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George Herbert Meads Konzepte von Geist, Identität und Gesellschaft

Seminararbeit 2006 18 Seiten

Soziologie - Individuum, Gruppe, Gesellschaft

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Zur Person George Herbert Mead

3. Theoretische Grundannahmen und Begriffe
3.1 Kommunikation und Interaktion
3.1.1 Gesten
3.1.2 vokale Gesten / signifikante Symbole
3.1.3 reflektive Intelligenz
3.1.4 Geist
3.1.5 Bewusstsein / Umwelt
3.2 Identität
3.3 Gesellschaft

4. Vergleich von Mensch und Tier

6. Literatur- und Quellenverzeichnis

1. Einleitung

Die vorliegende Arbeit ist als Ausarbeitung meines Referats zum Thema „ George Herbert Mead – Geist, Identität und Gesellschaft “ im Seminar „ Anthropologie II “ im Wintersemester 2005/06 entstanden. Wesentliches Ziel ist die Darstellung essentieller Grundbegriffe sowie die prägnante Zusammenfassung Meads theoretischen Konzepts, welches sich in der primär verwendeten Literatur „ Geist, Identität und Gesellschaft “ findet.

Um einen Einstieg in die Thematik zu finden, erscheint es sinnvoll zunächst G. H. Meads Biografie lakonisch zu präsentieren. Anschließend werden die essentiellen theoretischen Grundannahmen zu Kommunikation und Interaktion, Identität und Gesellschaft auf Basis der vorliegenden Literatur dargestellt. Ferner soll abschließend ein summarischer Exkurs hinsichtlich eines Vergleichs zwischen der Darstellung von Mensch und Tier bei Mead erfolgen.

2. Zur Person George Herbert Mead

George Herbert Mead wurde am 26. Februar 1863 in South Hadley (USA) geboren. Er nahm an der renommierten Harvard University das Studium der Philosophie auf, wechselte jedoch kurz darauf zur Psychologie. Er studierte u.a. auch in Leipzig und Berlin. Von 1894 bis zu seinem Tod lehrte er als Professor für Philosophie sowie Sozialpsychologie an der University of Chicago.

Nach Runkel (2002:57) begriff sich Mead als Vertreter des Sozialbehaviorismus und einer Sozialpsychologie, „ für die das Ganze (die Gesellschaft) wichtiger ist als der Teil (das Individuum) “ (zit. n. ebd.). Zudem wird Mead zu den Klassikern der Sozialpsychologie („ Chicagoer Schule “ bzw. „ Schule des symbolischen Interaktionismus “) bzw. der Soziologie bzw. der Anthropologie gezählt. Dies erscheint recht verwunderlich, da Mead nie Soziologie lehrte sowie nie ein Buch veröffentlichte[1].

Am 26. April 1931 verstarb G. H. Mead in Chicago.

3. Theoretische Grundannahmen und Begriffe

Für sein theoretisches Konzept nimmt Mead Anleihen beim Behaviorismus als auch bei Darwins Evolutionstheorie. So greift er beispielsweise Begriffe wie „ Reiz “ und „ Reaktion[2] auf, deren Ursprung diesbezüglich eindeutig im Behaviorismus zu finden ist. Jedoch entwickelt diese weiter und distanziert sich schließlich auch entschieden vom Behaviorismus bzw. grenzt sich extrem von ebendiesem ab. Von Darwins Evolutionstheorie übernahm er u.a. die Grundannahme, dass sich ein Organismus an seine Umwelt anpassen muss um zu überleben – „ survival of the fittest “.

Eine der größten Leistungen Meads war es, eine soziologische Theorie zu begründen, die erstmals auch objektiv überprüfbar war. So sind die nachfolgend beschriebenen kommunikativen Vorgänge objektiv beobachtbar und damit nicht mehr nur rein spekulativ. Daraus folgt, dass Meads theoretisches Konzept wissenschaftstheoretisch bzw. empirisch fundierbar ist.

3.1 Kommunikation und Interaktion

3.1.1 Gesten

Unter dem Begriff Geste versteht Mead (1973:82f.; 93) gesellschaftliche Handlungen, „ die als Reize für die Reaktionen anderer […] dienen “ bzw. jener Teil einer Handlung, der für den Einfluss auf andere verantwortlich ist, z.B. eine geballte Faust; das Geschrei eines Babys, etc..[3] Gesten können nach Mead (1973:121) entweder bewusst (signifikant) oder unbewusst (nicht-signifikant) sein. Unterhalb der menschlichen Entwicklungsstufe ist die Übermittlung von Gesten (Kommunikation) nicht signifikant, weil sie nicht bewusst, d.h. identitätsbewusst ist (obwohl sie, bezogen auf Gefühle und Empfindungen bewusst ist) (vgl. ebd.).

Wenn nun eine Geste eine Idee ausdrückt und diese Idee auch bei einem anderen Menschen auslöst, spricht Mead (1973:85) von dem, „ was wir Sprache nennen “ bzw. einem signifikanten Symbol. Die Geste wird zum signifikanten Symbol, wenn sie auf das ausführende Individuum die gleiche Wirkung ausübt wie auf das Individuum, an das sie gerichtet ist bzw. das auf sie reagiert (vgl. ebd.).

Nur durch Gesten, die signifikante Symbole sind, kann Denken[4] stattfinden – wird also Geist oder Intelligenz erst möglich (vgl. Mead (1973:86)).

Geist entsteht aus der Kommunikation durch Übermittlung von Gesten innerhalb eines gesellschaftlichen Prozesses. Es entsteht folglich nicht die Kommunikation durch den Geist, sondern der Geist durch die Kommunikation bzw. gesellschaftliche Erfahrungen (vgl. Mead (1973:89f)).

Sprache scheint nach Mead (1973:94) aus einer Reihe von Symbolen zu bestehen. Soll Kommunikation möglich sein, muss ein Symbol für alle betroffenen Personen das Gleiche bedeuten (vgl. ebd.).

3.1.2 vokale Gesten / signifikante Symbole

Die vokale Geste ist nach Mead (1973:105) wichtiger als alle anderen Gesten. Mead (1973:107, 187, …) subsumiert hierunter nicht nur (Laut-)Sprache, sondern ebenso Gebärdensprache bzw. Zeichensprache und Schrift. Die vokale Geste ist ein gesellschaftlicher Reiz, der den, der sie gebraucht, in der gleichen Weise beeinflusst, wie den, den sie beeinflussen soll (vgl. Mead (1973:102)). So sind wir, wenn wir etwas sagen, i.d.R. in der Lage uns selbst zu hören. Folglich lösen wir auch in uns selbst die Reaktion aus, die auch bei einem anderen ausgelöst wird. Die Bedeutung des Gesagten ist für uns die gleiche wie für den anderen. Wir sind also durch vokale Gesten in der Lage auf unsere eigenen ausgesendeten Reize so zu reagieren, wie es auch andere tun (vgl. Mead (1973:105)). Die Grundannahme ist demzufolge, dass wir ständig durch vokale Gesten in uns selbst jene Reaktionen auslösen, die wir auch bei anderen Personen auslösen. Damit nehmen wir die Haltungen anderer Personen in unser eigenes Verhalten auf (vgl. Mead (1973:108)).

Durch die Beziehung einer vokalen Geste zu einer solchen Reaktionsreihe (im Individuum selbst wie auch bei anderen Menschen) wird diese vokale Geste zu einem signifikanten Symbol (vgl. Mead (1973:111)).

Nach Mead (1973:107) ist nur die vokale Geste für die Kommunikation geeignet.

3.1.3 reflektive Intelligenz

Nach Mead (1973:131) entsteht Reflexion bzw. reflektives Verhalten nur unter der Voraussetzung, dass ein Bewusstsein existent ist. Reflektives Verhalten ermöglicht die zweckorientierte Kontrolle bzw. Organisation des Verhaltens des einzelnen Organismus im Hinblick auf seine gesellschaftliche und physische Umwelt (diverse gesellschaftliche u. physische Situationen) (vgl. ebd.).

Die Organisation der Identität ist „ einfach die Organisation von Haltungen des individuellen Organismus gegenüber seiner gesellschaftlichen Umwelt – und gegenüber sich selbst aus der Sicht dieser Umwelt oder als einem funktionierenden Element im gesellschaftlichen Erfahrungs- und Verhaltensprozess, der diese Umwelt ausmacht. “ (zit. n. Mead (1973:131)).

Die Fähigkeit Merkmale bzw. Reize (z.B. ein Geruch) sich selbst oder anderen aufzuzeigen und zu beschreiben unterscheidet die Intelligenz eines reflektierten Wesens (Mensch) von den Tieren, wie intelligent diese auch sein mögen (vgl. Mead (1973:133)). So hat ein Hund z.B. einen besseren Geruchssinn als ein Mensch, er könnte diesen Geruch jedoch niemals einem anderen Hund beschreiben (vgl. ebd.). Folglich besitzen nur Menschen eine reflektive Intelligenz, die sich von der Intelligenz „ niedrigerer Wesen “ unterscheidet (vgl. Mead (1973:159)). Die Geste, so wie sie im Verhalten der menschlichen Gruppe entwickelt wurde, dient dazu, ebendiese Elemente aufzuzeigen und somit „ in den Bereich willentlicher Aufmerksamkeit zu bringen “ (vgl. Mead (1973:135)). Sprache ist ein Prozess, durch den bestimmte Reize aufgezeigt und „ die Reaktionen auf sie im Verhaltenssystem geändert werden “ (vgl. Mead (1973:137)).

[...]


[1] Alle seiner Bücher erschienen posthum. Sie wurden aus Manuskripten sowie studentischen Mitschriften rekonstruiert.

[2] Hier werden Analogien zu den Behavioristen bzw. Psychologen Pawlow („ klassisches Konditionieren “) sowie Skinner („ operantes Konditionieren “) evident.

[3] Nach Mead (1973:83) sind Gesten für Wundt „ Werkzeuge, durch die andere Wesen reagieren “.

[4] Denken ist nach Mead (1973:86) ein nach innen verlegtes oder impliziertes Gespräch des Einzelnen mit sich selbst mit Hilfe ebensolcher Gesten.

Details

Seiten
18
Jahr
2006
ISBN (eBook)
9783638453479
ISBN (Buch)
9783656248583
Dateigröße
486 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v48737
Institution / Hochschule
Universität Lüneburg – Institut für Sozialpädagogik
Schlagworte
George Herbert Mead Geist Identität Gesellschaft Anthropologie

Autor

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Titel: George Herbert Meads Konzepte von Geist, Identität und Gesellschaft