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Sollte die integrierte Berichterstattung zur Harmonisierung der nachhaltigen Berichterstattung in Deutschland verpflichtend eingeführt werden?

Hausarbeit 2019 16 Seiten

BWL - Unternehmensethik, Wirtschaftsethik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Das Konzept des Integrated Reporting nach IIRC
2.1. Leitprinzipien
2.2. Zentrale Inhaltselemente
2.3. Kapitalien und Wertschöpfungsprozess

3. Das Rahmenkonzept des IIRC im Vergleich zu anderen nachhaltigen Berichterstattungskonzepten

4. Fazit

I. Quellenverzeichnis

1. Einleitung

„Ab den 90er Jahren des vergangenen Jahrhunderts hat in der Rechnungslegungsforschung und –praxis eine ganzheitliche Unternehmenspublizität im Sinne einer ausgewogenen und integrativen Berichtserstattung über ökonomische, ökologische, ethische und gesellschaftliche Belange des unternehmerischen Handelns innerhalb eines Rechnungslegungsinstruments erhöhte Aufmerksamkeit erfahren.“1

Auslöser hierfür waren unter anderem Großereignisse wie die Finanz- und Wirtschaftskrise 2007, durch die verschiedene Anspruchsgruppen umfassendere und transparentere Informationen über die oben genannten Belange forderten.2 Aber auch die zunehmende Konfrontation der Gesellschaft mit Problemen wie der Erderwärmung, Globalisierung und dem technischen Fortschritt haben diese Entwicklung maßgeblich beeinflusst. In den folgenden Jahren haben daher verschiedene Organisationen und Standardsetzer Regelwerke und Leitlinien veröffentlicht, die der Erstellung von nachhaltigen Unternehmensberichten dienen sollten. Durch die Vielfalt an veröffentlichten Berichten entstand jedoch für die Berichtsadressaten und Unternehmen vielmehr eine Komplexität an verschiedenen, losgelösten Detailinformationen, welche für ihre Entscheidungsnützlichkeit nicht förderlich waren und zudem den Umfang der Unternehmensberichte immer weiter haben ansteigen lassen.

Ziel dieser Hausarbeit ist es daher aufzuzeigen, wie die nachhaltige Unternehmensberichtserstattung vor dem Hintergrund der diversen bestehenden Regelwerke und Leitlinien harmonisiert werden kann. Dabei liegt das Hauptaugenmerk der Arbeit auf dem im Jahr 2013 eingeführten Konzept des integrierten Berichterstattung und der Frage, ob die integrierte Berichterstattung zur Harmonisierung der nachhaltigen Berichterstattung verpflichtend eingeführt werden sollte.

Am Anfang der Arbeit steht eine Einführung in das Konzept der integrierten Berichterstattung nach den Vorstellungen des International Integrated Reporting Council (IIRC). Dabei werden neben der Entstehung der integrierten Berichtserstattung auch die wesentlichen Inhalte aus dem veröffentlichten Rahmenkonzept genauer erläutert. In Kapitel 3 erfolgt eine Vorstellung zweier alternativer Konzepte zur nachhaltigen Unternehmensberichtserstattung, bevor diese mit dem Konzept der integrierten Berichtserstattung verglichen werden. Ziel des Vergleichs ist die Feststellung von Gemeinsamkeiten und Unterschieden zwischen den einzelnen Konzepten.

Anhand der Erkenntnisse in den vorangegangenen Kapiteln komme ich abschließend zu einem Fazit, ob die integrierte Berichterstattung zur Harmonisierung der nachhaltigen Berichtserstattung verpflichtend eingeführt werden sollte.

2. Das Konzept des Integrated Reporting nach IIRC

Vor dem Hintergrund der zunehmenden Kritik an der bestehenden Unternehmensberichtserstattung wurde im August 2010 das IIRC durch das von Prinz Charles initiierte „The Prince’s Accounting for Sustainanility Porject (A4S)“ und die Global Reporting Initiative (GRI) gegründet. Beim IIRC handelt es sich um eine privatrechtliche Organisation, die sich aus Vertretern von Unternehmen, Investoren, Nicht-Regierungsorganisationen (WWF), Börsenaufsichtsbehörden, Wirtschaftsprüfungsgesellschaften und Wissenschaftlern zusammensetzt.3 Ziel der Gründung war die Entwicklung eines weltweit akzeptierten Rahmenkonzepts für eine integrierte Berichterstattung.

Bei der integrierten Berichterstattung nach IIRC handelt es sich um ein ganzheitliches Konzept, das Elemente aus der traditionellen Finanzberichterstattung mit nicht-finanziellen Angaben, wie beispielsweise Informationen über die Nachhaltigkeit, das Risikomanagement und die Corporate Governance eines Unternehmens verbindet.4 Im Vordergrund steht dabei nicht die bloße Zusammenführung von Geschäftsbericht und Nachhaltigkeitsbericht, sondern vielmehr die Hervorhebung der Verknüpfungen und Wechselwirkungen zwischen den finanziellen und nicht-finanziellen Indikatoren, die für eine nachhaltige Wertschöpfung eines Unternehmens wesentlich sind.

Ein integrierter Bericht soll also aufzeigen, wie sich Strategie, Führung, Leistung und Zukunftsfähigkeit eines Unternehmens im Kontext seines internen und externen Umfeldes auf die kurz-, mittel- und langfristige Wertschaffung auswirken.5

Kurz nach dem ersten Meilenstein, der Veröffentlichung des Discussion Papers „Towards Integrated Reporting – Communicating value in the 21st Century“ im Oktober 2011, startete das IIRC ein erste Pilotphase, bei der Unternehmen die Möglichkeit hatten, den vorgelegten Entwurf für ein Integrated Reporting anzuwenden und dem IIRC auf Basis der Erfahrungen Feedback zu geben. Insgesamt nahmen 85 Unternehmen und 30 institutionelle Investoren teil. Unter Berücksichtigung der Erfahrungen aus der Pilotphase 1 wurde im Jahr 2013 eine daran anschließende Pilotphase 2 gestartet, an deren Ende im Dezember 2013 das International <IR> Framework (<IR> Framework) von dem IIRC verabschiedet wurde.6

Das Rahmenkonzept folgt einem prinzipienorientierten Ansatz ohne konkrete Vorgaben zu bestimmten Leistungsindikatoren (KPIs), Angabepflichten oder Bewertungsmethoden zu machen. Es fordert von den für die Berichtserstellung verantwortlichen Personen stattdessen unternehmensindividuell zu bestimmen, welche Informationen von wesentlicher Bedeutung für die Adressaten des integrierten Berichts sind.7 Als Hilfestellung für die Frage, welche Informationen für die Beschreibung des Wertschöpfungsprozess in einem integrierten Bericht enthalten sein sollten, dienen die sieben Leitprinzipien, acht Inhaltselemente und sechs Kapitalarten, die im Folgenden genauer vorgestellt werden.

2.1. Leitprinzipien

Die Leitprinzipien dienen als Anhaltspunkte bezüglich der Frage, welche Informationen und Themengebiete in einem integrierten Bericht enthalten sein sollen. In der unten stehenden Tabelle sind die im <IR> Framework aufgeführten Leitprinzipien und deren Bedeutung für den Bericht zusammengefasst:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabelle 1: Leitprinzipien der integrierten Berichterstattung 8

2.2. Zentrale Inhaltselemente

Neben den im vorigen Abschnitt erläuterten Leitprinzipien werden im <IR> Framework auch Angaben zu den zentralen Inhaltselementen der integrierten Berichterstattung gemacht. Die insgesamt acht Inhaltselemente sind im <IR> Framework als Fragen formuliert, sodass der Inhalt der Berichterstattung individueller auf das Unternehmen und dessen Umfeld angepasst werden kann. Die im <IR> Framework vorgegebene Reihenfolge der Inhaltselemente ist dabei für die Unternehmen nicht bindend, sondern dient lediglich als Vorschlag. Der Fokus liegt vielmehr auf der Darstellung von Zusammenhängen und Interdependenzen zwischen den Inhaltselementen.9 Ein konkreteres Verständnis der Inhaltselemente soll durch die nachfolgende Erläuterung gewonnen werden:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabelle 2: Inhaltselemente der integrierten Berichterstattung 10

2.3. Kapitalien und Wertschöpfungsprozess

Das <IR> Framework unterteilt die Kapitalien eines Unternehmens in sechs verschiedene Arten. Bei den Kapitalien handelt es sich um Ressourcen, die ein Unternehmen im Rahmen seines Wertschöpfungsprozesses nutzt und beeinflusst. Dabei ist es grundsätzlich nicht von Bedeutung, ob die Kapitalien im rechtlichen Eigentum des Unternehmens stehen – maßgebend ist die wirtschaftliche Beeinflussbarkeit.11 Im Gegensatz zur klassischen Finanzberichterstattung, die sich primär auf die Ressource „Finanzkapital“ konzentriert, sind nach Auffassung des IIRC grundsätzlich sämtliche Kapitalarten in einen integrierten Bericht einzubeziehen. Das IIRC unterscheidet bei der Berichtserstattung zwischen dem Finanz-, produzierten, intellektuellen, Human-, Sozial- und natürlichem Kapital.12 Die Bedeutung der einzelnen Kapitalarten wird im Folgenden genauer erläutert:

[...]


1 Müller/Stawinoga, 2015, S. 13.

2 vgl. Ernst & Young, 2012, S. 3-4.

3 vgl. https://www.iasplus.com/de/resources/sustainability/international-integrated-reporting-council-iirc.

4 vgl. https://home.kpmg.com/de/de/home/themen/2015/01/integrated-reporting.html

5 vgl. Freidank/Müller/Velte, 2015, S. 60.

6 vgl. Barth/Beyhs, 2011, S. 2857-2858.

7 vgl. IIRC, 2013, S.7.

8 vgl. zu den Inhalten der Tabelle IIRC, 2013, S.16-23.

9 vgl. IIRC, 2013, S. 14.

10 vgl. zu den Inhalten der Tabelle IIRC, 2013, S. 24-29.

11 vgl. Berndt/Bilolo/Müller, 2014, S. 365.

12 vgl. Beyhs/Link/ Krause, 2014, S. 49.

Details

Seiten
16
Jahr
2019
ISBN (eBook)
9783668974401
ISBN (Buch)
9783668974418
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v489548
Institution / Hochschule
Nordakademie Hochschule der Wirtschaft in Elmshorn
Note
1,7
Schlagworte
sollte berichterstattung harmonisierung deutschland

Autor

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