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Augustinus - Die Idee des gerechten Krieges

Hausarbeit 2002 14 Seiten

Geschichte Europa - and. Länder - Mittelalter, Frühe Neuzeit

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Augustinus – Wer war er?

3. Der gerechte Krieg

4. Die Idee des gerechten Krieges bei Augustinus

5. Die weitere Entwicklung des gerechten Krieges im Mittelalter

6. Schlußbetrachtung – Gibt es heute noch einen gerechten Krieg?

7. Quellen- und Literaturverzeichnis
7.1. Quellenverzeichnis
7.2. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

In meiner Arbeit werde ich die Theorie über den gerechten Krieg des Augustinus näher beleuchten. Augustinus war einer der vier großen Kirchenlehrer und gilt – mit Hilfe der antiken Philosophie – als Urheber der „bellum justum“ Lehre. Die „bellum justum“ Doktrin beschäftigt sich mit den theoretischen Aspekten der Führung eines gerechten Krieges. Augustinus ist in einer Zeit der sich wandelnden Werte aufgewachsen; zu seinen Lebzeiten wurde Rom – die ewige Stadt – von den Barbaren des Alarich zerstört. Äußerlich erholte sich Rom schnell von dieser Niederlage, doch es hatte seinen Glanz, seinen Ruf der Unbesiegbarkeit eingebüßt. Bis in die Zeit des Augustinus war es Ansicht jedes Gebildeten, dass die Geschichte der Menschheit im römischen Reich ihre Vollendung erreicht hatte.

Die Idee des gerechten Krieges veränderte sich im Rahmen der Entwicklung der abendländischen-christlichen Tradition. Heute spricht niemand mehr von einem gerechten Krieg, sondern bestenfalls nur von „friedensschaffenden oder friedenssichernden Maßnahmen“ aber auch nur im Rahmen eines UN Mandates.

Die wichtigste Quelle wird in meiner Arbeit das Buch „de civitate dei" von Augustinus sein, welches er 426 vollendet hat.

Im Bereich der Sekundärliteratur möchte ich besonders das Buch „The Just War In The Middle Ages“ von F. H. Russell herausheben, da es äußerst konkrete und vielfältige Denkanstöße für die Bearbeitung des Themas geliefert hat. Ich habe jedoch auch versucht, andere Meinungen und zum Teil auch Forschungsschwerpunkte, in die Hausarbeit miteinfließen zu lassen, so weit dies in dem vorgegebenen Rahmen möglich war, da so, meiner Meinung nach, ein runderes Bild erreicht wird, was mir hoffentlich gelungen ist.

Von allen Internetadressen möchte ich besonders die Seite der Encyclopedia Britannica herausheben, die mir in vielen Fällen der mittelalterlichen Begriffswelt weitergeholfen hat.

2. Augustinus – Wer war er?

Gleich vieler Persönlichkeiten der Geistesgeschichte, ist auch die Biographie des Augustinus, die eines sozialen Aufsteigers. Im Jahre 354 wurde er in der nordafrikanischen Stadt Thagaste[1] geboren, und er gehört wenn überhaupt noch, zur Spätantike. Augustinus lebt auch in der Zeit in der das Christentum mit der Bekehrung Constantins endgültig Staatsreligion geworden ist. Doch damit sind nicht alle Probleme überwunden: die beiden äußeren Enden der sozialen Skala, die Bauern und die Aristokratie widerstehen immer noch der christlichen Idee. Das Eingreifen der kaiserlichen Macht in kirchliche Angelegenheiten komplizierte die Dinge. Der alternde Constantin, Constans und Valens entscheiden sich für diese oder jene Fassung der arianischen Irrlehre[2] und somit erlebt die Orthodoxie dunkle Zeiten bis zur Zeit Kaiser Theodosius, der sehr katholisch ist.

Augustinus Vater Patricius gehörte der kleinbürgerlichen Schicht an. Durch seine confessiones sind wir über die erste Phase seines Lebens gut unterrichtet, in der die Voraussetzungen für den späteren Aufstieg gelegt wurden. Obwohl sich ihm erst durch sein Studium ein für spätantike Verhältnisse bemerkenswerter Aufstieg bis zum Bischofsamt ermöglicht hat, erschienen ihm Sinn und Ziel des von ihm genossenen Unterrichts mehr als fragwürdig.[3] Die Rhetorik war die entscheidende Schlüsselqualifikation; wer hier hervorragendes leistete, konnte leicht den Nachteil einer niedrigeren Herkunft wettmachen. Im Jahre 374 wurde er Rhetoriklehrer. Nach einer kurzen Hinwendung in Karthago zu den Manichäern siedelt er 383 nach Rom über. Dort steigt er zum Professor der Rhetorik auf. 386 beschäftigt er sich intensiv mit der neuplatonischen Philosophie aber auch mit dem Christentum. Er bekennt sich zum Christentum und wird Ostern 387 getauft. 391 ließ er sich zum Priester weihen. Schon lange war er über die Grenzen seines Heimatortes bekannt und wurde oft um Rat gefragt. Der Bischof von Hippo – Valerias - wollte Augustinus zum Mitbischof machen, da er selbst nur wenig Latein verstand. Es war nach geltendem Kirchenrecht unüblich, aber Valerias setzte sich durch.[4] Zuerst wurde Augustinus Mitbischof und als Valerius starb alleiniger Bischof von Hippo. Die Härte, die Augustinus im Kampf gegen die Donatisten[5] anwendet, kann man von seiner Gnadenlehre nicht isoliert sehen.[6] Er geht davon aus, daß „der Mensch im wesentlichen verloren (ist) und nur durch die göttliche Gnade gerettet (werden kann)“[7]. Angesichts solcher Ansichten fiel es Augustinus kaum schwer, den Tod ungezählter Donatisten in Kauf zu nehmen. In seiner letzten großen Kontroverse – es ging gegen die Pelagianer[8] – steht seine Gnadenlehre ebenfalls im Vordergrund. Beinahe alles, was er als Bischof dachte, lehrte und schrieb steht in enger Beziehung dazu. Im Jahr 426 vollendet Augustinus sein 22-bändiges Werk "de civitate dei". Das Buch XIX sollte sich mit dem „bellum iustum“ beschäftigen.

Augustinus starb 430 n. Chr. während der Belagerung seiner Stadt Hippo durch die Vandalen. Aus der Biographie die Augustinus Schüler Possidius schrieb, ist bekannt, dass er nicht gelassen aus dem Leben schied: „Aus den Bußpsalmen Davids hatte er sich die vier kürzesten abschreiben und an der Wand seines Krankenzimmers anbringen lassen und soll sie (...) während seiner letzten Krankheit gelesen haben.“[9]

3. Der gerechte Krieg

Die Idee des gerechten Krieges hat eine lange Tradition. Sogar in der Bibel lassen sich Hinweise auf eine „Kriegsordnung[10] “ finden. Dort kann man sehr gut sehen, wie die Israeliten Krieg führen sollten. Im Alten Testament werden „Abraham, Moses, Josua, Samson, Jephta, Gideon (und) David als Vorbilder für Tapferkeit, Umsicht und Gottvertrauen hingestellt“[11]. Im Neuen Testament schreibt der Apostel Paulus: „Sofern eine legitime Gewalt sie anordne, müssten Kriege sogar von den Guten geführt werden.“[12] Im alten Griechenland wurde Krieg als etwas alltägliches angesehen. Innergriechische Auseinandersetzungen waren keine Kriege.[13] Der Begriff „gerechter Krieg“ wurde eigentlich von Aristoteles geprägt, „…applying it to wars waged by Hellenes against non-Hellenes whom he considered barbarians.“[14]

[...]


[1] Das heutige Souk Ahras in Algerien.

[2] Arianismus war eine frühe christliche Lehre aus dem 4. Jahrhundert, benannt nach dem alexandrinischen Presbyter Arius. Nach arianischer Lehre ist Jesus Christus nicht wesensgleich mit Gott, aber dessen vornehmstes Geschöpf.

[3] Neumann, S. 9f.

[4] Neumann, S. 34.

[5] Donatismus ist die Lehre einer christlichen Gemeinschaft, die im 4. und 5. Jahrhundert in Nordafrika entstand. Die Donatisten behaupteten, die Gültigkeit der (Gabe der) Sakramente hänge von der Heiligkeit der Person ab, die sie vollziehe.

[6] Neumann, S. 64ff.

[7] Neumann, S. 48.

[8] Die Pelagianer forderten vom Menschen keine sittliche Vollkommenheit, wenn er dazu nicht auch aus eigenem Vermögen in der Lage ist.

[9] Possidius c 31,2.

[10] Deuteronomium 20.

[11] Ohler, S. 60.

[12] Röm. 13, 1.

[13] Plato, Republic 469c, 470c, 471c.

[14] Russell, S. 3.

Details

Seiten
14
Jahr
2002
ISBN (eBook)
9783638129305
Dateigröße
487 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v4793
Institution / Hochschule
Westfälische Wilhelms-Universität Münster – Historisches Seminar
Note
2
Schlagworte
Augustinus Gerechter Krieg

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Titel: Augustinus - Die Idee des gerechten Krieges