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Tierethik. Welche Schlüsse lassen sich aus der Beziehung "Mensch-Wolf" ziehen?

Hausarbeit 2017 18 Seiten

Geowissenschaften / Geographie - Regionalgeographie

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Vorwort

2. Eine kurze Einführung in den Darwinismus und der (Tier)Ethik

3. Der moralische Status von Tieren
3.1 Utilitarismus
3.2 Die Rechte von Tieren

4. Tierversuche aus moralischer, ethischer und politisch-rechtlicher Sicht

5. Mensch-Wolf Beziehung im Laufe der Zeit

6. Fazit und Schlusswort

7. Literaturverzeichnis

8. Abbildungsverzeichnis

1. Vorwort

Wie soll der Mensch mit dem Tier umgehen? In welchem Maß soll der Mensch, dem Tier in vieler Hinsicht überlegen, überhaupt auf Tiere Rücksicht nehmen oder Tiere schützen? Man kann diese Fragen in einem sehr unterschiedlichen Sinn verstehen. Zunächst kann man sie verstehen als Fragen nach den in einer Gesellschaft als verbindlich geltenden Tierschutznormen. Solche Normen enthält sowohl die Sozialmoral als auch die Rechtsordnung unserer Gesellschaft. Beide diese Normenordnungen verbieten zum Beispiel ein beliebiges Quälen von Tieren, nicht aber das Töten von Tieren zum Fleischverzehr, Die Ermittlung und Darstellung der in Sozialmoral und Rechtsordnung einer Gesellschaft geltenden Tierschutznormen ist Aufgabe einer empirischen Sozial- bzw. Rechtswissenschaft. (Hörster, 2004: 7)

Dieses Zitat Hörsters stellt gleichzeitig den Einstieg seines eigenen Werkes dar, ist jedoch auch als Einstieg bzw. Denkanstoß im Rahmen dieser Hausarbeit sehr geeignet, da es die Problematik, die (rechtliche) Sichtweise sowie den moralischen Widerspruch der Thematik in wenigen Sätzen aufzeigt.

Zu Beginn wird ein kurzer Überblick über den Darwinismus und der allgemeinen Tierethik gewährleistet, worauf anschließend der moralische Status von Tieren folgt. Mit etwas konkreteren Beispielen wird sich im Folgenden mit Tierversuchen aus politischer, ethischer und moralischer Sicht beschäftigt. Anschließend nehme ich den Wolf als exemplarisches Beispiel für Tierethik und erläutere die Beziehung Mensch-Wolf im Laufe der Zeit. Im Schlusswort bzw. dem Fazit versuche ich die Schlüsse (Konflikte, Potential, Rechtsstatus) der Tierethik mit der oben genannten Beziehung zusammenzuführen.

Da man über die einzelnen Aspekte der Tierethik ganze Doktorarbeiten schreiben könnte wird sich im Rahmen dieser Hausarbeit ausschließlich relevantesten Subkategorien thematisieren und nur mäßig in die Gesamtthematik eintauchen, sodass der Leser im Stande ist dieser Hausarbeit zu folgen und zu verstehen.

2. Eine kurze Einführung in den Darwinismus und der (Tier)Ethik

Zweifelsohne spielt der Darwinismus eine prägende Rolle in der Ethik und somit auch in der Tierethik. Laut Wolf wird dieser jedoch stets über- oder unterschätzt. Zur Überschätzung lässt sich sagen „die Überschätzung manifestiert sich in der Hoffnung, aus dem Darwinismus ließen sich moralische Schlußfolgerungen logisch ableiten“ (Wolf, 1992: 26). Diese vermeintlich logischen Schlussfolgerungen sind jedoch sowohl wissenschaftlich als auch politisch enorm kontrovers und wissenschaftlich sogar teilweise widerlegt (ebd.).

Personen oder Gruppierungen, welche die darwinistische Lehre hingegen unterschätzen behaupten, dass sie nur ein „naturalistischer Fehlschluss“ (ebd.) sei und zur Begründung von Verhaltensnormen, beispielsweise im Tierreich, nichts beitrage, da es sich um eine rein erklärende und deskriptive Wissenschaft handle (ebd.)

Doch was genau besagt der Darwinismus und was sind seine Theorien?

Der Begriff ist die eingeführte Bezeichnung für die von C.R. Darwin entwickelte Evolutionstheorie, die Theorie der sogenannten gemeinsamen Abstammung. Als Darwin 1859 sein Werk Über die Entstehung der Arten (englisch : On the Origin of Species) publizierte, sorgte dies für einen Sturm der gesellschaftlichen Entrüstung. Laut Darwin entwickelten sich die Arten nicht nach einem vorgegebenen, göttlichen, Plan, sondern durch zufällige Mutationen, welche dafür sorgten, dass neue Varianten hervorkamen und jene, die ihrer Umwelt am besten angepasst sind, überleben und sich vermehren (Wolf, 1992: 27ff). Weiterführend besagt diese Theorie, dass jegliches Leben, jegliche Existenz auf dem Planeten, Nachkommen einer gemeinsamen Ahnenart sind (Wolf, 1992: 29ff). Darwin versuchte mit seiner Theorie die Problematik bzw. die Frage nach der Ursache der Evolution zu beantworten. Zum einen ist dafür die genetische Variabilität verantwortlich, das sogenannte Rohmaterial der Evolution, oder auch die Bausteine, zum anderen die Selektion, also die natürliche Auslese und die Triebkraft der Evolution. Er brachte die Wissenschaft, zumindest den Teil der Wissenschaft, der sich mit der belebten Natur beschäftigte, auf ein komplett neues und revolutionäres Level, einem Level mit einem streng materialistischen und mechanischen Sinne. Grundlegend basiert der Darwinismus auf fünf Annahmen/Beobachtungen, welche jedoch im Rahmen dieser Hausarbeit nur kurz genannt und nicht weiter erörtert werden. Diese sind:

1. Die Populationsgröße einer betrachteten Art bleibt im Durchschnitt unverändert
2. Wenn alle in die Welt gesetzten Nachkommen aller Individuen einer jeden Generation überlebten und sich vermehrten, würde die Populationsgröße exponentiell anwachsen (Bevölkerungsentwicklung)
3. Die Verfügbarkeit von Ressourcen ist begrenzt
4. Kein Individuum gleicht exakt dem anderen; jede Population enthält eine unvorstellbar große phänotypische Variabilität
5. Diese phänotypische Variabilität hat eine genetische Grundlage (Lexikon der Biologie)

Anhand dieser Beobachtungen konnte Darwin nun mehrere Schlüsse ziehen. Der Fortpflanzungserfolg und somit auch das Überleben einer Spezies hängen nicht von Zufällen, sondern geno- und phänotypischen Beschaffenheit ab. Wer der natürlichen Umwelt, durch zufällige Mutationen, am besten angepasst ist, hat folglich die höchste Fortpflanzungsrate und somit auch die höchste Überlebenschance. „Unterschiedlicher Fortpflanzungserfolg ist demnach nicht zufällig, da er eine Konsequenz der natürlichen Auswahl (Selektion) ist“ (ebd.). Im Verlauf der Generationsfolge führt diese beschriebene Selektion zu maßgeblichen Veränderungen in der Population einer Spezies, also zu dem was wir letztendlich Evolution nennen.

Soviel zum biologisch-wissenschaftlichen Teil, doch um die Leitfrage beantworten zu können muss auch die philosophische Teildisziplin der Tierethik betrachtet werden. Der Begriff der Ethik stammt aus dem griechischen und kann in etwa mit Sittenlehre übersetzt werden. Etwas komplexer formuliert ist es der Teil der Philosophie, der sich mit dem richtigen Handeln, mitsamt Moral, Gesetzen und Normen, und ihren Begründungen beschäftigt und lässt sich somit in die Moralphilosophie einordnen (vgl. Wagner, 2013: 3f). Peter Singer zufolge sei Ethik somit „ein Produkt des sozialen Lebens, das die Funktion hat, Werte zu fördern, die den Mitgliedern der Gesellschaft gemeinsam sind“ (ebd.). Überträgt man diese Aussage bzw. diesen Grundgedanken auf das Tierreich, ergibt sich die Frage wie der Mensch sich gegenüber nichtmenschlichen Tieren verhalten soll „und die Formulierung begründeter Antworten auf diese Frage“ (ebd.).

Grundsätzlich wird hierbei zwischen zwei ethischen Hauptrichtungen unterschieden. Beim Anthropozentrismus (Anthropos: gr. für Mensch) steht der Mensch im Mittelpunkt und ist, hierarchisch gesehen, an oberster Stelle. Dies wird damit begründet, dass der Mensch eine Seele hat und folglich die Fähigkeit besitzt moralisch und vernünftig zu handeln (Wagner 2013: 4f). Descartes etwa kann den Tieren „wohl auf Grund religiöser Überzeugung, an der er festhält, eine solche Seele nicht zubilligen [und muss] behaupten, [sie] seien reine Automaten“ (Störig, 1999: 366f. zitiert nach Wagner, 2013: 4). Der Physiozentrismus im Gegensatz dazu ist darauf bedacht, den moralischen Status als solchen auf größere Bereiche der Natur auszubreiten. Eine wichtige Unterdisziplin ist hierbei der Pathozentrismus (pathos: gr. für Leid), welcher die Ansicht vertritt, dass einige Tierarten, zumindest die höher entwickelten, durchaus in moralischer Hinsicht mit dem Menschen vergleichen werden können, da sie in der Leidensfähigkeit den Menschen recht ähnlich sind (ebd.). Diese und ähnliche verschiedene Ansichtsweisen der Tierethik, bzw. des Mensch- Tier Verhältnisses führen schließlich zu modernen Fragen bezüglich des Tierschutzes oder des Tierrechts und werden im nächsten Punkt näher betrachtet.

3. Der moralische Status von Tieren

3.1 Utilitarismus

Der Utilitarismus zählt zu eine der wenigen Moraltheorien, welche die Tiere stets einbezogen hat und ist somit dem Physiozentrismus zuzuordnen. In den meisten Fällen wird der Utilitarismus mit dem berühmten Bentham Zitat erklärt und legitimiert:

Der Tag mag kommen, an dem der Rest der belebten Schöpfung jene Rechte erwerben wird, die ihm nur von der Hand der Tyrannei vorenthalten werden konnten. Die Franzosen haben bereits entdeckt, dass die Schwärze der Haut kein Grund ist, ein menschliches Wesen hilflos der Laune eines Peinigers auszuliefern. Vielleicht wird eines Tages erkannt werden, dass die Anzahl der Beine, die Behaarung der Haut oder die Endung des Kreuzbeins ebenso wenig Gründe dafür sind, ein empfindendes Wesen diesem Schicksal zu überlassen. Was sonst sollte die unüberschreitbare Linie ausmachen? Ist es die Fähigkeit des Verstandes oder vielleicht die Fähigkeit der Rede? Ein voll ausgewachsenes Pferd aber oder ein Hund ist unvergleichlich verständiger und mitteilsamer als ein einen Tag oder eine Woche alter Säugling oder sogar als ein Säugling von einem Monat. Doch selbst wenn es anders wäre, was würde das ausmachen? Die Frage ist nicht: können sie verständig denken? Oder: können sie sprechen? Sondern: können sie leiden? (aus: Wolf, 2012: 34f).

Die Grundvoraussetzungen des Utilitarismus lauten, dass Schmerz und Leiden als negativ und Gluck und Lust als positiv aufzufassen sind. In der Moralphilosophie geht es darum ersteres zu lindern und letzteres zu vermehren. Nicht der Begriff des Rechts oder der Pflicht spielen hier die entscheidende Rolle, sondern des moralisch (rechten) Handelns. Das große Ziel moralischen Handels ist es letztendlich die Verringerung des Gesamtleidens auf der Welt zu gewährleisten bzw. im Umkehrschluss Vermehrung des Gesamtglücks, „[und] was letztlich gut ist, daher das Glück nicht im subjektiven Sinn, sondern das Glück insgesamt und als solches“ (ebd.) zu ermöglichen.

Singer zufolge reichen die Überlegungen des klassischen Utilitarismus zwar aus um alle Praktiken moralisch zu verurteilen, mit denen die Menschheit Tiere große Leiden zufügt, jedoch lässt sich auf dieser Basis ein Verbot der Tötung von Tieren, sofern dies schmerzlos erfolgt, nicht direkt begründen. Vollständigkeitshalber sollte erwähnt werden, dass auch gegen das schmerzfreie und notwendige Töten von Menschen keine weitere Begründung vorliegt (Wolf, 1992: 62f). Es gibt nur einige indirekte moralische Gründe gegen Mord und Totschlag im Utilitarismus. Zum einen wären das die damit verbundenen leiden des Opfers, zweitens das Leiden der Angehörigen des Opfers und zuletzt die Verunsicherung sowie Angst der restlichen Gesellschaft, welche sich vor eventuellen Anschlägen fürchtet. „Gegen eine heimliche, rasche und schmerzlose Ermordung eines zur Hauptsache an Gicht leidenden Eremiten gibt es aus dieser Sicht überhaupt keinen moralischen Grund. Dieser Mord hat vermutlich sogar die Summe der Leiden in der Welt verringert“ (ebd: 64). Die Schlussfolgerung, zeitgleich auch Singers Vorschlag, ist es, den Utilitarismus beizubehalten, jedoch nur auf „empfindungsfähige Wesen“ (ebd.) zu begrenzen, welche ein Interesse daran haben Lust zu erleben sowie Schmerz zu lindern oder gar zu vermeiden, auch wenn sie kein Selbstbewusstsein haben.

3.2 Die Rechte von Tieren

Es gibt eine Reihe moralphilosophischer Ansätze die sich mit Theorien (moralischer) Rechte von Tieren beschäftigen. Ein Beispiel hierfür ist Leonard Nelson. Nach seiner Auffassung besitzen Tiere zwar keinerlei autonome Vernunft, welche die menschliche Spezies schließlich einzigartig macht, jedoch besitzen sie mehrere Interessen und haben dadurch automatisch moralische Rechte. Des Weiteren vertritt er die Position, „dass bereits jedes Lebewesen, welches Interessen hat, als Zweck an sich selbst existiert und als solches wertvoll ist, und dass es dadurch grundlegende moralische Reche besitzt und moralische Rücksicht verdient“ (Wolf, 2012: 47).

Ein anderer, ebenso wichtiger, Vorreiter ist der US-amerikanische Philosoph Tom Regan, der die Ansicht vertritt, dass Tieren exakt die gleichen moralischen Werte wie Menschen zugesprochen werden sollten Zeitgleich kritisiert Regan auch den konventionellen Tierschutzgedanken, da jener „die Tierausbeutung reglementiere und damit auch die Auffassung stärke, Tiere durften zum Zweck des Menschen ausgebeutet werden“ (Wagner, 2013: 4f). Unterstützt wird Regans Ansicht durch den US-amerikanischen Rechtsprofessor Gary L. Francione, welcher behauptet, dass kein Tier als Ressource oder Ware für den Menschen angesehen werden darf, welches leidensfähig ist oder eine Wahrnehmung besitzt (ebd.).

Menschenrechte wie körperliche Unversehrtheit und körperliche Freiheit basieren auf der Würde des Menschen, die ihrerseits als Produkt seiner Autonomie angesehen wird. Man kann diese Rechte auch Würderechte oder „fundamentale Immunitäten“ nennen (Kaplan, 2014: 243f), welche im Folgenden jedoch als Grundrechte bezeichnet werden.

Schimpansen und Bonobos werden meist als erstes bei der Diskussion um Tierrechte aufgeführt. Sie sind des Menschen nächste Verwandte und ähneln sich in vielerlei Hinsicht, sei es biologischer oder soziokultureller Natur. Nicht weniger Wissenschaftler sind der Ansicht, dass solche Tierarten gleiche, oder zumindest angepasste, Grundrechte wie der Mensch haben sollten. Auch Regan ist der Ansicht, dass u.a. diese beiden Menschenaffen nicht nur das Recht auf körperliche Freiheit und Unversehrtheit haben sollten, sondern darüber hinaus auch das Recht sich zu vermehren, ihre Kinder zu behalten und eine angemessene Umgebung genießen sollten.

Auch sind Schimpansen und Bonobos nicht keineswegs die einzigen Tiere, denen Grundrechte zugesprochen werden sollten. Vielmehr sollte systematisch geprüft werden, welche Rechte, welche Tieren aufgrund und gemäß ihrer Autonomie zugestanden werden sollte. Ein naheliegender Ausgangspunkt für solche weiteren sorgfältigen Analysen zwecks Feststellung, welchen weiteren Tieren Grundrechte zugesprochen werden sollten, sind jene Tiere, die Menschen, Schimpansen und Bonobos am nächsten verwandt sind, also Orang-Utans, Gorillas und anderen Affen Zahlreiche Tests und Beobachtungen legen aber nahe, daß vielen weiteren Tieren, z.B. Delfinen, Walen, Elefanten, Krähen, Raben und Graupapageien legitimerweise Grundrechte zugesprochen werden müssten. (Kaplan, 2014: 31f).

Es wird also klar, dass diese Thematik sehr komplex und zum Teil widersprüchlich ist. Wieso sollte den Insekten keine Grundrechte zugesprochen werden? Woher wissen wir, dass diese Tiere kein Leid empfinden bzw. ertragen? Wo ziehen wir den Strich zwischen noch moralisch vertretbar und nicht mehr moralisch vertretbar und noch viel wichtiger, wer zieht diesen Strich?

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Details

Seiten
18
Jahr
2017
ISBN (eBook)
9783668966802
ISBN (Buch)
9783668966819
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v489452
Institution / Hochschule
Universität Hildesheim (Stiftung) – Institut für Geographie
Note
1,7
Schlagworte
Tierethik Umwelt Nachhaltigkeit Wolf Mensch-Wolf Beziehung Tierethik# Ethik Schlüsse

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Titel: Tierethik. Welche Schlüsse lassen sich aus der Beziehung "Mensch-Wolf" ziehen?