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Technischer Wandel und internationaler Handel

Hausarbeit 2005 24 Seiten

VWL - Innovationsökonomik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

1. Einleitung

2. Technologie und technologischer Wandel - Begriffe und Definitionen

3. Theorie des internationalen Handels: Die klassischen Außenhandelsmodelle
3.1 Das Ricardo-Modell
3.2 Das Heckscher-Ohlin-Modell

4. Technologischer Fortschritt: nur Vorteile oder auch Nachteile?
4.1 Technologischer Fortschritt und die Auswirkungen auf die internationale Wirtschaft
4.2 Technologischer Fortschritt und die Auswirkungen auf die nationale Einkommensverteilung

5. Der Neo-Technologie-Ansatz
5.1 Der Technology-Gap-Ansatz
5.2 Der Produkt-Lebenszyklus-Ansatz
5.2.1 Der Product-Variety-Ansatz
5.2.2 Der Quality-Ladder-Ansatz

6. Schluss

Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Opportunitätskosten und komparativer Vorteil

Abbildung 2: Technologischer Wandel und Einkommensverteilung

1. Einleitung

In der folgenden Arbeit soll der Einfluss des technischen Wandels auf den internationalen Handel untersucht werden. Im Zeitalter der Globalisierung und des heutigen ausgeprägten weltweiten Handels scheint es besonders interessant zu sein zu betrachten, welchen Anteil der technische Fortschritt und der damit verbundene technische Wandel daran besitzen. Während im 18. und 19. Jahrhundert natürliche und klimatische Umstände bestimmten, welche Güter ein Land exportierte und importierte, so wurden diese Faktoren mit der zunehmenden Industrialisierung immer weiter zurückgedrängt und der Faktor Technologie gewann zunehmend an Bedeutung.[1]

Einleitend werden in dieser Arbeit einige Begriffe erläutert, um grundlegende Sachverhalte zu definieren und somit das Verständnis der weiteren Ausführungen für den Leser zu erleichtern.

Im dritten Abschnitt folgt dann eine Betrachtung der klassischen Außenhandelsmodelle von Ricardo und Heckscher-Ohlin sowie eine Überprüfung, in wie weit die Größe Technik schon in diesen beiden Modellen eine Berücksichtigung findet.

Im vierten Kapitel dieser Arbeit sollen im Allgemeinen die Auswirkungen des technischen Fortschritts auf die internationale Wirtschaft und den Außenhandel aber auch die Einflüsse auf die nationale Einkommenserteilung untersucht werden. Hierbei wird sowohl ein Überblick über die Vorteile als auch die Nachteile des technischen Fortschritts vermittelt.

Im fünften Kapitel und damit dem Hauptteil dieser Ausführungen werden die einzelnen theoretischen Modelle des Neo-Technologie-Ansatzes dargestellt, wobei innerhalb dieser Modelle erstmalig versucht wurde, der Technik bzw. der Technologie eine explizite Bedeutung zukommen zu lassen. Innerhalb dieses Kapitels stehen der Technolgy-Gap-Ansatz und der Produkt-Lebenszyklus-Ansatz im Mittelpunkt.

Abgeschlossen wird diese Arbeit mit einem kurzen zusammenfassenden Überblick über die gewonnenen Erkenntnisse sowie einer eigenen Betrachtungsweise des Autors.

2. Technologie und technologischer Wandel

In Anlehnung an die Literatur kann der Begriff „Technologie“ als der zeitpunktbezogene Stand des technischen Wissens verstanden werden. Hierunter werden sowohl das angewandte wie auch das nicht angewandte technische Wissen zusammengefasst. Das angewandte Wissen im Einzelnen wird weiterhin als „Technik“ definiert.[2]

Nach Callies definiert sich der technologische Fortschritt als „Erweiterung des Wissens über die (technische) Herstellung bestehender bzw. neuer Produkte“.[3] Als Folge des technologischen Fortschritts kann der technische Fortschritt betrachtet werden, wobei an dieser stelle angemerkt sei, dass in der Literatur häufig zwischen den Begriffen „Technologie“ und „Technik“ nicht unterschieden wird.[4]

Somit sollen auch in dieser Arbeit diese Begriffe synonym verwendet werden.

Der technologische bzw. technische Wandel beschreibt nach Friedrichs einen Prozess, „in dessen Verlauf neue Verfahren, Maschinen, Organisationstechniken und Produkte

- erforscht bzw. erfunden werden und bis zur Marktreife entwickelt,
- in den Produktions- – und Konsumgüterbereich eingeführt und durchgesetzt,
- im Zeitablauf qualitativ verbessert und
- wenn sie veraltet oder technisch überholt sind, aus dem Produktionsprozess ausgeschieden werden.“[5]

Der Prozess des technischen Wandels lässt sich nach Hass in drei Phasen einteilen: die Invention, die Innovation und die Diffusion.[6]

Nach Cantner ist die Inventionsphase als Erweiterung der Technologie einer Volkswirtschaft zu verstehen, ohne dass dabei eine wirtschaftliche Realisation dieser Technologie stattfindet. Durch Forschung und Entwicklung nimmt hierbei die Zahl der potentiell anwendbaren Techniken, z.B. in Form von Prototypen und Verfahren, zu.

Die erstmalige wirtschaftliche Anwendung und Durchsetzung dieser der neuen Technologien geschieht in der Phase der Innovation, in der generell eine Zunahme des angewendeten technischen Wissens zu beobachten ist.[7]

Die letzte Phase des technischen Wandels ist die Diffusionsphase, in der die Verbreitung eines neuen Verfahrens oder Produktes zwischen verschiedenen Unternehmen, Branchen, Regionen oder Ländern stattfindet. Vor allem die Verbreitung zwischen verschiedenen Ländern soll in dieser Arbeit genauer betrachtet werden. Der Begriff des technischen Wandels wird in der Literatur gleichbedeutend auch als Innovationsprozess beschrieben.[8]

Innovationen, die Cantner kurz als „die Verwirklichung neuer wirtschaftlicher Konzepte“ beschreibt, werden wiederum in Prozessinnovationen und Produktinnovationen unterschieden. Zu den Prozessinnovationen zählen technische Neuerungen innerhalb eines Produktionsprozesses eines bereits produzierten Gutes. Ziel einer Prozessinnovation (Verfahrensinnovation) ist es, die Produktion eines Gutes so zu verbessern, dass entweder ein gegebener Output mit einer gesteigerten Effizienz der eingesetzten Inputfaktoren produziert wird oder dass mit gegebnen Inputfaktoren ein erhöhter Output erzielt werden kann.[9] Produktinnovationen sind auf der anderen Seite dann gegeben, wenn ein Unternehmen unabhängig von den bereits existierenden Produkten ein neues Produkt entwickelt und im Markt einführt. Produktinnovationen stellen also eine Erweiterung des vorhandenen Güterangebots dar und ermöglichen dem Konsumenten eine vergrößerte Auswahlmöglichkeit.[10]

3. Theorie des internationalen Handels: die klassischen

Außenhandelsmodelle

Im nachfolgenden Kapitel sollen die klassischen Außenhandelsmodelle untersucht werden. Dabei werden sowohl das Ricardo-Modell wie auch das Heckscher-Ohlin-Modell zunächst näher erläutert, gleichzeitig wird aber auch untersucht, ob und in welchem Maße innerhalb dieser beiden Modelle die Größe „Technik“ Berücksichtigung findet.

3.1 Das Ricardo-Modell

Das Ricardo-Modell, welches von seinem Erfinder, dem Ökonomen David Ricardo, Anfang des 19. Jahrhunderts entwickelt wurde, basiert auf dem Prinzip des komparativen Vorteils. Ein Land verfügt über einen komparativen Vorteil, wenn die Opportunitätskosten bei der Produktion eines bestimmten Gutes, ausgedrückt in anderen Gütern, niedriger sind als in anderen Ländern. Mit Opportunitätsosten wird in der Wirtschaftswissenschaft der Verzicht bezeichnet, den ein Land bei der Produktion eines Gutes aufbringen muss, um ein bestimmtes anderes Gut produzieren zu können.[11] Anhand der nachfolgenden Abbildung 1 soll das Prinzip des komparativen Vorteils noch mal unter Heranziehung eines Beispiels erläutert werden.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Opportunitätskosten und komparativer Vorteil

Quelle: Krugman, P.R., Obstfeld, M.: 2003, Internationale Wirtschaft – Theorie und Politik der

Außenwirtschaft, S. 39

In der obigen Abbildung werden die Produktion von Rosen und Computern in den USA und in Südamerika miteinander verglichen. Die USA müssten demnach bei der Produktion von 10 Millionen Rosen auf die Produktion von 100.000 Computern verzichten, Südamerika bei der gleichen Menge Rosen nur auf 30.000 Computer. Die USA verfügen demnach über einen komparativen Vorteil bei den Computern und Südamerika bei den Rosen. Dieser Unterschied in den Opportunitätskosten bzw. bei den komparativen Vorteilen gibt den beiden Regionen die Möglichkeit, durch internationalen Handel die weltweite Produktionsmenge zu steigern, indem sich die USA auf die Produktion von Computern und Südamerika auf die Produktion von Rosen konzentrieren. Nach Krugmann und Obstfeld kann also der Handel zwischen zwei Ländern für beide Seiten Vorteilhaft sein, wenn jedes Land die Güter exportiert, bei denen es einen komparativen Vorteil besitzt.[12]

Das Hauptmerkmal des Ricardo-Modells ist, dass in diesem Außenhandelsmodell ausschließlich die unterschiedliche Arbeitsproduktivität der beteiligten Länder betrachtet wird.[13] Auch wenn Ricardo die Unterschiede in der Arbeitsproduktivität vermutlich in unterschiedlichen klimatischen und nationalen Bedingungen begründet sah, so könnten sich diese auch auf verschiedene technische Wissensstände zurückführen lassen.[14] Für Krugman sind daher technologische Unterschiede ebenfalls zu den Produktivitätsunterschieden zu zählen und somit ein entscheidender Faktor in internationalen Handelsmodellen.[15]

3.2 Das Heckscher-Ohlin-Modell

Zwischen den vierziger und siebziger Jahren des 20. Jahrhunderts wurde das Ricardo-Modell durch das Heckscher-Ohlin-Modell in den Hintergrund gedrängt.[16] Dieses Modell, welches von den schwedischen Ökonomen Eli Heckscher und Bertil Ohlin entwickelt wurde, führt den Außenhandel weitestgehend auf unterschiedliche Ressourcenausstattungen in den einzelnen Ländern zurück. Der komparative Vorteil eines Landes entsteht hierbei aus der Wechselwirkung zwischen den Ressourcen einer Nation und ihrer Arbeitsintensität. Genauer gesagt aus der Faktorausstattung und der relativen Intensität, mit der diese Produktionsfaktoren bei der Herstellung eines Gutes verwendet werden. Da dieses Modell die Proportionen in denen unterschiedliche Produktionsfaktoren in den einzelnen Ländern vorhanden sind sowie die Proportionen in denen diese Faktoren eingesetzt werden betrachtet, wird es außerdem auch als Faktorproportionentheorie bezeichnet.[17]

Für Cantner ist die Grundlage des internationalen Handels im Heckscher-Ohlin-Modell in den unterschiedlichen Faktorausstattungen an Kapital und Arbeit zu sehen. Außenhandel entsteht durch den Tausch von arbeitsintensiven Gütern, die in mit Arbeit reich ausgestatteten Ländern produziert werden, mit kapitalintensiven Gütern, die wiederum in kapitalreichen Ländern hergestellt werden. Die komparativen Vorteile und die damit verbundenen Handelsströme resultieren nach Cantner aus den unterschiedlichen relativen Faktorausstattungen der Handelspartner und nicht aus technologischen Unterschieden.[18]

Bei empirischen Untersuchungen zum Heckscher-Ohlin-Modell kamen jedoch erstaunliche Erkenntnisse zum Vorschein. Der Ökonom Wassily Leontief stellte 1953 in seiner Studie fest, dass die Exporte der USA weniger kapitalintensiv waren als die Importe. Diese Erekenntnisse wurden als Leontief-Paradoxon bezeichnet, weil man auf der Basis des Heckscher-Ohlin-Modells davon ausgehen musste, dass die USA kapitalintensive Güter exportieren und arbeitsintensive Güter importieren, da in den USA, wie auch aktuell in Westeuropa und Japan, Arbeit einen äußerst kostenintensiven Produktionsfaktor darstellte und noch heute darstellt.[19] Da es den Ökonomen in den folgenden Jahren nicht möglich war, das Leontief-Paradoxon endgültig zu erklären oder zu widerlegen, ist es für Krugman eindeutig, dass Außenhandel nicht allein durch Unterschiede in der Ressourcenausstattung der Handelspartner zustande kommt. Vielmehr müssen gleichzeitig unterschiede in den nationalen Produktionsfaktoren berücksichtigt werden.[20]

Der Vergleich des Ricardo-Modells mit dem Heckscher-Ohlin-Modell lässt Krugman zu der Annahme gelangen, dass internationaler Handel sich verstärkt auf Unterschiede in den nationalen Produktionsfaktoren begründen lässt und weniger auf den unterschiedlichen Ressourcenausstattungen der Handelspartner. Dadurch sind besonders auch die technologischen Voraussetzungen innerhalb eines Landes, die zweifellos zu den Produktionsfaktoren zählen, sowie technologische Unterschiede zwischen den Handelspartnern treibende Kräfte zum internationalen Handel.[21]

4. Technologischer Fortschritt: nur Vorteile oder auch Nachteile?

Wie bereits erläutert, sieht Krugman in den technologischen Unterschieden zwischen verschiedenen Ländern oder Regionen einen der Hauptgründe des internationalen Handels. Somit resultieren Veränderungen in der internationalen Wirtschaft häufig aus Entwicklungen in den nationalen Technologien. Im folgenden Kapitel der Arbeit soll nun untersucht werden, in wie weit sich technologischer Fortschritt in einer Nation zum einen auf die wirtschaftliche Position der übrigen Länder der Welt auswirkt aber auch auf die Einkommensverteilung innerhalb dieses Landes. Zunächst soll hierbei der grenzüberschreitende Einfluss des technologischen Fortschritts betrachtet werden, im zweiten Abschnitt dieses Kapitels erfolgt eine Betrachtung der nationalen Auswirkungen.

[...]


[1] Vgl. Cantner, U.: 1989, Technischer Fortschritt, neue Güter und internationaler Handel, S. 1

[2] Vgl. Cantner, U.: 1989, Technischer Fortschritt, neue Güter und internationaler Handel, S. 10

[3] Vgl. Callies, J.: 1990, Produkt-, Prozessinnovationen und technologieintensive Güter im Außenhandel, S. 2

[4] ebenda

[5] Vgl. Friedrichs, G.: 1969, Technischer Wandel und seine Auswirkungen auf Beschäftigung und Lohn, S. 618

[6] Vgl. Hass, H.-J.: 1983, Die Messung des technologischen Fortschritts, S. 6

[7] Vgl. Cantner, U.: 1989, Technischer Fortschritt, neue Güter und internationaler Handel, S. 12 f.

[8] Vgl. ebenda

[9] Vgl. Cantner, U.: 1989, Technischer Fortschritt, neue Güter und internationaler Handel, S. 26 f.

[10] Vgl. Cantner, U.: 1989, Technischer Fortschritt, neue Güter und internationaler Handel, S. 27 f.

[11] Krugman, P.R., Obstfeld, M.: 2003, Internationale Wirtschaft, S. 38 f.

[12] Vgl. Krugman, P.R., Obstfeld, M.: 2003, Internationale Wirtschaft, S. 39

[13] Vgl. Krugman, P.R., Obstfeld, M.: 2003, Internationale Wirtschaft, S. 40

[14] Vgl. Krugman, P.: Technological Change in International Trade, S. 343

[15] Vgl. Krugman, P.: Technological Change in International Trade, S. 345 f.

[16] Vgl. Krugman, P.: Technological Change in International Trade, S. 343

[17] Vgl. Krugman, P.R., Obstfeld, M.: 2003, Internationale Wirtschaft, S. 105

[18] Vgl. Cantner, U.: 1989, Technischer Fortschritt, neue Güter und internationaler Handel, S. 44 f.

[19] Vgl. Krugman, P.R., Obstfeld, M.: 2003, Internationale Wirtschaft, S. 123

[20] Vgl. Krugman, P.: Technological Change in International Trade, S. 345

[21] Vgl. Krugman, P.: 1995, Technological Change in International Trade, S. 345 f.

Details

Seiten
24
Jahr
2005
ISBN (eBook)
9783638449304
Dateigröße
461 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v48151
Institution / Hochschule
Carl von Ossietzky Universität Oldenburg – Fakultät II
Note
1,0
Schlagworte
Technischer Wandel Handel Innovationsökonomik

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