte

- Erkenntnisgewinn über Theorie- und Thesenbildung

- Koinzidenz: X und Y sind zufällig zusammen
- Kovarianz X und Y systematisch zusammen (das Maß für die Zusammenhangsstärke ist der Korrelationskoeffizient)
- Kausalität: x verursacht Y

- Stichprobe
- Population
- Individuum

Untersuchungsdesigns

- Querschnittsstudien: werden in entwicklungspsychologischen Studien überwiegend angewendet, aber keine Aussagen über intraindividuelle Veränderungen möglich
- Längsschnittstudien: Erhebung wird an einer Gruppe von Individuen über mehrere Messzeitpunkte hinwegdurchgeführt-> Abbildung individueller Veränderungen möglich
- Kohorten-Sequenz-Pläne= Kombination aus Quer- und Längsschnittdesign
- Experimente: Manipulation einer Variablen durch Forscher

Methoden der Entwicklungspsychologie

- Verhaltensbeobachtung: Beobachtung (offen/versteckt; natürlich/strukturiert) nach festgelegtem Schema, zu festgelegter Zeit
- Selbstauskunft: Erfassung subjektiver Daten/Einschätzungen bestimmter Aspekte des gegenwärtigen oder vergangenen Erlebens und Verhaltens

- Interviews: offene (unstrukturierte= nach Einstiegsfrage offener Gesprächsverlauf) oder strukturierte (vorab festgelegter Fragenkatalog), Problem: Vergleichbarkeit
- Fragebögen: vorab festgelegte und auf Güterkriterien getestet; Problem: soziale Erwünschtheit

3. Pränatale Entwicklung

Es werden folgende Entwicklungsprinzipien der Entwicklung in utero unterschieden

- Genetische Steuerung („Bauplan“): plangemäßer Verlauf, enge zeitliche Vorhersagbarkeit z.B. Herausbildung der Extremitäten
- Umwelteinflüsse

- Mangelernährung
- Infektionen der Mutter
- Teratogene = Stoffe, die während der Schwangerschaften Missbildungen bzw. Entwicklungsstörungen hervorrufen
- Umweltgifte z.B. Strahlung, Quecksilber, Blei
- Alkoholmissbrauch-> fötales Alkoholsyndrom
- Nikotinmissbrauch
- Andere Drogen (Kokain, Heroin, Meth) -> Fötus entwickelt Abhängigkeit

4. Entwicklung im Säuglingsalter

- Historische Position: Locke-Neugeborenes als tabula rasa
- Kompetenter Säugling = Neugeborenes kommt mit optimierter (Verhaltens-)Ausstattung zur Welt:

- Kindchenschema: ruft Fürsorge und Hinwendung bei Erwachsenen hervor
- Reflexe: angeborene automatische Reaktion auf bestimmte Stimulation (Schutzmechanismen/Annäherungsverhalten) - Lidschlussreflex- Suchreflex-Saugreflex- Moro Reflex =Klammern an Mutter (Arme/Beine strecken und wieder zusammenbringen) - Handgreifreflex- Babinski- Reflex =Druck mittig/außen auf die Fußsohle verursacht Spreizung/Krümmung der Zehen, die Funktion ist unbekannt
- Sensorische Fähigkeiten: Geruchs- und Geschmackssinn sind bei Geburt stark entwickelt und wichtig für das Widererkennen; Sehsinn(visuelle Wahrnehmung) bei Geburt am schwächsten entwickelter Sinn; Hörsinn (auditive Wahrnehmung): akustische Wahrnehmung bereits in zweiten Hälfte der Schwangerschaft weit entwickelt->gute Wahrnehmung im (hohen) Frequenzbereich der menschlichen Stimme-> babytalk; intermodale Wahrnehmung (=Koordination verschiedener Sinnesmodalitäten)
- Emotionsausdruck

Diese Eigenschaften/Fähigkeiten lösen bei Erwachsenen kompatible Verhaltensweisen aus, sogenannte intuitive Elternprogramme (z.B. babytalk, übertriebene Mimik). Die jeweilige Verhaltensweise ist abhängig vom Alter/Geschlecht/kulturelle Abstammung des Kindes und erfolgt nicht bewusst .

5. Sprachentwicklung

Der Spracherwerb beginnt bereits pränatal durch akustische Wahrnehmung, Präferenzen für (auditive) soziale Reize (Stimmung/Sprache) und die intermodale Wahrnehmung (=Verknüpfung auditiver und visueller Reize).

Spracherwerb findet über soziale Interaktion statt

- 10 Monate:
- Sprachrezeption: Wortverständnis ca. 60 Wörter
- Sprachproduktion: erster Wortgebrauch nach 10-14 Monaten; 5 Schritte zur Wortproduktion: erste Laute (ohne Lippenbewegung z.B. mhhh)-> Gurren (Lautbildung z.B. ba,ti)-> Expansion (Laute werden vergleichbar mit Sprachlauten) -> kanonisches Lallen (=Duplizieren/Verbindung von Silben-dada)-> erste Wörter

- Ca. 18 Monate:

- Sprachrezeption ca. 200 Wörter
- Sprachproduktion: Erreichen der 50-Wort-Grenze
- Beginn der Bildung von Wortkombinationen = Zwei-Wort-Sätze z.B. Ball da

[...]

Details

Seiten
7
Jahr
2018
ISBN (eBook)
9783668965423
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v478260
Institution / Hochschule
Universität Trier
Note
Schlagworte
entwicklungspsychologie modulzusammenfassung

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