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Antonovskys Modell der Salutogenese und sein Stellenwert in der aktuellen gesundheitspolitischen Diskussion

Hausarbeit 2005 26 Seiten

Gesundheit - Pflegewissenschaft - Pflegemanagement

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einführung in das Thema

2 Definition von Gesundheit und Krankheit
2.1 Gesundheit
2.2 Krankheit

3 Das Modell der Salutogenese von A. Antonovsky
3.1 Entstehungshintergrund des salutogenetischen Modells
3.2 Das salutogenetische Modell
3.2.1 Das Kohärenzgefühl
3.2.2 Das Gesundheits-Krankheits-Kontinuum
3.2.3 Gesundheitsfaktoren und Risikofaktoren
3.2.4 Stessoren, Spannungszustände und Hintergründe zum Kohärenzgefühl
3.2.5 Generalisierte Widerstandsressourcen
3.3 Das salutogenetische Modell im Überblick

4 Gesundheitspolitik
4.1 Gegenstandsbereich der Gesundheitspolitik
4.2 Die aktuelle Gesundheitspolitik der Bundesrepublik Deutschland mit Zuständigkeit des Bundesministeriums für Gesundheit und Soziale Sicherung
4.3 Ziele der Bundesrepublik Deutschland zur Weiterentwicklung des Gesundheitswesens

5 Bedeutsamkeit des salutogenetischen Modells für die aktuelle Gesundheitspolitik

6 Schlussbetrachtung

Glossar

Quellenverzeichnis

Eidesstattliche Erklärung

1 Einführung in das Thema

Die vorliegende Hausarbeit wird den Grundgedanken des salutogenetischen Konzepts beschreiben. Im Vordergrund steht dabei die Erklärung des Modells, sowie die Einordnung der salutogenetischen Aspekte in die aktuelle gesundheitspolitische Diskussion.

Der amerikanisch - israelische Medizinsoziologe Aron Antonovsky (1923 – 1994) kritisierte erstmals die bis zu diesem Zeitpunkt verbreitete Betrachtungsweise von Gesundheit und Krankheit und stellte dieser Sicht eine völlig neue Perspektive gegenüber (vgl. Bengel u.a. 2001, 9). Bis zu diesem Zeitpunkt galt Gesundheit als der normale Zustand eines Menschen. Das Gegenteil zu Gesundheit war Krankheit mit ihren differenzierten Abstufungen. Die beiden Zustände wurden als dichotom betrachtet.

In Antonovskys Vorstellung lassen sich Gesundheit und Krankheit nicht strikt von einander trennen. Er beschreibt sie als zwei imaginäre Pole, zwischen denen sich der Mensch ständig im Laufe seines Lebens bewegt. Es gibt zwischen diesen Polen keinen normativen Zustand, sondern es ist ein ständiges Wechselspiel.

Antonovsky sieht diese Bewegung als Kräftemessen zwischen krankmachenden Faktoren und gesundheitserzeugenden Faktoren. Neu an dieser Denkweise war ebenso, dass diese gesundheitserzeugende Kraft ausgebildet und bewusst gefördert werden kann. Für Antonovsky sind z. B. gewisse „innerliche Einstellungen oder Lebenskonzepte“ verantwortlich, warum sich ein Mensch gerade eher in Richtung Gesundheitspol oder Krankeitspol bewegt.

„Der salutogenetische Ansatz ist ein Erklärungsmodell für die Entstehung von Gesundheit. Gesundheit wird als Ergebnis des Gleichgewichts zwischen Risikofaktoren und Gesundheitsfaktoren betrachtet. An der Aktivierung der Gesundheitsfaktoren ist im Rahmen dieses Modells maßgeblich der Kohärenzsinn eines Menschen beteiligt, der zur Aktivierung und Auswahl der geeigneten Ressourcen beiträgt“ (Lauber u.a. 2001, 18).

Der Grund für mich dieses Thema im Rahmen dieser Hausarbeit zu behandeln ist, dass das Thema Salutogenese mir trotz meiner langjährigen Tätigkeit als Gesundheits- und Krankenpflegerin und kontinuierlicher Weiterbildung im Gesundheitswesen, bisher noch nie begegnete. Es stellte sich mir die Frage, ob das mögliche Potenzial des Modells Eingang in die aktuelle gesundheitspolitische Diskussion findet. Interessant ist für mich herauszufinden, ob die Gedanken von Antonovsky in die gesundheitliche Aufklärung durch das Bundesgesundheitsministerium einfließen.

2 Definition von Gesundheit und Krankheit

Um das Modell der Salutogenese von Aron Antonovsky zu verstehen, ist es zunächst notwendig die beiden Begriffe Gesundheit und Krankheit näher zu betrachten. Auf den ersten Blick sind diese Begriffe eindeutig. Gesundheit steht für Wohlbefinden und die Abwesenheit von Beschwerden. Krankheit steht im allgemeinen für Beschwerden, Schmerzen und Leid. Dennoch gibt es für Gesundheit und Krankheit die unterschiedlichsten Definitionen. Das ist einmal auf ihre Komplexität und ebenso auf die jeweils subjektive Bedeutung für den Einzelnen zurückzuführen. Denkt man beispielweise an die unterschiedliche Schmerztoleranz zwischen chronisch kranken Menschen und dem Schmerzempfinden von Menschen mit akut auftretenden Schmerzen ist die Subjektivität vorstellbar.

In der griechischen Antike begannen sich mit der Naturphilosophie erste Erklärungsversuche für die Entstehung von Gesundheit und Krankheit abzuzeichnen. Unter Gesundheit wurde in erster Linie das harmonische, ausgeglichene Leben im Einklang mit der Natur verstanden. Heute kann man im allgemeinen feststellen, „..was unter Gesundheit bzw. Krankheit verstanden wird, Unterliegt geschichtlichen, kulturellen, wissenschaftstheoretischen und auch individuellen Einflüssen“ (Lauber u.a. 2001, 15).

2.1 Gesundheit

Gesundheit wird in unserem Kulturkreis auf der einen Seite als etwas verstanden, was durch die eigene gesunde Lebensführung erhalten bleibt und auf der anderen Seite ist Gesundheit, etwas, das durch die Behandlung von Krankheiten wieder hergestellt wird (vgl. Hörmann u.a. 2002, 87).

Im Pschyrembel wird Gesundheit in dreierlei Weise beschrieben. Zunächst im Sinne der WHO, die sich auf den Zustand völligen körperlichen, geistigen und seelischen und sozialen Wohlbefindens beschränkt. Im engeren Sinn gesehen weißt der Pschyrembel auf das subjektive Empfinden, des Fehlens körperlicher, geistiger und seelischer Störungen oder Veränderungen in bzw. auf einen Zustand in dem Erkrankungen und pathologische Veränderungen nicht nachgewiesen werden können. Und zuletzt wird auf das Sozialversicherungsrecht verwiesen, das Gesundheit und als Zustand beschreibt, aus dem Arbeits- bzw. Erwerbsfähigkeit resultiert (vgl. Pschyrembel 1994, 538).

Gerade bei der Definition des Pschyrembels wird deutlich, wie schwer der Begriff Gesundheit zu beschreiben ist. Im Gegensatz dazu unterteilt das Roche Lexikon Medizin den Gesundheitsbegriff nicht. Hier wird sich ausschließlich auf die oben bereits genannte Definition der WHO bezogen (vgl. Hoffmann-La Roche AG u.a. 1994, 625).

Betrachten wir die Medizin- und Gesundheitssoziologie wird Gesundheit, sowie auch Krankheit ebenfalls unter mehreren Aspekten behandelt. Zum einen wird sich direkt auf die Person bezogen, der Betroffene fühlt sich entweder krank oder gesund. Zum anderen wird Gesundheit und Krankheit im Bezugssystem der Medizin gesehen. Hier stehen Gesundheit und Krankheit für objektivierbare Normen und Regulationen, die entweder in der Norm sind oder davon abweichen. Zuletzt wird auf die Gesellschaft und ihrem Sozialversicherungssystem Bezug genommen. Hier steht Gesundheit für Leistung und Krankheit für Leistungsminderung, wobei dann soziale Hilfe und Unterstützung geleistet wird (vgl. Schroeter 2003, 28 ). Der mit der Systemtheorie bekannt gewordenen Soziologe Talcott Parsons bezeichnet Gesundheit als einen Zustand von optimaler Leistungsfähigkeit des Individuums, damit es Aufgaben und Rollen in der Gesellschaft erfüllen kann (vgl. Parsons 1968, 345).

2.2 Krankheit

Interessant zu lesen ist, wie Krankheit von der Medizin beschrieben wird. Die Definition von Krankheit aus dem Roche Lexikon Medizin lautet folgendermaßen: „Krankheit: 1) subjektives u./oder objektives Bestehen körperlicher u./oder geistig- seelischer Störungen bzw. Veränderungen ... Im Arbeitsrecht u. in der Sozialversicherung der regelwidrige Verlauf leiblicher, seelischer oder geistiger Lebensvorgänge, der Krankenpflege notwendig macht u. Arbeitsunfähigkeit zur Folge haben kann; in der Rentenversicherung die eingeschränkte Erwerbsfähigkeit ... 2) Krankheitsbegriff; das »Etikett« für eine aus ätio-, morpho-, typologischen oder anderen Gründen zusammengefasste Gruppe von Krankheitsabläufen, die als Entität mit mehr oder weniger typischen Zeichen (Symptomen) aufgefasst wird ...“ (Hoffmann-La Roche AG u.a. 1993, 943).

3 Das Modell der Salutogenese von A. Antonovsky

Aron Antonovsky wandte 1987 mit dem Modell der Salutogenese erstmals den Blick weg von Krankheit, richtete ihn hin zur Gesundheit und eröffnete somit eine völlig neue Perspektive. Somit leitete er eine neue Diskussion in der Gesundheitswissenschaft ein. Der Begriff „Salutogenese“ bedeutet (Salus, lat: Unverletztheit, Heil, Glück; Genese, griech.: Entstehung). Schon hier wird Antonovskys Ansatz deutlich. Es geht ihm nicht um die

Erklärung der Entstehung von Krankheit, der Pathogenese (Patho-, griech: Wortteil mit der Bedeutung Schmerz, Krankheit), sondern um die Erklärung der Entstehung und Erhaltung von Gesundheit, d.h. der Salutogenese.

Er konzentriert sich auf die Frage: Wie entsteht Gesundheit bzw. welche Faktoren sind daran beteiligt, dass ein Mensch seine Position auf dem Gesundheits-Krankheitskontinuum beibehalten bzw. an den Pol „Gesundheit“ annähern kann? Hier wird deutlich, dass Antonovsky Gesundheit und Krankheit nicht als zwei Zustände versteht, die sich gegenseitig ausschließen, wie es beispielsweise im biomedizinischen Modell der Fall ist. Er betrachtet Gesundheit und Krankheit als einen dynamischen Prozess, der zwischen den beiden Polen „sicher gesund“ und „sicher krank“ eine Reihe von ineinander übergehenden Zwischenbereichen aufweist (Lauber 2001, 18).

3.1 Entstehungshintergrund des salutogenetischen Modells

Um das Konzept der Salutogenese zu verstehen muss vorab ein kurzer Einblick in seine Entstehung gegeben werden, den das Konzept ist im Kontext der Gesundheitsentwicklungen und der Gesundheitswissenschaften der letzten 50 Jahre zu sehen.

Die Medizin beeindruckte Jahrzehnte lang mit großen Erfolgen in der Heilung vieler Krankheiten. Trotzdem wird immer mehr Kritik an der sogenannten Apparatemedizin und der einseitigen Orientierung an Symptomen geäußert. In der Kritik wird die Vernachlässigung der Persönlichkeit laut. Der Mensch mit seinen individuellen Facetten wird nicht mehr gesehen. Durch die Technisierung der Medizin tritt die Ganzheitlichkeit des Menschen in den Hintergrund. Außerdem ist das Gesundheitssystem zu teuer, unflexibel und kann nur langsam und träge auf die Bedürfnisse insbesondere chronisch Kranker reagieren. Es wird eine Arzt-Patienten-Beziehung gefordert, die sich zum Patienten hinwendet, die ihn als ganze Persönlichkeit sieht und somit auch die gesunden Teile der Person einbezieht (vgl. Bengel 2001, 14), d.h. auch solche Fragen stellt: „Wie fühlt sich der Patient, in welchem Umfeld lebt er, wie geht er mit seiner Erkrankung um?“ (Bengel 2001, 15).

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Details

Seiten
26
Jahr
2005
ISBN (eBook)
9783638454650
ISBN (Buch)
9783638660051
Dateigröße
1 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v48883
Institution / Hochschule
Hamburger Fern-Hochschule
Note
1,0
Schlagworte
Antonovskys Modell Salutogenese Stellenwert Diskussion

Autor

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