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"Der Untergang". Ein Symbol für den Untergang oder Aufstieg der politischen Bildung im Geschichtsfilm?

Akademische Arbeit 2016 10 Seiten

Filmwissenschaft

Leseprobe

Inhalt

Einleitung

Hauptteil
Das Geschichtsfernsehen
"Der Untergang"
Die politische Ebene in „Der Untergang“
Die Darstellung von Adolf Hitler

Fazit

Literaturverzeichnis

Bücher
Internetquellen
Filme

Einleitung

Die Vergangenheit ist etwas Unveränderliches und Grundlage vieler Reflexionsmuster, denn „Geschichte hilft, sich selbst zu verstehen und auch die anderen“1. Gerade die Geschichte, die durch Massenmedien verbreitet wird, trägt zu diesem Verständnis bei. So erkannte Niklas Luhmann 1996 "Was wir über unsere Gesellschaft, ja über die Welt, in der wir leben, wissen, wissen wir durch die Massenmedien." 2 Es scheint, als wären die Massenmedien ein idealer Kanal, um Geschichte zu vermitteln. Inwieweit lässt sich jedoch politische Bildung in Produktionen mit historischem Bezug vermitteln?

Die Beantwortung dieser Leitfrage soll das Ziel der hier vorliegenden Arbeit mit dem Titel „ Politische Bildung am Beispiel von „Der Untergang“ – Ein Symbol für den Untergang oder Aufstieg der politischen Bildung im Geschichtsfilm?“ sein. Nach einer allgemeinen Definition des Geschichtsfernsehens beginnt die anschließende Untersuchung. Dabei wird exemplarisch Bezug auf den 2004 erschienenen Film „ Der Untergang “ genommen, der die Geschehnisse im Führerbunker während der letzten zwölf Tage des zweiten Weltkrieges beschreibt. Dieser wurde mit der Zielsetzung produziert, historische Ereignisse korrekt wiederzugeben. In der Untersuchung wird der Fokus auf die Vermittlung der politischen Inhalte und dem daraus möglicherweise resultierenden Bildungseffekt gelegt. Dabei wird auch die Figur Adolf Hitler explizit dargestellt. Nach der Untersuchung folgen die abschließende Zusammenfassung der Untersuchungsergebnisse, sowie eine Beantwortung der eingangs gestellten Frage.

Als Textgrundlage dient dabei unter anderem „ Unterhaltungsrepublik Deutschland“ von Andreas Dörner und Ludgera Vogt aus dem Jahr 2012.

Hauptteil

Das Geschichtsfernsehen

Alles, was das Leben und Wirken der heutigen Gesellschaft ausmacht, ist geprägt von der Vergangenheit. Die Vergangenheit ist der Wegbereiter des Verständnisprozesses der Gegenwart. Also liegt es nahe, diesen Verständnisprozess durch die Aufbereitung historischer Ereignisse über die Massenmedien zu beeinflussen. Der Historien-, oder Geschichtsfilm ist ein Überbegriff für Produktionen, deren Inhalte auf historischen Ereignissen oder Personen basieren, wodurch ein Geschichtsbezug entsteht. Dieser Bezug verweist jedoch nicht immer auf konkrete und inhaltlich/geschichtlich korrekte Geschehnisse, sondern enthält immer auch fiktive Inhalte.3

Es gibt drei Formen von Medienproduktionen mit geschichtlichem Bezug. Zu erst sind die Dokumentationen mit geschichtlichem Hintergrund zu nennen. Diese Produktionen vermitteln historisches Wissen. Sie sollen auch unterhaltende Funktion haben um lukrative Programmplätze, wie zum Beispiel am frühen Sonntagabend, belegen zu können. Hier gilt als Beispiel unter anderem die Serie „ Hitlers Helfer“ von Guido Knopp. Als zweites Format sind die Dokumentationsdramen zu nennen. Hier wird vor dem Hintergrund einer historischen Rahmenhandlung ein abendfüllender oder sogar mehrteiliger Spielfilm produziert. Es sind Einsätze von Archivmaterialien, Zeitzeugeninterviews und nachgespielten Filmsequenzen üblich. Dieses Konzept nutzte Heinrich Breloer „ Die Manns – Ein Jahrhundertroman“. Die dritte Darstellungsmöglichkeit ist der historische Eventfilm. Es werden auch hier historische Kontexte in einer oder mehreren abendfüllenden Produktionen eingebettet und zur Unterhaltung aufbereitet. Hier gilt als Beispiel „ Die Luftbrücke - Nur der Himmel war frei“. Dabei erreicht der Eventfilm in der Regel die höchste Massenwirksamkeit.4

"Der Untergang"

"Der Untergang" erschien 2004 in den deutschen Kinos. Der Film war am Tag der Veröffentlichung mit einem Budget von 13,5 Millionen Euro die drittteuerste deutsche Filmproduktion aller Zeiten und wurde 2005 in der Kategorie „ Bester fremdsprachiger Film“ für den Oscar nominiert.5

Die Kinofassung des Filmes weist eine Gesamtlänge von 150 Minuten auf und lässt sich grob in drei Abschnitte einteilen. Traudl Junge, die Sekretärin Hitlers, rahmt die Handlung mit einem dreiminütigen Monolog ein. Sie spricht im Intro und Epilog über ihre persönliche Einschätzung der Zeitgeschichte. Die ersten fünf Minuten der eigentlichen Handlung spielen im Jahre 1942 und stellen die Vorgeschichte dar. Hier wird den Rezipienten erklärt, wie die unbekannte Traudl Junge den Zugang zur Anstellung als Sekretärin findet. Die restlichen 142 Minuten des Filmes befassen sich chronologisch mit den Geschehnissen vom 20.04. bis zum 02.05.1945, an dem die Kampfhandlungen in Berlin beendet wurden. Ein Großteil der Handlung spielt sich im Führerbunker ab. Ab und zu werden kurze Kampfhandlungen und Schicksale der Zivilbevölkerung gezeigt.6

Der Film wurde mit dem Ziel produziert, eine größtmögliche Authentizität zu vermitteln. Es wurden nur Aufzeichnungen, Stenographien und Berichte von Zeitzeugen verwendet. Diese Authentizität ist jedoch nicht bei allen Überlieferungen zu garantieren. Als Beispiel lassen sich hierbei die Aufzeichnungen eines Gespräches zwischen Adolf Hitler und seinem Architekten und Reichsminister für Bewaffnung, Albert Speer ansehen. Es existiert lediglich die nachträgliche Aufzeichnung durch Albert Speer und somit ist nicht gewährleistet, dass die Inszenierungsform des Filmes eine tatsächlich authentische Darstellung der Ereignisse aufzeigt.7

Diese Authentizität ist auch bei der Figurenzeichnung zu hinterfragen. Dadurch, dass der Film nicht die Entstehung und Entwicklung des „dritten Reiches“ thematisiert, erwarten die Produzenten unweigerlich Vorkenntnisse bei den Rezipienten. Es werden Figuren eingeführt, die nicht zu der bekannten Führungsriege der Nationalsozialisten gehören, wie zum Beispiel die Generäle Mohnke und Weidling.

Die Produzenten stellen im Rahmen der Inszenierung nahezu jeden Charakter in ein anderes Licht. Es werden die, weithin verbreiteten Charakterzüge der einzelnen Protagonisten ausgeblendet. Hier wiederum ist als Beispiel die Figur des Ernst Günther Schenck aufzuführen. In der Realität war er ein Arzt, der im "Dritten Reich" verschiedene Posten bekleidete, wie zum Beispiel seine Mitarbeit beim Wirtschafts- und Hauptverwaltungsamt der SS, wo er für die Ernährung der Insassen des Konzentrationslagers Mauthausen verantwortlich war.8 Im Film tritt er als Ernährungsinspekteur auf und wird dabei als sozialer, selbstloser Retter inszeniert, der sich um das Leid der Bevölkerung kümmert. Der Film nimmt jedoch keinen Bezug auf sein früheres Wirken, wo er durch Menschenversuche im Konzentrationslager Mauthausen für den Tod vieler Insassen verantwortlich war.9

Die politische Ebene in „Der Untergang“

Der Film „Der Untergang“ thematisiert die Zeitpolitik des "Dritten Reiches". Die historische Rahmenhandlung, die das Ende des Zweiten Weltkrieges in Europa beschreibt, ist ein weit verbreitetes Ereignis. Der Film stellt eine der schwärzesten Stunden Deutschlands dar. Diese Inszenierung ist jedoch nur in der Rahmenhandlung wirklich erkennbar, denn die Personenzeichnung, die die Produzenten wählen, stellt die einzelnen Charaktere nahezu als geschichtslos dar. Es werden die Taten, die die vergangenen Verbrechen von Schenk, Speer oder auch Wilhelm Mohnke charakterisieren, im Rahmen des Filmes nicht erwähnt. Bernd Eichinger belässt es auch nicht dabei, diese "Verbrecher und Mitwisser" als Biedermänner einzuführen, sondern gibt ihnen die Rolle der handlungsunfähigen Gefolgsleute. So fügen sie sich ihrem Schicksal, dass das Ende des "dritten Reiches" und ihr daraus resultierendes persönliches Ende, nicht mehr abzuwenden ist.10

Diese Darstellung der Figuren im richtigen Kontext zu verorten, ist somit nur mit detailliertem Geschichtswissen möglich. Das benötigte Wissen ist jedoch nicht von jedem Rezipienten bei Filmbeginn zu erwarten. Die Produzenten wählten die Inszenierung der Rahmenhandlung allerdings bewusst mit dem Anspruch aus, eine Zusammenfassung der Herrschaft der Nationalsozialisten bei Betrachtung dieser zwölf Tage zu geben. So drückt sich der Regisseur Oliver Hirschbiegel über den Inhalt des Filmes aus:

[...]


1 Werner, Schäfke (*1944), Kölner Museumsdirektor -Quelle:Kölner Stadt-Anzeiger

2 Luhmann, Niklas: Die Realität der Massenmedien, Verlag für Sozialwissenschaften, Wiesbaden, 2004, S.9

3 Vgl. Dörner, Prof. Dr. Andreas/Vogt, Ludgera, Unterhaltungsrepublik Deutschland, bpb, Bonn,S.82

4 Vgl. ebenda, S.85

5 http://www.imdb.com/title/tt0363163/

6 Vgl. Der Untergang (2004), Constantin Film Produktionen

7 Vgl. Behrens, Ulrich: Vom Faszinosum und der Macht des Bösen, http://www.follow-me-now.de/html/body_der_untergang.html (abgerufen 05.03.2014)

8 [8] Vgl. Heer, Hannes, „Hitler war´s“ Die Befreiung der Deutschen von ihrer Vergangenheit, Aufbau-Verlag, Berlin, 2005, S.15/16

9 Vgl.ebenda, S.15-17

10 Vgl. Wildt, Michael: „ Der Untergang“: Ein Film inszeniert sich als Quelle, http://www.zeithistorische-forschungen.de/site/40208312/default.aspx

Details

Seiten
10
Jahr
2016
ISBN (eBook)
9783668966154
ISBN (Buch)
9783668966161
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v486540
Institution / Hochschule
Philipps-Universität Marburg
Note
2,0
Schlagworte
untergang symbol aufstieg bildung geschichtsfilm

Autor

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