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Inwieweit stellen philosophische Ansätze durchsetzbare Handlungsoptionen in der Umwelt dar? Teleologische Theorien, deontologische Theorien und Tugendethik

von InkTeach19 (Autor)

Hausarbeit (Hauptseminar) 2014 41 Seiten

Geowissenschaften / Geographie - Politische Geographie

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die philosophische Disziplin der Teleologie
2.1. Grundgedanke
2.2. Begriffsdefinitionen
2.3. Fragestellungen der Teleologie
2.4. Teleologische Beispiele
2.4.1. Teleologie in der Schöpfungslehre
2.4.2. Teleologie in der Biologie
2.4.3. Teleologie in der Medizin
2.5. Vergleich und Fazit

3. Die philosophische Disziplin der Deontologie
3.1. Binnendifferenzierung der Deontologie
3.2. Immanuel Kants kategorischer Imperativ
3.3. Kritik

4. Grundsätze der Tugendethik
4.1. Der Begriff der Tugend
4.2. Der Begriff der Ethik
4.3. Definition Tugendethik
4.4. Tugendtafeln
4.4.1. Tugendtafel Platons
4.4.2. Tugendtafel Aristoteles
4.4.3. Tugendtafel Aquins

5. Vergleich der Ansätze in Hinblick auf die Umweltethik

6. Fazit

Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Anhang

1. Einleitung

Der Begriff der ‚Verantwortung‘ ist allgegenwärtig. Wir können die Verantwortung für ein Projekt in der Arbeit oder in der Schule übernehmen, aber auch für ein Haustier, also ein lebendiges Wesen muss eine gewisse Verantwortung übernommen werden. Neben der, mehr oder weniger, freiwilligen Übernahme von Verantwortung existiert das natürliche Verantwortungsempfinden bei Menschen, z.B. bei Eltern, die von Natur aus ein intuitives Gefühl haben die volle Verantwortung für ihre Nachkommen übernehmen zu müssen – zumindest bis zu einem gewissen Lebensalter. Das verantwortliche Handeln oder das Erziehen zu Verantwortung sind ebenfalls Varianten des Verantwortungsbewusstseins. Wenn man sich vor Augen hält, dass das Wort ‚Antwort‘ darin beinhaltet ist bekommt es einen weitaus tieferen Sinn. Dort wo es eine Antwort gibt, gibt es jedoch auch eine Frage. Diese variieren wiederum je nach Disziplin oder Umfeld in dem man sich bewegt. (Brenner2,0086:8f)

Die Fragen, die im Zuge dieser Studienarbeit geklärt werden sollen, beziehen sich auf den umweltethischen Gedanken und den daraus resultierenden Folgen und Fragen, speziell unter den Gesichtspunkten der Teleologie, der Deontologie und der Tugendethik. Gibt es einen bestimmten Zweck des menschlichen Daseins bzw. der menschlichen Existenz? Ist ein optionaler Lebensweg zu benennen, welcher als durchweg gut oder richtig einzuordnen ist? Zu welchem Verhältnis steht der kultivierte und sittliche Mensch zu seiner restlichen biotischen und abiotischen Umwelt? Diese Fragen scheinen auf dem ersten Blick nicht in die Disziplin der Geographie, oder hier speziell der Umweltkunde zu passen, allerdings ist das moralisch- ethische Verständnis des Menschen als Lebewesen eine Grundvoraussetzung für die Geographie, da diese die „ W issenschafvt onderErdeundihremAufbauv, onder Verteilung undVerknüpfungderverschiedenstenErscheinungenundSachverhaltederErdoberfläche, besondershinsichtlichderWechselwirkungzwischenErdeundMensch“(duden.de ) ist. Um diese Wechselwirkung zwischen Mensch und Umwelt ausreichend in ihrer Komplexität zu verstehen, ist eben dieses Verständnis des menschlichen Wesens unter dem Aspekt der oben genannten Theorien unumgänglich. Insofern muss die Disziplin der Philosophiegeschichte in erster Linie miteinbezogen werden, um grundlegende Fragen der Moral und Ethik beantworten zu können.

Hierfür ist zunächst eine Auseinandersetzung mit der allgemeinen Ethik bzw. der Moralphilosophie unabwendbar. Vereinfacht ausgedrückt ist die Ethik die Lehre vom menschlichen Handeln, unter Berücksichtigung des moralisch Richtigen (das Gute) und des moralisch Falschen (das Schlechte). Folglich versucht sie die Frage nach dem ‚Wie soll etwas sein?‘ zu beantworten, indem Entstehung und Entwicklung moralischer und für die Gesellschaft geltende Normen in der kulturellen Evolution der Menschen verfasst, untersucht und kritisiert werden.

(Teutsch1,9853:3ff)

In der Regel handeln alle Menschen mit dem Denken und in der Absicht das Richtige oder das Gute zu tun und, dass dies von der Gesellschaft auch als solches angesehen wird. Wenn dies jedoch nicht der Fall ist, entsteht ein Gefühl der Unsicherheit, welches wiederum Diskussionen entstehen lässt und Fragen aufwirft was denn letztendlich das Richtige sei. Ist es naturgegeben oder beruht es auf einer menschlichen Entscheidung? (Andersen,2005²:2 ). Mit dieser Problematik und der daraus entstehenden Fragestellungen beschäftigt sich das Feld der (Moral- )Ethik (Brenner2,0081:20) . Die Umweltethik ist dabei eine bestimmte Form der angewandten Ethik, was bedeutet, dass nicht nur die reine Theorie des Handelns betrachtet wird, sondern „das Handeln im konkreten Zusammenhang“(Brenner2,0081:20).

Dass die Umweltethik eine wichtige Form der Ethik geworden ist, zeigt, dass sie eine der wenigen, wenn nicht gar die einzige Ethik ist, die keine begrenzten Folgen für den einzelnen Handelnden und sein direktes Umfeld hat, sondern durch die Umweltkrise für die gesamte Menschheit (Teutsch1, 9851: 08) . Diese Studienarbeit soll daher zudem zeigen, dass sich die Menschen schon seit der Antike mit der Verantwortung gegenüber der Umwelt beschäftigt haben und die Brisanz dieses Themas in den letzten Jahrhunderten in der Philosophie soweit gestiegen ist, dass es nicht mehr ignoriert werden sollte.

2. Die philosophische Disziplin der Teleologie

2.1. Grundgedanke

Die Teleologie ist als Teildisziplin der Ethik die Lehre nach der Zielgerichtetheit, um die Frage nach dem Sinn und Zweck zu beantworten. Der Begriff "Teleologie" setzt sich aus den altgriechischen Wörtern "τέλος", dem Ziel, und "λóγος", der Lehre, zusammen. Sie ist die Lehre vom Ziel bzw. dem Sinn einer Handlung oder Denkweise und geht davon aus, dass alle Handlungen „ ausschließlichvonihrenFolgen hersittlichbeurteiltwerden (Böckle, 19913:05). Würde man nach dieser Ideologie leben und handeln könnten jegliche Entscheidungen und Normen im gesellschaftlichen Raum ausschließlich unter Rücksichtnahme aller kalkulierbaren Folgen des Handelns begründet werden (Böckle, 1991: 306).

Weitergehend ist die Unterscheidung zwischen Gütern und Werten ausschlaggebend, welche dem menschlichen Handeln vorgegeben sind. Die Würde, Sexualität oder auch die Gesundheit eines Menschen sind Güter, welche bei Handlungen im Vorfeld unbewusst eine wichtige Rolle spielen. Die Abwägung und ggf. die Verletzung dieser Güter tritt im Laufe des Lebens eines jeden Menschen mehrmals ein (Böckle1,9913:11).

Der Begriff des Wertes wiederum ist handlungsbezogen und findet bewusst vor oder während der Handlung statt (Böckle1,9912:4).

Laut des teleologischen Gedankens sind die Güter und Werte begrenzt und durch das Relativieren dieser entscheiden alle Menschen niemals a priori, also ohne Einbezug jeglicher Sinneserfahrung. So gesehen ist also jede Entscheidung die ein Mensch trifft eine gewisse Vorzugswahl durch das Abwägen von Gütern und Werten. Um ein optimales sittliches Handeln zu garantieren sollten im Vorfeld alle in Frage kommenden und erkennbaren Werte und Umstände in die Entscheidungsfindung einbezogen werden. (Böckle1,9913:07).

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass ein Verhalten oder eine Entscheidung folglich niemals für alle Zeit in gleicher Weise oder unabhängig von jedem möglichen Umstand/Bedingung und damit ausnahmslos als gut oder schlecht gelten kann (Böckle, 1991: 307).

2.2. Begriffsdefinitionen

Soviel zu der allgemeinen Definition der Teleologie. Jedoch unterscheidet man drei Arten des teleologischen Denkens wenn man sich intensiver mit dem Thema befasst.

Zum einen ist bei Vorgängen in der Natur ebenfalls vom Terminus Teleologie die Rede. Laut Aristoteles, welcher als erster Philosoph gilt, der methodische Überlegungen zu diesem Thema vorlag,

"können Naturprozesse, natürliche Endzustände und Organismen sinn- und zweckvolle Einrichtungen (z. B. das Fell als Kälteschutz etc.) zugeschrieben werden, sodass Ziel- und Zweckkategorien zur Erklärung naturaler Vorgänge geeignet erscheinen "(philosophisches- wörterbuch.de). Er benennt somit natürliche Gegebenheiten und Eigenschaften, welche von vornherein einem bestimmten Sinn und Zweck erfüllen. Im Laufe der Jahrhunderte wurde dieses Modell Aristoteles' dem mittelalterlichen "Ordo-Gedanken" angepasst, welcher die Erschaffung der Welt durch Gott beschreibt. Bei diesem Modell bewegt man sich weg von dem Gedanken der einzelnen Naturvorgängen und Endzuständen von Organismen und versucht eine allgemeine kosmologische Ansicht zu finden, bei welcher ein größerer Zusammenhang besteht und alle Dinge einen Platz in der für die Menschen ausgerichteten Ordnung einnehmen. Diese Ansichtsweise legitimierte zum einen die Existenz des Leidens, hinsichtlich auf die Gerechtigkeit Gottes und die Komplexität der Ordnung und zum anderen die Existenz Gottes und seiner Erschaffung der Erde als solche (Kullman1n989: KapiteIlV).

Erst in der Neuzeit wurde dieses Modell aufgehoben und durch die neuzeitliche Physik und die mechanischen Erklärungen in der Natur ersetzt. Eine objektive Theorie ist laut Kant nicht unmöglich, jedoch ist die Teleologie als "Zuschreibung von Zwecken für das Verständnis der Organismen [...] unverzichtbar"(Ricken19982:15-240).

Seit dem 20. Jahrhundert beschreibt die organismische Biologie die Teleologie als eine Systemgesetzlichkeit um die Wissenschaft der Steuerung und Regelung (Kybernetik) ein "zielgerichtetes Verhalten auf das Wirken eines (evolutionär entstandenen) Programms zurückzuführen"(philosophisches-wörterbuch.de).

Die zweite Definition bezieht auf die moralischen Begründungen von Entscheidungen, ähnlich wie bereits weiter oben aufgeführt. Die Frage nach dem höchsten Gut des Handelns soll um seiner selbst willen beantwortet werden. Der sogenannte Konsequentialismus beschreibt dabei die Realisierung dieser erstrebenswerten Güter. Hierbei kann man zwischen einfachen (monistischen) und mehrfachen (pluralistischen) Theorien unterscheiden, welche ein einzelnes bzw. mehrere Güter als Ziel haben. Des Weiteren werden Theorievarianten unterschieden, welche sich um die Dimensionen der Auswirkungen von Handlungen befassen. So gibt es einerseits die egoistische Theorievariante, die nur direkte Folgen auf den Handelnden zu berücksichtigen braucht und die universalistische Variante, die nur dann als gut angesehen werden kann wenn die positiven Folgen im gesamten Universum mindestens genau so groß sind wie die negativen (philosophisches-wörterbuch.de).

Die Kritik an dieser teleologischen Theorie ist die Frage nach der Gerechtigkeit. Gerechtigkeitsprinzipien lassen sich insofern nicht teleologisch begründen, da jedes Individuum Rechte hat "die auch im Interesse der Realisierung außermoralischer Güter nicht aufgehoben werden dürfen, (philosophisches-wörterbuch.de), sodass die Person nicht zum bloßen Mittel gemacht wird.

Zuletzt wird der Terminus Teleologie als ein wesentliches Denkmodell der klassischen Philosophie der Geschichte interpretiert. Hierbei wird zum einen angenommen, dass das Geschichtsgeschehnis einem logischen und in sich schlüssigen und planvollen teleologischen Hintergrund zugrunde liegt und nicht planlos und willkürlich abläuft, sondern aus der Dringlichkeit heraus entsteht. Zum anderen wird die Geschichte auf diese Weise interpretiert, als dass es möglich ist diese in ihrer Komplexität zu verstehen und in der Lage zu sein sie zu rekonstruieren. (philosophisches-wörterbuch.de).

Im "Oxford English Dictionary" wird der Begriff Teleologie" folgendermaßen definiert: "the doctrine or study of ends or final causes"(ausWoodfield1, 976:1) . Allerdings wird diese Definition nicht mehr häufig benutzt und wurde durch den Begriff des "Zwecks" ersetzt. Woodfield1,976:1)

2.3. Fragestellungen der Teleologie

Genug zu den Theorien und Definitionen der Begrifflichkeiten. Was genau sind die essenziellen Fragen mit denen sich die Teleologie beschäftigt? Sind diese alltäglich und betreffen uns direkt oder handelt es sich hierbei um eine abstrakte Denkweise in der Philosophie?

Hartmann (1951:1) beschäftigt sich in seinem Werk mit dem Gedanken der Erschaffung der Erde durch Gott. In diesem Beispiel handle selbst Gott nach dem teleologischen Gedanken, indem er für all seine Werke den letztendlich moralisch-sittlichen Zweck erfülle. Der Regen diene beispielsweise zur Bewässerung der Äcker und der Wind zum Antrieb der Segel der Schiffe. Dürre, die die Saat verdirbt sowie Unwetter seien die "Ungunst unerforschlicher Absicht"(Hartmann:1951:1) . Doch selbst diese scheinbaren Katastrophen sind die Gunst eines höheren Willens. Selbst in Kriegs- und anderen Notsituationen, in denen der Mensch so nah dran ist dieses Denken des höheren Willens umzuwerfen, bricht er irgendwann ein und ergibt sich dessen. Und genau nach Gottes Ebenbild handle auch der Mensch. Er erschafft, baut, plant, organisiert und regelt Werke um etwas zu schaffen was einen Zweck erfüllt.

Bereits diese recht einfachen Gedanken und Annahmen sind laut Hartmann schon recht komplexe, weltanschauliche und geformte teleologische Denkstrukturen. Der Mensch hat sich schon immer als ein Abbild seiner selbst in den höheren Mächten gesehen, er sieht sich als etwas Verwandtes und Ähnliches. Infolgedessen gewinnt ein jedes Geschehen, auch wenn es noch so negativ ist, einen Sinn, dessen Absichten die Menschheit zwar nicht erkennt, da sie verborgen sind, jedoch gegen diese anzukämpfen sinnlos erscheint. Trotzdem begeht der Mensch immer wieder denselben Fehler und versucht dennoch dagegen anzukämpfen und die Theorie zu hinterfragen, findet allerdings keine alternative Antwort. Aus diesem unendlichen Scheitern heraus bildet sich eine Art Regel: Alles was geschieht ist vorbestimmt. Diese Regel bzw. diese Art zu Denken ordnet Hartmann nicht mehr zu teleologischem Denken ein, sondern nennt es "Vorsehungsglaube"(19511:-2).

Hansmann beschreibt die Teleologie als "Darstellung ziel- oder zweckgerichteter Prozesse, wobei die Bestimmung der Ziele bewusst vorgegeben oder erwünschte Zwecke absichtlich unterstellt werden"(1992:9). Als Beispiele führt er das Bildungswesen auf, welches durch Parteien, Verbände, oder auch teilweise durch die Kirche, Strukturen und gewisse Bildungsziele vorgegeben bekommt, die erreicht werden müssen. Weiterhin führt er auf, dass teleologisch basierte Argumentationen den konkreten Zielbegriff möglichst vermeiden, da dieser recht "eng" formuliert wird und in der Praxis so gut wie nie realisierbar sei. Der Begriff des Zwecks sei dabei sinnvoller, so Hansmann, da dieser variabler sei und den Lehrpersonen in ihrem pädagogischen Lehrerhandeln mehr Freiheiten verschaffe.

Dieses Beispiel steht stellvertretend für die neuzeitliche Teleologie, die sich in zwei unterschiedliche Vermittlungsmodelle aufteilen lässt. Zum einen umfasst es die logisch- geordnete und perfektionierte Organisation der menschlichen Natur. Diese charakterisiert sich durch die "Momente der Selbsterhaltung, des Strebens nach Steigerung, der Organisation durch Prozesse, der Bildung des theoretischen und praktischen Bewusstseins und der Vollendung individuellen Lebens in gelingendem Handeln"(Hansmann1,9921:1) . Zweierlei Faktoren wiederum sind entscheidend für den Bewusstseinsprozess, vorstrukturierte motorische Fähigkeiten der Natur und die vorgebildeten kulturellen Erfahrungen der Menschen, die für einen individuellen Charakter der Bildungsprozesse und Vermittlungsstrukturen sorgen.

Neben diesem Modell existiert noch die Struktur der Natur, deren "Grund , den Zweck und das Prinzip ihrer Bewegung in sich selbst hat und nicht durch einen äußeren Beweger in Gang gehalten sowie in ihrem Zustand gehalten wird (Hansmann1, 9921: 0) . Der Zweck der Erhaltung und der artgemäßen Entwicklung sind hierbei die beiden Merkmale die am stärksten herausstechen. Der Samen einer Pflanze wächst zu einer anderen Pflanze der gleichen Art, sowie das Ei eines Huhns zu einem Küken wird. Es scheint auf dem ersten Blick keine tiefere Bedeutung zu haben, jedoch ist die Bedeutung/der Zweck lediglich die Erhaltung.

Gegenüber stehen sich also das Merkmal der Erhaltung (Natur) und das der Verbesserung/ Steigerung (Mensch). Diese beiden Modelle stellen Hartmanns neuzeitliche Teleologie dar, welche für eine zureichend zu interpretierende Disziplin steht.

Es ist anzunehmen, dass die wohl berühmteste Frage teleologischen Hintergrunds die nach dem Sinn des Lebens ist. Es ist nicht gewagt zu behaupten, dass sich die meisten Menschen zumindest einmal in ihrem Leben diese Frage gestellt haben und darüber nachgedacht haben. Woodfield (1976:1) setzt sich mit genau dieser Fragestellung auseinander. Er beschreibt das Phänomen, dass bei relativ vielen Menschen, die sich nachts in größeren Wüstengebieten befinden exakt diese Frage stellt. Der meist klare Himmel lässt ansatzweise die Unendlichkeit des Universums erahnen, welche die Menschheit wiederum nur beschränkt logisch erklären kann. In diesen Situationen, so Woodfield, vergleichen die meisten Personen ihr eigenes Leben auf der Erde mit der Unendlichkeit und Weite des Universums und verfallen in ein Gefühl der Unbedeutsamkeit. Weitergehend stellt sich die Frage ob das Leben, die Existenz an sich, das gesamte Universum aus einer Anreihung von zufälligen Ereignissen ist, oder ob ein tieferer und bedeutungsvollerer Zweck dahinter verborgen ist. Überlegungen solcher Art sind reiner teleologischer Natur und lassen sich bei der Mehrzahl der Menschheit finden

( Wo odfield1976:1-2).

Der Mensch ist neugierig geboren und versucht in seinem alltäglichen Leben alles zu hinterfragen, was er nicht versteht und den Sinn und Zweck zu verstehen. "Wofür ist das?", "Was macht er da?" oder "Wieso ist das so?" sind bekannte Fragestellungen teleologischen Charakters. Die Teleologie lässt sich nicht als ein Themengebiet oder eine Disziplin eingrenzen und in eine (mentale) Schublade verstauen, sie ist allgegenwärtig und unabhängig von Themen oder bestimmten Gebieten (Woodfield1,976:1-2).

2.4. Teleologische Beispiele

Welchen Stellenrang hat der Mensch jedoch auf der Erde und womit legitimiert er seine Handlungen? Wie wichtig ist oder war die Teleologie in verschiedenen wissenschaftlichen Gebieten? Hält man sich an die Teleologie, so müsste der Mensch mit seinem Handeln ausnahmslos das Gute, moralisch Richtige verfolgen. Anhand von Beispielen in der Schöpfungslehre, der modernen Biologie und der Medizin soll versucht werden diese Fragen zu beantworten.

2.4.1. Teleologie in der Schöpfungslehre

Im Folgenden wird angenommen, dass der Mensch als Geschöpf Gottes erschaffen wurde und dementsprechend auch partizipiert indem er Teil des "Ewigen Gesetztes" ist, welches die gottgegebene Hierarchie der Lebewesen beschreibt. Infolgedessen natürlichen und vielschichtigen Neigungen des Menschen seelischen Ursprungs. Vielschichtig deswegen, da sie von der Erhaltung des Individuums durch den Ernährungsbetrieb, des Lebens in der Gemeinschaft und das Gemeinwohl der Spezies, bis hin zur Erkenntnis der Wahrheit (Erkenntnis Gottes bzw. des ganzen Universums) reicht. Diese letzte Erkenntnis ist ausschließlich dem Menschen zuzuschreiben, da die anderen Lebewesen dieses Planeten diese Neigung nicht besitzen. (Rhonheimer1,9879:9).

Somit ist erklärt, wie sich der Mensch selbst sieht und einordnet. Er erfährt sich selbst als einen Teil der Natur bzw. körperlichen Welt, ebenso erfährt er "seineanimalischeNatur, die EbenedersinnlichenAntriebeundNeigungenun derihreigenenDynamikals "passiod"eSreele("Rhonheimer1,987:100 ). Er empfindet eine Art naturhafter Solidarität, was sich durch das Verlangen der Weitergabe des menschlichen Lebens zeigt. Allein deswegen ist ein Mensch mehr als nur ein Individuum, durch diese Neigung der Fortpflanzung überschreitet er diese Grenze, welche zur Bildung einer Spezies - der Menschheit - führt (Rhonheimer, 1987:100 ).

Die Gottesebenbildlichkeit ist jedoch das ausschlaggebende Merkmal für die Abgrenzung/Unterscheidung zur restlichen lebenden Natur. Durch den Besitz der Seele kommt dem Menschen eine einzigartige Stellung zu, wozu er in der Lage ist Wahrheiten zu erkennen, Liebe für andere zu empfinden und Freundschaften innerhalb der Gemeinschaft zu schließen. Der Begriff der Freundschaft beschreibt allerdings nichts anderes als "das ErstrebendeGs utedseasnderenwiseeineigeneGs ut("Rhonheimer1,987:100).

"appetitus intellectualis" - die Gestalt menschlicher Liebe, ist die Begründung des Menschen für seine Freiheit, seiner personalen Autonomie, also der Verfügungsgewalt seiner eigenen Handlungen, sowie der Neigungen die sich nicht in das "Gesetz des Geistes" fügen lassen. Dieses Gesetz des Geistes stellt die Gottesebenbildlichkeit mit der Seele des Menschen dar. Mit diesen abweichenden Neigungen ist Verhalten gemeint, welches sich zwar nicht in das Gesetz einfügen lässt, jedoch durch die appetitus intellectualis der Menschheit legitimiert wird.

2.4.2. Teleologie in der Biologie

Im Feld der Biologie sorgt der teleologische Wertbegriff seit Jahrhunderten für Unstimmigkeiten zwischen den Wissenschaftlern, da die Biologie als die Lehre vom Leben/des Lebenden versucht die Annahmen der Theologie und der Schöpfungslehre durch die wissenschaftlich basierte und logische Erklärung der Evolution zu ersetzen. Kennzeichnend dafür ist der Ausdruck der "Teleonomie" in der Biologie als Alternativbegriff zur Teleologie. Der amerikanische Biologe C.S. Pittendrigh führte diesen Begriff 1958 erstmals ein. Durch diesen Begriff ist es den Wissenschaftlern möglich eine Struktur oder einen Prozess in der Natur als rein deskriptiv und zweckdienlich zu beschreiben ohne die teleologische Hypothese der Herkunft dieser Zweckdienlichkeit zu erwähnen. Stattdessen argumentieren sie mit der kausalen Erklärungsweisen und sie "geraten nicht, wie leider mit dem Ausdruck teleologisch, in den Verdacht, eine transzendente Erklärung in einen naturwissenschaftlichen Zusammenhang hineintragen zu wollen"(Hassenstein,1979).

Es ist für einen Wissenschaftler von immenser Bedeutung sich diesem Verdacht zu entziehen, da er anderenfalls die Achtung von Kollegen und ggf. Studenten verliert. Scheinerklärungen, solche wie es auch die meisten teleologischen Theorien sind wenn es nach der Wissenschaft geht, abzulehnen ist eines der unumstößlichen Grundsätzen der Wissenschaft. Häufig haben diese religiös-ideologischen Theorien die naturwissenschaftliche Forschung behindert und großartige Wissenschaftler zu Fall gebracht (Hassenstein,1979).

Der wohl bekannteste Fall in der Biologie des letzten Jahrhunderts ist der Wissenschaftler Hans Driesch. Ihm gelangen herausragende Experimente und Forschungen im Feld der Zellteilung. Ihm gelang es zwei Furchungszellen eines Seeigels in seine einzelnen Zellen zu teilen, woraus zwei harmonische ganze Larven entstehen, welche aus je halb so viel Substanz bestehen. Diese und ähnliche Erfolge waren im späten 19. Jahrhundert nicht durch kausale wissenschaftliche Begründungen zu erklären. Hans Driesch war folglich der Überzeugung, dass es dafür eine "prinzipielleUnerklärbarkeidt urchChemieundPhysik" (Hassenstein, 1979) gäbe, welche mittlerweile jedoch widerlegt werden konnte. Er war der Meinung, dass diese Formgestaltung eines organischen Systems nicht mechanistisch zu verstehen sei und nannte dieses Element der Unvollkommenheit bzw. der Unerklärbarkeit den "ganzmachenden Faktor". Mit diesem Begriff wollte Driesch erklären, dass physikalisch-chemische Wirkungen, welche von Natur aus irgendwann dazu tendieren zu zerfallen bzw. sich aufzulösen, bei ihrer Entstehung von nicht-materiellen und von außen geleiteten Faktoren gelenkt werden. Diesen Faktoren gab er, unter Berufung Aristoteles', den Namen Entelechie. Wie jedoch der Name schon verrät, war für Aristoteles die Entelechie keine unabhängige, von außen Einfluss nehmende Kraft, sondern die Eigenschaft von etwas sein Ziel in sich selbst zu haben (Hassenstein,1979).

[...]

Details

Seiten
41
Jahr
2014
ISBN (eBook)
9783668959453
ISBN (Buch)
9783668959460
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v489460
Institution / Hochschule
Universität Hildesheim (Stiftung) – Institut für Geographie
Note
1,7
Schlagworte
Umweltethik Tierethik Tierrecht Geographie Erdkunde Philosophie Ethik Umwelt Umweltschutz Handlung Globalisation Teleologie Deontologie Tugend Tugendethik

Autor

  • InkTeach19 (Autor)

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Titel: Inwieweit stellen philosophische Ansätze durchsetzbare Handlungsoptionen in der Umwelt dar? Teleologische Theorien, deontologische Theorien und Tugendethik