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Willi Baumeister - Immer abstrakter

Seminararbeit 2005 15 Seiten

Kunst - Malerei

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Willi Baumeister – Eckpunkte und Lebensstationen

3. Ein kurzer Blick auf das gesamte malerische Werk

4. Das Schachspiel und der formale Schritt
4.1. Die Schachspiel-Serie, eine allgemeine Beschreibung
4.2. Reduzierung auf das Wesentliche

5. Darstellen oder Sein

6. Schluss

7. Abbildungsverzeichnis

8. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

abstrakte Kunst, Bezeichnung für die seit etwa 1910 entstandenen Werke von Malerei und Plastik, die nicht die gegenständliche, objektive Wirklichkeit – in welchem Stil auch immer – wiederzugeben suchen, sondern die eigene Bildwirklichkeit zum Darstellungsziel erheben und sich von der Wiedergabe der äußeren Erscheinung lösen. [...] Zahlreiche abstrakte Gemälde sind daher durch eine >>Wesensschau<< gekennzeichnet, die hinter der optischen Erscheinung der Natur die wesentlichen Antriebskräfte erkennen und wiedergeben möchte“[1]

Thema dieser Hausarbeit ist die Entwicklung der Abstraktion in den Gemälden Willi Baumeisters. Als Beispiele dienen Werke aus der Hängung des neuen Kunstmuseums in Stuttgart, zur Eröffnungsausstellung „Angekommen – die Sammlung im eigenen Haus“.

Ich habe zwei Bilder aus der Schachspiel -Werkgruppe ausgewählt, bei deren Vergleich man einen Schritt in die Abstraktion nachvollziehen kann. Da Baumeister seine Bilder, fast ausschließlich als Serien und Werkgruppen gemalt hat, würde sich auch der Vergleich der Serien untereinander anbieten. Es ist jedoch nicht möglich in dieser Hausarbeit jede einzelne der ca. 21 unterschiedlichen im Kunstmuseum repräsentierten Werkgruppen für sich und im Hinblick auf das Gesamtwerk zu untersuchen (Im Werkkatalog sind 65 einzelne Werkgruppen aufgezeigt[2] ), deshalb habe ich mich auf zwei Beispiele einer Werkgruppe konzentriert.

Zuerst einmal möchte ich in Kapitel 2, die Person Willi Baumeister und seine wichtigsten Lebensstationen vorstellen. Mit einem kurzen Überblick auf das malerische Werk, soll in Kapitel 3 Baumeisters Bilderwelt verständlicher gemacht werden, wobei ich mich auch hier auf die markanteren Serien beschränke.

Kapiteln 4 beschreibt die Werkgruppe des Schachspiels allgemein, zeigt einen Schritt der Abstraktion anhand der zwei ausgewählten Arbeiten und stellt die Frage nach der Motivation, welche Baumeister zu diesem Schritt veranlasst hat. Diese Frage möchte ich im 5. Kapitel, anhand von Platons Kunstauffassung erörtern.

Im letzten Kapitel wird das Thema, im Bezug zum gesamten malerischen Werk Baumeisters und im Vergleich mit anderen Künstlern noch einmal resümiert und über eine eventuelle Weiterentwicklung nachgedacht.

2. Willi Baumeiser - Eckpunkte und Lebensstationen

Willi Baumeister, Maler, Graphiker, Zeichner, Bühnenbildner und Kunsttheoretiker wurde am 22.1.1889 in Stuttgart geboren und verstarb am 31.8.1955, im Alter von 66 Jahren in Stuttgart.

Nach einer Lehre als Dekorationsmaler, studiert Baumeister ab 1905 an der Kunstakademie Stuttgart bei Robert Poetzelberger und Adolf Hölzel. Dort lernt er u.a. Otto Meyer-Amden, Ida Kerkovius und Oskar Schlemmer kennen, mit dem er sein Leben lang eng befreundet bleibt. Durch den Krieg unterbrochen, nimmt Baumeister sein Studium 1918 an der Akademie wieder auf und schließt es 1922 ab.

Ab 1928 wird Baumeister als Lehrer für Typographie und Gebrauchsgraphik an die Städelsche Kunstschule in Frankfurt berufen, wo er jedoch schon 1933 durch die Nationalsozialisten wieder entlassen wird. Da er zu den sog. Entarteten Künstlern zählte, folgt 1941 das Ausstellungsverbot. Nach dem 2. Weltkrieg, 1946 nimmt er eine Professur für Malerei an der Stuttgarter Kunstakademie an und ist ab 1951 bis zu seinem Tode deren stellvertretender Direktor.

Willi Baumeister war Mitglied der Pariser Künstlergruppe Cercle et Carré und deren Nachfolgeorganisation Abstraction-Création und verteidigt die moderne Kunst öffentlich auf den „Darmstädter Gesprächen“ 1951.

Mit seinem Buch Das Unbekannte in der Kunst (1947), das zwischen 1943/44 entstand, plädiert er „für eine ethisch motivierte, gegenstandsfreie Kunst“.[3] Neben Wassily Kandinsky und Paul Klee gehört Baumeister damit zu den wichtigsten Künstler-Theoretikern Deutschlands und „gilt als einer der wichtigsten Vertreter der abstrakten Malerei der europäischen Nachkriegszeit.“[4]

3. Ein kurzer Blick auf das gesamte malerische Werk

Von den großen Impressionisten wie Monet beeindruck, schafft Baumeister zu Beginn seiner Studienzeit einige Landschaften und figürliche Kompositionen, von denen nur noch wenige erhalten sind. Vom Kubismus beeindruck, löst er sich jedoch bald von den Landschaften und konzentriert sich mehr auf die Figur, dabei wird er immer abstrakter. Anfangs benutzt Baumeister noch Elemente, die wiedererkennbar sind (in seinen Mauer -, Sport -, Maschinen -,... Bildern) und stößt mit ihnen als Ausgangspunkt in etwas Unbekanntes und Abstraktes vor. Diese Bilder werden als „Zwitter, die Grenzen aufzeigen“[5], beschrieben, jedoch „konnte die Gestaltung nicht absolut sein“[6], da immer noch das Gegenständliche als Motiv war. Dieses „Unbekannte“ behandelt er in der Theorie ausführlich in seinem Buch „Das Unbekannte in der Kunst“ (1947). Es steht grob umrissen für die undurchschaubare Seele und Gefühlswelt des Menschen als Individuum und der gesamten Menschheit. Dabei forscht er nach dem sog. kollektiven Gedächtnis, beschäftigt sich mit Freuds Theorien und anderen wissenschaftlichen Erkenntnissen, wie der Relativitätstheorie. Mit Themen also, die sehr abstrakt und schwer zu verstehen oder gar unbegreiflich sind. Baumeister bietet dem Betrachter seine Bilder als eine Art Plattform für die Auseinandersetzung mit diesen Themen an. Er will damit keine Fragen beantworten und Probleme lösen, sondern er forscht auf seine Art. Dabei sucht er nicht nach mathematischen Formeln, sondern begegnet dem Abstrakten mit Abstraktem.

Ab 1937 beginnt Baumeister mit der Serie der Ideogramme (symbolische Zeichen, Hieroglyphen). Hier trennt er sich erstmals komplett vom Gegenständlichen und bemerkt, dass „[...] Vergessenes und Verdrängtes individueller und kollektiver Art durchbrechen kann, [...] wo die Wirklichkeit als Vorbild verschwindet und der Maler auf sich selbst gestellt ist.“[7]

Er will von da an in keine bestimmte Richtung weisen, er braucht keinen „Aufhänger“ mehr. Bisher hatte er immer eine Vision vom fertigen Bild, eine Idee, der er nachging. Jetzt setzt sich das Bild erst im Arbeitsprozess zusammen. Dabei arbeitet er wie die Natur, die Bildelemente pendeln sich ein, bis das Bild ausgewogen erscheint.

[...]


[1] Vgl. F.A. Brockhaus GmbH (Hrsg.), Der Brockhaus. Kunst. Künstler, Epochen, Sachbegriffe, Leipzig/Mannheim: F.A. Brockhaus 2001, S.11f.

[2] Vgl. Peter Beye, Felicitas Baumeister, Willi Baumeister. Werkkatalog der Gemälde. Band II, Stuttgart/Ostfildern: Hatje Cantz Verlag 2002, S.18f.

[3] Saur (Hrsg.), Saur Allgemeines Künstlerlexikon. Der Bildenden Künstler aller Völker und Zeiten (Barbieri – Bayona, Bd. 7), München/Leipzig: Saur 1993, S.599.

[4] Vgl. Saur 1993 (wie Anm.3), S. 599.

[5] Will Grohmann, Willi Baumeister, Stuttgart: W. Kohlhammer, Fingerle & Co 1952, S.9.

[6] Grohmann 1952 (wie Anm.5), S.9.

[7] Vgl. Grohmann 1952 (wie Anm.5), S.10.

Details

Seiten
15
Jahr
2005
ISBN (eBook)
9783638448741
Dateigröße
517 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v48073
Institution / Hochschule
Staatliche Akademie der Bildenden Künste Stuttgart
Note
1,0
Schlagworte
Willi Baumeister Immer

Autor

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Titel: Willi Baumeister - Immer abstrakter