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Kann Ritalin die Leistung des Gehirns am Arbeitsplatz steigern und welche Auswirkungen hat das auf die eigene Persönlichkeit?

Hausarbeit 2019 17 Seiten

BWL - Personal und Organisation

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1. Was ist Hirndoping?

2. Motivation

3. Nebenwirkung von Ritalin
3.1. Wirkung auf das Umfeld
3.2. Kurzfristige Wirkung von Methylphenidat

4. Fazit

Literaturverzeichnis

Einleitung

Im Rahmen dieser Seminararbeit wird untersucht, inwieweit es mog- lich ist mit Ritalin seine geistige Leistungsfahigkeit zu steigern und welche Gefahren die Konsumenten bewusst oder unbewusst eingehen. Technische Erfindungen wie die Eisenbahn oder das Telefon sparen uns Zeit und trotzdem geraten wir immer wieder unter Zeitdruck. Un- ser Alltag hat sich zunehmend beschleunigt. Jeder einzelne muss ver- suchen Schritt zu halten. Aktuell leben wir in einer Gesellschaft in der es nicht mehr auf die Muskelkraft ankommt, sondern auf unseren Kopf. Die Leistungsfahigkeit unseres Gehirns ist unser Kapital. Viele Menschen suchen nach Moglichkeiten, um dem steigenden Leistungs- druck am Arbeitsplatz oder im Studium standzuhalten. Das Gedacht- nis und die kognitiven Funktionen sind extrem komplexe Eigenschaf- ten des menschlichen Gehirns.

Im Folgenden wird auf die Begriffe Hirndoping und dem in Ritalin enthaltenen Wirkstoff Methylphenidat eingegangen. AnschlieBend wird die Auswirkung auf die menschliche Personlichkeit naher be- trachtet und die Ursachen fur die Einnahme eines solchen Medika- mentes ermittelt. AbschlieBend werden die kurz- und langfristigen Folgen fur die Konsumenten am Arbeitsplatz benannt und aus der Per- spektive eines Unternehmens betrachtet.

1. Was ist Hirndoping?

Hirndoping wird in den Fachkreisen auch „Neuro-Enhancement“ ge- nannt. Dieser Begriff beschreibt die Einnahme von Psychopharmaka zur Steigerung der eigenen geistigen Leistungsfahigkeit. Chemisch ge- sehen ist Ritalin ein Amphetamin und wirkt wie die bekannte Party- droge Speed. Ritalin lasst die Person die es genommen hat ruhiger werden, verstarkt die Aufmerksamkeit und verbessert das Kurzzeitge- dachtnis. Eine Studie zeigt, dass die Generation Ritalin bereits exis- tiert. Ein zweistelliger Prozentsatz der deutschen Studenten miss- braucht das Medikament und konsumiert regelmaBig das leistungsstei- gernde Mittel.1 Leandro Panizzon, ein Chemiker des Unternehmens CIBA (heute Novartis) aus Basel, hatte im Jahr 1954 die Tabletten mit dem Wirkstoff Methylphenidat auf den Markt gebracht.2 Seine Frau namens Rita konnte nach der Einnahme des Medikaments besser Ten­nis spielen, also nannte Leandro Panizzon die Tabletten „Ritalin“. Arzte verschreiben diese bewusstseinsverandernden Kapseln heute Kindern mit einem Aufmerksamkeitsdefizit-Syndrom. Ob das Auf- merksamkeitsdefizit-Syndrom bei Kinder eine Krankheit ist oder Kin­der durch vorgefertigte Sichtweisen der Eltern ein Wertesystem aufge- drangt bekommt, wird in dieser Arbeit nicht beantwortet. Stattdessen konzentrieren wir uns auf den Wirkstoff Methylphenidat. Dieser bun- delt die Aufmerksamkeit des Konsumentens und lasst diesen mit sei- nen Gedanken in seinen eigenen Mikrokosmos verschwinden.3 Der Effekt macht das Aufnehmen von Wissen leicht und fordert das Ler- nen nach vorgegebenen Mustern. Unter dem Einfluss von Ritalin sind das kritische Hinterfragen, das Entdecken von Zusammenhangen und eine begeisternde Kommunikation mit anderen Individuen kaum mog- lich. Die Wirkdauer betragt circa vier Stunden.4 Im Magazin Campus der Wochenzeitung Die Zeit schrieb 2009 ein anonymer Autor uber seinen Selbsttest. Er nahm Ritalin um seine kognitive Leistung zu ver- bessern.

„Ritalin ist kein Wundermittel, es starkt nicht meine Arbeitsmoral, aber zumindest lenkt mich nichts mehr ab. Ich schaue nicht aus dem

Fenster. Lauft jemand in der Bibliothek an meinem Tisch vorbei, dann blicke ich nicht auf, sondern starre eisern auf die Buchseiten. Ich ar- beite konzentriert drei, vier Stunden lang. Ich vergesse den Druck, den Gartner, den Kaffee. Mittags dann stehe ich in der Mensa und uber- lege, auf welches Menu ich Lust habe - und ich weiB es nicht. Ich wahle zufallig eines aus und stochere lustlos darin herum, das Ritalin hemmt meinen Appetit. Dann nehme ich wieder eine Pille und gehe zuruck in die Bibliothek. Ja, ich bin ein Zombie, aber ein Zombie, der lernt wie eine Maschine.“5 Dieser Selbstversuch zeigt den massiven Eingriff in unser Bewusstsein und in unsere Personlichkeit.

2. Motivation

Die Konsumenten sind Menschen wie du und ich, Arbeiter, Geschafts- fuhrer, Selbststandige und Kinder die uber Jahre funktionieren mus- sen. Psychopharmaka helfen den Menschen, Maschinen zu werden, damit sie ihre tatsachliche Lage nicht mehr erkennen und nicht mehr fuhlen mussen. Weshalb nehmen Menschen die Leistungssteigernden Mittel? Vertrauen Sie nicht mehr auf die Fahigkeiten die Ihnen von Geburt an gegeben wurden?

Die Ergebnisse im DAK-Gesundheitsreport von 2015 zeigen, dass Hirndoping entgegen fruherer Annahmen kein Phanomen ist, das sich ausschlieBlich in der hohen Fuhrungsebene findet. Betroffen sind alle Berufsgruppen und am starksten geringer qualifizierte Beschaftigte.6 Die Arbeitsbedingungen, die Tatigkeit selbst oder Betriebsvereinba- rungen konnen zentrale Voraussetzungen dafur sein, dass die Motiva­tion zum Hirndoping entsteht. Die folgenden Merkmale stehen in Ver- bindung mit der Einnahme von Substanzen mit dem Ziel des Hirndo- pings.7

- kleine Fehler am Arbeitsplatz konnen schwerwiegende Folgen haben.
- standiges Arbeiten an der eigenen maximalen Leistungsgrenze
- standiger Konkurrenzdruck zwischen Kollegen in einem Un- ternehmen
- eine kontinuierliche Wochenarbeitszeiten von uber 40 Stunden
- ein unsicheres Beschaftigungsverhaltnis, zum Beispiel ein be- fristeter Arbeitsvertrag
- Work-Life-Balance nicht vorhanden - eine schlechte Verein- barkeit von Beruf und Privatleben

Viele Konsumenten setzen mit Ritalin uberhaupt erst die Vorausset- zung fur die Erbringung einer angestrebten Leistung.8 Mithilfe dieses Medikaments geht die Arbeit leichter von der Hand. Das zweithau- figste Motiv ist die Leistungssteigerung des Gehirns. Eine Analyse hat gezeigt, dass zwischen Hirndoping und Personlichkeitseigenschaften ein Zusammenhang besteht. Hirndopende besitzen in der Regel eine geschwachte Organisationsfahigkeit und wenig Selbstdisziplin.9 Ein weiteres Motiv ist die versprochene Heilung des Aufmerksamkeitsde- fizit-Syndroms. Seit 1978 wird Ritalin zur Behandlung vom Aufmerk- samkeitsdefizit-Syndrom eingesetzt und die Verschreibungszahlen in Deutschland steigen seit dem kontinuierlich an.10

3. Nebenwirkung von Ritalin

In der Offentlichkeit werden Nebenwirkungen kleingehalten. Studien- ergebnisse zeigen, dass die Wirksamkeit von Ritalin stark uberschatzt und demgegenuber die Risiken von den Konsumentinnen und Konsu- menten zu wenig betrachtet werden. Der Gesundheitsreport der Deut- schen Angestelltenkrankenkasse von 2015 zeigt, dass in Deutschland knapp sieben Prozent der Beschaftigten schon mindestens einmal im Leben verschreibungspflichtige Medikamente ohne einen medizini- schen Grund eingenommen haben.11 Bei Studierenden haben zwanzig Prozent innerhalb von zwolf Monaten verschreibungspflichtige Medi­kamente zur Leistungssteigerung konsumiert.12 Pharmakonzerne be- muhen sich Studien uber die gravierenden Nebenwirkungen, so lange es moglich ist, unter Verschluss zu halten. Chemiker die ein solches Praparat synthetisiert haben, kennen die Wirkungen und verheimli- chen sie bewusst, da es sich um ein Milliardenmarkt handelt. Konsu- menten ignorieren den Beipackzettel und vertrauen den Versprechun- gen der Verpackung sowie der Verschreibung des Arztes. Zu den hau- figsten Nebenwirkungen zahlen Kopfschmerzen, Schlaflosigkeit und Nervositat.13 Gelegentlich kann die Einnahme zusatzlich zu psychi- schen Storungen und optischen Halluzinationen fuhren. Der Wirkstoff Methyphenidat kann suchtig machen. Im ersten Schritt kann es sich nur um eine korperliche Abhangigkeit handeln, die sich darin bemerk- bar macht, dass eine immer hohere Dosis eingenommen werden muss. Im zweiten Schritt kann durch die Einnahme einer Tablette im Zusam- menwirken mit einer positiven Erfahrung eine psychologische Abhan­gigkeit entstehen.14 Dies lasst sich am Beispiel eines Studenten erlau- tern, der nach einigen unter Einfluss von Ritalin erreichten hervorra- genden Noten schon beim Gedanken daran, die nachste Prufung ohne pharmazeutische Unterstutzung schreiben zu mussen, groBe Angste entwickelt.

[...]


1 (Elke Middendorff, 2012)

2 (Dreher, 2015, S. 149)

3 (Bleuler, 1983, S. 77)

4 (Dreher, 2015, S. 150)

5 (A, 2009, S. 3)

6 (Marschall , Nolting, & Hildebrandt, 2015, S. 70)

7 (Marschall , Nolting, & Hildebrandt, 2015, S. 84)

8 (Leitner, 2012, S. 3)

9 (Leitner, 2012, S. 4)

10 (Marschall , Nolting, & Hildebrandt, 2015, S. 96)

11 (Marschall , Nolting, & Hildebrandt, 2015, S. 119)

12 (Marschall , Nolting, & Hildebrandt, 2015, S. 39)

13 (Dreher, 2015, S. 151)

14 (Spektrum der Wissenschaft, 2009, S. 5)

Details

Seiten
17
Jahr
2019
ISBN (eBook)
9783668947474
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v486934
Institution / Hochschule
FOM Hochschule für Oekonomie & Management gemeinnützige GmbH, Frankfurt früher Fachhochschule
Note
2,0
Schlagworte
Hausarbeit

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