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Die Goodwill-Blase. Eine kritische Reflexion bilanzierter Firmenwerte bei Unternehmen des DAX 30

Seminararbeit 2019 18 Seiten

Ratgeber - Recht, Beruf, Finanzen

Leseprobe

INHALTSVERZEICHNIS

Abbildungsverzeichnis

1 Einleitung
1.1 Problemstellung
1.2 Zielsetzung und Gang der Arbeit

2 Goodwill
2.1 Definition und Entstehung
2.2 Bilanzierung und Abschreibung

3 Analyse von Firmenwerten anhand DAX 30 Unternehmen
3.1 Erläuterung DAX 30 Unternehmen
3.2 Entstehungsumfeld und Erwartungen aus Firmenübernahmen
3.3 Praxisbeispiele

4 Fazit
4.1 Zielerreichung
4.2 Schlussfolgerung

Literaturverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1 Einleitung

Die Thematik der bilanzierten Firmenwerte des DAX 30 wird durch eine Schilderung der Problemstellung eingeleitet. Anschließend werden in diesem Kapitel die Zielsetzung und Vorgehensweise der vorliegenden Arbeit erläutert.

1.1 Problemstellung

Am 19.11.2018 war in der renommierten deutschen Wirtschaftszeitung Handelsblatt ein Artikel von Ulf Sommer mit dem Titel: Die 297-Milliarden-Euro-Blase – Welche Risiken in den Bilanzen der Dax-Konzerne lauern zu lesen. Darin beschrieb er eindringlich die Ursachen, die Problematik und mögliche Folgen durch die Entwicklungen am Markt für Unternehmensakquisitionen, auch M&A genannt.1 Sowohl die Anzahl als auch die Dimension der jüngsten Transaktionen deutscher Spitzenkonzerne bei der Übernahme von Firmen rechtfertigen eine gründlichere Beleuchtung. Vor dem Motiv anorganischen Wachstumes und der Erschließung innovativer, zukunftsträchtiger Geschäftsfelder haben in den vergangenen Jahren insbesondere der deutsche Softwarekonzern SAP, der Stahlproduzent ThyssenKrupp, sowie der Chemie- und Agrarfabrikant Bayer beachtliche Firmenakquisitionen getätigt.2 Dabei kann eine Differenz zwischen dem Kaufpreis und der Vermögensgegenstände / der Assets abzüglich der Verbindlichkeiten des Targets (des zu erwerbenden Unternehmens) entstehen. In diesem Fall spricht man von dem sogenannten Goodwill.3 Diese Übernahme- oder strategische Prämie preist die Hoffnungen auf zukünftige neue Cashflows, ein starkes Wachstum, dem Ausbau von Geschäftsfeldern oder der Hebung von Synergien ein. Vor dem Hintergrund einer Änderung der Abschreibungsregeln dieser Bilanzposition, des günstigeren Finanzierungsumfeldes, des Wachstumsdruckes in verteilten Märkten, der Erfüllung von Managementzielen u.v.m. sind diese Aktiva in den vergangenen 15 Jahren stark gestiegen. Bei wenigen Adressen ist der Umstand eingetreten, dass der Goodwill bereits das bilanzielle Eigenkapital des Unternehmens übersteigt.4 Aus diesem Grunde kann dadurch von einer Gefahr für sinkende Aktienkurse und zukünftig geringeren Dividenden für Anleger und Investoren gesprochen werden.

1.2 Zielsetzung und Gang der Arbeit

Die vorliegende Arbeit hat das Ziel, den Goodwill bei den größten deutschen, an der Börse gelisteten Unternehmen kritisch zu reflexieren. Speziell soll der Fokus auf die dafür geltenden Bilanzierungsmethoden gelegt werden und der Frage nach den begünstigenden Faktoren nachgegangen werden. Anschließend sollen sowohl positive als auch negative Praxisbeispiele die Thematik beleuchten. Dabei wird wie folgt vorgegangen: Nach einer Begriffsbestimmung und Abgrenzung werden die Auswirkungen, sowie die finanziellen Gesichtspunkte analysiert. Im Kontext werden anschließend Beispiele angeführt, um das Potential eines drohenden Abschreibungsbedarfes zu quantifizieren, sowie mögliche Verlustrisiken für Investoren zu verdeutlichen. Die Arbeit wird am Ende abgerundet mit dem Fazit, einer Zusammenfassung sowie der Überprüfung der Zielerreichung und einer perspektivischen Schilderung.

2 Goodwill

Es folgt die Herausarbeitung einer klaren Definition und Abgrenzung. Ebenfalls wird die Entstehung von Goodwill bei Firmenübernahmen geschildert. Darüber hinaus wird in diesem Abschnitt das Kapitel Bilanzierung und Abschreibung thematisiert.

2.1 Definition und Entstehung

Grundsätzlich wird zwischen originärem und derivativem Firmenwert unterschieden. Dabei entspricht der originäre Goodwill dem selbstgeschaffenen Wert eines Unternehmens. Dieser beinhaltet alle nicht objektiv beurteilbaren Größen, die einen Mehrertrag versprechen. Dazu kann beispielsweise Reputation, Image, Kundenkreis u.v.m. gezählt werden. Für diesen besteht ein Aktivierungsverbot nach IAS 38.48. Aus diesem Grund spielt der originäre Firmenwert eine untergeordnete Rolle.5 Als derivativen Goodwill hingegen wird derjenige Wert angesehen, der durch den Kauf eines Unternehmens entsteht. Dieser Goodwill ist der Teil des gesamten Unternehmenswertes, der nach Abzug aller einzelnen Bilanzpositionen (Vermögensgegenstände auf der Aktivseite der Bilanz) und Schulden (Passivseite der Bilanz) verbleibt. Der derivative Goodwill ist der Teil des Kaufpreises, der schlussendlich das Eigenkapital übersteigt.6 Er repräsentiert die Erwartungen auf zukünftige Mehrerträge, einen strategischen Aspekt oder der Schaffung einer besonderen Marktstellung. Die erwarteten, zukünftigen Einzahlungsüberschüsse (Cashflows) führen zur Aktivierung des Goodwills als immaterieller Vermögensgegenstand. Im Einzel- oder Konzernabschluss kann ein Firmenwert durch einen Asset Deal oder einer Fusion entstehen. Bei einem Share Deal kann ein Firmenwert nur im konsolidierten Konzernabschluss geschaffen werden.7 Zur Ermittlung des exakten Goodwills gibt es Methoden des Top-Down oder Bottom-Up-Verfahrens.8 Aufgrund der Komplexität und des Umfangs kann auf die unterschiedlichen Methoden jedoch nicht genauer eingegangen werden.

2.2 Bilanzierung und Abschreibung

Die vorliegende Arbeit konzentriert sich auf DAX 30 Unternehmen. Aus diesem Grund wird auf die internationalen Bilanzierungsstandards des International Accounting Standards Board (IASB), die International Financial Reporting Standards (IFRS) für multinationale Unternehmen eingegangen. Etwaige Regelungen des Financial Accounting Standards Board (FASB) oder des deutschen Handelsgesetzbuches (HGB) finden daher keine Berücksichtigung. Die Bilanzierungs- und Abschreibungsthematik des Goodwills hat sich im Jahr 2004 grundlegend geändert. Entscheidend dafür war die Veröffentlichung des IFRS 3 - Business Combinations, des IAS 36 - Impairment of Assets und des IAS 38 - Intangible Assets.9 Vorher wurde ein derivativer Firmenwert als immaterieller Vermögensgegenstand aktiviert und linear über zehn Jahre abgeschrieben.10 Mit Einführung der genannten IFRS Richtlinien war dies obsolet. Eine regelmäßige Abschreibung entfällt. Es ist ein jährlicher Impairment-Test durch einen Wirtschaftsprüfer vorzunehmen. Diese Prüfung stellt unter den vorherrschenden Marktgegebenheiten und derzeitigen Erträgen in einem aufwändigen Verfahren die Werthaltigkeit des Goodwills auf die Probe. Sofern das Ergebnis unter dem aktuellen Buchwert der Bilanzposition derivativer Firmenwert liegt, ist eine Abschreibung vorzunehmen.11 IFRS argumentiert demnach differenzierter. Erträge entstehen durch die Akquisition der Unternehmen mit den damit verbundenen Cashflows. Diese stehen der Firma theoretisch zukünftig und zeitlich unendlich zur Verfügung. Dies rechtfertig die Aktivierung in der Bilanz und es bedarf nur bei außerordentlichen Veränderungen einer Abschreibung. Sofern Zweifel bezüglich der Höhe, Stetigkeit oder Nachhaltigkeit der Einzahlungsüberschüsse bestehen und dies durch den jährlichen Impairment-Test festgestellt wurde, ist eine Abschreibung vorzunehmen.12 13

3 Analyse von Firmenwerten anhand DAX 30 Unternehmen

Zunächst wird eine Darstellung des Index DAX 30 vorgenommen. Anschließend werden Umstände angeführt, die Unternehmenszukäufe begünstigen. Es folgen die Motive für M&A Aktivitäten. Mögliche Konsequenzen werden daraufhin skizziert. Das Kapitel endet mit Praxisbeispielen. Dabei werden Unternehmen dargestellt, die durch eine hohe Bilanzposition des Firmenwertes hervorstechen. Zuletzt folgen Unternehmen, die eine geringe Bilanzposition des Firmenwertes haben.

3.1 Erläuterung DAX 30 Unternehmen

Der Deutsche Aktienindex 30 (DAX 30) ist ein Börsenverzeichnis, in welchem die Aktien der 30 größten und umsatzstärksten deutschen Konzerne gelistet werden.14 Es wird vor allem bei DAX 30 Aktientiteln von Standardwerten, beziehungsweise von Blue Chips gesprochen. Alle DAX 30 Unternehmen sind im Prime Standard gelistet. In diesem EU regulierten Kapitalmarkt gelten die strengsten Kriterien bezüglich der Transparenzanforderungen. So spielen unterschiedliche Aspekte eine Rolle, um in den DAX 30 oder die beiden darunter folgenden Indizes Mid-Cap-Dax (MDAX) oder Small-Cap-Dax (SDAX) aufgenommen zu werden. Die beiden wichtigsten Merkmale sind die Marktkapitalisierung und der Börsenumsatz.15 Ersteres gibt den aktuellen Börsenwert oder auch Marktwert eines Unternehmens an. Dieser Wert errechnet sich durch die Multiplikation aus dem aktuellen Börsenkurs je Aktie und der gesamten Aktienanzahl.16 Der Börsenumsatz ist schlussendlich die Volumina der gehandelten Aktien an durchschnittlichen Handelstagen über eine Periode. Der DAX 30 dient als Marktbarometer und ist für den deutschen Kapitalmarkt repräsentativ.17

3.2 Entstehungsumfeld und Erwartungen aus Firmenübernahmen

In diesem Kapitel wird die Entwicklung des M&A Marktes angeführt. Anschließend werden die Ursachen für die dargestellte Entwicklung skizziert. Dies dient dazu, die Entstehung von Goodwillpositionen in Firmenbilanzen nachvollziehen zu können. Das Volumen des M&A Marktes in Deutschland betrug im Jahr 2018 128,4 Milliarden EUR, entstanden durch 1985 Transaktionen. Der jüngste Tiefstwert betrug 2010 41,8 Milliarden EUR mit 1759 Vorgängen.18 Nach dem Einbruch nach der Finanzmarktkrise erreichen die Transaktionswerte wieder Größenordnungen, wie sie vor 2009 (2007: 179,1 Milliarden EUR, 2006: 237,7 Milliarden EUR) waren.19 Dies hat unterschiedliche Gründe, die nachfolgend dargestellt werden. Dabei werden die Punkte angeführt, welche in der aktuellen Literatur am Bedeutendsten sind. Zunächst begünstigt das niedrige Zinsumfeld M&A Aktivitäten. Nach dem Ausbruch der Finanzmarktkrise in Europa im Jahr 2008 hat die Europäische Zentralbank (EZB) massiv die Zinsen gesenkt.20 Damit fielen die Finanzierungskonditionen. Dies erleichtert die Aufnahme von Fremdkapital und ermöglicht neue, kreditfinanzierte Investitionen. Parallel dazu entfallen Anlagemöglichkeiten, deren Attraktivität durch fallende Renditen abnimmt. Ferner hat die EZB am 16.03.2016 den Satz der Einlagenfazilität auf minus 0,40 % p.a. gesenkt.21 Dieses Instrument ermöglicht es Geschäftsbanken, überschüssige Liquidität bei der EZB kurzfristig anzulegen. Die Fälligkeit ist dabei über Nacht, also besonders kurzfristig.22 Die dabei entstehenden Zinsaufwendungen für Liquidität reichen Geschäftsbanken an ihre Kunden weiter, die hohe Guthaben auf Sichteinlagen vorweisen. So werden flüssige Mittel der Firmen mit einem negativen Zinssatz belegt. Dies führt zu einem negativen Beitrag des Returns on Investment (ROI) und senkt die Gesamtrentabilität einer Unternehmung. In Folge dessen werden Alternativen in Betracht gezogen, um nicht betriebsnotwendige Liquidität einzusetzen. Neben Ersatz- und Erweiterungsinvestitionen, der Anlage in unterschiedliche Wertpapiere oder einer Erhöhung von Ausschüttungen können Investitionen in anorganisches Wachstum erfolgen. Liquidität kann somit dazu genutzt werden, Firmenbeteiligungen zu erwerben und Akquisitionen zu tätigen.23 Dabei kann ein Goodwill entstehen, sobald der Kaufpreis das bilanzielle Eigenkapital / den Buch- oder Substanzwert des Targets übersteigt.

Ein weiteres Motiv für den Zukauf von Unternehmen ist in den begrenzten organischen Wachstumsmöglichkeiten zu sehen. Seit 2009 herrscht weltweit eine solide wirtschaftliche Situation vor. In den westlichen Industrienationen handelt es sich in vielen Branchen um verteilte Märkte. Aufgrund der Konkurrenzsituation kann Wachstum oftmals nur durch Verdrängung erfolgen.24 Mit der Entwicklung der aufstrebenden Märkte (Emerging Markets) setzt der Verteilungsprozess auch auf den einstigen Wachstumsmärkten ein. Die zunehmende Konkurrenzsituation führt zu einem Ergebnisdruck. Shareholder erwarten sowohl die Steigerung ihrer Anteilswerte als auch die der zukünftigen Ausschüttungen. Durch anorganisches Wachstum können Konkurrenten eliminiert werden. Darüber hinaus können neue und aussichtsreiche Geschäftsfelder erschlossen werden. Die Hebung von Synergien und die Möglichkeit von Kosteneinsparungen sind weiter anzuführen. Je nach Bedeutung für die übernehmende Firma kann der Kaufpreis steigen. Ebenfalls kann die Kenntnis des Verkäufers darüber zu Kaufpreisvorstellungen führen, die den Wert der Assets deutlich übersteigen. Demnach kann es zur Entstehung eines Goodwills kommen.

[...]


1 Vgl. Sommer, U., Die 297-Milliarden-Euro-Blase – Welche Risiken in den Bilanzen der Dax-Konzerne lauern, 2018, o. S.

2 ebd.

3 Vgl. Lopatta, K., Goodwillbilanzierung und Informationsvermittlung nach internationalen Rechnungslegungsstandards, 2006, S.92 ff.

4 Vgl. Heusinger, J., SAP: Stehen massive Abschreibungen bevor?, 2018, o. S.

5 Vgl. Lopatta, K., Goodwillbilanzierung und Informationsvermittlung nach internationalen Rechnungslegungsstandards, 2006, S.92 ff.

6 Vgl. Beyer, B., Die Bilanzierung des Goodwills nach IFRS, 2015, S.66 ff.

7 Vgl. Lopatta, K., Goodwillbilanzierung und Informationsvermittlung nach internationalen Rechnungslegungs-standards, 2006, S.95.

8 Vgl. Beyer, B., Die Bilanzierung des Goodwills nach IFRS, 2015, S.87 ff.

9 Vgl. o.V., Deloitte Consulting. Goodwill bilanzieren und steuern, 2005, S.1.

10 ebd.

11 Vgl. Beyer, B., Die Bilanzierung des Goodwills nach IFRS, 2015, S.197 ff.

12 Vgl. Lopatta, K., Goodwillbilanzierung und Informationsvermittlung nach internationalen Rechnungslegungsstandards, 2006, S.106 ff.

13 Vgl. Beyer, B., Die Bilanzierung des Goodwills nach IFRS, 2015, S.248 ff.

14 Vgl. Onvista, Indizes, 2019, o. S.

15 Vgl. FAZ, Marktkapitalisierung, 2016, o. S.

16 ebd.

17 Vgl. Jizba, M., Nachhaltigkeit, 2014, S. 87.

18 Vgl. Institute for Mergers, Acquisitions and Alliances (IMAA), Volumen und Anzahl der M&A Deals in Deutschland von 1991 bis 2018 (in Milliarden Euro), 2019, S. 13 f.

19 ebd.

20 Vgl. Bundesbank, EZB Zinssätze, 2019, o. S.

21 ebd.

22 Vgl. Bundesbank, Entwicklung des Zinssatzes der Europäischen Zentralbank für die Einlagefazilität von 1999 bis 2018, 2018, o. S.

23 Vgl. Martk und Mittelstand, So könnte sich der M&A-Markt 2018 entwickeln, 2018, o. S.

24 ebd.

Details

Seiten
18
Jahr
2019
ISBN (eBook)
9783668963948
ISBN (Buch)
9783668963955
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v483982
Institution / Hochschule
FOM Hochschule für Oekonomie & Management gemeinnützige GmbH, Nürnberg früher Fachhochschule
Note
1,7
Schlagworte
Finanzen M&A Goodwill IFRS DAX30 Firmenwerte Abschreibung immaterielle Vermögensgegenstände Aktienkurse

Autor

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