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Videos im Mathematikunterricht. Unterstützung von Lernprozessen durch Lernvideos

Hausarbeit 2018 14 Seiten

Mathematik - Mathematik als Schulfach

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Funktion von Medien in Bildungsprozessen

3 Lernvideos im Mathematikunterricht
3.1 Moglichkeiten undGrenzen
3.2 Gestaltungsmoglichkeiten von Lernvideos
3.3 Methode „Flip the Classroom"

4 Wissenschaftlicher Standpunkt und Forschungsergebnisse

5 Fazit

6 Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Kognitive Architektur als Grundlage fur die Organisation von Lernprozessen (Kritzenberger, S.26)

Abbildung 2: Ergebnisse von Google Insights for Search (erstellt am 20.07.2018)

1 Einleitung

„lch unterrichte meine Schuler nicht. Ich schaffe Bedingungen, unter denen sie lernen konnen." Albert Einstein (1879-1955)

Die vorliegende Hausarbeit beschaftigt sich mit der Nutzung von Videos zu Lernzwecken im Mathe- matikunterricht. Digitale Medien, darunter auch Lernvideos, haben sich im Laufe des 20. Jahrhun- derts zu Massenmedien entwickelt, sodass sich die Frage stellt, ob das Lernen mittels Lehrperson und Lehrbuch heute bereits veraltet ist? 1st es sinnvoll, durch Lernvideos den Unterricht zu erganzen oder sogar ganzlich zu gestalten? 1st es mit Videos sogar moglich, das Lernen fur jeden Schuler und jede Schulerin (folgend: SuS) individueller zu gestalten?

Die Erwartungen an den Einsatz von neuen Medien sind in der Literatur hauptsachlich das Wecken von Emotionen, die Steigerung von Aufmerksamkeit bei den SuS und die Forderung von Motivation bezogen auf den Lernprozess. Die Kombination von Ton, Bild, Text und Bewegung soil dabei den au- ditiven und visuellen Sinneskanal der Lernenden aktivieren und damit zusatzliches Interesse an ma- thematischen Inhalten wecken. Gerade im Fach Mathematik, in welchem die Inhalte oft als „trocken und fad" empfunden werden, konnten solche Lernvideos eine Bereicherung sein und den SuS SpaR am Lernen bereiten. Uber das Internet konnen derzeit unzahlige solcher Lernvideos aufgerufen wer­den.

Zunachst widmet sich diese Arbeit den allgemeinen Funktionen von Medien in Bildungsprozessen. AnschlieRend werden Moglichkeiten und Grenzen von Lernvideos im Mathematikunterricht darge- stellt. Zudem wird erklart, wie Lernvideos gestaltet werden sollten, um Lernprozesse optimal zu un- terstutzen. Darauf folgend wird der Stand der wissenschaftlichen Forschung zum Thema Lernvideos erortert, bevor ein Fazit zum Thema Videos im Mathematikunterricht gezogen wird.

2 Funktion von Medien in Bildungsprozessen

Zum Begriff „Medien" existieren unzahlige unterschiedliche Definitionen. Sesnik beschreibt sie in seiner Ausarbeitung „Eine kritische Bildungstheorie der Medien" als „Vermittlungsinstanzen im menschlichen Welt-, Sozial- und Selbstverhaltnis"1. Er erachtet Medien als ein Element zwischen den Menschen einerseits und der gegenstandlichen und sozialen Welt andererseits. Unter den unter- schiedlichen Definitionen gibt es zum einen die technische Dimension (Ubertragung von Informatio- nen durch technische Elemente) und zum anderen die inhaltliche Dimension (Zeichen als Gegenstand der Ubertragung zur Vermittlung einer Information). Zudem unterscheidet man zwischen unter- schiedlichen Medientypen: Printmedien (u.A. Bucher), Auditive Medien (u.A. Horspiele) , Audio- visuelle Medien (u.A. Videos) und Interaktive Medien (u.A. Spiele, Lernprogramme).

Doch welche Funktionen erfullen Medien explizit in Bildungsprozessen?

Jorissen und Marotzki gehen davon aus, dass Medien fur Bildungsprozesse in zweifacher Hinsicht bedeutend sind: Sie sind ein Phanomen, welches fur die meisten Menschen vielfaltig, aber gleichzei- tig nicht immer unproblematisch ist. Der Umgang mit Medien erfordert bestimmte Fahigkeiten und Einstellungen von den Nutzern, wie zum Beispiel die Bereitschaft der Erkundung von Unbekanntem und das Interesse am Erwerb neuer Interaktionstechniken. Generationsbedingte Beruhrungsangste schaffen dabei immer wieder Partizipationshurden. Lehrkrafte mussen sich mit den standig neu er- scheinenden Techniken auseinandersetzen, sei es in den 1980er Jahren das VHS System oder in den 2000er Jahren das Internet als kommerziell nutzbares Medium. Es wird vorausgesetzt, dass sie sich immer mit Gefahren und Chancen neuer Techniken und Medien beschaftigen, um mit ihren SuS und der sich verandernden Umwelt Schritt halten zu konnen.

Gleichzeitig bieten Medien neue Raume fur Bildungserfahrungen. Sobald Lernende Zugang zu diesen Erfahrungsraumen haben, konnen sie an den dort gebotenen Bildungsoptionen und -chancen teil- nehmen. Das Internet eroffnet unzahlige neue Moglichkeiten, Wissen zu vermitteln und somit bishe- rige Bildungsprozesse zu verandern.2

In ihrer Ausfuhrung zum Thema Mediendidaktik nennen Thomas Czerwionka und Claudia de Witt im Jahr 2007 folgende didaktische Funktionen von Medien:

- Vermittlung von Informationen
- Medien als Werkzeug zur lnformationssammlung,-ordnung und -aufbereitung
- Unterstutzung des selbstgesteuerten Lernens
- Kontroll-und Ruckmeldefunktion
- Medien als Instrumente der Kooperation (Netzwerk)
- Reflektierte Betrachtung des Medieneinsatzes; Medien als Gegenstand der Analyse und Be- urteilung
- Lernmotivierende Wirkung (Abwechslungsreichtum aufgrund neuer Medien)
- Informelles Lernen (Lernen auRerhalb von Bildungsinstitutionen)

Auch hier wird bemerkt, dass der Umgang mit den neuen Medien sowohl Chancen als auch Risiken birgt. Kompetenzen im Umgang mit Medien werden zukunftig verstarkt benotigt, was einen immen- sen Bildungsbedarf bzgl. des Umgangs mit den Medien durch alle Bevolkerungsgruppen hindurch darstellt.3

3 Lernvideos im Mathematikunterricht

Videos sind im Lehr-Lernkontext keine neue Erfindung, allerdings erhalten sie aufgrund der rasant fortschreitenden Digitalisierung immer mehr Aufmerksamkeit. „Unterstutzt durch die rasante techni- sche Entwicklung (...) sowie durch die Erkenntnisse aus der Medienpsychologie (...) werden Videos als audiovisuelle Bildungsmedien zunehmend in formalen Lehr-Lernkontexten verwendet (,..)."4

Lernen mit und durch Videos ist im Bereich der Mathematik allgegenwartig. Unzahlige Videos zu den unterschiedlichsten mathematischen Themen auf alien Niveaustufen sind dabei im Internet zu fin- den. Allein zu den Schlagwortern „Lernvideo Mathe" erscheinen bei der Suchmaschine Google 25.800 Ergebnisse in der Kategorie Videos. Sei es zum Wiederholen oder zum Nachlernen der in der Schule gelernten Inhalte - immer mehr SuS nutzen diese Moglichkeit, ihr mathematisches Wissen aufzufrischen und zu fordern. Auch Lehrerinnen und Lehrer ermutigen ihre SuS immer haufiger, mit Lernvideos zu arbeiten. Gelegentlich sind die Lehrpersonen selbst sogar die Ersteller der Videos.

Im Folgenden wird diese Ausarbeitung die Moglichkeiten und Grenzen der Lernvideos im Mathema­tikunterricht naher beschreiben.

3.1 MoglichkeitenundGrenzen

Was konnen Lernvideos, was ein Mathebuch nicht kann? Videos haben einen Zeitbezug. Die SuS se- hen direkt, was gemacht wird, konnen es nachmachen und zudem so oft wiederholen, bis sie es ganzlich verstanden haben. Videos verbinden Theorie und Praxis miteinander. „Lernen am Modell", „Lernen durch Reflexion" auf einer vertiefenden Ebene sowie „Lernen durch Lehren" bei der eigenen Videoproduktion sind die Aspekte, die den Lernprozess so positiv beeinflussen.5

Lernvideos eignen sich als Themeneinstieg, zur Visualisierung von Themen, welche nur schwer be- schreibbar sind oder zur Unterrichtsvorbereitung. Lehrerinnen und Lehrer finden einen groRen Fun­dus geeigneter Inhalte im Internet. Lernvideos konnen dabei auf ganz unterschiedliche Art und Weise eingesetzt werden.

SuS entdecken passende Videos zu bestimmten Themen der Mathematik, wenn sie schnell eine Wis- senslucke schlieRen wollen, Lehrkrafte nutzen sie im Prasenzunterricht und haben zudem die Mog- lichkeit, den SuS den Auftrag zu erteilen, selbst ein Lernvideo zu erstellen und sich so mit dem Lern- gegenstand auseinanderzusetzen. Smartphones, Tablets, Smartboards und Computerklassen ermog- lichen einen schnellen Einstieg in das Unterrichtsmodell der Lernvideos im Mathematikunterricht. Ein Beispiel fur mathematische Lernvideos sind die Mathematikvorlesungen des Heidelberger Professors Christian Spannagel. Diese haben sich langst zu einem Internet-Hit entwickelt. Sein Youtube-Kanal zahlt derzeit mehr als 15.000 Abonnenten.6

Lernvideos motivieren. Ton, Bild und Bewegung im Video fuhren dazu, dass die SuS schneller einen Zugang zu mathematischen Themen finden, die sonst eher „trocken" anhand von Zahlenbeispielen vermittelt werden konnen. Es werden die Sinne Sehen und Horen angesprochen, sodass bei den Ler- nenden mehr Aufmerksamkeit hervorgerufen wird. AuGerdem haben Lernvideos eine emotionale Komponente aufgrund der Stimme und der Mimik der im Video dargestellten Personen und Gegen- stande. Die SuS konnen mit den Videos ihr Lerntempo selbst bestimmen, indem sie diese stoppen, zuruckspulen oder wiederholt ansehen. Das selbstbestimmbare Lerntempo baut keinen Lernstress und Lerndruck auf. Jeder Schuler und jede Schulerin ist eigens dafur verantwortlich, den Lerninhalt zu begreifen, um so in den folgenden Stunden nicht hinter der Klasse zuruckzufallen. Wie lange dies jedoch dauert, ist bei dem Einsatz von Lernvideos egal. Dies wiederum kann zu einer gesteigerten Motivation und damitebenfalls gesteigerten Lernleistung fuhren.7

Laut Gerhard Tulodziecki, Professor fur Allgemeine Didaktik und Medienpadagogik, ergeben sich aus Medien wie einem Lernvideo „flexiblere und wirkungsvollere Lehr- und Lernverfahren".8

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung l:KognitiveArchitektur als Grundiagefurdie Organisation von Lernprozessen (Kritzenberger, S. 27) Mathematische Prozesse konnen in Lernvideos sichtbar und dadurch verstandlich gemacht werden. Beispielsweise ist es bei der Bruchrechnung moglich durch mit Flussigkeit gefullte GefaGe bestimmte Verhaltnisse deutlich zu machen.

[...]


1 Sesnik (2013), S.129.

2 vgl. Jorissen; Marotzki (2009), S.l f.

3 vgl. De Witt; Czerwionka (2007), S.50 ff.

4 Sailer;Figas (2015), S.78.

5 vgl. Internetquelle https://magazin.sofatutor.com

6 vgl. Projektburo Netzwerk Digitale Bildung (2016).

7 vgl. Sofatutor (2014).

8 Steindorf (2000), S.211.

Details

Seiten
14
Jahr
2018
ISBN (eBook)
9783668970335
ISBN (Buch)
9783668970342
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v484031
Institution / Hochschule
Universität Paderborn
Note
1,3
Schlagworte
videos mathematikunterricht unterstützung lernprozessen lernvideos

Autor

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Titel: Videos im Mathematikunterricht. Unterstützung von Lernprozessen durch Lernvideos