Lade Inhalt...

Der Gesalbte - Bedeutung und Tradition der Salbung

Wissenschaftlicher Aufsatz 2005 10 Seiten

Theologie - Biblische Theologie

Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Königtum im alten Israel und Juda

3. Vorexilische Königstheologie (Ps 2)

4. Königtum und das Recht JHWHs

5. Die Heilszeit des künftigen Königs (Jes 7,1-25; 9,1-6; 11,1-10)

6. Jesus von Nazareth und das königliche Messiasbild

7. Abschließende Betrachtung

8. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Die Hoffnung auf den Messias, die das Judentum bis heute prägt, ist im ersten Testament keineswegs eine zentrale Tradition.[1] Vielmehr gewinnt die messianische Idee ab der Exilszeit, vor allem aber im frühen Judentum an Bedeutung und Struktur hin zu den vertrauten eschatologischen Bildern.

Und dennoch sind wesentliche Grundzüge, die das urchristliche Bekenntnis zu Jesus von Nazareth als dem Messias ermöglichen, im ersten Testament zu finden. Allein der Titel Messias reicht zurück auf die Königstradition im alten Israel und Juda. So ist es schließlich nicht weiter verwunderlich, dass essentielle messianische Bilder der beiden Testamente an diese Tradition anschließt.

Neben der Königsideologie gibt es andere wichtige messianische Visionen, wie etwa die messianische Ämterteilung bei dem Propheten Sacharja oder das Bild des Menschensohnes in Daniel 7. All diese Bilder, die weitere Anknüpfungspunkte für die Deutung Jesu als den ersehnten Messias liefern, können hier nicht behandelt werden.

Der Blick soll vielmehr auf die Entstehung des Königtums in Israel und Juda und seine Entwicklung fallen. Davon ausgehend soll die messianische Idee als ein Gegenbild zum historischen Königtum und die Anknüpfung des zweiten Testaments an diese Vorstellung betrachtet werden. Schließlich ist es die Salbung des Königs bei seinem Amtsantritt, die den Titel Messias (māšîah; Gesalbter), ausgehend von dem hebräischen Wort māšah ([be-]streichen, salben) prägt. In diesem Sinn waren also alle Könige Israels und Judas Messiasse, weshalb auch mit der Darstellung des ersttestamentlichen Königtums begonnen werden soll.

2. Königtum im alten Israel und Juda

In der Geschichte des alten Orients fällt auf, dass das Königtum in Israel und Juda verhältnismäßig spät entsteht.[2] Dabei lehnt man sich an Vorstellungen und Traditionen der benachbarten Völker. Vor allem hethitische (Salbung[3] ) und ägyptische Bräuche (Königsprotokoll[4] ) spielen hierbei eine wichtige Rolle. Als Institution gewinnen das Königtum Israels und Judas vor allem unter David und dessen Sohn Salomo an Bedeutung, da in dieser Zeit die beiden Reiche zu einem vereinigt werden.[5]

Die Könige des alten Israel wurden bei ihrer Inthronisation zum König gesalbt.[6] Dabei müssen zwei Vorgehensweisen unterschieden werden. Zum einen die Salbung durch das Volk bzw. beauftragte des Volkes (z.B. die Ältesten) und zum anderen die Salbung durch JHWH bzw. dessen Stellvertreter (z.B. einen Propheten). Dabei ist für David sowohl die Salbung durch das Volk (die Männer Judas, 2Sam 2,4), als auch die Salbung durch JHWH (durch Samuel, 1Sam 16,12f.) geschildert.[7]

Aus dem Ritual der Königssalbung (v. a. der durch JHWH) leitet sich schließlich auch der Titel Gesalbter (JHWHs) für den König ab. Mit der Salbung geht eine Geistverleihung des Königs mit dem Geist JHWHs einher. Der König wird somit zu einer Art Vasall JHWHs und durch die Salbung zu seiner Herrschaft ermächtigt und beauftragt.[8] Dieses Verhältnis zwischen dem König und JHWH, das mit der Salbung besiegelt wird, stellt den König gleichzeitig unter den besonderen Schutz Gottes. Besonders eindrücklich schildert dies 1Sam 24,5-7. Als Davids Anhänger ihn dazu auffordern und ermutigen Saul, der wehrlos in ihrem Versteck war, zu töten:

5 Da sagten die Männer zu David: Das ist der Tag, von dem der Herr zu dir gesagt hat: Sieh her, ich gebe deinen Feind in deine Gewalt und du kannst mit ihm machen, was dir richtig erscheint. Da stand David auf und schnitt heimlich einen Zipfel von Sauls Mantel ab.

6 Hinterher aber schlug David das Gewissen, weil er einen Zipfel vom Mantel Sauls abgeschnitten hatte.

7 Er sagte zu seinen Männern: Der Herr bewahre mich davor, meinem Gebieter, dem Gesalbten des Herrn, so etwas anzutun und Hand an ihn zu legen; denn er ist der Gesalbte des Herrn.

Die Geistbegabung und der Schutz durch JHWH prägen in späterer Zeit das Bild des künftigen Messias, des Gesalbten JHWHs.

3. Vorexilische Königsideologie (Ps 2)

Das königliche Amt wurde von Anfang an in einer Beziehung zu JHWH, dem Gott Israels gesehen, und mit einer Theologie verbunden.[9] Niedergeschlagen hat sich diese Theologie des königlichen Amtes vor allem in den sog. Königspsalmen (Ps 2; 72; 89; 110). Diese Texte versuchen eine Synthese zwischen dem JHWH-Glauben Israels und den Konzeptionen des altorientalischen Königtums. Die Grundzüge der vorexilischen Königsideologie sollen hier am Beispiel des 2. Psalms herausgearbeitet werden, da für ausführliche Besprechungen der einzelnen Königspsalme der Umfang dieser Arbeit nicht ausreicht.

Der Psalm 2 schildert das Verhältnis JHWHs zu seinem Gesalbten, dem König, wobei deutliche Parallelen zur ägyptischen Krönungszeremonie deutlich werden.[10] JHWH gibt seinem Gesalbten bei dessen Krönung drei Zusagen:

[...]


[1] vgl. E. Zenger, Jesus von Nazareth und die messianischen Hoffnungen des alttestamentlichen Israel, in: W. Kasper (Hrsg.), Christologische Schwerpunkte, S. 37

[2] vgl. L. Schmidt, Art. Königtum II, in: TRE XIX, S. 327

[3] vgl. dazu v. a. E. Kutsch, Salbung als Rechtsakt im alten Testament und im alten Orient, S.

[4] vgl. dazu v. a. G. von Rad, Das judäische Königsprotokoll, in: ebd., Gesammelte Studien zum Alten Testament, S. 205-213

[5] vgl. L. Schmidt, S. 328

[6] vgl. E. Kutsch, Art. Salbung II, in: RGG Bd. 5, S. 1331

[7] Es fällt auf, dass hierbei die Erwählung und Salbung Davids durch JHWH (Samuel) dem menschlichen Handeln, nämlich der Salbung durch die Männer Judas, vorausgeht. Allerdings kann an dieser Stelle nicht näher auf die Bedeutung dieser Schilderung eingegangen werden.

[8] vgl. E. Kutsch, Art. Salbung II, in: RGG Bd. 5, S. 1331

[9] Auch hier sind Parallelen zu benachbarten Völkern des alten Orients erkennbar, z.B. zum ägyptischen Königsprotokoll.

[10] vgl. E. Zenger, 44

Details

Seiten
10
Jahr
2005
ISBN (eBook)
9783638450522
Dateigröße
494 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v48306
Institution / Hochschule
Evangelische Hochschule Nürnberg; ehem. Evangelische Fachhochschule Nürnberg
Note
1,0
Schlagworte
Gesalbte Bedeutung Tradition Salbung

Autor

Zurück

Titel: Der Gesalbte - Bedeutung und Tradition der Salbung