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"Die Rente ist sicher?" - Reformansätze des deutschen Rentenwesens

Seminararbeit 2005 25 Seiten

VWL - Finanzwissenschaft

Leseprobe

Gliederung

1 Hinführung zum Thema

2 Die Entwicklung des Rentensystems in Deutschland
2.1 Der Anfang
2.2 Das Rentensystem der Gegenwart
2.3 Die Reform 2001

3 Die Probleme des Rentensystems in Deutschland
3.1 Demographische Entwicklungen in Deutschland – die Bevölkerung wird zu alt
3.1.1 Sinkende Geburtenrate
3.1.2 Anstieg der Lebenserwartung
3.2 Wirtschaftswachstum und Arbeitsmarkt
3.3 Weitere Probleme des Rentensystems

4 Wege aus der Krise
4.1 Die Reformvorschläge der Rürup – Komission
4.1.1 Einführung des Nachhaltigkeitsfaktor
4.1.2 Anhebung des gesetzlichen Rentenalters
4.1.3 Bewertung
4.2 Alterseinkünftegesetz
4.2.1 Übergang zur nachgelagerten Besteuerung
4.2.2 Das Drei – Schichten Modell der Altersvorsorge
4.2.3 Bewertung

5 Fazit

Abbildungsverzeichnis:

- Abbildung 1: „Alterspyramiden von Deutschland der Jahre 2001 und 2050“, www.destatis.de, abgerufen am 20.09.2005.

- Abbildung 2: „Bevölkerungsentwicklung und Altersquotient in Deutschland“, in Rürup, B. u.a. (2003), „Bericht der Kommission: Nachhaltigkeit in der Finanzie rung der sozialen Sicherungssysteme“, Kapitel 1, 2 und 3, Bundesministerium für Gesundheit und soziale Sicherung, S.56. (als download unter: www.soziale-sicherungssysteme.de)

- Abbildung 3: „Geburtenrate in Deutschland“, in Rürup, B. u.a. (2003), „Bericht der Kommission: Nachhaltigkeit in der Finanzierung der sozialen Sicherungssysteme“, Kapitel 1, 2 und 3, Bundesministerium für Gesundheit und soziale Sicherung , S.53.

(als download unter: www.soziale-sicherungssysteme.de)

1 Hinführung zum Thema

In einem Rückblick auf das Jahr 2004 kann man nur von einer weiterhin sehr angespannten finanziellen Lage der gesetzlichen Rentenversicherung sprechen. Eine erhoffte Verbesserung bei den Beitragseinnahmen ist ausgeblieben und so mussten die eisernen Rücklagen der Schwankungsreserve angegriffen werden.[1] Auch zum aktuellen Zeitpunkt hat sich an der Situation nicht viel geändert. Für 2006 soll ein Buchungstrick helfen die angeschlagene Finanzlage zu verbessern. Per Gesetz werden die Arbeitgeber im kommenden Jahr verpflichtet die Rentenbeiträge schon 14 Tage früher zu überweisen als bislang üblich. Somit werden einmal faktisch 13 Beiträge fällig, was zu erwarteten Mehreinnahmen von 9,6 Mrd. Euro führt. Dies verschafft den Rentenkassen zwar eine Atempause kann langfristig gesehen aber nicht aus der schlechten Finanzlage heraus helfen.[2] Es stellt sich daher nun die Frage wie man das Problem in Zukunft lösen kann, um auch weiterhin davon auszugehen das die gesetzlichen Renten gesichert sind.

Die nachfolgende Arbeit wird sich aus diesem Grund mit dem deutschen Rentensystem, seinen Problemen und den möglichen Lösungen auseinandersetzen.

Um einen Einstieg in die Problematik zu gewährleisten und gleichzeitig zu vereinfachen wird zu Beginn kurz auf die Entstehungs- und Entwicklungsgeschichte eingegangen. Des Weiteren wird das gegenwärtige Rentensystem beschrieben, auf welches sich die daran anknüpfenden Erörterungen beziehen werden.

Der folgende dritte Teil der Arbeit geht näher auf die momentanen Probleme ein. Als zwei entscheidende Einflussfaktoren auf das Rentensystem werden dabei die demographische Entwicklung sowie die wirtschaftliche Lage Deutschlands gesehen. Eine Auseinandersetzung damit ist von größter Relevanz, denn die zukünftige Entwicklung dieser zwei Größen hat maßgeblichen Einfluss auf das Rentensystem.

In diesem Zusammenhang ist eine nicht geringe Anzahl an Vorschlägen entstanden, wie es möglich sein wird, den Problemen entgegenzuwirken und somit gleichzeitig eine Sicherung der Altersvorsorge zu erreichen.

Der vierte Abschnitt ist daher diesem Komplex gewidmet und geht neben den Lösungsvorschlägen selbst, ebenfalls auf deren Bedeutsamkeit für die Sicherung des Rentensystems ein. Es werden dabei jedoch nur die für den Autor relevantesten Aspekte beleuchtet. Es gibt noch eine Vielzahl anderer Vorschläge, deren detaillierte Betrachtung allerdings den Rahmen dieser Arbeit überschreiten würde. Im fünften und letzten Abschnitt werden die gewonnenen Erkenntnisse zusammengefasst.

2 Die Entwicklung des Rentensystems in Deutschland

2.1 Der Anfang

Als „Sicherheitszuschuss zum Lebensunterhalt“ war die gesetzliche Rentenversicherung bei ihrer Einführung geplant gewesen. Der Reichskanzler Otto von Bismarck brachte sie angetrieben durch den Druck der Gewerkschaften 1889 auf den Weg. Denn die Situation in Deutschland erforderte Handlungsbedarf. Etwa die Hälfte der Bevölkerung lebte am Rande des Existenzminimums. Gesetze zur Invaliditäts- und Altersicherung waren unumgänglich um solche existenziellen Notlagen zu umgehen.

Ursprünglich funktionierte die gesetzliche Rentenversicherung nach dem Kapitaldeckungsverfahren. Das hieß aus den Beiträgen wurden Rückstellungen gebildet wie es etwa private Lebensversicherungen praktizieren.

Doch nach dem zweiten Weltkrieg und der Weltwirtschaftskrise wurde der Kapitalstock auf erhebliche Weise reduziert, was 1957 zu einer grundlegenden Reformation des Systems führte. Der Bundestag entschied sich zu einem schrittweisen Übergang zum Umlageverfahren[3]. Gleichzeitig wurde die dynamische Rente eingeführt wodurch die Renten an den Bruttolohn gekoppelt wurden.[4] In einer zweiten Reform von 1972 gewährte man die Möglichkeit zur Frühverrentung, was den Kreis der Beitragsempfänger deutlich erhöhte.[5]

Doch immer mehr musste die Regierung feststellen das, dass Rentensystem so nicht weiter funktionieren konnte. Die Zahl der Beitragszahler nahm aufgrund von steigender Arbeitslosenzahl und einem Absinken des Renteneintrittsalters immer weiter ab und die Beiträge selber mussten stetig erhöht werden.

Diese Situation führte 1992 zu der dritten großen Rentenreform. Unter dem damaligen Sozialminister Norbert Blüm wurde eine Anpassung der Renten an dem Nettolohn und ein Abschlag für Frührentner eingeführt.[6]

Doch auch diese Maßnahmen sollten nicht ausreichend sein um die Auszahlung der Renten für sicher zu erklären. Weitere Reformen und Änderungen wurden vorgenommen, worauf im folgenden Abschnitt näher eingegangen wird.

2.2 Das Rentensystem der Gegenwart

Das deutsche Rentensystem in seiner heutigen Art gilt im Vergleich zu den Systemen in anderen Staaten als ein sehr großzügiges[7]. Die Rentenversicherung als eine öffentlich-rechtliche Pflichtversicherung umfasst alle Arbeiter und Angestellten im öffentlichen und privaten Sektor. Beamte stehen ganz und Selbstständige weitgehend außerhalb der Versicherungspflicht.[8] Die Finanzierung der Renten erfolgt zu siebzig Prozent durch die Einzahlungen von Arbeitgebern und Arbeitnehmern in die Rentenkasse. Hierbei entrichten beide jeweils einen hälftigen Anteil. Die restlichen dreißig Prozent des Budgets der Rentenkasse werden über Teile der Mehrwertsteuer und über die 1998 eingeführte Ökosteuer finanziert und als Bundeszuschuss gehandelt.[9]

Das festgesetzte Renteneintrittsalter liegt bei 65 Jahren. Es existieren aber diverse Möglichkeiten schon vor diesem Zeitpunkt die Leistung in Anspruch zu nehmen. Jedoch zieht diese Frühverrentung Abschläge bei dem ausgezahlten Betrag mit sich.

Die Höhe der monatlich erstatteten Renten wird von der Biografie des Versicherten bestimmt. Dabei spielen zum Beispiel die Beschäftigungsverhältnisse, aber auch Erziehungszeiten für Kinder eine Rolle.[10]

Doch wie bereits erwähnt, reichten die Reformen nicht aus, um das Rentensystem dauerhaft zu stabilisieren. Aus diesem Grund kam es 2001 weiteren Veränderungen.

2.3 Die Reform 2001

Mit der Reform 2001 wurde ein Paradigmenwechsel eingeleitet, der wegen der dramatischen Alterung der deutschen Bevölkerung unausweichlich war. Man erkannte, dass die gesetzliche Rente allein nicht ausreichen würde, um die Altersicherung zu gewährleisten. Das Ziel der Reform bestand deshalb darin, den Anstieg der Beitragssätze zu dämpfen und in den nächsten Jahrzehnten das Niveau der umlagefinanzierten Renten herunterzufahren. Die entsprechende Versorgungslücke sollte durch den Aufbau einer privaten Altersvorsorge gefüllt werden – der „Riester- Rente“. Damit wurde im Zuge der Reform eine neue Säule der Alterssicherung beschlossen.

Die nach ihrem Initiator und damaligen Arbeit – und Sozialminister Walter Riester benannte Rente, verfolgt dabei ein relativ einfaches Prinzip. Der Bürger soll Geld für seine Altersvorsorge ansparen, und der Staat unterstützt dies durch finanzielle Zuschüsse oder Steuerfreiheit. Im dem Falle, dass Altersvorsorgeanlagen bzw. Altersvorsorgeverträge bestimmte Voraussetzungen erfüllen und Bedingungen einhalten, kann für diese eine staatliche Zulage beantragt werden. Um diese dann tatsächlich zu erhalten bedarf es einer behördlichen Zertifizierung.[11]

Doch auch bei der betrieblichen Altersvorsorge, die neben der gesetzlichen und privaten eine weitere Säule der Altersvorsorgeformen bildet, führte die Reform Änderungen mit sich. So ist im Gegensatz zu früher eine Zustimmung Seitens des Arbeitgebers nicht mehr notwendig, um eine Form dieser Altersvorsorge abzuschließen. Jeder Beschäftigte hat einen Anspruch, einen Teil seines Lohn oder Gehalts darin anzulegen, lediglich über die Art der betrieblichen Vorsorge verfügt der Arbeitgeber nach wie vor über das Recht darüber zu bestimmen.[12]

Auch wenn diese Reform einen großen Schritt in die richtige Richtung darstellt, reicht sie noch lange nicht aus um das Renteniveau in Zukunft stabil zu halten. Eine Vielzahl an Faktoren wirkt sich negativ auf das deutsche Rentensystem aus. Im folgenden Abschnitt wird daher näher auf die existierenden Probleme eingegangen.

3 Die Probleme des Rentensystems in Deutschland

3.1 Demographische Entwicklungen in Deutschland – die Bevölkerung wird zu alt

Deutschland wird immer älter – dieser Satz taucht in den letzten Jahren vermehrt in den Medien oder politischen Diskussionen auf. Diese Entwicklung ist als sicher anzusehen, da die Betroffenen von morgen schon heute leben. Heutige Kinder sind spätere Erwerbstätige, die heute 25- 40 jährigen bilden die Rentnergeneration.[13]

Ein Mittel zur Veranschaulichung stellt die Bevölkerungspyramide dar. Mit deren Hilfe ist es möglich die Alterstruktur eines Landes zu illustrieren. In der folgenden Abbildung ist die Alterspyramide von Deutschland aus dem Jahr 2001 dargestellt.

Abbildung 1: Alterspyramide Deutschland (2001 und 2050)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Statistisches Bundesamt

Daneben wird die Bevölkerungspyramide im Jahr 2050 gezeigt. Wie hier unschwer zu erkennen ist, handelt es sich nicht mehr um eine Pyramide, man kann von einem „ausgefransten Pilz“[14] sprechen. Die Verschiebung vor allem bei der Gruppe der 30 bis 50 Jährigen ist deutlich feststellbar.

Die Alterung der Gesellschaft wird durch zwei gegensätzliche Trends bestimmt. Die sinkende Geburtenrate und die steigende Lebenserwartung der Menschen. Beide Faktoren bewirken eine Verschiebung zwischen Jung und Alt. Die zunehmende Vergreisung der Gesellschaft wirft Probleme bei der Finanzierung des umlagefinanzierten Rentensystems auf. Es müssen in Zukunft immer weniger Jüngere die Leistungen für immer mehr Ältere aufbringen.[15]

Zu erkennen ist die immer steigende Anzahl an alten Menschen auch an dem konstanten Zuwachs des Altenquotienten. Das anhand dieser Kennzahl ausgedrückte Verhältnis zwischen Erwerbstätigen und Ruheständlern verschiebt sich immer weiter. Abbildung 2 untermauert diesen Anstieg des Quotienten deutlich. Der Anteil an Rentnern nimmt stetig zu, was eine einschneidende Verknappung der wichtigen Beitragszahler für das Pensionssystem mit sich bringt.[16]

Abbildung 2: Altersquotient in Deutschland

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthaltenQuelle: Rürup, B. u.a. (2003), „Bericht der Kommission: Nachhaltigkeit in der Finanzierung der sozialen Sicherungssysteme“, Kapitel 1, 2 und 3, Bundesministerium für Gesundheit und soziale Sicherung (als download unter: www.soziale-sicherungssysteme.de) Abgerufen: 29.08.2005, S. 56.

3.1.1 Sinkende Geburtenrate

Ein Hauptgrund für die rasche Alterung liegt in den Geburtenzahlen. Während der Rentenreform 1957 war der damalige Bundeskanzler Konrad Adenauer der Meinung: „Kinder bekommen die Leute immer“ und rechtfertigte somit die Kopplung der Renten an die Lohnentwicklung.[17] Doch schon Ende der sechziger wendet sich das Blatt. Abbildung 3 macht dies deutlich.

ABBILDUNG 3: Geburtenrate

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Rürup, B. u.a. (2003), „Bericht der Kommission: Nachhaltigkeit in der Finanzierung der sozialen Sicherungssysteme“, Kapitel 1, 2 und 3, Bundesministerium für Gesundheit und soziale Sicherung (als download unter: www.soziale-sicherungssysteme.de) Abgerufen: 29.08.2005, S. 53.

Der Rückgang der Fertilitätsrate in Deutschland ist unverkennbar. Der Quotient aus der Anzahl der in einem Kalenderjahr in einer Bevölkerung Lebendgeborenen geteilt durch den Jahresanfangsbestand fertiler Frauen (Frauen zwischen 15 und 45 Jahren) liegt hier mit 1,37[18] Kindern pro Frau – so niedrig wie fast nirgendwo anders auf der Welt. Insgesamt bleibt jede dritte Frau kinderlos, bei Akademikerinnen sind es sogar 40%.[19] Die Gründe für diesen Effekt liegen in vielen Bereichen. Vordergründig sind jedoch die eher schlechten familienpolitischen Rahmenbedingungen und das Karrierestreben der Frauen die ausschlaggebenden Faktoren. Eltern mit 2 Kindern verzichten in der Regel auf 15 Jahresgehälter oder im Durchschnitt 200.000 € pro Elternteil, wenn sie sich für Kinder entscheiden. Angesichts dieser Tatsache sind häufig Paare anzutreffen, die sich aufgrund der hohen Opportunitätskosten im Zusammenhang mit sinkenden Karrierechancen gegen eine Familie entscheiden.[20] Die Konsequenzen die sich aus dieser Entwicklung ergeben sind für das in dieser Arbeit relevante Rentensystem fatal. Denn mit jedem Kind was nicht geboren wird, geht ein möglicher zukünftiger Beitragszahler für das Pensionssystem verloren.

[...]


[1] Vgl. Ehler, H. (2005a), S. 1073.

[2] Vgl. Doemens, K. (2005c), S. 2.

[3] Die jeweiligen Beitragseinnahmen werden unmittelbar dazu verwendet, die laufenden Renten auszuzah

len.

Vgl. Bundesministerium der Finanzen, (2005), S.4.

[4] Vgl. Delhäs, D. (2005), S. 20.

[5] Vgl. Kaufmann, O.; Köhler, P.(2000), S. 20.

[6] Vgl. Delhäs, D. (2005), S. 20.

[7] Vgl. Börsch-Supan, A.H.; Wilke, Ch. B.(2003), S. 1.

[8] Vgl. Kaufmann, O.; Köhler, P.(2000), S. 14 f.

[9] Vgl. Börsch-Supan, A.H., Wilke, Ch. B.(2003), S. 1

[10] Vgl. Kaufmann, O.; Köhler, P.(2000), S. 14 ff.

[11] Vgl. Kaufmann, O.; Köhler, P.(2000), S. 58.

[12] Vgl. Kaufmann, O.; Köhler, P.(2000), S. 97.

[13] Vgl. Rürup, B. u.a. (2003), S.51.

[14] Vgl. Kröhnert, S. u.a. (2004), S.14.

[15] Vgl. Rürup, B. u.a. (2003), S.51

[16] Vgl. Doemens, K. (2005b), S.4.

[17] Vgl. Delhäs, D. (2005), S.22.

[18] Vgl. Zahl vom Statistischen Bundesamt aus dem Jahr 2003 (www.destatis.de)

[19] Vgl. Kröhnert, S. u.a. (2004), S.14.

[20] Vgl. Adrian, H. (2003), S.18.

Details

Seiten
25
Jahr
2005
ISBN (eBook)
9783638447256
ISBN (Buch)
9783638597548
Dateigröße
583 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v47879
Institution / Hochschule
Friedrich-Schiller-Universität Jena
Note
1,7
Schlagworte
Rente Reformansätze Rentenwesens Seminar

Autor

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